Brustkrebs: Kein reines Frauenleiden

Brustkrebs: Kein reines Frauenleiden

Brustkrebs kann tödlich verlaufen. Lesen Sie mehr über die Behandlung der häufigsten Krebserkrankung von Frauen.

Jennifer Günther
Jennifer Günther
13.01.2020

Je früher Brustkrebs erkannt wird, desto größer sind die Heilungschancen. Viel zu oft wird er jedoch erst im späten Stadium erkannt. Jährlich sterben rund 18.000 Menschen an den Folgen sterben. Auf welche Risikofaktoren Sie achten sollten und wie Sie Brustkrebs erkennen, beschreibt unser Ratgeber.

Das Wichtigste in Kürze:
  • Bei Brustkrebs handelt es sich um einen bösartigen Tumor im Zellgewebe der Brust.
  • Brustkrebs ist zwar vor allem bei Frauen weit verbreitet, er kann jedoch auch bei Männern auftreten.
  • Je früher er entdeckt wird, desto besser sind die Heilungs- und Überlebenschancen der Betroffenen.

Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen – jährlich erkranken etwa 70.000 Frauen an Krebs. Aber auch bei Männern kann Brustkrebs entstehen, wenn auch deutlich seltener. Brustkrebs ist grundsätzlich bösartig. In den meisten Fällen geht der Tumor von den Milchgängen oder Drüsenlappen aus, in seltenen Fällen entsteht er durch entzündliche Prozesse. Krebszellen können sich durch die Blut- und Lymphbahn im Körper verteilen und durch Metastasen und weitere Krebsherde großen Schaden anrichten. Wird Brustkrebs diagnostiziert, ist das erste Mittel der Wahl eine Operation.

Ein chirurgischer Eingriff ist eine Belastung für den menschlichen Organismus, auch wenn mittlerweile der Standard bei der Behandlung von Brustkrebs die brusterhaltende Operation ist. Dennoch sollten Betroffene vor einer Operation eine Patientenverfügung und eine Vorsorgevollmacht erstellen und sich selbstständig und im Arztgespräch über mögliche OP-Risiken informieren.

Welche Symptome treten auf?

Meist bemerken Frauen eher zufällig einen Knoten in der Brust. Möglicherweise sind die verändert sich die Größe der betroffenen Brust: Die Brüste sind unterschiedlich groß, was vor allem auffällt, wenn die Arme hochgehoben werden. Bei manchen Frauen tritt wässriges, eitriges oder blutiges Sekret aus der Brust aus, außerdem können auffällige Rötungen der Brust oder Brustwarze auftreten. Diese Symptomatik ist jedoch nicht spezifisch für ein Mammakarzinom und sollte deshalb immer auf jeden Fall ärztlich abgeklärt werden.

Etwas eindeutiger wird das Beschwerdebild im fortgeschrittenen Stadium. Dann kommt es zu ungewolltem Gewichtsverlust, anhaltender Müdigkeit und Schmerzen – betroffene Frauen klagen häufig über Glieder- oder Rückenschmerzen, ein Zeichen dafür, dass der Brustkrebs schon Metastasen in einzelnen Knochenregionen gebildet hat.

Risikofaktoren für Brustkrebs bei Frauen

Auch wenn die Ursache für die Entstehung eines Mammakarzinoms bis heute nicht zweifelsfrei geklärt ist, stehen bestimmte Risikofaktoren im Verdacht. Begünstigend wirken Faktoren wie Übergewicht und Bewegungsmangel, vor allem nach den Wechseljahren. Zusätzlich erhöhen fortgeschrittenes Alter sowie ein regelmäßiger Konsum größerer Mengen von Alkohol die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von Brustkrebs.

