Desinfektion: Wirkung und Risiken von Desinfektionsmitteln

Desinfektion: Wirkung und Risiken von Desinfektions­mitteln

03.04.2020
Das Wichtigste in Kürze:
  • Anhand von chemischen Desinfektionsmitteln und physikalischen Verfahren der Desinfektion lassen sich Krankheitserreger unschädlich machen.
  • Häufige Anwendungsbereiche sind die Haut- und Wunddesinfektion, die Flächen-, Instrumenten- und Wäschedesinfektion sowie die Wasserentkeimung.
  • In Privathaushalten ist Desinfektion meistens überflüssig und birgt sogar gewisse Risiken.

Bakterien, Viren und Pilze – solche Keime gibt es überall. Die meisten sind für den Menschen harmlos oder sogar nützlich, doch manche können auch Krankheiten auslösen. Viele Erreger lassen sich jedoch mithilfe von chemischen oder physikalischen Desinfektionsverfahren unschädlich machen – so können Ansteckungen verhindert werden. Welche Maßnahmen wirken gegen welche Keime, in welchen Bereichen werden sie angewendet und welche spezifischen Probleme können dabei auftreten?

Was ist Desinfektion?

Desinfektion zielt darauf ab, Keime abzutöten, bevor es zu einer Infektion bzw. zur Weiterverbreitung kommt. Laut dem Deutschen Arzneibuch verfolgt sie den Zweck, totes oder lebendes Material in einen Zustand zu versetzen, in dem es nicht mehr infektiös ist. Da Viren, Bakterien und Pilze in unserer Umwelt allgegenwärtig sind, besteht grundsätzlich immer die Gefahr, sich bei einem anderen Menschen, einem Tier oder durch anderweitigen Kontakt mit infektiösem Material mit Krankheitserregern anzustecken. So werden beispielsweise Grippeviren, die ursprünglich aus dem Tierreich stammen, hauptsächlich über Tröpfcheninfektion und Kontaktinfektion (Schmierinfektion) von Mensch zu Mensch übertragen. Ähnlich verhält es sich nach ersten Erkenntnissen beim neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2. Bakterien können ebenfalls eine Vielzahl von Krankheiten auslösen, unter anderem Keuchhusten, Scharlach und Tuberkulose. Weit verbreitet sind auch bakterielle Harnwegsinfektionen. Fußpilz wiederum ist ein Beispiel für eine ansteckende und häufige Pilzinfektion beim Menschen.

Häufige Einsatzbereiche von Desinfektionsmitteln und -verfahren:

  • Händedesinfektion
  • Wunddesinfektion
  • Flächendesinfektion
  • Instrumentendesinfektion
  • Wäschedesinfektion
  • Raumdesinfektion
  • Wasserentkeimung

Abzugrenzen ist die Desinfektion sowohl von der einfachen Reinigung als auch von der Sterilisation. Nur letztere erreicht völlige Abwesenheit von vermehrungsfähigen Keimen. Bei der Reinigung wiederum – also z. B. beim Wischen, Kehren oder Staubsaugen – werden Schmutz und Mikroorganismen mechanisch entfernt, aber nicht unbedingt abgetötet. Bei der Desinfektion wird die Anzahl der Keime so stark verringert, dass keine Infektionsgefahr mehr besteht. In welchem Ausmaß die Keimreduktion erfolgen muss, geben die Leitlinien der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) vor. Die Kommission gibt auch Empfehlungen für sogenannte Hygienepläne heraus, die von Gesundheitseinrichtungen zur Infektionsprävention umgesetzt werden müssen. Teil eines solchen Hygieneplans ist immer auch ein Reinigungs- und Desinfektionsplan, in dem Einzelheiten beispielsweise zu den anzuwendenden Produkten, zur Dosierung und zu den Einwirkzeiten geregelt sind.

Bei der Desinfektion kommen sowohl chemische als auch physikalische Verfahren zum Einsatz. Zu den physikalischen Verfahren gehören die Pasteurisation und die Dampfdesinfektion. Zu den chemischen Desinfektionsmitteln zählen unter anderem:

  • Chlor (Wasserentkeimung, Instrumentendesinfektion)
  • Wasserstoffperoxid (Flächen- und Instrumentendesinfektion, Wasserentkeimung, Haut- und Schleimhautdesinfektion)
  • Ozon (Wasserentkeimung, Instrumentendesinfektion, Raumdesinfektion)
  • Iod (Haut- und Schleimhautdesinfektion)
  • Ethanol (Haut- und Schleimhautdesinfektion, Flächen- und Instrumentendesinfektion)
  • Chlorhexidin (Haut- und Schleimhautdesinfektion)
  • Silber (u. a. Wasserentkeimung)

