Alzheimer – Das Risiko steigt mit dem Alter

Alzheimer – Das Risiko steigt mit dem Alter

16.12.2019

Alzheimer ist die häufigste Demenzerkrankung in Deutschland. Dabei kommt es zu einem Verlust von Nervenzellen, durch den die Betroffenen unter erheblichen Beeinträchtigungen ihrer kognitiven Fähigkeiten leiden. Das ist zwar nicht tödlich, doch es erhöht die Wahrscheinlichkeit für Infektionskrankheiten, an denen viele sterben. Erkennen Sie deshalb die Frühzeichen von Alzheimer.

Das Wichtigste in Kürze:
  • Leiden Menschen unter einer Form von Demenz, ist das in den meisten Fällen Alzheimer. Bei dieser Erkrankung sterben Teile des Nervensystems unheilbar ab und es kommt zu kognitiven Beeinträchtigungen wie Orientierungs- und Gedächtnisstörungen.
  • Das Beschwerdebild ist zwar individuell, doch die Symptome werden im Verlauf der Erkrankung immer schwerer. Betroffene werden unweigerlich pflegebedürftig.
  • Für den Ernstfall sollten Behandlungswünsche und Interessen deshalb immer in Vorsorgedokumenten festgehalten werden.

Alzheimer, Alzheimer-Krankheit oder Morbus Alzheimer - die hirnorganische Erkrankung ist unter vielen Begriffen bekannt und beschreibt den langsamen, aber unaufhaltbaren Verlust von Nervenzellen und Nervenzellkontakt. Solche Zellen sind auf die Erregungsleitung und -übertragung spezialisiert und bilden das Nervensystem. Werden sie zerstört, nimmt die Leistungsfähigkeit ab und Betroffene erleben immer größere Einschränkungen in ihrer Selbstständigkeit. Sie brauchen im Laufe der Erkrankung immer öfter Unterstützung in unterschiedlichen Lebenssituationen, bevor sie im fortgeschrittenen Stadium pflegebedürftig werden.

Alzheimer kann jeden treffen, wobei die Wahrscheinlichkeit mit dem Alter steigt. Damit gehört er zu den typischen Krankheiten im Alter. Aufgrund der steigenden Lebenserwartung wird die Zahl der Betroffenen also in den nächsten Jahren und Jahrzehnten zunehmen. Ein Grund, sich schon heute mit seiner Vorsorge auseinanderzusetzen und eine Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht zu erstellen. Mit diesen Vorsorgedokumenten können Behandlungswünsche und persönliche Interessen in Situationen gewahrt werden, in denen der Ersteller seinen Willen nicht mehr bewusst äußern kann. Eine Patientenverfügung bei Demenz sollte unter Umständen durch ein ärztliches Attest erweitert werden, welches die Einwilligungsfähigkeit des Betroffenen bestätigt.

Wie äußert sich Alzheimer?

Morbus Alzheimer entsteht durch Eiweißablagerungen Im Gehirn, die dort die Sauerstoff- und Energieversorgung unterbrechen. Dadurch sterben wichtige Zellen des Nervensystems ab und das Hirn schrumpft um bis zu 20 Prozent. Zunächst ist das sog. Riechhirn betroffen, bevor sich der Prozess auf Hirnregionen ausweitet, die für die Gedächtnisleistung zuständig sind. Im späten Stadium ist die gesamte Hirnoberfläche verändert. Bis jetzt ist unklar, warum sich die Eiweiße überhaupt bilden.

Die Zellen sterben vorwiegend im sog. Cortex ab, also der Hirnrinde. Weil dort die Bereiche für Sprache, Gedächtnis und räumliche Orientierung liegen, kommt es zu einem charakteristischen Beschwerdebild mit folgenden Beeinträchtigungen:

  • Orientierungsstörungen
  • Gedächtnisstörungen
  • Sprachstörungen
  • Veränderungen der Persönlichkeit
  • Störungen des Denk- und Urteilsvermögens

Auch wenn es sich um typische Symptome handelt, sind diese bei jedem Betroffenen unterschiedlich ausgeprägt. Manche Betroffene können ihren Alltag für lange Zeit selbst bewältigen, während andere viel schneller auf Hilfe angewiesen sind. Unabhängig von der individuellen Ausprägung verschlimmern sich die Symptome aber im Verlauf der Erkrankung immer weiter. In einigen Fällen liegt auch kein Alzheimer vor, vielmehr handelt es sich um Anzeichen der Lewy-Body-Demenz, die mit sehr ähnlichen Symptomen einhergeht.