Zwar entsteht Brustkrebs bei vielen Betroffenen zufällig, doch es zeigt sich auch ein Zusammenhang mit dem weiblichen Hormonhaushalt. Das Risiko für Brustkrebs ist erhöht bei

  • langen zyklischen Schwankungen des Östrogen- und Progesteronspiegels (frühe erste Regelblutung, späte Wechseljahre)
  • Kinderlosigkeit
  • späte erste Schwangerschaft
  • Einnahme künstlicher Hormone zur Verhütung
  • Einnahme von Hormonersatzpräparaten gegen Beschwerden der Wechseljahre

Schwankungen und Veränderungen im Hormonhaushalt wirken sich auch auf das Brustgewebe aus. Sein Umfang nimmt beispielsweise während einer Hormonersatztherapie zu und bei einer Schwangerschaft ab. Grundsätzlich gilt: je dichter das Brustgewebe, desto höher das Brustkrebsrisiko. Das betrifft vor allem das Drüsen- und Bindegewebe, denn dieses enthält Zellen, die entarten können.

Bei einer fettreichen Ernährung mit vielen tierischen Fetten steigt hingegen der Spiegel des weiblichen Sexualhormons Östrogen an. Eine solche Ernährung ist darum aus gleich mehreren Gründen ungesund, denn nicht nur das Brustkrebsrisiko ist erhöht. Auch das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen wie Schlaganfall, Herzinfarkt und Arteriosklerose, und Diabetes steigt bei einer energiereichen Kost mit hohen tierischen Anteilen.

Brustkrebs beim Mann

Brustkrebs ist in der Gesellschaft ein Thema, das eng verbunden ist mit dem weiblichen Geschlecht. Und auch wenn die Statistik zeigt, dass vor allem Frauen erkranken: Auch Männer haben ein Brustkrebsrisiko, wenngleich ein geringes.

Jährlich erkranken deutschlandweit etwa 650 Männer an Brustkrebs, bei 130 Betroffenen führt die Krankheit zum Tod. Im Schnitt sind Männer bei der Diagnose 71 Jahre alt, Frauen hingegen etwa 64 Jahre. Ein Hauptgrund für die spätere Feststellung bei Männern ist der Einsatz von Früherkennungsuntersuchungen, die sich nur an Frauen richten. Dementsprechend wird Brustkrebs bei Männern häufig erst im späten Stadium diagnostiziert, und wenn ein Mann zufällig einen Knoten in der Brust ertastet, gilt der erste Gedanke selten Brustkrebs. Umso wichtiger ist es, dass auch Männer die Symptomatik für Brustkrebs erkennen.

Symptome bei Brustkrebs von Männern

Brustkrebs bei Männern äußert sich ähnlich wie bei Frauen:

  • eingezogene Brusthaut oder Brustwarze
  • Verhärtungen in der Brust
  • Ausfluss aus der Brustdrüse
  • Entzündungen oder Wunden der Brustdrüse bzw. im Brustbereich
  • vergrößerte Lymphknoten in der Achselhöhle

Im Verlauf der Erkrankung kommt es zu eingeschränkter Leistungsfähigkeit und ungewollter Gewichtsabnahme. Haben sich Metastasen gebildet, entstehen Schmerzen in den betroffenen Körperregionen: Husten und Atemnot können etwa auf Geschwüre in der Lunge hindeuten, Lebermetastasen äußern sich hingegen durch Verdauungsprobleme und Gewichtsverlust.

Risikofaktoren für Brustkrebs bei Männern

Während bei Frauen die genetische Komponente eine eher geringere Rolle spielt, kommt sie bei Männern häufiger vor. So haben Männer mit dem sog. Klinefelter-Syndrom ein 20- bis 60-fach erhöhtes Brustkrebsrisiko: Bei dieser angeborenen Störung haben Männer ein oder mehrere zusätzliche weibliche X-Chromosomen.

Auch Genveränderungen können die Wahrscheinlichkeit für Brustkrebs erhöhen, etwa wenn die Gene BRCA-1 und BRCA-2 mutieren. Das betrifft dann allerdings auch die Entstehung anderer Formen von Krebs wie Darmkrebs, Bauchspeicheldrüsenkrebs oder Prostatakrebs.