Nicht jedes Desinfektionsmittel wirkt gegen jeden Erreger. Welche Keime das Wirkungsspektrum des jeweiligen Produkts abdeckt, ist auf dem Etikett angegeben. Das bedeuten die Bezeichnungen:

  • bakterizid: wirkt gegen Bakterien (tuberkulozid: wirkt gegen Tuberkulose-Bakterien)
  • begrenzt viruzid: wirkt gegen behüllte Viren (z. B. Influenza, SARS-CoV-2, Hepatitis B und C, HIV)
  • begrenzt viruzid plus: wirkt gegen behüllte und bestimmte unbehüllte Viren (z. B. Norovirus)
  • viruzid: wirkt gegen behüllte und unbehüllte Viren
  • fungizid: wirkt gegen Pilze und Pilzsporen
  • sporizid: wirkt gegen Bakteriensporen

Bei der Desinfektion sind die produktspezifischen Gefahrenhinweise auf dem Etikett zu beachten. So können bestimmte Mittel die Haut und Schleimhaut reizen, Allergien auslösen oder ätzend wirken, entflammbar bzw. explosiv sein oder in Verbindung mit anderen Chemikalien giftige Gase freisetzen. Auch wirken manche Mittel toxisch oder krebserregend. Die Herstellung von Desinfektionsmitteln ist gesetzlich geregelt, etwa im Arzneimittelrecht, im Medizinproduktrecht und im Biozidrecht. Die Auswahl des richtigen Produkts bzw. Verfahrens erleichtern die Listen des Robert Koch-Instituts (RKI) und des Verbands für angewandte Hygiene (VaH).

Wann ist Desinfektion sinnvoll?

Da Desinfektion auch negative Folgen haben kann, sollte sie nicht unbedacht durchgeführt werden. So können Krankheitserreger beispielsweise durch unsachgemäße Desinfektion Resistenzen bilden und lassen sich dann zunehmend schwieriger eindämmen. Ein Beispiel dafür sind Bakterien, die sowohl gegen bakterizide Desinfektionsmittel als auch gegen Antibiotika resistent sind.

Im human- und tiermedizinischen Bereich beugen die professionelle Anwendung und der strategische Einsatz von Desinfektionsmitteln und -verfahren dieser Gefahr vor. Im privaten Bereich ist es schwieriger, die sachgemäße Anwendung zu gewährleisten – so werden Desinfektionsmittel häufig falsch dosiert oder die Einwirkzeit zu kurz gewählt. Darum raten Experten von der gewohnheitsmäßigen Verwendung von Desinfektionsmitteln im Haushalt ab. Einfache Hygiene wirkt ohne unerwünschte Nebeneffekte gegen die Verbreitung von Krankheitserregern: beispielsweise regelmäßiges und gründliches Händewaschen, eine gute Husten- und Niesetikette und gründliche Hygiene im Haushalt, etwa beim Verarbeiten von Lebensmitteln, beim Geschirrspülen und beim Wäschewaschen.

Ein weiterer Grund, im Haushalt auf Desinfektionsmittel weitestgehend zu verzichten: Sie können die Hautflora schädigen, die auf „guten“ Bakterien basiert. Geht der körpereigene Schutz verloren, wird die Haut trocken und rissig, was Hautkrankheiten begünstigen kann. Seife hingegen entfernt Schmutz und Krankheitserreger effektiv, ohne die Hautflora anzugreifen. Wann immer möglich, ist das Händewaschen also vorzuziehen, nur in Ausnahmefällen ist die Händedesinfektion sinnvoll. Nicht zuletzt sind Desinfektionsmittel auch eine Belastung für die Umwelt: Sie können empfindliche Ökosysteme stören, vor allem Gewässern. Auch in Kläranlagen können sie ausgeklügelte Systeme zur Wasserreinigung stören.

Haushalte, in denen Kranke und Pflegebedürftige versorgt werden, stellen eine Ausnahme dar: Desinfektionsmittel gehören zu den Pflegehilfsmitteln, auf die anerkannt Pflegebedürftige einen Anspruch haben.

Tipp: Erfahren Sie in einem weiteren Ratgeber, ob das Tragen einer Atemschutzmaske zum Schutz vor dem Coronavirus sinnvoll ist und welche Modelle es gibt. Allgemeine Informationen über die Vorbeugung von Krankheiten finden Sie in unserem Artikel über Prävention.

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