Herzrhythmusstörungen: Wenn das Herz aus dem Takt gerät

Herzrhythmus­störungen: Wenn das Herz aus dem Takt gerät

15.11.2019

Unser Herz übernimmt viele wichtigen Funktionen. So versorgt es beispielsweise die Organe mit Sauerstoff, indem es Blut durch den Körper pumpt. Ohne dieses Zusammenspiel könnten wir nicht überleben. Umso beunruhigter sind Betroffene, wenn es aus dem Takt gerät und erkrankt. Für die Prognose ist es jedoch entscheidend, welche Art von Herzrhythmusstörungen vorliegt. Nur wenige sind lebensgefährlich, können dann aber zu schweren Folgeerkrankungen führen. Erfahren Sie mehr über die unterschiedlichen Herzrhythmusstörungen und ihre Ursachen.

Das Wichtigste in Kürze:
  • Bei einer Herzrhythmusstörung schlägt das Herz nicht wie gewohnt. Die Schläge sind entweder zu langsam, zu schnell oder unregelmäßig.
  • Es gibt drei Arten von Herzrhythmusstörungen: Bradykardie (zu langsamer Herzschlag), Tachykardie (zu schneller Herzschlag) und Arrhythmie (unregelmäßiger Herzschlag).
  • Die Behandlung richtet sich nach Ursache und Schwere der Störung.

Ein gesundes Herz schlägt zwischen 60 und 100 Mal in der Minute. Damit es überhaupt Schläge gibt, braucht der Mensch den sogenannten Sinusknoten. Dieser sitzt im Herzvorhof und erzeugt elektrische Impulse. Der etwas tiefer gelegene AV-Knoten leitet diese in die Herzkammer weiter.

Bei Herzrhythmusstörungen erzeugt entweder der Sinusknoten die elektrischen Impulse nicht ordnungsgemäß oder der AV-Knoten leitet diese nicht weiter. Außerdem können zusätzliche Impulse im Vorhof oder der Herzkammer entstehen. In der Folge schlägt das Herz nicht wie gewohnt. Zunächst handelt es sich dabei nicht um einen besorgniserregenden Zustand, denn auch ein gesundes Herz kann mal stolpern.

Je nachdem, wie aktiv wir im Alltag sind, muss das Herz mehr Blut und Sauerstoff durch den Körper pumpen, damit Organe und Körperzellen auch bei Anstrengung versorgt sind. Dabei ist der Rhythmus kurze Zeit fehlerhaft, pendelt sich dann aber in der Regel wieder ein. Erst wenn solch ein fehlerhafter Herzrhythmus dauerhaft bestehen bleibt, sollten Betroffene die Ursache für die Beschwerden abklären lassen.

Welche Herzrhythmusstörungen gibt es?

Die Medizin unterscheidet zwischen drei Arten von Störungen:

  • Das Herz schlägt langsamer als gewöhnlich (Bradykardie).
  • Das Herz schlägt schneller als gewöhnlich (Tachykardie).
  • Das Herz schlägt unregelmäßig (Arrhythmie).

Daraus ergeben sich unterschiedliche Krankheitsbilder. Schlägt das Herz langsamer als etwa 60 Mal pro Minute, dann spricht die Medizin von einer bradykarden Rhythmusstörung bzw. Bradykardie. Die häufigste Ursache ist der sog. AV-Block, bei dem es zu Fehlern in der Übertragung der elektrischen Impulse zwischen Vorhöfen und Herzkammern kommt. Entweder ist die Weiterleitung verzögert oder unterbrochen. Auslöser kann eine Herzschwäche oder koronare Herzkrankheit aufgrund von Arteriosklerose sein.

Schlägt es hingegen schneller als 100 Mal pro Minute, spricht die Medizin von tachykarden Herzrhythmusstörungen. Eine Form der Tachykardie ist Herzrasen, bei dem das Herz bis zu 250 Schläge pro Minute machen kann. Dieser extrem schnelle Herzschlag ist für viele Menschen spürbar, d.h. sie merken, wie das Herz regelrecht losrast. Zwar kann ein gesundes Herz plötzlich auftretendes Herzrasen gut verkraften, doch Betroffene sollten trotzdem ärztlichen Rat einholen. In vielen Fällen stellt sich dann heraus, dass dieser Zustand nicht lebensbedrohlich ist.

Eine der häufigsten zu behandelnden Herzrhythmusstörungen ist das Vorhofflimmern. Hier treten zwei Störungen parallel auf: Das Herz schlägt nicht nur schnell, sondern auch unregelmäßig. Grund dafür sind ungeordnete elektrische Reizungen, die die Muskulatur der Vorhöfe flattern oder flimmern lässt. Noch besteht keine Lebensgefahr, aber ein erhöhtes Risiko einer Thrombose. Wandert ein Blutgerinnsel in das Gehirn, kann es dort die Hirnkranzgefäße verstopfen und einen Schlaganfall auslösen. Vorhofflimmern kann allerdings lebensbedrohlich werden, wenn Kammerflimmern entsteht. In diesem Zustand ist die Herzfrequenz so hoch, dass der Herzmuskel nur noch zittert, aber nicht mehr richtig pumpt. Betroffene fallen in Ohnmacht und können am plötzlichen Herztod sterben. Neben einer angeborenen Fehlbildung des Herzens kann auch Bluthochdruck die Entstehung von Vorhofflimmern begünstigen.

