Darmkrebs: Früherkennung erhöht Heilungschancen

Darmkrebs: Früherkennung erhöht Heilungschancen

Wird Darmkrebs nicht rechtzeitig erkannt, verläuft er oft tödlich. Lesen Sie mehr über Risikofaktoren und Vorsorge­untersuchungen.

Jennifer Günther
Jennifer Günther
29.01.2020

Nach Brustkrebs (bei Frauen) und Prostatakrebs (bei Männern) ist Darmkrebs die häufigste Krebsart in Deutschland. Auch wenn Darmkrebs im Frühstadium gut heilbar ist: Da die Symptome unspezifisch sind und erst im späteren Verlauf auftreten, erfolgt die Diagnose oft sehr spät. Umso wichtiger ist es, Vorsorgeuntersuchungen wahrzunehmen.

Das Wichtigste in Kürze:
  • Rund 60.000 Menschen erkranken jährlich in Deutschland an Darmkrebs.
  • Krebs im Verdauungssystem ist heilbar, sofern er rechtzeitig erkannt wird.
  • Im Rahmen einer Operation wird der Tumor entfernt. Manche Patienten brauchen im Anschluss keine Chemotherapie.

Darmkrebs ist eine Krebsart des Verdauungssystems, die häufig den Dickdarm befällt. Dann spricht die Medizin von einem sog. Kolonkarzinom. Tritt der Krebs im Enddarm auf, dann handelt es sich um ein Rektumkarzinom. Dünndarm und Blinddarm sind hingegen nur selten betroffen.

In Deutschland leiden etwa 253.000 Männer und 230.000 Frauen an Darmkrebs, jährlich erkranken 32.900 Männer und 26.000 Frauen neu. Hinzukommen rund 26.000 Todesfälle pro Jahr. Weltweit betrachtet, lautet bei 700.000 Menschen die Todesursache Darmkrebs.

Aktuell gibt es etwa 1,4 Millionen Betroffene weltweit, doch Experten schätzen, dass die Anzahl der an Darmkrebs Erkrankten in den nächsten Jahren steigen wird. Für 2030 rechnen sie mit 2,2 Millionen – dann werden nicht mehr Herz-Kreislauferkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall die häufigste Todesursache sein, sondern Krebs.

Nicht zu unterschätzen ist Darmkrebs bzw. Krebs allgemein als Ursache für Pflegebedürftigkeit. Viele Krebsarten gelten als heilbar und können dennoch die Lebensqualität dauerhaft einschränken. Wer Darmkrebs besiegt hat, kann also trotzdem auf Hilfe im Alltag angewiesen sein.

Informieren Sie sich deshalb vorsorglich über eine private Pflegezusatzversicherung, denn Pflegebedürftigkeit ist nicht nur eine emotionale, sondern auch eine finanzielle Belastung. Eine private Pflegezusatzversicherung schließt die Pflegelücke und kann Ihnen zumindest im Ernstfall finanzielle Sorgen nehmen.

Wie entsteht Darmkrebs?

Darstellung Darmkrebs

In der Regel entwickelt sich Darmkrebs aus sog. Darmpolypen. Dabei handelt es sich um Wucherungen der Dickdarm-Schleimhaut, die zunächst gutartig sind. Allerdings gibt es zwei Arten von Polypen: hyperplastische und adenomatöse Polypen. Letztere werden auch als Adenome bezeichnet und können sich zu Darmkrebs entwickeln.

Dann entarten die Zellen in der Darmschleimhaut – sie vermehren sich also ungehindert und wachsen in umliegendes Gewebe hinein. Dass sich solche bösartigen Zellen derart verbreiten können, verhindert eigentlich das Immunsystem, doch mit dem Alter schwächeln die Reparaturmechanismen und es kommt zu Fehlern bei der Zellteilung. Durch diese Zellveränderung entsteht dann ein bösartiger Tumor.

Risikofaktoren

Anders als bei Erkrankungen wie Arteriosklerose oder Thrombose gibt es in medizinischer Hinsicht keinen eindeutig bestimmbaren Auslöser für die Entstehung von Darmkrebs. Die einzige Ausnahme ist die erbliche Form von Darmkrebs, unter der fünf von hundert Erkrankten leiden.

Allerdings gibt es bestimmte Faktoren, die das Risiko für Krebs erhöhen können, darunter das Alter: Die Häufigkeit für Darmkrebs nimmt mit steigendem Lebensalter zu, bei den unter 50-Jährigen ist er nicht sehr verbreitet. Tatsächlich sind mehr als 90 Prozent der Darmkrebs-Patienten über 50 Jahre alt.

Ein weiterer Risikofaktor, wenn auch in einem geringen Maße, ist ein ungesunder Lebensstil, wie er häufig in reichen Industrienationen verbreitet ist: Bewegungsmangel, Übergewicht, übermäßiger Alkoholkonsum, Rauchen sowie schlechte Ernährung. Zusammen können sie auch die Entstehung von Diabetes begünstigen.

Nichtsdestoweniger ist ein erhöhtes Darmkrebsrisiko bis jetzt nur bei zwei Darmerkrankungen eindeutig belegt: Colitis ulcerosa und Morbus Crohn. Bei beiden Krankheitsbildern handelt es sich um eine chronische Entzündung des Verdauungstraktes, wobei Colitis ulcerosa den Dickdarm betrifft und Morbus Crohn meist den letzten Dünndarmabschnitt. Grundsätzlich erhöht sich das Krebsrisiko mit der Schwere der Entzündung, wobei die genauen Mechanismen noch nicht eindeutig durch Studien erforscht sind.

