Vaskuläre Demenz: Durchblutungsstörungen im Gehirn

Vaskuläre Demenz: Durchblutungs­störungen im Gehirn

17.12.2019

Menschen mit vaskulärer Demenz leiden unter geistigem Abbau, der sie im Alltag erheblich einschränkt. Die Ursache dafür ist eine Durchblutungsstörung des Gehirns. Erfahren Sie mehr über die Risikofaktoren und wie Sie sich davor schützen können.

Das Wichtigste in Kürze:
  • Vaskuläre Demenz ist nach Alzheimer die zweithäufigste Demenzform. Ursache ist eine Durchblutungsstörung im Gehirn, durch die Gewebe abstirbt.
  • Vaskuläre Demenz kann sich plötzlich äußern (Multi-Infarkt-Demenz) oder schleichend (Morbus Binswanger).
  • Bei frühzeitiger Diagnose gibt es gute Behandlungsmöglichkeiten. Im fortgeschrittenen Stadium unterscheiden sich Alzheimer und vaskuläre Demenz allerdings wenig – beide sind ein Grund für Pflegebedürftigkeit.

Schätzungsweise über 1,7 Millionen Menschen in Deutschland leben mit Demenz, einer hirnorganischen Erkrankung, bei der die Leistungsfähigkeit der Betroffenen stetig abnimmt. Der Großteil leidet unter Alzheimer, danach folgt die vaskuläre Demenz bzw. Mischformen aus Alzheimer und vaskulärer Demenz.

Unabhängig von der Demenzform sinkt der Gesundheitszustand der Erkrankten unaufhaltsam. Während sie am Anfang noch weitestgehend selbstständig ihren Alltag organisieren können, nimmt diese Fähigkeit im Verlauf weiter ab. Sie verlieren die Orientierung, können sich an Geschehnisse nicht mehr erinnern und vergessen wichtige Tätigkeiten wie die eigene Körperpflege oder Nahrungszubereitung. Gegen Ende erkennen sie sogar Familienmitglieder und Freunde nicht mehr.

Demenzerkrankungen führen zu Pflegebedürftigkeit und sind nicht heilbar. Das Tragische: Sie können jeden treffen, denn der größte Risikofaktor ist das Alter. Setzten Sie sich deshalb noch heute mit Ihrer Vorsorge auseinander und erstellen Sie eine Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht. Nur so können Sie sich auch bei eingeschränktem Bewusstseinszustand sicher sein, dass Ihre Behandlungswünsche durchgesetzt werden und eine Vertrauensperson Ihre persönlichen Interessen gegenüber anderen vertritt.

Verschiedene Auslöser

Anders als bei Alzheimer weiß die Medizin, wie es zu einer vaskulären Demenz kommt. Deshalb unterscheidet sie zwischen der sog. Multi-Infarkt-Demenz und Morbus Binswanger.

Multi-Infarkt-Demenz

Diese Form der vaskulären Demenz wird durch einen oder mehrere Schlaganfälle ausgelöst, in deren Folge Blutgefäße verstopfen oder sogar reißen. Dann kommt es nicht nur zu charakteristischen Schlaganfall-Symptomen wie Lähmungen, Seh- oder Sprachstörungen, sondern durch die Unterversorgung des Gehirns mit Sauerstoff kann auch eine vaskuläre Demenz entstehen.

Morbus Binswanger

Anders als bei der Multi-Infarkt-Demenz ist Morbus Binswanger ein schleichender Prozess, der jahrelang unerkannt bleiben kann. Durch Ablagerungen, Verstopfungen oder Verengungen der Gefäße transportieren diese im Gehirn nicht mehr ausreichend Blut. Diese Durchblutungsstörungen und Unterversorgung mit Sauerstoff zerstören Gewebe im Gehirn und Nervenzellen sterben ab. In der Folge kommt es zur typischen Symptomatik wie Orientierungs-, Gedächtnis- und Denkstörungen.

Risikofaktoren

Die Verengung der Blutgefäße, aber auch Schlaganfälle werden durch verschiedene Risikofaktoren begünstigt, die Teil eines ungesunden Lebensstils und damit eigentlich vermeidbar sind:

Besonders Herzerkrankungen verändern die Blutströmungsverhältnisse im Körper, sodass Blut viel leichter verklumpt und sich Blutgerinnsel bilden können. Gelangt das Blutgerinnsel mit dem Blutstrom in das Gehirn und verstopft dort die Gefäße, kann Thrombose entstehen – ein lebensgefährlicher Zustand.

Verengtes Blutgefäß Arteriosklerose

All diese Risikofaktoren begünstigen zudem die Entstehung von Arteriosklerose. Bei dieser Erkrankung lagern sich an verletzten Gefäßwänden Fette und Blutplättchen ab, die immer weiter verkleben und die Gefäße verengen. Der Durchmesser wird geringer und immer weniger Blut kann fließen. In der Folge erhalten Organe zu wenig Sauerstoff und Nährstoffe und der Körper kommt in einen Zustand der Unterversorgung. Arteriosklerose kann verschiedene Gefäße verschließen und dort Komplikationen auslösen. Bei vaskulärer Demenz sind die kleinen Gefäße im Gehirn betroffen, wobei „vaskulär“ so viel bedeutet wie „die Blutgefäße betreffend“.

Auch wenn eine vaskuläre Demenz niemals zu hundert Prozent vermeidbar ist, können Menschen die Risikofaktoren sehr effektiv selbst minimieren, indem sie ihren Lebensstil ändern. Dazu gehört der Verzicht auf Nikotin, eine gesunde und ausgewogene Ernährung sowie die Reduzierung von Übergewicht. Diese Maßnahmen wirken sich positiv auf Blutdruck und Blutfettwerte aus und können somit viel bewirken.

