Richtig Händewaschen: So geht’s

Richtig Händewaschen: So geht’s

Nicht nur in Zeiten von Corona gilt: Händewaschen ist eine unverzichtbare Hygienemaßnahme. Wir erklären, was dabei zu beachten ist.

Christina Horst
Christina Horst
16.03.2020

„Wascht euch die Hände! Wie oft habe ich euch das gesagt? Nicht wegen des Coronavirus – immer!“ Dieser Ratschlag einer italienischen Großmutter in einem Erklärvideo geht gerade um die Welt. Während der aktuellen Pandemie ist es besonders wichtig, Hygieneregeln zu beachten, um sich selbst und andere zu schützen. Doch Händewaschen ist auch gegen andere Krankheiten eine einfache, aber überaus wirksame Präventionsmaßnahme. Mit unseren Hygiene-Tipps waschen Sie Ihre Hände richtig!

Nach aktuellem Kenntnisstand ist der primäre Übertragungsweg beim neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 die Tröpfcheninfektion. Das heißt: Beim Husten und Niesen sowie bei nahem Kontakt zu einer erkrankten Person ist die Wahrscheinlichkeit, sich anzustecken, besonders hoch. Möglich ist aber auch eine sogenannte Kontaktinfektion (Schmierinfektion): Das Virus kann also beispielsweise über einen Haltegriff in der Bahn, eine Türklinke, den Fahrstuhlknopf oder einfach beim Händeschütteln übertragen werden. Das gilt auch für andere Krankheitserreger, die z. B. Grippe (Influenza), Erkältungen oder Durchfallerkrankungen verursachen. Deshalb gilt nicht erst jetzt, aber jetzt besonders: Händewaschen, Händewaschen, Händewaschen!

Wie wäscht man sich richtig die Hände?

Seife verwenden und lange genug waschen – das sind die wichtigsten Tipps für das Waschen der Hände. Mit einem einfachen Experiment lässt sich beweisen, dass reines Wasser die Hände nicht gründlich von Verunreinigungen befreit. Dafür werden Keime auf der Haut mithilfe eines speziellen Gels unter Schwarzlicht sichtbar gemacht. Beim kurzen Abspülen der Hände ohne Seife bleiben die Keime so gut wie unversehrt, wie der Check unter der Schwarzlichtlampe zeigt. Zu Leibe rückt man ihnen erst mit gründlichem Einschäumen – normale Seife aus der Drogerie reicht aus. Nach 30 Sekunden sorgfältigem Einseifen und Waschen sind die Hände sauber. Diese Zeit sollte sich jeder nehmen, um sich selbst und andere zu schützen. Damit beim Händewaschen keine Fehler passieren, verraten wir in unserer Schritt-für-Schritt-Anleitung, was zu beachten ist.

Nahaufnahme vom Händewaschen mit Seife
30 Sekunden für den Infektionsschutz: Händewaschen ist schnell erledigt, ist aber eine der wichtigsten Maßnahmen zur Verhinderung von Schmierinfektionen – vorausgesetzt, man macht es richtig.

Richtig Händewaschen Schritt für Schritt

1. Hände unter fließendem Wasser befeuchten.

2. Gründlich mit Seife einschäumen. Dabei an alle Bereiche der Hand denken:

  • Handinnenflächen
  • Handrücken
  • Finger (vor allem der Daumen wird oft nicht gründlich genug eingeschäumt.)
  • Zwischenräume der Finger
  • Fingerspitzen
  • Fingernägel (insbesondere die Stelle unter den Fingernägeln, wo sich besonders häufig Krankheitserreger sammeln)

3. Hände unter fließendem Wasser abspülen. Nach 30 Sekunden sind die Hände sauber und können unter fließendem Wasser abgespült werden.

4. Hände sorgfältig abtrocknen. Unterwegs Einmalhandtücher verwenden. Zuhause sollte jeder ein eigenes frisches und trockenes Handtuch verwenden, auch Gäste. Handtücher häufig waschen – bei mindestens 60 Grad.

5. Neue Keime vermeiden. Dafür beispielsweise beim Verlassen öffentlicher Toiletten den Wasserhahn und die Türklinke nur mit einem Einmalhandtuch anfassen.

Nahaufnahme einer Hand, die einen Fahrstuhlknopf drückt
Treppengeländer, Fahrstuhlknopf und Tastatur: Unsere Hände berühren jeden Tag zahlreiche Oberflächen. Händewaschen ist wichtig, damit keine Krankheitserreger über die Schleimhäute in den Körper gelangen.

