3 Tipps, wie Senioren die Corona-Pandemie meistern

3 Tipps, wie Senioren die Corona-Pandemie meistern

30.04.2020
Das Wichtigste in Kürze:
  • Die Coronakrise ist noch lange nicht vorbei. Insbesondere die Risikogruppen, zu denen auch Senioren gehören, benötigen Strategien zur Bewältigung der aktuellen Herausforderungen.
  • Bewegung und ein gesunder Lebensstil sorgen für ein starkes Immunsystem und tun auch der Psyche gut.
  • Vom Telefon bis zur Besuchsbox vor dem Pflegeheim: Es gibt Möglichkeiten, mit Angehörigen und Freunden in Verbindung zu bleiben.
  • Sorgen Sie mit einer Patientenverfügung und einer Vorsorgevollmacht für den Fall der Fälle vor.

Das Coronavirus hat unseren Alltag innerhalb weniger Wochen komplett auf den Kopf gestellt. Die meisten Deutschen befürworten die strengen Regeln zur Eindämmung des Virus – und doch ist es für jeden Einzelnen eine Herausforderung, sich an die neuen Bedingungen anzupassen. Vor allem Ältere und Menschen mit Vorerkrankungen sollen ihre Kontakte so weit wie möglich einschränken. Doch wie lässt es sich so auf lange Sicht leben? Wie vermeidet man Einsamkeit und psychische und körperliche Folgeschäden der Isolation? Und wie sorgt man am besten für einen medizinischen Notfall in Folge einer Corona-Infektion vor? Diese drei Tipps sollen Senioren helfen, die schwierige Situation bestmöglich zu meistern.

1. Verfassen Sie eine aktuelle Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht

Zuhause bleiben, Abstand halten, Hände waschen, Maske tragen – all das sind sinnvolle Maßnahmen, die das Infektionsrisiko für einen selbst und für andere senken. Doch wie gewissenhaft man sich auch an die Regeln hält: Ein Restrisiko für eine Infektion mit SARS-CoV-2 bleibt bestehen. Laut Robert Koch-Institut (RKI) kommt es (Stand: April 2020) bei insgesamt rund 14 Prozent der Infizierten zu einem schweren, aber nicht lebensbedrohlichen Krankheitsverlauf, bei ca. 6 Prozent zu einem kritischen bis lebensbedrohlichen Verlauf. Bei vielen an COVID-19 Erkrankten ist die Lunge betroffen, bis hin zum Lungenversagen. Ein Teil von ihnen muss deshalb im Krankenhaus mit Sauerstoff versorgt oder gar auf der Intensivstation künstlich beatmet werden.

Bei älteren und vorerkrankten Personen ist das Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf besonders hoch: 87 Prozent der in Deutschland verstorbenen COVID-19-Patienten waren laut RKI 70 Jahre alt oder älter. Zu den beobachteten Vorerkrankungen bei schweren Verläufen zählen unter anderem Herz-Kreislauf-Erkrankungen einschließlich Bluthochdruck, chronische Lungenerkrankungen wie COPD, chronische Lebererkrankungen, Diabetes und Krebs.

Patientenverfügung

Was bedeutet all das für Ihre persönliche Vorsorge? Grundsätzlich gilt: Eine Patientenverfügung sollte jeder aufsetzen – unabhängig von Corona und vom Lebensalter. Denn jeder kann in die Situation geraten, sich bei einem medizinischen Notfall nicht mehr zu seinen Behandlungswünschen äußern zu können. Wer diese rechtzeitig in einer Patientenverfügung darlegt, geht sicher, dass nur Behandlungen durchgeführt werden, in die er eingewilligt hat. Durch Corona wird vielen Menschen bewusst, wie schnell der Ernstfall eintreten kann und wie wichtig Vorsorge bereits für junge Menschen ist. Das Virus zeigt aber auch, dass es essenziell ist, bestehende Vorsorgedokumente aktuell zu halten und ihren Inhalt an eine veränderte Situation anzupassen – sei es, weil sich die eigene gesundheitliche Verfassung verändert oder die Rahmenbedingungen, wie im Fall von Corona.

