Demenz: Verlauf, Diagnose und Behandlung

Demenz: Verlauf, Diagnose und Behandlung

12.12.2019

Bei Menschen mit Demenz nehmen die kognitiven, sozialen und emotionalen Fähigkeiten immer weiter ab. Im Verlauf der Erkrankung kommt es zu starken Einschränkungen im Alltag und sogar zu Veränderungen der Persönlichkeit. Der Prozess ist nicht heilbar, kann allerdings durch Medikamente verlangsamt werden. Erfahren Sie in unserem Beitrag mehr über die unterschiedlichen Formen von Demenz und wie Sie als Angehöriger die Selbstständigkeit von Demenzkranken fördern können.

Das Wichtigste in Kürze:
  • Demenz ist keine eigenständige Krankheit, sondern ein Zusammenspiel von Symptomen, die zeitgleich auftreten.
  • Es gibt verschiedene Formen von Demenz, die unterschiedliche Ursachen haben. Alle haben jedoch gemeinsam, dass sie die Hirnleistung dauerhaft beeinträchtigen.
  • Die meisten Demenzformen sind nicht heilbar. Eine individuelle Therapie kann den Verlauf der Krankheit jedoch verlangsamen, sodass Betroffene so lang wie möglich ihre Selbstständigkeit erhalten.

Demenz ist eines der häufigsten Krankheitsbilder im Alter. Weltweit leben rund 47 Millionen Menschen mit der Erkrankung, in Deutschland sind es Stand 2020 etwa 1,7 Millionen. Da es bis heute keine präventiven oder therapeutischen Maßnahmen gibt, mit der die Krankheit vermieden bzw. aufgehalten oder gar geheilt werden kann, wird die Zahl der Neuerkrankungen Prognosen zufolge in den kommenden Jahren und Jahrzehnten drastisch zunehmen.

Schätzungen zufolge wird es weltweit im Jahr 2030 mehr als 74 Millionen Demenzkranke geben, im Jahr 2050 könnten es schon über 131 Millionen sein – allein 3 Millionen davon in Deutschland.

Mit dem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit für Demenz. Jeder zehnte der über 65-jährigen Deutschen ist betroffen, in der Altersgruppe über 80 Jahre sind es sogar über 65 Prozent. Dementsprechend sollten sich Erwachsene damit auseinandersetzen, dass auch sie an Demenz erkranken könnten.

Deshalb ist es ratsam, eine Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht aufzusetzen, solange die eigene geistige Gesundheit uneingeschränkt vorhanden ist. Sind die kognitiven Fähigkeiten im Verlauf der Krankheit erst einmal eingeschränkt, können Betroffene häufig ihren Willen nicht mehr klar und frei äußern. Das beeinflusst beispielsweise die Geschäftsfähigkeit, bei fortgeschrittener Demenz häufig nur noch eine Betreuungsverfügung in Frage, sie ist gegenüber der Vorsorgevollmacht nicht an die uneingeschränkte Geschäftsfähigkeit ihres Verfassers gebunden.

Aber auch ganze konkrete Entscheidungen sollten rechtzeitig getroffen werden, etwa darüber wo man den eigenen Lebensabend verbringen möchte. Trotz hoher Pflegebedürftigkeit kommt nicht für jeden ein Pflegeheim infrage – dann gibt es zum Beispiel die Möglichkeit, im Rahmen des Betreuten Wohnens in eine Wohngemeinschaft für Menschen mit Demenz zu ziehen. All das sollte deshalb bei guter Gesundheit geklärt werden, um Angehörige zu entlasten und den eigenen Willen abzusichern.

Was ist Demenz?

Es gibt über 50 verschiedene Beschwerdebilder, die unter dem Begriff Demenz zusammengefasst werden. Bei allen liegt eine anhaltende oder fortschreitende Beeinträchtigung der Hirnleistungen vor – es treten typische Symptome auf, die jeweils unterschiedliche Ursachen haben. Korrekterweise spricht die Medizin deshalb von einem Syndrom (“demenzielles Syndrom”), denn kennzeichnend für die Erkrankung ist das Zusammentreffen verschiedener Beschwerden.

