Osteoporose als Ursache von Knochenbrüchen

Osteoporose als Ursache von Knochenbrüchen

Brechen Knochen schon bei leichten Stürzen, kann Osteoporose dahinterstecken. Erfahren Sie mehr über Ursachen und Risikofaktoren.

Jennifer Günther
Jennifer Günther
20.11.2019
Das Wichtigste in Kürze:
  • Osteoporose ist eine chronische Erkrankung der Knochen, bei der die Knochendichte immer weniger wird.
  • Betroffen sind vor allem ältere Frauen, da der Östrogenspiegel durch die Wechseljahre sinkt.
  • Im Krankheitsverlauf kommt es zu Veränderungen am Skelett. Besonders gefährlich sind Frakturen, da diese bei älteren Menschen sehr langsam heilen.
  • Bis dato gibt es kein Heilmittel. Mit einer Kombination aus Bewegungs- und medikamentöser Therapie müssen Betroffene allerdings nicht auf ihre Lebensqualität verzichten.

Osteoporose hat sich in den letzten Jahren von einer „Frauenkrankheit“ zur echten Volkskrankheit entwickelt. Über sechs Millionen Menschen in Deutschland leiden darunter– Tendenz steigend. Jährlich erkranken 885.000 Menschen neu an Osteoporose.

Doch zahlreiche Studien belegen auch, dass es nach wie vor Frauen ab 50 Jahren trifft. Schätzungsweise fünf Millionen stehen einer Million Männer gegenüber – in der Altersgruppe ab 50 Jahren. Betroffen sind vor allem Frauen nach den Wechseljahren, denn schon während der Wechseljahre sinkt der Östrogenspiegel langsam ab. Dabei wirkt das Hormon dem natürlichen Knochenabbau entgegen. Deshalb sind auch Frauen mit einer operativen Entfernung der Gebärmutter oder Eierstöcke gefährdet, denn sie leiden in der Folge unter Östrogenmangel.

Das bedeutet wiederum nicht, dass sich Männer sicher fühlen können. Osteoporose ist nicht nur vererbbar, sondern kann auch durch Vorerkrankungen ausgelöst werden. Und an denen können beide Geschlechter erkranken. Osteoporose und ihre Folgen sind deshalb eine Ursache für Pflegebedürftigkeit im Alter.

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Das passiert bei Knochenschwund

Veränderung des Knochens bei Osteoporose

Als Osteoporose bzw. Knochenschwund bezeichnet die Medizin den Abbau der Knochensubstanz. Grundsätzlich ist das nicht krankhaft, denn die Knochenmasse wird im Rahmen des natürlichen Alterungsprozesses ab dem 30. Lebensjahr langsam abgebaut. Etwa 0,5 bis 1 Prozent ihrer Knochenmasse verlieren gesunde ältere Menschen pro Jahr.

Bei Osteoporose ist der natürliche Prozess hingegen krankhaft verändert. Normalerweise besteht das Innere eines Knochens aus einem Gerüst feiner Knochenbälkchen, die wie ein Schwamm aufgebaut sind. Durch Vorerkrankungen und Risikofaktoren bilden sich die Knochenbälkchen zurück und Hohlräume entstehen. Die Knochendichte nimmt ab und der Knochenkreislauf ist dauerhaft gestört.

Je schneller dieser krankhafte Abbau erfolgt, desto anfälliger sind Betroffene für Knochenbrüche. Innerhalb von vier Jahren erleiden 50 Prozent der Frauen mit Osteoporose einen Knochenbruch, während es bei den Männern zwei von drei sind.

Frakturen wie der Oberschenkelhalsbruch sind besonders gefährlich für ältere Menschen, denn weitere degenerative Prozesse am Muskel- und Skelettsystem wie Arthrose verlangsamen die Heilung von Brüchen. In der Folge kann es zu einer Einschränkung der Lebensqualität kommen, denn Knochenbrüche durch Osteoporose können chronische Schmerzen mit sich ziehen.

Beschreibung der Symptome

Knochenbrüche ließen sich durch geeignete Medikamente bei vielen Betroffenen vermeiden. Problematisch ist allerdings, dass manche gar nichts von ihrer Krankheit wissen, denn Osteoporose muss nicht immer sichtbare Anzeichen haben. Manchmal stellen Ärzte die Diagnose erst nach schmerzhaften Knochenbrüchen. Diese entstehen infolge von Knochenschwund an charakteristischen Stellen wie Hüfte und Becken, Oberschenkelhals, Handgelenken oder Rippen. Ist die Krankheit weit fortgeschritten und die Knochendichte schon sehr gering, dann reichen manchmal schon Stolpern oder falsches Heben von schweren Gegenständen aus, dass kleinere Knochen brechen.