Das Thema Beatmung sollten Senioren spätestens jetzt in der Patientenverfügung klar regeln. Passen Sie also Ihre bestehende Vorsorge an oder setzen Sie das Dokument umgehend auf. Benennen Sie darin so genau wie möglich Ihre Behandlungswünsche für den Fall einer COVID-19-Erkrankung. Ein sehr häufiges Problem bei Patientenverfügungen ist, dass sie zu allgemein formuliert sind. Das Dokument ist bindend für Ärzte, doch wenn die Formulierungen unterschiedliche Interpretationen zulassen, müssen sie schwierige Entscheidungen treffen – und es besteht das Risiko, dass diese nicht im Sinne des Patienten sind. Aufgrund dieser Problematik entschied der Bundesgerichtshof (BGH) 2017, dass eine Patientenverfügung nur dann „unmittelbare Bindungswirkung“ entfaltet, wenn sie „neben den Erklärungen zu den ärztlichen Maßnahmen, in die der Ersteller einwilligt oder die er untersagt, auch erkennen lässt, dass sie in der konkreten Behandlungssituation Geltung beanspruchen soll“.

Nicht nur hinsichtlich Corona gilt also: Je genauer Sie Ihre Behandlungswünsche angeben, desto besser. Hilfreich ist ein zusätzlicher Abschnitt, in dem Sie schildern, was ein lebenswertes Leben für Sie ausmacht. Sollte in einer unerwarteten Notfallsituation doch Unklarheit über Ihre Wünsche bestehen, hilft die Passage Ärzten und Angehörigen, sich in Sie hineinzuversetzen. Auch ist es ratsam, für Mediziner erkennbar zu machen, dass es sich um ein aktuelles Dokument handelt. Eine bestehende Patientenverfügung sollte regelmäßig inhaltlich geprüft, bei Bedarf verändert und mit einer neuen Unterschrift mit Datum versehen werden.

Vorsorgevollmacht

Ein zweites Dokument, mit dem Sie sich rechtlich für den Ernstfall absichern, ist die Vorsorgevollmacht. In ihr bestimmen Sie, wer im Fall einer Geschäfts- und/oder Einwilligungsunfähigkeit für Sie entscheiden und handeln darf. Für den Fall, dass Sie schwer an Corona erkranken und nicht mehr auskunftsfähig sind, könnten Ärzte Ihre Vertrauensperson(en) zurate ziehen, um über die weitere Behandlung zu entscheiden. Außerdem können Sie in der Vorsorgevollmacht regeln, dass die Bevollmächtigten Sie auch in anderen Angelegenheiten vertreten können. Da die Vorsorgevollmacht (insbesondere die Generalvollmacht) die Bevollmächtigten mit weitreichenden Befugnissen ausstattet, sollten Sie darin nur Personen benennen, denen Sie zu 100 Prozent vertrauen. In bestimmten Fällen kann anstelle der Vorsorgevollmacht oder zusätzlich eine Betreuungsverfügung sinnvoll sein.

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2. Pflegen Sie soziale Kontakte – so klappt es trotz Corona

Älteres Paar auf der Couch macht Videotelefonie per Tablet
In der aktuellen Coronakrise sind moderne Technologien ein Segen: Sie helfen, auch in der Isolation den Kontakt zur Familie zu halten. Ein normales Telefon tut es aber auch.

Isolation schützt vor Infektion. Doch was daraus folgt, ist für jeden Einzelnen schmerzhaft. Gerade Senioren sind durch die Corona-Regeln von Einsamkeit bedroht. Bleibt der Kontakt zu den Kindern und Enkeln, zu Nachbarn, Freunden und Bekannten völlig aus, kann dies gefährliche Folgen für die Psyche haben, bis hin zu einer Altersdepression. Darum ist es wichtig, dass Sie alle verfügbaren Möglichkeiten nutzen, um mit Ihren Verwandten und Bekannten in Verbindung zu bleiben.

