Pflegeheim: Die richtige Einrichtung finden

Pflege­heim: Die richtige Einrichtung finden

Der Umzug ins Pflege­heim steht bevor? Wichtig ist, dass die Einrichtung zu den Bedürfnissen von Betroffenen und Angehörigen passt. Jetzt informieren!

Johannes Kuhnert
Johannes Kuhnert
05.09.2019
Das Wichtigste in Kürze:
  • Neben einer barrierefreien Unterbringung punkten Pflegeheime und Altenheime mit regelmäßiger Gesellschaft unter Menschen der gleichen Generation, einem situationsadäquaten Freizeitangebot und der Versorgung mit drei Mahlzeiten am Tag.
  • Während „klassische“ Altenheime in erster Linie eine unterstützende Wohnmöglichkeit für ältere Menschen sind, deren Selbständigkeit erhalten und gefördert werden soll, handelt es sich bei Pflegeheimen und teil- oder vollstationäre Einrichtungen zur professionellen pflegerischen Unterbringung.

Bei einem Pflegeheim handelt es sich um eine stationäre Einrichtung zur Unterbringung pflegebedürftiger Menschen. Die Begriffe Pflegeheim und Altenheim werden häufig synonym verwendet, allerdings kann es sich bei einem Altenheim auch um ein Altenwohnheim handeln, dessen Bewohner noch weitestgehend selbstständig sind. Im Pflegeheim hingegen spielt die ständige Betreuung und Pflege der Betroffenen durch professionelle Pflegekräfte eine zentrale Rolle. Die Unterbringung im Pflegeheim kann für Betroffene viele Vorteile haben: Sie sind in Gesellschaft und leben mit Menschen der gleichen Generation unter einem Dach, können Beschäftigungsangebote wahrnehmen und profitieren von der zuverlässigen Versorgung mit mindestens drei Mahlzeiten am Tag.

Für Angehörige ist es meist eine große Erleichterung, das pflegebedürftige Familienmitglied in guten Händen zu wissen. Den Betroffenen selbst fällt der Umzug ins Pflegeheim allerdings oft schwer. Darum ist es umso wichtiger, dass die Einrichtung ihren Vorstellungen und Bedürfnissen gerecht wird. Afilio klärt auf, welche Unterbringungsmöglichkeiten existieren und für wen ein Umzug ins Pflegeheim die richtige Entscheidung sein kann.

Was ist ein Pflegeheim?

Pflegeheime sind Einrichtungen, die sich gezielt an pflegebedürftige Personen richtigen. Sie können im Pflegeheim entweder ganztägig oder lediglich zur Tages- und Nachtzeit untergebracht werden. Ein Pflegeheim übernimmt dabei nicht nur die wohnliche Unterbringung, sondern auch die professionelle pflegerische Betreuung seiner Bewohner. Mit Möglichkeiten zur befristeten Kurzzeitpflege haben sich viele Pflegeeinrichtungen ein neues Aufgabengebiet erschlossen, von dem vor allem pflegende Angehörige profitieren. Pflegeheime sind die richtige Wahl für ältere Personen mit Pflegegrad, die nicht länger in der Lage sind, ihren Alltag sicher und kontinuierlich zu gestalten. Sie sind auch die richtige Alternative, wenn es keine pflegenden Angehörigen gibt, die in der Lage sind, den hohen finanziellen und zeitlichen Aufwand privater Pflege gerecht zu werden.

Wie finde ich ein passendes Pflegeheim?

Ein Pflegeheim sollte idealerweise nicht allzu weit vom früheren Wohnort des Betroffenen und / oder seiner nächsten Angehörigen entfernt sein. Je näher das Pflegeheim am einstigen Lebensmittelpunkt liegt, desto einfacher fällt es neuen Bewohnern oft, die neue Wohnsituation anzunehmen. Ist das Pflegeheim darüber hinaus für die nächsten Angehörigen gut erreichbar, bestehen gute Besuchsmöglichkeiten. Leben die verbleibenden Angehörigen weit entfernt vom letzten Wohnort des Betroffenen, ist abzuwägen, welcher Aspekt bei der Unterbringung im Mittelpunkt stehen soll: Die Erreichbarkeit durch Verwandte und Bekannte oder die Nähe zum bisherigen Lebensmittelpunkt.

