Organspende – das sollten Sie wissen

Organspende – das sollten Sie wissen

Organspende kann Leben retten. Erfahren Sie, wie eine solche Spende abläuft und wie Sie ihr zustimmen oder widersprechen können.

Franziska Saß
Franziska Saß
04.05.2020
Das Wichtigste in Kürze:
  • Jeder Mensch kann Organe spenden – unabhängig vom Alter, Herkunft, Religion oder sexueller Orientierung. Ob eine Spende möglich ist wird im Einzelfall entschieden.
  • Organe dürfen nur mit Zustimmung des Verstorbenen oder der Angehörigen und nach Feststellung des unumkehrbaren Ausfalls aller Hirnfunktionen entnommen werden.
  • Für die Spende kommen verschiedene Organe und Gewebe in Frage.
  • Die Entnahme erfolgt wie bei einer normalen Operation. Einschnitte werden ordentlich vernäht, sodass auch eine Aufbahrung zur Beisetzung der Person möglich ist.

Organspende in Deutschland

Die Organspende ist in Deutschland ein heiß diskutiertes Thema. Besonders 2019 nahm die Debatte um die Spende von Organen 2019 Fahrt auf. Dass immer wieder über die Organtransplantation nach dem Hirntod debattiert wird, liegt besonders daran, dass die Zahl derer, die ihre Organe spenden, noch immer gering ist. Aktuell stehen rund 9.500 Menschen auf der Warteliste für ein Spenderorgan. Die hohe Zahl der potenziellen Empfänger steht einem verschwindend geringen Teil von Spendern gegenüber: Zwar steigen die Zahlen seit 2018 wieder, 2019 spendeten trotzdem nur 932 Verstorbene ihre Organe. Im Schnitt hilft jeder von ihnen drei Erkrankten.

Gesetzesänderung zur Organspende: Die neue Zustimmungslösung

Deutschland setzt bei der Organspende auf die freiwillige Basis – eine Widerspruchlösung, wie sie Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) Anfang 2019 gefordert hatte, wird es auch nach der jüngsten Gesetzesänderung nicht geben. Viele andere europäische Länder, wie Österreich, Norwegen und Belgien, setzen bereits auf das Verfahren. Dabei ist jeder Bürger automatisch Organspender, es sei denn er widerspricht. In Deutschland kann eine Spende hingegen nur dann vorgenommen werden, wenn der Patient oder seine Angehörigen dem ausdrücklich zustimmen. Ihre Zustimmung können Sie zum Beispiel über den Organspendeausweis oder die Patientenverfügung schriftlich erteilen. Zusätzlich sollen Bürger mit Inkrafttreten des neuen Gesetzes zur Stärkung der Entscheidungsbereitschaft bei der Organspende im Jahr 2021 immer wieder über die Organspende informiert werden. Nicht nur Hausärzte, sondern auch Ämter sollen z. B. bei der Abholung von Ausweisen auf die Organspende hinweisen.

Wer darf Organe spenden?

Prinzipiell darf jeder Mensch – ungeachtet des Alters, der Herkunft, Religion oder sexueller Orientierung – Organe spenden. Auch Menschen, die von der Blut- und Plasmaspende ausgeschlossen sind, wie zum Beispiel Personen mit sexuellem Risikoverhalten oder ernsthaften Erkrankungen, können Organe spenden. Es gibt nur wenige Vorerkrankungen, die eine Organspende von vornherein ausschließen: Dazu gehören eine akute Krebserkrankung und ein positiver HIV-Befund. In beiden Fällen ist das Risiko zu groß, den Organ- oder Gewebeempfänger nach einer Transplantation in eine erneut lebensbedrohliche Situation zu bringen. Sogar Minderjährige haben die Möglichkeit ihre Wünsche zur Organspende zu äußern: Ab dem 14. Lebensjahr dürfen Kinder ihren ausdrücklichen Widerspruch erklären, ab dem 16. Lebensjahr ihre Bereitschaft zur Organspende, ganz unabhängig von den Vorstellungen ihrer Eltern. Nach oben hin gilt für die Organspende keine Begrenzung: Es zählt der Gesundheitszustand des Patienten, nicht das Alter. So sind auch Spenden von Personen über 80 Jahren möglich.

