Lewy-Body-Demenz: Verwechselungsgefahr mit Alzheimer

Lewy-Body-Demenz: Verwechselungs­gefahr mit Alzheimer

18.12.2019

Die Lewy-Body-Demenz ist eine Demenzerkrankung, bei der sich Eiweißreste in den Nervenzellen im Gehirn ablagern. Dadurch leiden Betroffene vor allem unter optischen Sinnestäuschungen. Wie der Arzt die Diagnose stellt und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt, erfahren Sie im Beitrag.

Das Wichtigste in Kürze:
  • Die Lewy-Body-Demenz ist neben Alzheimer und der vaskulären Demenz eine weitere Demenzerkrankung, die zu Pflegebedürftigkeit führt.
  • Sie unterscheidet sich allerdings in der Symptomatik vor allem dadurch, dass Betroffene unter optischen und akustischen Halluzinationen leiden.
  • Diese Form der Demenz ist tückisch: Bis jetzt sind keine Risikofaktoren bekannt und auch die Diagnose kann erst zweifelsfrei bei einer Obduktion des Gehirns gestellt werden.

Die Lewy-Body-Demenz (oder Lewy-Körperchen-Demenz bzw. Lewy-Körper-Demenz) ist eine Form von Demenz, tritt aber deutlich seltener auf als etwa Alzheimer oder die vaskuläre Demenz. Sie ist kein typisches Krankheitsbild im Alter, wird aber aufgrund ihrer Symptomatik oft mit Alzheimer verwechselt. Während für andere Demenzerkrankungen Risikofaktoren wie Bluthochdruck oder Schlaganfall bekannt sind, ist das bei der Lewy-Body-Demenz nicht der Fall. Einzig das Alter ist ein Hinweis, denn die Demenzform wird häufig nach dem 65. Lebensjahr diagnostiziert.

Wie auch bei anderen Demenzerkrankungen kommt es im Verlauf der Erkrankung zu einer eingeschränkten Mobilität und später zu Bettlägerigkeit. Darunter leidet nicht nur die Selbstständigkeit der Patienten, sondern sie werden auch mit vielen Komplikationen konfrontiert. Ein Problem sind beispielsweise Druckgeschwüre (Dekubitus), da durch das Liegen auf einer Körperstelle die Durchblutung gestört wird. Eine häufige Todesursache ist zudem die Lungenentzündung, da durch bestehende Schluckstörungen Nahrung verschluckt werden kann.

Damit führt auch die Lewy-Body-Demenz zu Pflegebedürftigkeit und zu massiven Bewusstseinsstörungen. Die medizinischen Behandlungswünsche für solche Fälle sollten deshalb in einer Patientenverfügung festgehalten und im besten Fall mit einer Vorsorgevollmacht kombiniert werden. So können sich Menschen mit Demenz sicher sein, dass ihre Wünsche rund um Behandlung und Pflege auch dann respektiert werden, wenn sie diese nicht selbst äußern können.

Wie äußert sich die Lewy-Body-Demenz?

Lewy Körperchen

Die Lewy-Körper-Demenz ist benannt nach dem deutschen Nervenarzt Friedrich Lewy. Dieser entdeckte bei seiner Forschung an Parkinson-Patienten kleine Eiweißreste im Mittelhirn, die sich in Nervenzellen eingelagert haben. Ihm zu Ehren werden diese Eiweißpartikel „Lewy-Körperchen“ genannt. Mittlerweile ist bekannt, dass diese Körperchen auch in anderen Teilen des Gehirns vorkommen können und nicht nur bei Parkinson.

Die Lewy-Körperchen lagern sich in Nervenzellen im Gehirn ab und lösen dort ein spezifisches Beschwerdebild aus, was gewisse Parallelen zu Alzheimer aufweist. Dennoch sind vor allem Sinnesstörungen exemplarisch für diese neurodegenerative Demenzform. Die Symptomatik zeigt sich wie folgt:

  • Schwankungen der geistigen Fähigkeiten: Aufmerksamkeit und Wachheit schwanken im Verlauf des Tages. In einem Moment sind die Betroffenen wach und aktiv, im anderen dann plötzlich verwirrt, orientierungslos und müde.
  • Optische und akustische Sinnestäuschungen: Erkrankte sehen schon im frühen Stadium Menschen oder größere Tiere, die eigentlich nicht da sind. Ähnliches geschieht bei der Wahrnehmung von Geräuschen, Stimmen oder Musik.
  • Schlafstörungen: Patienten können nicht nur tagelang in Tiefschlaf fallen, sondern neigen tatsächlich dazu, Träume auszuleben. Bei ihnen ist die Motorik im Schlaf nicht gehemmt, sodass sie sich beim Träumen bewegen, aber auch sprechen oder schreien.
  • Depression: Betroffene entwickeln häufig eine Altersdepression bzw. Depression.
  • Bewegungsstörungen: Viele Patienten leiden auch unter Parkinson-Symptomen. Es kommt zu motorischer Muskelsteifigkeit, zittrigen Händen und einem gestörten Gangbild mit verlangsamten Bewegungen.
  • Andere Symptome: Manche leiden auch unter Inkontinenz oder niedrigem Blutdruck.

Diagnose über Ausschlussverfahren

Eine zweifelsfreie Diagnose wird dadurch erschwert, dass die Symptome auch bei Alzheimer- oder Parkinson-Patienten auftauchen. Hinzukommt, dass die Lewy-Körperchen im Gehirn bei MRT- oder CT-Aufnahmen nicht sichtbar sind. Auch lassen sich die Körperchen nicht im Blut oder in der Rückenmarksflüssigkeit nachweisen.

Dementsprechend erfolgt die Diagnose zum einen durch das Erfragen der Symptome und zum anderen durch Ausschluss anderer Erkrankungen. Beim Beschwerdebild achtet der Arzt auf bestimmte Warnsignale, die für eine Lewy-Körperchen-Demenz sprechen:

  • häufige Stürze
  • auffälliges Gangbild
  • gestörte Aufmerksamkeit im Tagesverlauf
  • optische und akustische Halluzinationen
  • Patient wechselt zwischen ansprechbar und orientierungslos

Die Häufigkeit des Auftretens solcher Symptome kann ein Indiz für das Vorliegen der Lewy-Körperchen-Demenz sein. Wichtig ist es, diese Demenzform von anderen Formen abzugrenzen, da sich danach die Behandlung richtet. Sicher nachweisbar ist die Lewy-Körper-Demenz allerdings erst nach dem Tod des Erkrankten, wenn bei der Obduktion des Gehirns die Eiweißeinschlüsse sichtbar werden.

Behandlung und Verlauf

zittrige Hände

Ähnlich wie bei anderen Demenzerkrankungen ist die Lewy-Body-Demenz bis jetzt nicht heilbar, allerdings kann eine Therapie die Symptome lindern.

Diese besteht zum einen aus Medikamenten. Um beispielsweise Symptome wie Wahn, Aggression und Angst zu lindern, haben sich Cholinesterasehemmer in der Praxis bewährt. Nicht geeignet sind hingegen Neuroleptika, wie sie beispielsweise bei Depression verschrieben werden. Menschen mit Lewy-Body-Demenz reagieren sehr sensibel auf diesen Arzneistoff. Einzig die Antipsychotika Clozapin und Quetiapin können unter großer Vorsicht von Patienten eingenommen werden, da sie in der Regel gut vertragen werden. Auch Antiparkinsonmedikamente können die Symptome verstärken und sollten deshalb nur niedrig dosiert zum Einsatz kommen.

Zum anderen gibt es weitere nicht-medikamentöse Therapieansätze, um den Betroffenen den Alltag zu erleichtern. Dazu gehören Gedächtnistraining, Ergo- und Physiotherapie sowie ein gesunder Lebensstil mit ausgewogener Ernährung. Auch Bewegung ist wichtig, damit sich das Gangbild nicht noch weiter verschlechtert und Muskeln erhalten bleiben. Stürze sollten zudem durch die Sturzprophylaxe vermieden werden. Das gilt auch für jegliche Form von Stress und übermäßigen Sinnesreizen.

All das erschwert die Pflege vor allem für pflegende Angehörige, anders als geschulte Fachkräfte ambulanter Pflegedienste sind sie nicht geschult, die entsprechenden Symptome des Krankheitsbilds zu erkennen. Damit sie für die speziellen Herausforderungen gerüstet sind, sollten sie sich genauestens über diese besondere Form der Demenz bei geeigneten Institutionen erkundigen.

Nach der Diagnose haben Betroffene im Schnitt noch etwa sieben bis acht Lebensjahre, wobei die Ausprägung der Symptome und die Reaktion auf die Therapie diese Prognose beeinflussen. Letztendlich sterben viele Patienten an einer Lungenentzündung.

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