Wie groß sollte das Pflegeheim sein?

Nicht für alle Betroffenen ist ein großes Pflegeheim die richtige Wahl, obwohl die Betreuungsmöglichkeiten und organisatorischen Rahmenbedingungen in einer größeren Einrichtung umfassender sein können. Kleinere Einrichtungen punkten hingegen oft mit einem besseren Betreuungsschlüssel und dem Vorzug leichter erfassbar für neue Bewohner zu sein

Was gibt es dort – Welche Ausstattung ist gewünscht?

Gerade im Hinblick auf den Langzeitkomfort ist es sinnvoll, die Ausstattung der Individualunterbringung zu überprüfen. Handelt es sich um eine Unterbringung in Einzelzimmern? Welche Möglichkeiten zur Selbstgestaltung mit eigenen Möbeln oder persönlichen Gegenständen gibt es? Existieren Gemeinschaftsräume, die Abwechslung bieten? Sind die Gartenanlagen vorhanden, die auch zum Verweilen und Spazieren einladen? Wie ist der Fernsehempfang? Gibt es Internet? Wie ist der Handyempfang vor Ort?

Wer ist Träger oder Betreiber?

Viele Heime befinden sich heute in öffentlicher oder gemeinnütziger Trägerschaft. Gerade große Träge stehen häufig für hohe Qualitätsstandards, in einigen Fällen jedoch auch für prozessuale Herausforderungen. Prüfen Sie, ob es beim MDK oder öffentlichen Testeinrichtungen Berichte über Mängel oder unzureichende Leistungen gegeben hat. Erkundigen Sie sich auch nach der Qualifikation der Heimleitung und dem aktuellen Pflegeschlüssel.

Welches Pflegeangebot gibt es?

Wie wird gepflegt? Welchen Ansatz verfolgt die Heimleitung, um Selbständigkeit und Abwechslung ihrer Heimbewohner zu fördern?

Welche Angebote gibt es für Bewohner?

Unterbringung ist nicht gleichzusetzen mit Aufbewahrung. Moderne Pflegeheime bieten ein Rahmenangebot, an dem sich Bewohner beteiligen können, aber nicht müssen. Holen Sie Erkundigungen ein, welche Angebote ein avisiertes Heim seinen Bewohnern macht

Wie ist das Essen?

Eine wichtige Frage: Denn wer hier lange lebt, wird auch lange die Qualität des Essens in Anspruch nehmen. Stimmt die allgemeine Verköstigungslage nicht, trägt das oft nicht nur ungünstig zur Stimmung der Bewohner bei. Schlechtes Essen mit hohem Einsatz verarbeiteter Fertigbestandteile kann mittelfristig auch die Gesundheit der Bewohner beeinträchtigen.

Sonstige Dienstleistungen

Können Bewohner auf weitere Dienstleistungen zählen? Werden Extra-Services zum Einkaufen, Friseurbesuch oder Arztbesuch in Anspruch nehmen?

Mitspracherechte und Tierhaltung

Auch organisatorisch gibt es Aspekte, die beleuchtet werden sollten: Denn oftmals leben Bewohner mehrere Jahre in einer Einrichtung. Wie wird mit Beschwerden und Verbesserungswünschen umgegangen? Gibt es eine Bewohnervertretung? Und wie steht die Heimleitung der Unterbringung von Tieren der Bewohner gegenüber?