Bei der Gewebespende sieht das anders aus: Knochen und Weichgewebe können bis zum 75. Lebensjahr gespendet werden, Herzklappen und Blutgefäße bis zum 65. Lebensjahr. Allein für die Spende von Augenhornhaut gilt keine Altersgrenze.

Organspende Frau hält Herzmodell in der Hand
Neben Lunge, Leber, Niere und Dünndarm werden auch Spenderherzen heutzutage erfolgreich transplantiert.

Welche Organe können gespendet werden?

Medizinisch wird zwischen Organ- und Gewebespende unterschieden. Bei der Organspende ist es dank des medizinischen Fortschritts der letzten Jahrzehnte möglich, viele lebenswichtige Organe zu transplantieren. Folgenden Organe kommen für eine Organtransplantation in Frage:

  • Nieren
  • Leber
  • Lunge
  • Herz
  • Bauchspeicheldrüse
  • Dünndarm

Welches Gewebe kann gespendet werden?

Sehr viel häufiger als vollständige Organe wird Gewebe transplantiert. Zum einen besteht bei der Transplantation von Gewebe ein deutlich geringeres medizinisches Risiko beim Eingriff. Zum anderen kann Gewebe auch über mehrere Wochen in speziellen Gewebedatenbanken gelagert werden, während das Zeitfenster für eine erfolgreiche Organtransplantation vergleichsweise gering ist. Auf diese Weise kann Gewebe auch zu einem späteren Zeitpunkt übertragen werden, was eine sorgfältige Vorbereitung des Eingriffs begünstigt. Idealerweise erlaubt die längerfristige Vorbereitung es auch, einen Zeitpunkt mit idealer körperlicher Konstitution des Patienten für die Gewebeübertagung zu wählen. Diese Gewebe eignen sich für die Transplantation:

  • Hornhaut (Auge)
  • Knochen
  • Weichteilgewebe
  • Eihaut der Fruchtblase (Amnion)
  • Herzklappen
  • Blutgefäße

Wann werden Organe entnommen?

Erst nach Feststellung des vollständigen und unwiderruflichen Ausfalls der gesamten Gehirnfunktionen dürfen Organe entnommen und einem Spender transplantiert werden. Der Hirntod ist die seit dem Jahr 1968 maßgebliche Todesdefinition. Er wird von zwei Ärzten unabhängig voneinander nach Richtlinien der Bundesärztekammer festgestellt und dokumentiert. Weit verbreitete ist die Angst, dass Ärzte zu früh einen Hirntod diagnostizieren und entsprechende Maßnahmen zur Lebenserhaltung nicht mehr einleiten. Diese Sorge ist allerdings unbegründet. Der hippokratische Eid verpflichtet den Arzt dazu, alles ihm Mögliche zu tun, um seinen Patienten zu retten.

Ablauf einer Organspende

Haben zwei Ärzte unabhängig voneinander den nicht behebbaren Ausfall der Gesamtfunktion des Großhirns, des Kleinhirns und des Hirnstamms des Patienten diagnostiziert, holen sie anschließend Informationen über seine Spendenbereitschaft ein. Im günstigsten Fall liegt ein Organspendeausweis oder eine Patientenverfügung vor. Ist das nicht der Fall, werden die Angehörigen um eine Entscheidung gebeten. Wird in die Spende eingewilligt, leitet das Krankenhaus alle nötigen Informationen zum Spender an die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) weiter. Die DSO beauftragt anschließend alle nötigen Untersuchungen, die für die Transplantation wichtig sind. Anschließend übermittelt sie alle Daten an die Stiftung Eurotransplant. Die Stiftung ermittelt den passenden Empfänger. Um diesen zu finden, gleicht ein komplexes Computersystem die vorliegenden Daten mit den Daten der potenziellen Empfänger ab. Ist der passende Empfänger gefunden, stellt die DSO ein Entnahmeteam zur Verfügung, das die Spenderorgane entnimmt. Anschließend bringt ein Transporter der DSO die Organe in das Transplantationszentrum, in dem der Empfänger bereits für die Operation vorbereitet wurde.