Laut der Weltgesundheitsorganisation ist Demenz die Folge einer chronischen Erkrankung des Gehirns mit schwerwiegenden Folgen:

  • Störungen von Denken, Auffassung, Orientierung und Gedächtnis
  • Störungen von Lernfähigkeiten, etwa beim Rechnen oder der Sprache
  • Veränderungen des Sozialverhaltens, des Urteilsvermögens und der emotionalen Kontrolle

Wie es zu diesen krankhaften Veränderungen des Gehirns kommt, ist abhängig davon, ob es sich um eine primäre oder sekundäre Demenz handelt. Während die sekundäre Demenz eine Folge einer bestehenden Erkrankung wie Depression ist, sterben bei der primären Demenz Nervenzellen im Gehirn ab. Je nach betroffenem Bereich kommt es zu charakteristischen Symptomen und Störungen der kognitiven Fähigkeiten.

Nur 10 Prozent der Demenzerkrankungen sind der sekundären Demenz zuzuordnen – der Großteil der Betroffenen leidet unter der primären Demenz. Diese Form ist nicht heilbar und Therapien können den Krankheitsverlauf nur verzögern. Anders verhält es sich hingegen bei der sekundären Demenz: Lässt sich die Grunderkrankung frühzeitig diagnostizieren und heilen, können sich die demenziellen Symptome tatsächlich zurückbilden.

Die verschiedene Demenzformen

Demenz ist nicht gleich Demenz. Je nach Ursache und ablaufenden Prozessen im Körper unterscheidet die Medizin verschiedene Formen, wobei die folgenden Demenz-Erkrankungen am weitesten verbreitet sind:

  • Alzheimer: Über 40 Prozent der Demenzkranken leiden unter der Alzheimer-Krankheit. Ursache für die Entstehung von Symptomen wie Vergesslichkeit, Sprachstörungen und Orientierungsschwierigkeiten sind möglicherweise Eiweißablagerungen an den Nervenzellen im Gehirn. Dadurch können diese nicht mehr untereinander kommunizieren und es folgen kognitive Einschränkungen. Auch der Botenstoff Acetylcholin kommt in zu geringen Mengen im Körper vor. Die Alzheimer-Krankheit ist eine neurodegenerative Erkrankung, d.h. Nervenzellen sterben unheilbar ab, was die Gesundheit von Betroffenen immer weiter schwächt.
  • Vaskuläre Demenz: Im Unterschied zur neurodegenerativen Demenz treten bei der vaskulären Demenz Gefäßveränderungen auf, die chronische Durchblutungsstörungen sowie Schlaganfälle zur Folge haben. Deshalb ist das Risiko vor allem bei Menschen mit Diabetes oder Bluthochdruck erhöht, da es bei diesen Krankheitsbildern zu Veränderungen der Blutgefäße im Gehirn kommt. Bei Betroffenen können Orientierungsschwierigkeiten oder Konzentrationsstörungen auftreten, aber auch Inkontinenz. Diese Form macht 10 Prozent der Demenzerkrankungen aus.
  • Mischform: In 30 Prozent der Fälle leiden Betroffene unter einer Mischform aus vaskulärer und Alzheimer-Demenz.
  • Lewy-Body-Demenz: Auch als Lewy-Körperchen-Demenz bekannt, ähnelt diese Art der Demenz der Alzheimer-Krankheit, denn es legen sich Eiweißreste an den Nervenzellen im Gehirn ab. Auch die Lewy-Body-Demenz gehört zu den neurodegenerativen Erkrankungen. So kommt es nicht nur zu Vergesslichkeit, sondern auch zu Orientierungsschwierigkeiten – die geistige und körperliche Verfassung der Betroffenen schwankt sehr. Allerdings bleibt das Gedächtnis länger erhalten. Nicht selten treten auch motorische Parkinson-Symptome wie Händezittern in Ruhe oder Muskelsteifigkeit auf. Etwa 15 Prozent der Demenzkranken leiden an Demenz mit Lewy-Körperchen.

Warnsignale nicht unterschätzen

Pllegerin hält Hand von Seniorin

Jede Form der Demenz hat zwar ihre charakteristischen Symptome, doch viele ähneln sich. Das liegt unter anderem daran, dass es unabhängig von der Ursache zu Schädigungen im Gehirn kommt, die sich nicht zurückbilden. Mit der Zeit verlieren Betroffene ihre Selbstständigkeit und brauchen Hilfe im Alltag.

Bei folgenden Verhaltensmustern ist eine medizinische Abklärung ratsam:

  • Betroffene vergessen immer öfter, wo sie alltägliche Gegenstände wie Schlüssel oder Portemonnaie abgelegt haben. Diese tauchen an ungewöhnlichen Orten auf, beispielsweise im Schrank.
  • Sie haben Schwierigkeiten, sich beim Lesen eines Buches oder Zeitungsartikels an den Anfang zu erinnern.
  • Betroffene verlaufen sich auf bekannten Wegen zum Supermarkt oder Arzt.
  • Alltägliche Begriffe entfallen ihnen und sie können Gespräche schwer in Gang halten bzw. Gesprächen folgen.
  • Betroffene leiden unter Lustlosigkeit und möchten nichts mehr unternehmen.