Meist harmlos sind die sogenannten ventrikulären Extrasystolen, eine Form der Arrhythmie, bei der das Herz zusätzlich schlägt. Betroffene nehmen zwar nicht die zusätzlichen Schläge wahr, dafür aber den eigentlichen Herzschlag, der verstärkt ist. Die Ursache liegt in elektrischen Impulsen, die außerhalb des Sinusknotens entstehen und von der Muskulatur übertragen werden. Dadurch fühlt es sich an, als würde das Herz stolpern. In der Regel ist diese Form der Herzrhythmusstörung ungefährlich, kann aber zu Beschwerden führen, die den Alltag einschränken. Dazu gehören Schmerzen in der Brust, ein Gefühl von Atemnot sowie Angstzustände.

Diese Symptome können auftreten

Auch wenn es verschiedene Herzrhythmusstörungen gibt, lässt sich bei vielen Menschen eine ähnliche Symptomatik feststellen. Manche spüren einen unregelmäßigen Herzschlag, vor allem beim Herzrasen. Stolpert das Herz hingegen nur kurz, dann bleiben Herzrhythmusstörungen oft lange unbemerkt.

Deutlichere Symptome treten auf, wenn das Herz so stark aus dem Rhythmus gerät, dass die Durchblutung gestört ist. Dann kann es das Blut nicht mehr durch den Körper pumpen und die Organe werden in der Folge nicht mehr ausreichend mit Nährstoffen versorgt. Bekommt das Gehirn zu wenig Sauerstoff, führt das bei den Betroffenen zu Schwindel und Ohnmacht. Weitere typische Beschwerden sind zudem Atemnot und Schwäche, aber auch krampfartige Schmerzen im linken Brustkorb, die in die linke Seite ausstrahlen können. Diese Brustenge ist auch bekannt als Angina pectoris.

Risikofaktoren und Ursachen

Zwar können bereits bestehende Erkrankungen die Entstehung von Herzrhythmusstörungen begünstigen, doch es gibt auch bestimmte Risikofaktoren, die das Herz nachhaltig schädigen. Dazu gehören Bluthochdruck, Rauchen, Drogen- und Alkoholkonsum. Während diese vermeidbar sind, können vor allem folgende Erkrankungen des Herzens einen unregelmäßigen Herzschlag verursachen:

  • Koronare Herzerkrankung
  • Entzündung des Herzmuskels (Myokarditis)
  • Herzinfarkt
  • Herzmuskelschwäche
  • Herzklappenfehler
  • Angeborener Herzfehler
  • COPD (chronisch obstruktive Lungenkrankheit)

Allerdings können nicht nur solche Erkrankungen zu Herzrhythmusstörungen führen, sondern auch krankhafte Veränderungen an anderen Organen wie eine Schilddrüsenüberfunktion, chronische Nieren- und Lungenerkrankungen. Auch Diabetes und Störungen im Mineralstoffhaushalt wie Magnesium- oder Kaliummangel können die Gesundheit des Herzens beeinträchtigen.

Ein weiterer Faktor, der nicht zu vernachlässigen ist, ist die Einnahme bestimmter Medikamente. Einige Herzmittel und Blutdrucksenker können als Nebenwirkung Herzrhythmusstörungen auslösen, ähnlich wie manche Antibiotika, bestimmte Medikamente zur Behandlung von Krebserkrankungen oder Antidepressiva.

Behandlung richtet sich nach Ursache

Arzt zeigt Ergebnis Elektrokardiogramm

Um eine geeignete Therapie in die Wege zu leiten, muss zunächst die Ursache für die Herzrhythmusstörungen festgestellt werden. Durch ein Gespräch mit dem Betroffenen sowie eines Elektrokardiogramms und einer Ultraschalluntersuchung des Herzens kann der Arzt die Diagnose stellen.

Wie die Behandlung aussieht, ist abhängig von der Ursache, der Art der Herzrhythmusstörungen, dem Risiko für Komplikationen sowie dem Ausmaß der Beschwerden. Je schwerer die Störung ist, desto stärker muss das Herz stabilisiert werden. Dann kommen Medikamente zum Einsatz, die den Rhythmus stabilisieren und das Herz-Kreislaufsystem entlasten.

In manchen Fällen führt eine konservative Therapie nicht zum gewünschten Erfolg. Dann erfolgt ein chirurgischer Eingriff, sofern der Nutzen für die Patienten die OP-Risiken überwiegt. In einer Operation kann der Chirurg beispielsweise das Gewebe des Reizleitungssystems veröden, welches Herzrhythmusstörungen auslöst, oder einen Herzschrittmacher oder Defibrillator einsetzen. Ein Herzschrittmacher sendet elektrische Impulse, wenn das Herz zu langsam schlägt, während der Defibrillator bei einem zu schnell schlagenden Herz zum Einsatz kommt.

Der Alltag mit einer Herzrhythmusstörung

Grundsätzlich ist die Prognose bei Herzrhythmusstörungen positiv, solange diese ordnungsgemäß behandelt werden. Das reduziert mögliche Folgeerkrankungen und Komplikationen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall.

Allerdings können Herzrhythmusstörungen trotzdem das Leben von Betroffenen einschränken und deren Leistungsfähigkeit beeinträchtigen. Das liegt zum einen an Beschwerden wie Schwäche und Luftnot, aber auch an Medikamenten, die ihrerseits Nebenwirkungen verursachen können.

Nicht zu unterschätzen ist die emotionale Komponente, denn solche Einschränkungen im Alltag können die Psyche erheblich belastet. Nicht selten leiden Betroffene unter Depressionen. Ärzte raten deshalb zur Gelassenheit, denn Stress, Angst und Panik können die Herzrhythmusstörungen verstärken. Ein gesunder Lebensstil mit ausreichend Bewegung und Schlaf sowie Verzicht auf Alkohol und Zigaretten unterstützt den Umgang mit dieser Herzerkrankung.

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