Organspende: Frau hält Nierenmodelle vor ihren Bauch
Die Nieren können nicht nur nach dem Tod gespendet werden. Häufig wird eine Niere auch im Rahmen einer Lebendspende entnommen und einem Erkrankten eingesetzt.

So läuft die Organentnahme

Zumeist stellt die DSO ein Team, das die Spenderorgane in einer Operation entnimmt. Der Kreislauf des hirntoten Spenders wird weiterhin aufrechterhalten, er wird künstlich beatmet und darüber hinaus in Narkose versetzt. Zwar verfügt der menschliche Körper nach dem Hirntod über kein Schmerzempfinden mehr, Narkosemittel und Relaxantien unterdrücken jedoch mögliche Reflexe, die die Nervenbahnen auslösen können. Entnommene Organe und geeignetes Gewebe werden untersucht, mit einer speziellen Lösung gespült und für den gekühlten Transport vorbereitet. Die Einschnitte am Körper des Spenders werden anschließend sorgfältig verschlossen, um den Körper in äußerlich weitestgehend unbeeinträchtigt zur Beisetzung an die Angehörigen zu übergeben. Maßgeblich bleibt, den Angehörigen einen würdevollen Abschied zu ermöglichen. Auch eine Aufbahrung im Rahmen einer Bestattung ist weiterhin möglich.

Wer erhält ein Spenderorgan?

Die Auswahl eines geeigneten Spenders übernimmt ein maschinelles Programm von Eurotransplant. Wer tatsächlich Empfänger eines Organs wird, hängt von medizinischen Faktoren wie Blutgruppe, Alter, Gewicht und Gewebemerkmalen des Patienten ab. Je ähnlicher sich Spender und Empfänger in medizinischer Hinsicht sind, desto wahrscheinlicher ist es, dass das Gewebe oder das Organ gut angenommen werden und nur geringe Abstoßungsreaktionen auftreten. Die Warteliste, die von der Stiftung Eurotransplant verwaltet wird, umfasst Patienten aus Belgien, Deutschland, Kroatien, Luxemburg, den Niederlanden, Österreich, Slowenien und Ungarn. Organspenden erfolgen immer anonym, der Empfänger und die Angehörigen des Spenders treten in Kontakt miteinander.

Organspende: Erfolgschancen der Transplantation

Organtransplantationen haben zumeist sehr gute Erfolgsaussichten. Ein Jahr nach einer Nierentransplantation leben im Schnitt noch 95 Prozent aller Empfänger, nach drei Jahren sind es durchschnittlich noch 91 Prozent. Die Erfolgschancen einer Herztransplantation liegen nach drei Jahren bei 75 Prozent. Die Erfolgsaussichten von Gewebetransplantationen sind generell besser als die der Organspenden, da bei der Gewebeübertragung ein insgesamt geringeres medizinisches Risiko besteht. Zum Beispiel weisen nach einem Jahr 95 Prozent der transplantierten Augenhornhäute volle Funktionstüchtigkeit auf, nach fünf Jahren sind es noch 80 Prozent.

Angst vor Manipulation

Viele Patienten fürchten besonders nach den Manipulationen in Göttingen und Leipzig 2010 und 2011, bei der Organvergabe benachteiligt zu werden, als andere Patienten. In beiden Fällen sollen Ärzte Krankendaten gefälscht haben, um ihren eigenen Patienten schneller ein Spenderorgan zu verschaffen, wodurch andere Patienten mit akuten Krankheitsverläufen in der Warteliste nach hinten rutschten. Um zu vermeiden, dass sich Fälle wie diese wiederholen, wurde der Vorgang der Empfängerauswahl sicherer und transparenter gestaltet. Dazu gehören flächendeckende und unangekündigte Stichprobenprüfungen in den Transplantationszentren. Zudem sitzen heute auch Ärzte in der Transplantationskonferenz, die selbst keine Verbindung zur Transplantationsmedizin haben und somit unbefangen sind. Die Konferenz entscheidet über die Aufnahme von Patienten in die Warteliste für Organspenden. Eine weitere Maßnahme ist die Auswahl der Ärzte, die den Hirntod eines Spenders erklären. Dazu befugt sind ausschließlich Ärzte, die weder an der Organentnahme noch der Übertragung der Organe beteiligt sind. Sie dürfen auch nicht der Weisung eines Arztes unterstehen, der daran beteiligt ist.