Im späten Stadium sind dann auch deutliche Symptome erkennbar wie

  • Schmerzen in Rücken und Knien
  • Abnahme der Körpergröße durch Wirbelkörperbrüche
  • Rundrückenbildung („Witwenbuckel“)
  • Spontane Knochenbrüche

Primäre und sekundäre Osteoporose

Es gibt verschiedene Auslöser für Osteoporose. Das Alter ist die Hauptursache für die primäre Osteoporose: Sie tritt bei beiden Geschlechtern im hohen Alter auf sowie im Speziellen nach den Wechseljahren. Doch nicht nur die weiblichen Sexualhormone namens Östrogene unterstützen den gesunden Knochenstoffwechsel, sondern auch Testosteron bei Männern. Allerdings wird dessen Produktion nicht im mittleren Alter eingestellt, sodass Männer deutlich seltener unter Osteoporose leiden als Frauen.

Verstärkt wird der krankhafte Knochenabbau durch Faktoren wie Bewegungsmangel sowie zu wenig Kalzium und Vitamin D. Auch zu viel Phosphat (unter anderem enthalten in Fastfood und Fertiggerichten sowie in fettigen Fleisch- und Wurstwaren), übermäßiger Kaffee- und Nikotingenuss begünstigen die Entstehung von Osteoporose.

Sekundäre Osteoporose ist hingegen auf bestehende Erkrankungen und deren Behandlung mit Medikamenten zurückzuführen. Diese Form ist deutlich seltener als die primäre.

Vor allem Kortison kann eine sekundäre Osteoporose auslösen, entweder durch Krankheiten wie dem Cushing-Syndrom, welches einen Kortisonüberschuss verursacht, oder durch Langzeittherapien mit dem Wirkstoff. Ähnliches ist der Fall bei krampflösenden Mitteln wie Antiepileptika, langfristiger Einnahme von Heparin zur Vorbeugung von Thrombose und bestimmten Hormontherapien etwa bei Prostatakrebs.

Sekundäre Osteoporose kann auch durch folgende Krankheiten entstehen:

  • Rheuma wie rheumatoide Arthritis oder Gicht
  • Chronische Nierenschwäche: Der menschliche Organismus scheidet zu viel Kalzium aus. Damit im Blut kein Mangel entsteht, entnimmt der Körper den Knochen diese wichtige Substanz.
  • Magen-Darmerkrankungen: Bei Gluten- oder Milchzuckerunverträglichkeit sowie Morbus Crohn ist die Verwertung wichtiger Nährstoffe wie Kalzium gestört.
  • Hormonelle Erkrankungen wie Unterfunktion der Geschlechtsdrüsen oder Diabetes Typ 1
  • Andere Beschwerden wie Mangelernährung oder Knochenmetastasen

Diagnose und Therapie

Untersuchung Wirbelsäule bei Verdacht auf Osteoporose

Mit den jetzigen medizinischen Mitteln ist Osteoporose nicht heilbar. Allerdings müssen sich Betroffene nicht geschlagen geben, denn eine Vielzahl an Therapieansätzen kann die Lebensqualität verbessern bzw. zumindest beibehalten.

Der Arzt kann durch die Krankheitsgeschichte, Röntgenaufnahmen sowie einer Knochendichtemessung die Diagnose stellen. Die Therapie richtet sich nach dem Auslöser - denn bei der sekundären Osteoporose muss beispielsweise auch die Grunderkrankung behandelt werden.

Eine medikamentöse Therapie wirkt sich beispielsweise positiv auf den Knochenstoffwechsel aus, indem Wirkstoffe wie Bisphosphonate die knochenabbauenden Zellen hemmen. Dadurch erhöht sich die Knochendichte und der Knochenabbau wird verlangsamt. Liegt eine hormonelle Erkrankung vor, kann der Arzt auch Präparate mit Östrogen verschreiben.