Pflegeheim testen – So fällen Sie die richtige Entscheidung:

Auswahl treffen

Idealerweise sollten Sie für die Auswahl des richtigen Pflegeheims eine erste Eingrenzung treffen, etwa indem Sie Ihre Suche auf alle in Frage kommenden Einrichtungen im Umkreis von 10 km beschränken. Neben der naheliegenden Option, Suchmaschinen im Internet zu nutzen, können Sie sich auch an Ihre Pflegekasse, bzw. Krankenkasse mit der Bitte um Hilfe wenden. Darüber hinaus sind auch öffentliche Stellen wie Sozialämter, Gemeinden oder der angeschlossene Sozialdienst im Krankenhaus geeignete Ansprechpartner bei der Suche nach Pflegeheimen.

Besichtigungstermin vereinbaren

Bevor Sie einen offiziellen Besuchs- und Besichtigungstermin mit einem geeigneten Pflegeheim vereinbaren, sollten Sie versuchen mit aktuellen Bewohnern eines Pflegeheims oder Altenheims ins Gespräch zu kommen. Gerade im direkten Austausch mit anderen in einer ähnlichen Situation können Sie besonders viel über die tatsächlichen Gegebenheiten in einer Einrichtung erfahren. Versuchen Sie sich dabei auch in die Perspektive eines Bewohners zu versetzen und einen Eindruck davon zu gewinnen, ob die Einrichtung ihnen selbst in einer ähnlichen Situation zusagen würde.

Leistung und Qualität prüfen

Prüfen Sie nicht nur, welche generellen Leistungen im von Ihnen ausgesuchten Pflegeheim erbracht werden, sondern setzen Sie auch auf standardisierte Prüfmethoden: Der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) überprüft die Pflegequalität zugelassener Einrichtungen. Die Ergebnisse dieser Prüfungen sind nicht ohne Weiteres frei zugänglich, Sie können jedoch die Heimleitung bitten, Ihnen das Ergebnis zu zeigen. Lassen Sie sich auch die Zahl der eingesetzten Regelpflegekräfte und die Zahl der Heimbewohner nennen, um sich ein Bild vom realen Pflegeschlüssel zu machen.

Preise und Kosten

Die Kosten im Pflegeheim variieren nicht nur bundesländerübergreifend, sondern auch von Anbieter zu Anbieter. Glücklicherweise bieten heute praktisch alle Krankenkassen bzw. Pflegekassen übersichtliche Preisvergleiche zu Pflegeheimen an. Als Vergleichsmaßstab können Sie zwischen 2500€ und 4000€ veranschlagen – je nach Ausstattung, Ort und Träger. Berücksichtigen Sie dabei, dass Sie für die dauerhafte stationäre Unterbringung maximal 2000€ als Beitrag von der Pflegekasse veranschlagen können: Den Restbetrag müssen Betroffene oder Angehörige selbst aufbringen. Seit 2020 können Angehörige nur noch zur Deckung des Eigenanteils herangezogen werden, wenn sie mehr als 100.000€ jährliches Einkommen erzielen. Ideal abgesichert sind Betroffene jedoch vor allem, wenn sie rechtzeitig eine passende private Pflegezusatzversicherung abschließen.

Heimvertrag und Pflegevertrag

Sobald Sie oder Ihr betroffener Angehöriger sich für ein geeignetes Heim entschieden haben, geht es um die vertragliche Regelung der Unterbringung. Die Grundlage für den geregelten Umzug bildet ein sog. Heimvertrag. Ähnlich einem erweiterten Mietvertrag vereinbaren Heim und Bewohner im Heimvertrag, bzw. Pflegevertrag die Bedingungen der dauerhaften Unterbringung. Maßgeblich geregelt werden im Heimvertrag drei Kostenpunkte für die eigentliche Pflege, die Kosten für Unterbringung und Verpflegung und der Anteil für Instandhaltung, Betrieb und Investition. Maßgeblich für die Ausgestaltung eines seriösen Heimvertrags sind die Maßgaben des jeweiligen Landesheimgesetzes im entsprechenden Bundesland. Um sicherzustellen, dass alle Regularien berücksichtigt werden, können Sie das Vertragswerk im Vorfeld der Unterzeichnung einen im Fachbereich erprobten Anwalt vorlegen oder sich an die örtliche Verbraucherzentrale wenden. Auch die örtliche Pflegeberatung Ihrer Pflegekasse kann Ihnen häufig helfen.