Natürlich muss hinter solchen Symptomen nicht automatisch eine Demenz stecken. Auch Schicksalsschläge, tragische Verluste, Lebensveränderungen oder Stress können mitunter solche Beschwerden auslösen. Da Betroffene manchmal dazu neigen, solche kognitiven Einschränkungen im Alltag herunterzuspielen, sollten pflegende Angehörige umso aufmerksamer sein.

Diagnose durch den Arzt

diagnostische Bilder Gehirn

Entscheidend für den Verlauf der Demenz ist eine frühzeitige Diagnose. Nur so können andere Erkrankungen wie Depression bzw. Altersdepression ausgeschlossen bzw. rechtzeitig behandelt werden. Zur Feststellung des Gesundheitszustandes des Patienten stehen dem Arzt verschiedene diagnostische Verfahren zur Verfügung.

Ausschlaggebend für die weiteren Schritte ist das Anamnesegespräch, in dessen Rahmen der Arzt nach Beschwerden fragt. Neben einer körperlichen Untersuchung sind aber auch emotionale und soziale Aspekte wichtig, da Demenz auch Persönlichkeit und Gefühle verändert. Auch Blutwerte und der Zustand des Herz-Kreislaufsystems geben Aufschluss über die Gesundheit des Patienten.

Bei Verdacht auf Demenz ordnet der Arzt zudem neuropsychologische Untersuchungen an, um die kognitiven Fähigkeiten wie die Gedächtnisleistung sowie die räumliche und zeitliche Orientierung zu testen. Auch emotionale und Verhaltensstörungen werden untersucht.

Des Weiteren können bildgebende Verfahren wie CT oder MRT die Gehirnstrukturen darstellen – Schäden und Veränderungen werden damit sichtbar. Nur wenn die Diagnose zweifelsfrei gestellt ist, kann der Arzt mit dem Patienten individuell die Therapie abstimmen.

Auswirkungen auf die Lebenserwartung

Auch wenn die unterschiedlichen Formen von Demenz ihren eigenen Verlauf haben, gibt es grundsätzlich drei Schweregrade, um die Demenz einzuteilen:

  • Frühes Stadium: Das Kurzzeitgedächtnis ist gestört.
  • Mittleres Stadium: Betroffene haben zunehmend Schwierigkeiten, gängige Aufgaben im Alltag zu lösen.
  • Spätes Stadium: Sie sind in jeglichen Bereichen des Lebens auf Hilfe angewiesen. Zusätzlich können Einschränkungen in der Sprache auftreten und Verwandte werden nicht mehr erkannt.

Wie lange Menschen mit Demenz in einem bestimmten Stadium verweilen, lässt sich nicht voraussagen, denn der Krankheitsverlauf ist individuell. Tatsächlich stimmen die Demenzerkrankungen allerdings darin überein, dass sie immer größere Auswirkungen auf die Selbstständigkeit und kognitiven Fähigkeiten des Betroffenen ausüben. Wer im frühen Stadium diagnostiziert wird, muss sich trotzdem mit der Tatsache auseinandersetzen, dass die Erkrankung schlimmer wird und er gegen Ende vollständig auf Hilfe angewiesen ist.

Auch zur Lebenserwartung lassen sich keine allgemeingültigen Aussagen treffen, da Demenz vor allem ältere Menschen trifft, die sowie mit dem normalen Alterstod konfrontiert sind. Jüngere Betroffene können also gut und gerne mehrere Jahrzehnte mit der Krankheit leben, während Ältere auch kurz nach der Diagnose sterben können.

Allerdings kann sich die Diagnose insofern auf die Lebenserwartung auswirken, da sie ein einschneidendes Ereignis darstellt. Demenz schränkt die Betroffenen im Alltag ein, sie können viele Aufgaben nicht mehr selbstständig erledigen und leiden unter Ängsten. All das löst Stress im Körper aus, welcher sich auf Psyche und vorhandene Begleitkrankheiten auswirkt. Das kann auch Immunsystem überfordern: Laut der Deutschen Alzheimer Gesellschaft sterben rund 80 Prozent der Menschen mit Alzheimer an den Folgen einer Lungenentzündung.

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