Beschwerdebild

Mann hat zwei verschiedene Schuhe in der Hand

Wie sich die Symptome bemerkbar machen, ist abhängig vom Auslöser der vaskulären Demenz. Während sie bei der Multi-Infarkt-Demenz plötzlich eintreten, ist ihr Verlauf bei Morbus Binswanger schleichend und sie werden viel später erkannt. Zwar setzt sich das Beschwerdebild individuell zusammen, doch es lassen bei Menschen mit vaskulärer Demenz folgende Parallelen erkennen:

  • Gedächtnisstörungen: Während Erinnerungen aus der Kindheit meistens abrufbar sind, können sich Betroffene nicht mehr an neu gelernte Fakten oder kürzlich geschehene Ereignisse erinnern.
  • Denkschwierigkeiten: Das Ausfüllen bekannter Formulare wird plötzlich zum Hindernis.
  • Orientierungsstörungen: Bekannte Wege wie zur Post entfallen Menschen mit vaskulärer Demenz plötzlich. Auch Tageszeiten können nicht mehr richtig eingeordnet werden.
  • Sprachschwierigkeiten: Es kann zu Wortverwechselungen oder eingeschränktem Wortschatz kommen. Die Sprache der Betroffenen klingt plötzlich undeutlich und die Suche nach den richtigen Worten dauert länger.
  • Persönlichkeitsveränderungen: Erkrankte können ihre Gefühle nur schwer kontrollieren und zeigen in manchen Situationen unangebrachtes Verhalten. Sie lachen plötzlich oder sind aggressiv. Neben Stimmungsschwankungen ziehen sich viele aus dem Alltag zurück, meiden soziale Kontakte oder verlieren das Interesse an Hobbys.

Die Symptome der vaskulären Demenz ähneln Alzheimer, denn bei beiden Demenzformen sterben Nervenzellen in Gehirnarealen ab, die für die kognitiven Fähigkeiten zuständig sind. Aber auch zur Lewy-Body-Demenz gibt es Parallelen. Deshalb ist es für Ärzte manchmal schwierig, die Art der Demenz zu diagnostizieren. Auch Mischformen können vorkommen, sodass die diagnostischen Maßnahmen ausgeschöpft werden sollten, um die Ursache der Demenz zweifelsfrei feststellen zu können.

Therapie und Lebenserwartung

Seniorin puzzelt

Therapeutische Maßnahmen orientieren sich an den Auslösern der vaskulären Demenz. Werden Bluthochdruck, Diabetes oder Herz-Kreislauferkrankungen behandelt, wirkt sich das in der Regel positiv auf die demenziellen Symptome aus. Bei frühzeitiger Diagnose ist die vaskuläre Demenz deshalb günstig beeinflussbar - anders als Alzheimer. Beiden gemein ist jedoch, dass die nicht heilbar sind.

Therapie

  • Lebensstil ändern: Betroffene sollten ungesunde Lebensgewohnheiten wie Rauchen oder Übergewicht abstellen. Dadurch lässt sich beispielsweise Arteriosklerose im frühen Stadium heilen, da sich die Ablagerungen in Gefäßen dann noch vollständig abbauen.
  • Schlaganfälle verhindern: Bei der Multi-Infarkt-Demenz sollten unbedingt weitere Schlaganfälle verhindert werden, damit das Gehirn nicht noch weiter Schaden nimmt. Bei Menschen mit Schlaganfall oder bestimmten Risikofaktoren kommen deshalb blutverdünnende Medikamente zum Einsatz, damit das Blut gut fließen kann und Gefäße Sauerstoff durch den Körper transportieren können.
  • Herzerkrankungen behandeln: Leiden Betroffene unter Herzerkrankungen wie Herzschwäche oder Herzrhythmusstörungen, sollten auch diese behandelt werden, um das Risiko eines Schlaganfalls zu senken.
  • Weitere Therapiemaßnahmen: In der Praxis haben sich Ansätze bewährt, die die kognitiven, emotionalen und sozialen Fähigkeiten fördern. Im Rahmen von Physio- oder Ergotherapie, Gedächtnistraining und Logopädie können Folgen im Gehirn minimiert werden, sodass Menschen mit vaskulärer Demenz ihre Selbstständigkeit verbessern können.

Antidementiva werden hingegen nur bei Alzheimer verordnet. Umso wichtiger ist es, die genaue Form der Demenz zu diagnostizieren, damit Erkrankte die bestmögliche Therapie erhalten.

Lebenserwartung

Bei einer vaskulären Demenz sinkt die Lebenserwartung, denn es besteht immer das Risiko für einen erneuten Schlaganfall oder einen Herzinfarkt. Auch das Verschlucken von Nahrung ist für Demenzkranke gefährlich, denn dadurch kann eine Lungenentzündung entstehen, die das Immunsystem erheblich schwächt. Sind Betroffene bettlägerig, können auch Druckgeschwüre (Dekubitus) zum Problem werden.

Um solche Risiken zu vermeiden, benötigen viele Betroffene eine 24-Stunden-Pflege. Diese kann entweder bei der Pflege zuhause durch pflegende Angehörige, polnische Pflegekräfte und Pflegedienste oder im Pflegeheim gewährleistet werden. Ist die Erkrankung rechtzeitig erkannt worden und sind die Betroffenen noch weitestgehend selbstständig, kann auch das Betreute Wohnen eine passende Wohnform mit vielen sozialen Kontakten sein. Ziel ist es, dass Erkrankte weiterhin ein Teil der Gesellschaft bleiben und nicht ausgeschlossen werden.

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