Prostatakrebs: Tumorerkrankung mit guten Heilungschancen

Prostatakrebs: Tumorerkrankung mit guten Heilungschancen

Probleme beim Wasserlassen können bei Männern auf Prostatakrebs hindeuten. Mehr über die Tumorerkrankung bei Afilio.

Jennifer Günther
Jennifer Günther
14.01.2020

Über 60.000 Männer erkranken in Deutschland jährlich an Prostatakrebs. Doch im Gegensatz zu anderen Krebsformen sind die Heilungschancen in der Regel gut. Erfahren Sie mehr über die Symptome und verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten.

Das Wichtigste in Kürze:
  • Männer mit Prostatakrebs leiden unter einem Tumor an der Vorsteherdrüse, die unter anderem für die Bildung der Samenflüssigkeit zuständig ist.
  • Prostatakrebs ist eine Krebsform mit guten Aussichten auf vollständige Heilung.
  • Nicht immer ist eine Operation notwendig. Nicht-aggressive Tumore haben ein geringes Wachstum und verursachen selten Schmerzen.

Auch wenn vergleichsweise viele Männer an Prostatakrebs erkranken, ist die Prognose bei den meisten gut. Im Unterschied zu anderen Krebserkrankungen wie Bauchspeicheldrüsenkrebs können viele Tumoren der Prostata als sog. Niedrig-Risiko-Krebs eingeordnet werden. Das heißt, das Geschwür ist nicht aggressiv und wächst nur sehr langsam.

Stellt sich durch Untersuchungen und eine Gewebeprobe allerdings heraus, dass der Tumor aggressiv ist und im schlimmsten Fall in das umliegende Gewebe eindringt, besteht die Möglichkeit einer operativen Entfernung.

Ob eine Operation infrage kommt, ist allerdings nicht nur vom Prostatakrebs abhängig, sondern auch vom individuellen Gesundheitszustand des Patienten. Dieser sollte vom behandelnden Arzt über die OP-Risiken aufgeklärt und einen möglichen Krankenhausaufenthalt mit einer Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht absichern.

Aufgabe der Prostata

Bei Prostatakrebs handelt es sich um eine Krebserkrankung der sog. Vorsteherdrüse beim Mann. Dieses Organ umschließt die Harnröhre und gehört damit zu den inneren Geschlechtsorganen des Mannes. Gemeinsam mit den Hoden und Samenbläschen ist es für die Produktion der Samenflüssigkeit verantwortlich und trägt somit zur Fruchtbarkeit bei.

Mit einem Gewicht von nur 20 Gramm und der Größe einer Kastanie ist die Prostata sehr unscheinbar, doch Erkrankungen haben große Auswirkungen auf die männliche Gesundheit. So kann sich das Organ entzünden (Prostataentzündung) und zu einem komplexen Beschwerdebild mit Fieber, Schmerzen, starkem Harndrang und sogar Inkontinenz führen.

Außerdem kann es zu einer Prostatavergrößerung kommen. Das ist an sich keine Seltenheit, denn nahezu alle Männer ab 75 Jahren weisen eine gutartige Vergrößerung auf. Allerdings können sich Zellen in der Prostata auch unkontrolliert teilen und vermehren und zu einem Tumor heranwachsen. Doch Prostatakrebs lässt sich in der Regel gut behandeln, sodass die Diagnose nicht zwangsläufig zum Tod führt.

Symptome von Prostatakrebs

prostatakrebs

Normalerweise äußern sich die Symptome erst im späteren Verlauf der Krebserkrankung. Dazu gehören vor allem Probleme beim Wasserlassen wie etwa ein verstärkter Harndrang oder ein schwächerer Strahl. Diese Beschwerden sind in der Regel darauf zurückzuführen, dass das Geschwür an der Prostata auf die Harnröhre drückt.

Außerdem kann es im späten Stadium von Prostatakrebs zu Blutspuren im Urin und in der Samenflüssigkeit kommen sowie zu Schmerzen beim Geschlechtsverkehr. Auch ein Schmerzempfinden im Bereich von Rücken, Becken und Hüfte ist bei manchen Betroffenen vorhanden.

Allerdings ist das Zusammentreffen dieser Symptomatik nicht spezifisch für Prostatakrebs und kann auch auf eine weitaus harmlosere Ursache hinweisen. In jedem Fall ist es ratsam, solche Beschwerden ärztlich abzuklären.

Ursachen und Risikofaktoren

Ähnlich wie bei anderen Krebserkrankungen kommt eine Häufung mit steigendem Alter vor. So sind 80 Prozent der Erkrankten älter als 60 Jahre, bei Männern unter 50 tritt Prostatakrebs statistisch sehr selten auf.