Symptomatik

Darmkrebs verursacht erst im späten Stadium Symptome, welche allerdings nicht sehr spezifisch sind und auch bei vielen anderen Erkrankungen des Verdauungssystems anzutreffen sind. Dazu gehören

  • anhaltender Durchfall
  • anhaltende Verstopfung
  • abwechselnd Verstopfung und Durchfall
  • Schmerzen beim Stuhlgang
  • sehr dünner und/oder farblich veränderter Stuhl
  • Blut auf dem Toilettenpapier und/oder im Stuhl
  • starke Bauchschmerzen
  • starker Gewichtsverlust

Treten diese Beschwerden öfter auf oder halten länger an, sollten sie zur Sicherheit mit einem Facharzt besprochen werden. Oftmals steckt auch eine harmlose Erklärung wie eine Unverträglichkeit oder Verdauungsprobleme dahinter, allerdings sollte die Symptomatik trotzdem ernst genommen werden.

Diagnose

Endoskopie Polypen

Bis Beschwerden auftreten, können mehrere Jahre vergehen. Das liegt daran, dass sich Darmkrebs über einen längeren Zeitraum entwickelt, denn nicht jede Wucherung der Darmschleimhaut ist bösartig. Ob es sich um gutartige Polypen, Adenome oder einen bösartigen Tumor handelt, kann allerdings nur eine Gewebeprobe klären.

Deshalb wird bei Verdacht auf Darmkrebs zunächst der Stuhl auf Blut untersucht und eine Darmspiegelung angeordnet. Bei diesem Verfahren führt der Arzt ein Endoskop mit einer Kamera in den Darm ein und untersucht den gesamten Dickdarm. Sind Polypen oder Adenome vorhanden, werden mehrere Gewebeproben entnommen, die im Anschluss auf Krebszellen untersucht werden. Außerdem entfernt der Arzt in der Regel alle erkennbaren Wucherungen, damit sie sich auch bei negativem Befund nicht weiterentwickeln.

Stellt der Arzt die Diagnose Darmkrebs, untersucht er zusätzlich, ob der Krebs schon gestreut hat. Solche sog. Metastasen können beispielsweise in Lunge, Knochen oder Leber entstehen und sich dort ausbreiten. Durch bildgebende Verfahren wie MRT, CT oder Ultraschall können andere Organe untersucht und der Verdacht auf Metastasen überprüft werden.

Nach allen Untersuchungen kann der Arzt das Stadium der Krebserkrankung ermitteln und die Therapie darauf aufbauen.

Therapie

Je nach Ausmaß des Darmkrebses entscheidet sich der Arzt für eine individuelle Reihenfolge folgender Therapieverfahren: Operation, Strahlentherapie und Chemotherapie. Lassen sich keine Metastasen im Körper feststellen, dann beginnt die Behandlung von Darmkrebs in der Regel mit einer operativen Entfernung des Tumors. Je nach Größe und Lage werden die Gewebeteile im Rahmen einer Darm-OP großzügig entfernt, damit möglichst keine Krebszellen im Körper verbleiben. Bei manchen Patienten kann es allerdings notwendig sein, einen künstlichen Darmausgang (Stoma) zu legen – etwa wenn der Chirurg entsprechende Teile des Darms entfernen musste. Vor allem im Frühstadium kann eine Operation schon ausreichend sein.

Hat der Krebs jedoch gestreut, dann folgt nach der chirurgischen Entfernung eine Chemotherapie. So können die restlichen Krebszellen im besten Fall entfernt bzw. das Wachstum der Tumoren verhindert werden. Sitzt der Tumor am Enddarm, dann kann es zudem hilfreich sein, vor der Operation eine lokale Strahlentherapie durchzuführen. Mitunter gelingt es, dadurch den Tumor zu verkleinern, sodass der Chirurg den Schließmuskel nicht entfernen muss und der Patient gegebenenfalls um einen künstlichen Darmausgang herum kommt.

Grundsätzlich gilt bei jeglicher Therapie jedoch, dass die Heilungschancen dann am besten sind, wenn der Krebs frühzeitig erkannt und behandelt wurde. Deshalb bietet das deutsche Gesundheitssystem verschiedene Vorsorgeuntersuchungen an, um Adenome zu erkennen und behandeln, bevor sich aus ihnen potenziell Krebs entwickelt. Ab dem 50 Lebensjahr übernehmen Krankenkassen für die Versicherten die Kosten zur Früherkennung von Darmkrebs:

  • zwischen 50 und 54 Jahren haben Versicherte 1x jährlich Anspruch auf einen Test auf verstecktes Blut im Stuhl
  • Männer ab 50 und Frauen ab 55 Jahren haben Anspruch auf zwei Darmspiegelungen alle zehn Jahre
  • bei Verzicht auf die Darmspiegelung haben Versicherte ab 55 Jahren Anspruch auf eine Stuhluntersuchung alle zwei Jahre

Wer Fälle von Darmkrebs in der Familie hat bzw. hatte, hat unter Umständen früher und/oder regelmäßiger Anspruch auf solche Untersuchungen. Das entscheidet der Arzt individuell. Solche Früherkennungsuntersuchungen können tatsächlich Leben retten und die Lebensqualität positiv beeinflussen.

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