Beim Eintritt in ein Pflegeheim muss der künftige Bewohner einen Heimvertrag unterzeichnen. Das Vertragswerk schreibt die Rechte und Pflichten von Heimbetreiber und -bewohner fest. Der Heimvertrag sollte zum einen die Grundlagen und Philosophie der Heimführung und Pflegearbeit umreißen. Zum anderen muss er vollständig und nachvollziehbar alle Kostenpunkte auflisten. Die drei großen Bereiche sind dabei:

  1. Pflegekosten
  2. Kosten für Unterkunft und Verpflegung
  3. Investitionskosten (Gebäudeinstandhaltung, Pachtgebühren etc.)

Altverträge und Amtsgänge

Ein Umzug in ein Pflegeheim geht mit denselben Herausforderungen einher wie jeder andere Wohnortwechsel. Darum ist es auch genauso wichtig, Dienstleister und amtliche Stellen über die Änderung des eigenen Lebensmittelpunkts in Kenntnis zu setzen:

  • Einwohnermeldeamt: Der Umzug in ein Pflegeheim bedeutet auch den Umzug an einen neuen Erstwohnsitz. Also ist eine Ummeldung notwendig.
  • Mietvertrag kündigen: Lebte der Betroffene bisher zur Miete, ist es notwendig, die bisherige Wohnung fristgerecht zu kündigen. Üblicherweise beträgt die Kündigungsfrist drei Monate. Die Kündigung sollte also idealerweise so erfolgen, dass der Umzug und die Beendigung des alten Mietverhältnisses möglichst nah beieinander liegen. Für Härtefälle können u.U. kürzere Fristen geltend gemacht werden.
  • Versicherungen und Verträge prüfen: Wird kein eigener Wohnsitz mehr unterhalten, ist eine Hausratversicherung ebenso unnötig wie ein eigener Internet- bzw. Telefonanschluss. Aber auch Zeitungsabonnements sollten sie zumindest umstellen. Setzen Sie auch die GEZ darüber in Kenntnis, dass sie keinen eigenen Wohnsitz mehr unterhalten.
  • Nachsendeauftrag: Um sicherzustellen, dass Post und Pakete auch künftig ihren Weg finden, ist ein Nachsendeauftrag mit dem Pflegeheim als neuer Zieladresse eine sinnvolle Ergänzung. Für gewöhnlich genügt die Einrichtung für ein Jahr.
  • Unterlagen: Nehmen Sie Ihre wichtigsten Unterlagen mit oder legen Sie sie Ihren Angehörigen ans Herz
Teilstationäre Pflege: Pflege­heim als Unterstützung der häuslichen Pflege

Tagespflege und Nachtpflege

Gerade wenn Sie im Vorfeld einer Unterbringung noch Erkundigungen einholen, kann das Angebot zur Tages- und Nachtpflege ein guter Indikator für das Leistungsspektrum eines Pflegeheims sein. Ist ein Pflegeheim in der Lage zusätzlich zum Regelbetrieb Leistungen zur überbrückenden Pflege für Tag und Nacht anzubieten kann das ein Hinweis für einen ausreichenden Personalschlüssel sein. Umgekehrt sollten Sie sich über Umfang und Ablauf der Leistungen zur Tages- und Nachtpflege erkundigen, um sicherzustellen, dass die fragliche Einrichtung über ausreichende Ressourcen verfügt.

Kurzzeitpflege

Ähnlich wie bei der Tages- und Nachtpflege bieten viele Heime heute die Möglichkeit zur Kurzzeitpflege an. Die Kurzzeitpflege ist Teil des regulären Leistungskatalogs für Pflegebedürftige, die für einen kurzen Zeitraum außer der Reihe stationär versorgt werden müssen, etwa nach einem Krankenhausaufenthalt oder wenn weder der ambulante Pflegedienst noch die pflegenden Angehörigen zeitweilig in der Lage sind, die häusliche Pflege wahrzunehmen.

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