Eine Kontaktmöglichkeit, die die meisten älteren Menschen problemlos nutzen können, ist das Telefon – ob Festnetzanschluss oder Seniorenhandy. Wer ein Smartphone, einen Computer oder ein Tablet besitzt, kann es auch mit einem Videotelefonat versuchen. Teilweise ermöglichen auch Alten- und Pflegeheime ihren Bewohnern Telefonate mit Videoübertragung, da Besuche von Verwandten in vielen Häusern verboten oder nur stark eingeschränkt möglich sind. Ein besonders einfallsreicher Weg, Heimbewohnern Treffen mit ihren Angehörigen zu ermöglichen, wird derzeit immer populärer: Besuchsboxen. Dabei handelt es sich um speziell umgerüstete Container, in denen sich zwei durch eine Plexiglasscheibe getrennte Kabinen befinden. So können Heimbewohner auf der einen, ihre Angehörigen auf der anderen Seite sitzen und ohne Infektionsrisiko miteinander Zeit verbringen.

Vielleicht nehmen Sie und Ihre Angehörigen sich in der besonderen Situation auch wieder einmal Zeit zum Briefeschreiben? Oder Sie unterhalten sich im sicheren Abstand vom Balkon aus oder über den Gartenzaun miteinander? Die Hauptsache ist: Seien Sie kreativ und finden Sie mit Ihren Familienmitgliedern und Freunden individuelle Wege, das Beste aus der Situation zu machen.

3. Bewegung und gesunder Lebensstil: Gut für Körper und Psyche

Älterer Mann geht mit seinem Hund auf Feldweg spazieren
Mit ausreichend Abstand ist Bewegung an der frischen Luft trotz Coronakrise problemlos möglich. Experten empfehlen sie sogar dringend, denn sowohl der Körper als auch die Psyche profitieren.

Zu guter Letzt ein Ratschlag, der in jeder Situation gilt: Tun Sie Körper und Geist etwas Gutes, indem Sie einen gesunden Lebensstil pflegen. Dazu gehört Bewegung ebenso wie gesunde Ernährung und der Verzicht auf Zigaretten und Alkohol. Experten betonen immer wieder, wie wichtig Bewegung an der frischen Luft auch in der Coronakrise ist. Wer dabei genug Abstand von anderen hält, für den ist das Risiko einer Infektion laut Wissenschaftlern sehr gering: Mindestens 1,5 Meter, besser 2 Meter Abstand müssen es sein. Um auf Nummer sicher zu gehen, werden beim Sporttreiben auch bis zu 15 Meter empfohlen. Ob Sie spazieren gehen, Nordic Walking machen oder mit dem Fahrrad fahren, ist egal – tun Sie einfach, was Ihnen Spaß macht! Von den Muskeln bis zur Lunge profitiert der ganze Körper von Bewegung im Freien. Ein positiver Nebeneffekt bei schönem Wetter: Sonnenlicht macht nicht nur gute Laune, sondern kurbelt auch die Vitamin-D-Produktion an. Ihr Immunsystem bringen Sie auf diese Weise richtig in Schwung – und tun außerdem etwas gegen Mangelerscheinungen wie Osteoporose. So sind Sie nicht nur hinsichtlich einer potenziellen Corona-Infektion bestmöglich aufgestellt.

Zusammengefasst lässt sich sagen: Die Coronakrise wird noch eine ganze Weile andauern – und mit ihr viele Einschränkungen unseres Alltags. Stellen Sie jetzt die Weichen für eine möglichst sorgenfreie Zeit: mit einer guten Vorsorge, einer Strategie, wie Sie Kontakte trotz der aktuellen Herausforderungen pflegen können, und einem möglichst gesunden Lebensstil, der Körper und Psyche stärkt. Denn das Leben geht weiter. Genießen Sie es – und bleiben Sie gesund!

Info: Wie Sie sich am effektivsten vor einer Infektion mit SARS-CoV-2 schützen, erfahren Sie in unserem Ratgeber „Coronavirus: Was ältere Menschen jetzt tun können“.

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