Ausweis zur Organspende
Der Organspende­ausweis ist neben der Patienten­verfügung eines der Dokumente, in dem Sie Ihre Wünsche zur Organspende festhalten können.

Organe vor dem Tod spenden: Die Lebendspende

Nicht nur nach dem Tod, auch mitten im Leben können Menschen Organe spenden. Eine Lebendspende von Organen ist in Deutschland allerdings nur dann erlaubt, wenn sich Spender und Empfänger nahestehen. Das gilt für Verwandte ersten und zweiten Grades, wie Geschwister, Eltern oder Großeltern, sowie Ehepartner, Verlobte oder Menschen, die sich auf andere Weise sehr nahestehen. Lebend gespendet werden vor allem Nieren und Teile der Leber. Seltener in Deutschland praktiziert aber dennoch möglich ist auch die Spende eines Teils der Lunge, des Dünndarms oder der Bauchspeicheldrüse. Grundsätzlich sollte die Einwilligung in eine Lebendspende sorgfältig abgewogen werden, denn sie stellt wie jede andere Operation ein medizinisches Risiko dar. Stimmt ein Spender einer Lebendspende zu, bleiben die behandelnden Ärzte seinem Wohl verpflichtet. Kein Spender muss fürchten, dem Überleben des Empfängers untergeordnet zu werden. Wer ein Organ oder einen Teil davon spenden möchte, muss zudem vorher an einer psychologischen Beratung teilnehmen, in der er über alle Risiken aufgeklärt wird und nachweisen muss, dass er freiwillig und ohne finanziellen Anreiz spendet. So soll Organhandel verhindert werden.

Organspende regeln: Organspendeausweis und Patientenverfügung

Im Organspendeausweis können Sie ganz einfach regeln, welche Organe Sie nach ihrem Tod spenden möchten. Den Ausweis bekommen Sie z. B. bei Ihrem Hausarzt oder über die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Der Vorteil des Organspendeausweises: Sie können ihn ganz einfach in ihrem Portemonnaie überallhin mitnehmen.

Zudem lässt sich die Bereitschaft zur Organspende über die Patientenverfügung regeln. Auch hier können Sie detaillierte Angaben dazu machen, welche Organe und welches Gewebe Sie spenden möchten. Nutzen Sie am besten direkt unsere Vorlage für die Patientenverfügung. Doppelt hält besser? Das gilt in diesem Fall nicht. Oftmals widersprechen sich die Angaben in der Patientenverfügung und im Organspendeausweis. Das ist besonders dann der Fall, wenn ein Patient Organe spenden möchte, aber in seiner Patientenverfügung lebenserhaltende Maßnahmen ausschließt. Denn diese sind zwingend notwendig, um Spenderorgane zu erhalten, bis sie entnommen werden können. Haben Sie beide Dokumente, achten Sie darauf, dass Ihre Patientenverfügung dem Organspendeausweis nicht widerspricht. Um auch die Patientenverfügung immer griffbereit zu haben, können Sie sie künftig als AfilioPlus Mitglied auch im Zentralen Vorsorgeregister (ZVR) hinterlegen lassen. Zusätzlich können Sie unseren Notfallabruf nutzen, mit dem Sie oder Angehörige hinterlegte Dokumente ganz einfach von überall einsehen können. Alternativ können Sie Ihre Patientenverfügung auch in einem Notfallordner aufbewahren.

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