Wer sollte zusätzlich Desinfektionsmittel verwenden?

Wegen des Coronavirus nutzen aktuell viele Menschen Händedesinfektionsmittel – doch ist das notwendig? Für die meisten von uns nicht, sagen Experten. Wer weiß, worauf er beim Händewaschen achten muss und die gute Handhygiene konsequent anwendet, kann im normalen Alltag auf Desinfektionsmittel verzichten. Es sollte lediglich dann zum Einsatz kommen, wenn das Säubern der Hände mit Wasser und Seife nicht möglich ist, aber Ansteckungsgefahr besteht: beispielsweise, wenn bei einer Autobahntoilette das Waschbecken nicht funktioniert oder keine Seife vorhanden ist.

Unverzichtbar ist Desinfektionsmittel hingegen vor allem für medizinisches Personal, Pflegefachkräfte und pflegende Angehörige, denn sie versorgen Erkrankte und Risikogruppen. Deshalb haben Pflegebedürftige Anspruch auf kostenlose Pflegehilfsmittel im Wert von 40 Euro pro Monat – dazu gehört auch Desinfektionsmittel. Auch aufgrund von Vorerkrankungen besonders gefährdete Personen sollten ggf. auf Desinfektionsmittel zurückgreifen, um sich besser zu schützen. Im Fall des Coronavirus gehören dazu beispielsweise Patienten mit Lungenkrankheiten wie COPD. Im Umgang mit Kranken oder möglicherweise Infizierten in Quarantäne sind hingegen eher Maßgaben zum Selbstschutz ausschlaggebend: Abstand und Kontaktvermeidung.

Wichtig ist, dass ein wirksames Desinfektionsmittel eingesetzt wird – nicht jedes Handgel aus der Drogerie kann Corona-, Influenza- oder Noroviren bekämpfen. In der Apotheke kann man sich dazu beraten lassen, welches Präparat gegen welche Erreger wirkt. Mehr zu diesem Thema verrät auch unser Ratgeber Desinfektion.

Gut zu wissen Die Verwendung von Flächendesinfektionsmittel kann unter Umständen sinnvoll sein – beispielsweise für die Handy-Reinigung. Weil wir unsere Smartphones oft im öffentlichen Raum nutzen, befinden sich besonders viele Keime auf der Handy-Oberfläche. Ob es notwendig ist, Wäsche zu desinfizieren, verrät unser Ratgeber Wäsche waschen.

Extra-Tipp: Hände weg von Augen, Mund und Nase!

Auch wenn derzeit mehr Menschen auf eine besonders gründliche Handhygiene achten: An einen weiteren effektiven Weg, sich selbst und andere vor einer Infektion zu schützen, denken wir viel seltener. Dabei ist es – zumindest theoretisch – ganz einfach: Hände weg vom Gesicht. Da Keime auf allen Oberflächen lauern und wir unsere Hände nicht dauerhaft im Waschbecken versenken können, sollten wir uns das dringend antrainieren.

Zugegeben: Dafür braucht es viel Selbstdisziplin. Wenn eine Haarsträhne kitzelt, die Augen tränen oder wir den Kopf in die Hand stützen, sind wir meist in Gedanken versunken und bemerken gar nicht, dass wir womöglich einen Krankheitserreger in die Nähe unserer Schleimhäute befördern. Abgewöhnen kann man sich dieses Verhalten nicht von heute auf morgen, mit etwas Training lassen sich aber gute Erfolge erzielen. Dafür sollte man sich bewusstmachen, wie häufig man das Gesicht mit den Händen berührt und Reize wie beispielsweise ein Kitzeln an der Nase wahrnehmen, sie aber aushalten. Außerdem hilft: Hände in die Taschen stecken. So kommen sie auch nicht so häufig in Kontakt mit eventuell verunreinigten Oberflächen.

Eine Atemschutzmaske kann zwar den Träger nicht effektiv vor einer Tröpfcheninfektion schützen, wohl aber helfen, Mund und Nase nicht zu berühren – korrekte Anwendung vorausgesetzt. Zudem fängt sie einige Tröpfchen ab, die beim Husten, Niesen oder Sprechen entstehen und trägt somit zum Schutz anderer Menschen bei.

Tipp: Noch mehr Informationen rund um die Prävention von Krankheiten in Alltag und Pflege finden Sie in unserem Ratgeber Hygiene. Speziell für ältere Menschen und andere Risikogruppen finden Sie hier unseren Ratgeber zum Coronavirus.

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