Warnsignale im Alltag

Gehirn Lupe

Alzheimer ist eine von Demenz mit charakteristischen Beschwerden. Doch bis sich diese zeigen, können mehrere Jahre vergehen. Deshalb wird die Krankheit meist erst dann erkannt, wenn das Gehirn schon Schaden genommen hat. Das äußert sich in verschiedenen Lebenssituationen:

  • Vergesslichkeit: Das Kurzzeitgedächtnis ist beeinträchtigt, sodass sich Betroffene nicht mehr an kürzliche Geschehnisse erinnern können. Es fällt ihnen beispielsweise schwer, Gesprächen zu folgen, da sie Informationen während des Gespräches vergessen.
  • Sprachprobleme: Alzheimer-Erkrankte haben Schwierigkeiten, bestimmte Begriffe zu finden. Dadurch können sie Gespräche nur schwer aufrechterhalten.
  • Orientierungsschwierigkeiten: Betroffene verlieren die Orientierung in vertrauter Umgebung. Sie finden etwa nicht mehr den Weg zum Supermarkt. Auch die zeitliche Einordnung ist betroffen. Sie können beispielsweise schwer einschätzen, wann sie etwas Bestimmtes gemacht haben.
  • Schwierigkeiten bei räumlicher Wahrnehmung: Durch die zerstörten Nervenzellen ist die räumliche Wahrnehmung eingeschränkt. Alzheimer-Patienten können Entfernungen nicht mehr richtig einschätzen und wissen nicht, wie lange sie für eine bestimmte Strecke brauchen.
  • Verlegen von Gegenständen: Durch das gestörte Kurzzeitgedächtnis können sich Betroffene nicht mehr erinnern, wo sie etwa ihre Brille hingelegt haben. Häufig finden sich solche Gegenstände an ungewöhnlichen Orten wie dem Kühlschrank wieder.
  • Veränderung der Persönlichkeit: Die körperlichen Symptome wirken sich auch auf die Persönlichkeit aus. Betroffene sind misstrauisch bei vertrauten Personen und in manchen Situationen auch verwirrt oder ängstlich. Häufig bildet sich daraus eine Depression.
  • Rückzug aus dem Alltag: Merken Menschen mit Alzheimer, dass ihre Leistungsfähigkeit eingeschränkt ist und sie nicht mehr wie gewohnt am sozialen Leben teilhaben können, ziehen sie sich immer mehr zurück. Dadurch möchten sie unangenehme Situationen vermeiden.

Mögliche Risikofaktoren

Auch wenn zum jetzigen Zeitpunkt nicht zweifelsfrei geklärt ist, wodurch die Alzheimer-Krankheit letztendlich entsteht, haben Experten bestimmte Faktoren im Verdacht. Das ist zum einen das Alter, denn mit den Lebensjahren nimmt die Häufigkeit der Erkrankungen zu. In der Gruppe der über 90-Jährigen ist mindestens jeder Dritte betroffen.

Auch beim weiblichen Geschlecht ist die Wahrscheinlichkeit für Alzheimer erhöht – Mediziner führen diese Tatsache auf die weiblichen Sexualhormone zurück. Neuesten Untersuchungen zufolge werden Östrogene nicht nur in den Eierstöcken, sondern auch im Hirn produziert. Dort schützen sie Zellen und Synapsen. Nach den Wechseljahren kommt es zu einem drastischen Abfall von Östrogenen im Blut von Frauen und sie haben ein fast doppelt so hohes Risiko als Männer, an Alzheimer zu erkranken.

Nicht zu unterschätzen ist auch eine genetische Komponente, da eine familiäre Häufung zu beobachten ist. Des Weiteren stehen auch folgende Faktoren und Volkskrankheiten im Verdacht, die Entstehung von Alzheimer zu begünstigen:

Diagnose

Auch wenn Morbus Alzheimer nicht heilbar ist, kann eine frühzeitige Behandlung den Verlust der Selbstständigkeit deutlich hinauszögern. Umso wichtiger ist es, alle möglichen diagnostischen Verfahren auszunutzen und Alzheimer von weiteren Demenzerkrankungen wie der vaskulären Demenz abzugrenzen.

Der erste Ansprechpartner ist meist der Hausarzt, denn er kennt seinen Patienten und dessen persönliche Krankheitsgeschichte am besten. Im Anamnesegespräch fragt er nach den Beschwerden im Alltag - sind Angehörige dabei, können auch sie ihre Einschätzung geben. In einer körperlichen Untersuchung erfasst er den allgemeinen Gesundheitszustand und misst beispielsweise Blutdruck oder horcht die Lunge ab. Danach folgt die Labordiagnostik von Blut und Urin, um andere Erkrankungen auszuschließen bzw. festzustellen.