Auch ein genetischer Zusammenhang ist zu beobachten. Sind männliche Verwandte ersten Grades betroffen – also der eigene Vater oder Bruder –, dann liegt das Risiko bei fünf bis zehn Prozent einer eigenen Erkrankung.

Risikofaktoren wie Übergewicht, Bewegungsmangel, fettreiche Ernährung sowie ein hoher Tabak- und Alkoholkonsum erhöhen generell das Risiko für eine Tumorerkrankung, unabhängig davon, ob es sich um Brustkrebs, Bauchspeicheldrüsenkrebs oder Prostatakrebs handelt. Sie belasten zudem das Herz-Kreislaufsystem und können auch die Entstehung von Diabetes, Arteriosklerose oder Bluthochdruck begünstigen.

Diagnostische Maßnahmen

Auch wenn sich die Prostata im Inneren des Körpers befindet, lässt sie sich gut untersuchen. Über den Enddarm kann der Arzt mit dem Finger das Organ abtasten und Größe, Festigkeit und Oberfläche bestimmen. Manche Männer empfinden diese rektale Untersuchung zwar als unangenehm, aber nicht als schmerzhaft.

Auch ein Ultraschallgerät lässt sich rektal einführen und kann zur Untersuchung der Prostata verwendet werden. Dazu wird eine dünne Ultraschallsonde in den Enddarm eingeführt und die Prostata mittels Schallwellen dargestellt.

Ob sich allerdings Krebszellen in der Prostata befinden oder es sich um eine gutartige Vergrößerung handelt, lässt sich nur sicher durch eine Gewebeentnahme feststellen. Um Gewebeproben zu bekommen, führt der Arzt ein Ultraschallgerät in den Enddarm ein, welches eine Hohlnadel besitzt. Mit dieser kann er mehrere Gewebeproben entnehmen, die anschließend im Labor analysiert werden. Diese sog. Stanzbiopsie findet in der Regel unter lokaler Betäubung statt, aber es ist auch eine kurze Narkose möglich.

Anhand dieser Untersuchungsverfahren kann der Arzt die Aggressivität des Tumors einschätzen und die weitere Behandlung in die Wege leiten.

Behandlungsmöglichkeiten

Tatsächlich hat die Zahl der Männer zugenommen, die die Diagnose Prostatakrebs erhalten. Der Gründe liegen zum einen in der steigenden Lebenserwartung und zum anderen an Früherkennungsmaßnahmen. So haben alle Männer ab 45 Jahren jährlich Anspruch auf eine Tastuntersuchung, deren Kosten von den Krankenkassen übernommen werden. Im Rahmen dieser Vorsorge werden Veränderungen an der Prostata frühzeitig erkannt – doch diese sind nicht immer gefährlich oder behandlungswürdig.

So leiden viele Männer unter kleinen Krebsknoten an der Prostata, die keinerlei Beschwerden verursachen, nicht wachsen und lokal begrenzt sind. Im Fall eines solchen Niedrig-Risiko-Prostatakrebses gibt es Alternativen zur Operation:

  • aktive Überwachung: Der Tumor wird zunächst nur beobachtet. Erst wenn er wächst oder das Risiko von Metastasen besteht, wird kurativ (heilend) behandelt. Vielen Männern bleiben somit Operation und Strahlentherapie erspart.
  • abwartendes Beobachten: Bei älteren Männern mit gesundheitlichen Einschränkungen wird der Krebs beobachtet und nur auftretende Beschwerden gelindert. Damit vermeidet der behandelnde Arzt unnötige Risiken und Belastungen bei Patienten, bei denen chirurgische Eingriffe mehr Schaden als Nutzen anrichten würden.

Handelt es sich hingegen um einen aggressiven Tumor (Hoch-Risiko-Prostatakrebs), dann kann nur eine operative Entfernung die Heilungschancen verbessern. Da der Chirurg bei einer OP auch Krebszellen übersehen kann, folgt im Anschluss eine Strahlentherapie. Nur so können verbleibende Krebszellen im Körper abgetötet werden. Hat der Krebs schon gestreut, schließt in der Regel eine Chemotherapie an.

Nicht zu unterschätzen ist die seelische Belastung durch eine Krebsdiagnose. Eine umfassende Therapie bietet beispielsweise eine Reha, in der nicht nur die körperliche Genesung im Mittelpunkt steht, sondern auch die seelische. Zwar wird diese Leistung in der Regel nicht von der Krankenkasse übernommen, doch die Maßnahme ist durchaus hilfreich im Hinblick auf die Vermeidung von Depressionen. Zudem bekommen Betroffene Hilfestellungen, um sich im Alltag wieder zurechtzufinden.

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