Eine Kombination aus Schmerz- und Bewegungstherapie ist vor allem dann wirksam, wenn es schon zu Brüchen gekommen ist. Schmerzmittel helfen gegen chronische Schmerzen und Physiotherapie und Gleichgewichtsübungen bauen die Muskulatur auf, damit diese das Skelett stabilisiert.

Nur wenn konservative Therapieansätze nicht erfolgreich sind, wird eine Operation in Betracht gezogen. Schließlich ist solch eine chirurgische Maßnahme oftmals mit Risiken und Komplikationen verbunden. Im Rahmen eines minimalinvasiven Eingriffs können Wirbelkörper stabilisiert werden, indem die Hohlräume zwischen den einzelnen Wirbeln wiederhergestellt und mit Knochenzement aufgefüllt werden. So reiben die Knochen nicht mehr aufeinander und die Wirbelsäule richtet sich wieder etwas auf.

Leben mit Osteoporose

Ältere Frau beim Sport

Ist Osteoporose aufgetreten, dann begleitet sie Betroffene ihr restliches Leben. Umso wichtiger ist Prävention: Durch ausreichende Bewegung und gesunde Ernährung.

Wer sich viel bewegt, der gibt seinen Knochen immer wieder Reize, um ihre Struktur zu optimieren. Eine Kombination aus Kraft-, Koordinations- und Ausdauertraining erweist sich als besonders effektiv für den Knochenaufbau. Nicht verwunderlich, dass bewegungsaktive Menschen bis zu zehn Prozent mehr Knochenmasse aufbauen als inaktive – allerdings funktioniert dieser Effekt nur in jungen Jahren.

Durch bestimmte Lebensmittel können wir selbst dafür sorgen, dass der Kalzium- und Vitamin-D-Haushalt immer gedeckt ist. Vitamine, Ballast- und Mineralstoffe sollten ebenso auf dem Speiseplan stehen wie Fisch (Vitamin D und Vitamin B12) und Milchprodukte. Folsäure nehmen wir auf durch Spinat und Vollkornbrot. Ohne Verzicht geht es allerdings nicht: Zu viel Fleisch, Nikotin und Alkohol können dem Körper schaden.

Tipp: Wer derzeit aufgrund der Corona-Krise zu Hause bleibt, schützt sich vor einer Infektion, riskiert aber negative Folgen von Bewegungs- und Vitamin-D-Mangel. Experten empfehlen, sich unter Einhaltung des Sicherheitsabstands weiter an der frischen Luft zu bewegen. Hier lesen Sie mehr zu diesem Thema: 3 Tipps, wie Senioren die Corona-Pandemie meistern.

Vorsorgen mit der Osteoporose-Basisdiagnostik

Ab dem 70. Lebensjahr ist es ratsam, dass Menschen die sog. Osteoporose-Basisdiagnostik durchführen lassen. Im Rahmen dieser Untersuchung führt der Arzt beispielsweise eine Knochendichtemessung durch, um zu analysieren, ob Knochenschwund abseits des normalen Alterungsprozesses erkennbar ist, und wenn ja, in welchem Stadium sich dieser befindet. Dadurch kann Osteoporose rechtzeitig erkannt und behandelt werden und Knochenbrüche lassen sich vermeiden.

Doch nicht nur Menschen mit einem hohen Alter gelten als Risikogruppe. Auch Menschen ab 50 Jahren können von der Basisdiagnostik profitieren, sofern sie bestimmte Risikofaktoren aufweisen:

  • Wirbelkörperbrüche
  • Hüftnaher Oberschenkelbruch bei den Eltern
  • Hormonelle Erkrankungen
  • Rheumatologische Erkrankungen
  • Magen-Darm-Erkrankungen
  • Immobilität nach großen Operationen wie einer Hüft-OP
  • Herzinsuffizienz
  • Neurologische Einschränkungen wie Epilepsie, Schlaganfall oder Alzheimer
  • Psychiatrische Beschwerdebilder wie Depression bzw. Altersdepression
  • Chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD)
  • Rauchen und Alkoholkonsum
  • Einnahme bestimmter Medikamente

Treffen ein oder gar mehrere davon zu, sollten Betroffene das Gespräch mit dem Arzt suchen. Dieser kann das weitere Vorgehen bestimmten und Empfehlungen für den Alltag aussprechen. Dazu gehören nicht nur Bewegung und Ernährung, sondern beispielsweise auch das Vermeiden von Stürzen durch Sturzprophylaxe.

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