Sind diese Untersuchungen unauffällig, beginnt die spezifische Diagnostik auf Demenz. Dazu gehören psychometrische Tests, in denen der Patient beispielsweise kleine Aufgaben bewältigen muss, die Aufschluss über seine kognitive Leistungsfähigkeit geben. Auch eine Untersuchung der Rückenmarksflüssigkeit auf bestimmte Eiweiße findet in der Regel statt. Zusätzlich können bildgebende Verfahren wie die Positronen-Emissions-Tomografie Eiweißablagerungen im Gehirn darstellen.

Mithilfe der Kombination verschiedener Untersuchungsverfahren können Ärzte die Diagnose Alzheimer zweifelsfrei stellen.

Verlauf der Erkrankung

Älterer Mensch wird betreut

Die Alzheimer-Demenz wird in verschiedene Stadien eingeteilt, die mit unterschiedlichen Symptomen und Schweregraden einhergehen:

  • leichte Demenz
  • mittelgradige Demenz
  • schwere Demenz

Im ersten Stadium werden klassische Frühsymptome sichtbar: Betroffene haben Schwierigkeiten, sich in fremden Situationen zurechtzufinden. Auch in vertrauten Umgebungen verlieren sie immer mehr ihre Orientierung. Auch das Kurzzeitgedächtnis leidet.

Im zweiten Stadium verstärken sich die Beschwerden. Hinzukommen Problematiken bei der Sprache wie etwa Wortfindungsstörungen oder Wortverwechselungen.

Im dritten und letzten Stadium kommt es zu einschneidenden körperlichen Beschwerden und Betroffene erkennen ihnen bekannte Personen nicht mehr. Auch organische Funktionen können eingeschränkt sein:

  • Inkontinenz (Harn- und Stuhlinkontinenz)
  • gestörter Tages-Nacht-Rhythmus
  • gestörtes Gangbild
  • Muskelzuckungen
  • Schluckstörungen
  • Krampfanfälle

Nach und nach werden die Erkrankten zum Pflegefall und Angehörige müssen eine 24-Stunden-Betreuung gewährleisten – entweder als Pflege zuhause im Zusammenspiel von ambulantem Pflegedienst und pflegenden Angehörigen oder im Pflegeheim. Nur so kann eine durchgehende Aufsicht des Erkrankten gewährleistet werden. Hautnotrufsysteme sind hingegen nicht geeignet: Menschen mit Alzheimer nehmen Notfallsituationen anders wahr - entweder unterschätzen sie den Ernst der Lage oder drücken auch dann den Alarmknopf, wenn sie nicht in Gefahr sind.

Erfahren Sie hier, wie Sie als Angehöriger einen Pflegegrad beantragen, um finanzielle Unterstützung bei der Versorgung von pflegebedürftigen Angehörigen zu erhalten. Wie hoch diese ausfällt, hängt vom Pflegegrad ab.

Möglichkeiten der Therapie

Patienten trainieren kognitive Leistungsfähigkeit

Alzheimer ist nicht heilbar. Allerdings können verschiedene therapeutische Ansätze das Fortschreiten der Krankheit verlangsamen, sofern diese frühzeitig erkannt und diagnostiziert wird. Grundsätzlich besteht die Behandlung aus einer Kombination von Medikamenten und Maßnahmen wie Ergotherapie.

Medikamente wie Antidementiva verbessern die Gedächtnisleistung, damit Erkrankte so lange wie möglich selbstständig bleiben. Die verschiedenen Wirkstoffe verhindern das Schrumpfen der Gehirnmasse und verstärken die Informationsübertragung zwischen den einzelnen Zellen des Nervensystems. Dadurch schreitet Alzheimer langsamer voran.

Wichtig ist zudem, Alzheimer-Patienten nicht zu bevormunden, sondern weiterhin in den Alltag einzubinden. Sie sollten das Gefühl haben, gebraucht zu werden. Durch Physiotherapie können Bewegungsabläufe gefestigt und ein unsicheres Gangbild hinausgezögert werden. So können Erkrankte so lange wie möglich am sozialen Leben teilnehmen. Da sie durch Orientierungsstörungen öfter stürzen, sollten zudem Gefahrenquellen in der Wohnung vermieden werden (Sturzprophylaxe).

In der Ergotherapie werden körperliche und geistige Fähigkeiten gefördert, um die Betroffenen weiterhin handlungsfähig zu machen. Logopädische Maßnahmen helfen zusätzlich bei Sprachproblemen.

Letztendlich sterben Menschen mit Alzheimer nicht durch das Absterben der Nervenzellen, sondern weil sie durch ihr geschwächtes Immunsystem anfälliger für Infektionen sind. Die häufigste Todesursache bei ihnen sind Atemwegsinfekte, denn durch Schluckstörungen und Krampfanfälle kann Nahrung in die Lunge gelangen und eine Lungenentzündung auslösen. Umso wichtiger ist es, therapeutische Maßnahmen individuell auf den Patienten abzustimmen.

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