Arthritis: Schmerzen durch entzündete Gelenke

Arthritis: Schmerzen durch entzündete Gelenke

04.12.2019

Es gibt vielfältige Auslöser für entzündete Gelenke, die unter der gemeinsamen Bezeichnung Arthritis zusammengefasst werden. Die Symptome ähneln sich: Schmerzen in den Gelenken, eingeschränkte Bewegungsfähigkeit und abnehmende Muskelkraft. Die Folge: Starke Einschränkungen der Alltagsqualität.
Was im Volksmund unter “Rheuma” firmiert, ist in Wirklichkeit meist die am häufigsten auftretende Form rheumatischer Erkrankungen - die rheumatoide Arthritis: Bei ihr sind typischerweise gleich mehrere Gelenke dauerhaft entzündet. Je schneller Arthritis behandelt wird, desto besser. Denn einmal erkannt, können oft nicht nur Beschwerden gelindert, sondern auch Folgeschäden vermieden werden. Welche Formen der Arthritis es gibt, was sie bewirken und auf welche Warnsignale Betroffene achten sollten, erklären wir in unserem Ratgeber.

Das Wichtigste in Kürze:
  • Arthritis ist eine Gelenkentzündung, die verschiedene Ursachen haben kann und in verschiedenen Ausprägungen auftritt. Sie ist äußerst schmerzhaft für Betroffene und muss medizinisch behandelt werden.
  • Während bei der bakteriellen Arthritis Antibiotika eingenommen werden muss, unterbinden spezielle Rheuma-Medikamente schmerzhafte Schübe bei der rheumatoiden Arthritis.
  • Eine eitrige bakterielle Arthritis ist ein medizinischer Notfall, in dessen Folge es zur Blutvergiftung und zum Schock kommen kann. In seltenen Fällen verläuft sie sogar tödlich.

Was ist Arthritis?

Der Begriff Arthritis leitet sich vom griechischen Wort arthron für Gelenk und der medizinischen Endung -itis für eine Entzündung ab. Ihr Name steht also für eine schmerzhafte, entzündliche Erkrankung der Gelenke. Bei der vorliegenden Entzündung handelt es sich um eine Form von Rheuma, bei der es zu Beschwerden im rheumatischen Formkreis kommt. Je nach Ursache unterscheidet die Medizin verschiedene Formen der Arthritis, die jedoch allesamt behandlungsbedürftig sind. Unbehandelt kann Arthritis zu ernsthaften Komplikationen und langwährenden Folgeschäden führen. Gelenke können dauerhaft Schaden nehmen, die die Betroffenen im Alltag erheblich einschränken. Eine chronische Arthritis mit Einschränkungen in der Gelenkfunktion kann Grund für Pflegebedürftigkeit sein.

Eine infektiöse Arthritis ist hingegen ein medizinischer Notfall, denn die Bakterien im Körper können eine Blutvergiftung oder einen Schock auslösen. Um eine Ausbreitung der Erreger zu vermeiden, ist oft eine Operation nötig. Sinnvoll ist für Betroffene wie zur Vorsorge eine Patientenverfügung in Kombination mit einer Vorsorgevollmacht, um für solche Situationen abgesichert zu sein.

Arthritis: Arten und Ursachen

Arthritis kann in vielen Gelenken auftreten

Etwa 25 Prozent der Bevölkerung in Deutschland leidet unter Funktionseinschränkungen der Bewegungsorgane. 10 Millionen Betroffene sind dabei auf eine dauerhafte Behandlung angewiesen, denn die Erkrankung des Stütz- und Bewegungsapparates ist chronisch.

Zu den Krankheiten des rheumatischen Formkreises gehören typische Krankheitsbilder im Alter wie Arthrose und Osteoporose, aber auch Arthritis-Formen wie die rheumatoide Arthritis, von der circa 550.000 Menschen hierzulande betroffen sind.

Nicht nur die Ursache trägt zur Unterscheidung der Arthritis bei, sondern auch die Verteilung der Entzündung im Körper:

  • Monoarthritis: Ein Gelenk ist entzündet
  • Oligoarthritis: Wenige Gelenke sind entzündet
  • Polyarthritis: Viele Gelenke sind entzündet

Nicht-infektionsbedingte Formen der Arthritis

Die rheumatoide Arthritis ist eine häufige Form der Gelenkentzündung und tritt vermehrt zwischen dem 50. und 70. Lebensjahr auf. Sie ist eine typische Alterskrankheit, die überwiegend Frauen betrifft. Risikofaktoren wie Rauchen oder Übergewicht können allerdings bei beiden Geschlechtern ein Auftreten begünstigen. Auslöser sind keine Bakterien oder Viren, sondern Autoimmunprozesse, die sich gegen den eigenen Körper richten. Das Immunsystem stuft Körperzellen und Gewebe als fremd ein und greift sie an. Dadurch kommt es zu Schwellungen der sog. Synovialis, also der Schleimhautschicht im Gelenk. Zunächst leiden Betroffene unter einem allgemeinen Krankheitsgefühl mit unspezifischen Symptomen wie

  • Fieber
  • Schweregefühl der Muskulatur
  • Müdigkeit
  • Abgeschlagenheit
  • Appetitlosigkeit
  • Depression

Im Verlauf der Erkrankung kommt es anschließend zu rheumatischen Beschwerden wie Schmerzen, Schwellungen und Rötungen der Haut am betroffenen Gelenk. Zunächst in der Regel die kleinen Gelenke an Händen und Füßen betroffen, bevor die Erkrankung auch auf größere Gelenkpartien übergeht. Wieso es überhaupt zur Fehlregulation des Immunsystems kommt, ist noch nicht abschließend geklärt.