Zudem verfügen Männer natürlicherweise nicht nur über männliche Geschlechtshormone, sprich Testosteron, sondern auch über weibliche Geschlechtshormone wie Progesteron und Östrogen. Verschiedene Prozesse und Wirkstoffe können den Hormonhaushalt beim Mann aus der Balance bringen:

  • Überproduktion von Östrogen bei starkem Übergewicht
  • Östrogenzufuhr von außen (bspw. durch Östrogenpräparate zur Geschlechtsumwandlung)
  • verringerte Produktion von Testosteron
  • anabole Steroide (Hormone zur Leistungssteigerung)

Ansonsten haben die gleichen Risikofaktoren wie bei Frauen ihre Auswirkung auf das Brustkrebsrisiko: hoher Alkoholkonsum, Bewegungsmangel, fettreiche Ernährung sowie Diabetes, aber auch Prostatakrebs und Schilddrüsenüberfunktion.

Diagnose von Brustkrebs

Mammografie

Bei der Diagnosestellung und der anschließenden Therapie gibt es keine nennenswerten Unterschiede zwischen den Geschlechtern.

Durch eine körperliche Untersuchung, Mammografie, Ultraschall-Untersuchung der Brust, ein ausführliches Gespräch zwischen Arzt und Patienten sowie eine Gewebeprobe (Biopsie) kann Brustkrebs identifiziert werden. Bei Frauen wird fallabhängig in komplexeren Fällen auch ein MRT durchgeführt.

Liegt Brustkrebs vor, folgen weitere Untersuchen, um genaue Position und Größe des Tumors festzustellen und mögliche Metastasen zu lokalisieren. Dazu kann der behandelnde Arzt eine Röntgenuntersuchung, Knochenszintigrafie und Computertomografie anordnen. Die Untersuchungsergebnisse werden zusammengeführt, und es wird der sog. pathologische Befund erstellt, der Informationen zur Tumorgröße, zum Zustand der Lymphknoten und möglichen bereits aufgetretenen Metastasen enthält. Aus dem Gesamtbefund ergibt sich dann die individuelle Behandlung des Patienten, bzw. der Patientin.

Welche Therapie wird zur Behandlung herangezogen?

Die wichtigste Maßnahme ist die operative Entfernung des Mammakarzinoms. Damit die Brust möglichst erhalten bleibt, erfolgt im Anschluss an den chirurgischen Eingriff eine Chemo- und/oder Strahlentherapie. Dadurch sollen auch nach dem Eingriff im Gewebe verbleibende Krebszellen abgetötet und das Risiko einer erneuten Tumorbildung so gering wie möglich gehalten werden.

Ist der Brustkrebs infolge einer hormonellen Veränderung aufgetreten, kann auch eine Antihormontherapie durchgeführt werden, um die Bildung von Hormonen zu unterbinden, die das Wachstum des Tumors begünstigen.

Ob eine Reha nach einer Brustkrebsoperation stattfindet, hängt vom Einzelfall ab. Hilfreich ist in jedem Fall postoperative Krankengymnastik, um die Beweglichkeit des Oberkörpers wiederherzustellen. Wurden im Rahmen der OP Lymphknoten entfernt, kann mitunter eine regelmäßige Lymphdrainage nötig sein, damit Lymphflüssigkeit abfließen kann und Schwellungen des Arms vermieden werden können.

Nicht zu vernachlässigen ist die emotionale Komponente der Diagnose. Das gilt vor allem für Frauen, bei denen statt einer brusterhaltenden Operation eine komplette Brustentfernung aus medizinischen Gründen notwendig ist. Die Entfernung eines wesentlichen weiblichen Körpermerkmals kann zu Entfremdungsgefühlen von der eigenen Rolle als Frau in der Gesellschaft führen. Um die Entstehung einer Depression entgegenzuwirken, können Phasen der Niedergeschlagenheit und Entfremdung zusätzlich im Rahmen einer psychosozialen Beratung bzw. einer Therapie aufgearbeitet werden.

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