Sonderformen der nicht-infektionsbedingten Arthritis ist die Psoriasis-Arthritis, die bei Menschen mit Schuppenflechte auftreten kann. Anders als bei der rheumatoiden Arthritis, die die Gelenke symmetrisch befällt, zeichnet sich die Psoriasis-Arthritis durch ein asymmetrisches Erscheinungsbild aus. Auf beiden Körperhälften sind in ihrem Verlauf unterschiedliche Regionen betroffen. Eine weitere Unterart ist die Gicht, bei der der Harnsäurestoffwechsel gestört ist. Harnsäurekristalle setzen sich dabei in den Gelenken ab und lösen dort Entzündungen aus.

Bakterielle Arthritis

Auch Keime können eine arthritische Entzündung auslösen. Zu Beginn einer bakteriellen Arthritis befinden sie sich entweder bereits in der Blutbahn oder sie gelangen durch Verletzungen in den Gelenkinnenraum. Auch Injektionen oder Operationen wie eine Knie-OP sind ein Risikofaktor.

Auch die bakterielle Arthritis ist eine schmerzhafte Infektion. Die ausgeprägte Entzündungsreaktion zeigt sich durch Rötungen, Schwellungen und Hitze, die von extremen Schmerzen in der betroffenen Region begleitet werden, die bei Belastung noch intensiver werden.
Im schlimmsten Fall kann aus einer bakteriellen eine eitrige Arthritis werden: Bei ihr kann Eiter innerhalb weniger Tagen den Gelenkknorpel zerstören und zu einer Sepsis führen. Um Folgeschäden zu vermeiden, muss das infizierte Gewebe sofort operativ entfernt werden.

Eine oftmals tödlich verlaufende Infektionskrankheit ist die Tuberkulose, an der bis heute jedes Jahr zehn Millionen Menschen weltweit erkranken. Obwohl in den allermeisten Fällen die Lunge betroffen ist, kann es auch zur sog. Gelenktuberkulose kommen. Im Unterschied zu anderen eingedrungenen Keimen ist die Behandlung der beteiligten Mykobakterien sehr langwierig. Außerdem besteht ein hohes Ansteckungsrisiko für Ärzte und Pflegekräfte, wenn das Gelenk zur Spülung geöffnet werden muss.

Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten

Arzt untersucht Gelenk bei Verdacht auf Arthritis

Um die Diagnose zu stellen, kombiniert der Arzt mehrere Diagnoseverfahren. Neben der Krankheitsgeschichte des Patienten ist das zunächst die Untersuchung des Blutes im Labor. Dadurch lassen sich Entzündungswerte, Rheumafaktoren sowie bakterielle Antikörper bestimmen. Zusätzlich erfolgt eine körperliche Untersuchung der schmerzenden Körperregionen durch Abtasten und Bewegen.

Bildgebende Verfahren wie Röntgen oder Computertomografie ermöglichen es, die Struktur der Gelenke darzustellen. So sieht der Arzt chronische oder entzündliche Veränderungen am Gelenk.

Zusätzlich können spezielle Verfahren zur Untersuchung des Gelenks zum Einsatz kommen:

  • Gelenkpunktion: Entnahme von Flüssigkeit mithilfe einer Kanüle
  • Arthroskopie: Spiegelung des Gelenks durch ein Endoskop
  • Biopsie: Entnahme von verändertem Gewebe zur Untersuchung im Labor

Die Behandlung orientiert sich grundsätzlich an der Ursache. Bei einer akuten Arthritis aufgrund von Bakterien ist in der Regel eine antibiotische Behandlung notwendig. Ziel ist es, die Bakterien abzutöten und zu verhindern, dass sich die Infektion im Körper ausbreitet. Flüssigkeits- und Eitereinlagerungen müssen unter Umständen aus dem Gelenk entfernt werden, damit sie die Struktur nicht dauerhaft schädigen und die Entzündung abheilen kann. Bei Bedarf kann der Arzt sogar im Rahmen einer Gelenkspiegelung Medikamente lokal einbringen. Weil der gesamte Therapie- und Heilungsprozess langwierig und schmerzhaft ist, wird eine begleitende Schmerztherapie empfohlen. Es kommen schmerzstillende und entzündungshemmende Medikamente zum Einsatz, manchmal auch Kortison.

Die nicht-infektionsbedingte Arthritis muss hingegen nicht mit Antibiotika behandelt werden. Da sie oft in Schüben verläuft, sollten Betroffene spezielle Rheuma-Medikamente einnehmen, die zum einen solche Anfälle, und zum anderen Gelenkschäden verhindern. Neben der medikamentösen Behandlung hat sich eine Kombination aus Bewegungs- und psychologischer Therapie in der Praxis bewährt. Therapieansätze aus der Physio- und Ergotherapie erhalten die Beweglichkeit betroffener Gelenke, regen den Stoffwechsel an und trainieren die Gelenkfunktion. So können Betroffene aktiv ihre Lebensqualität erhalten.

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