Checkliste Patientenverfügung: Die 6 wichtigsten Punkte

Checkliste Patienten­verfügung: Die 6 wichtigsten Punkte

21.09.2020

Eine Patientenverfügung korrekt und sicher zu erstellen ist nicht ganz einfach. Deswegen möchten wir Ihnen mit unserer praktischen Checkliste eine Hilfestellung geben und Sie dabei unterstützen, Schritt für Schritt Ihre eigene Patientenverfügung zu erstellen.

1. Wägen Sie Ihre Entscheidungen ab

Der erste Punkt ist leider auch gleich der schwierigste, denn er verlangt von Ihnen, dass Sie sich mit Themen auseinandersetzen, über die die meisten Menschen nicht gern nachdenken. Nehmen Sie sich Zeit und überlegen Sie genau, welchen Behandlungen Sie im Falle einer ernsten Erkrankung oder einer schweren Verletzung zustimmen würden und welche Sie ablehnen. Diese Informationen sind der wichtigste Bestandteil Ihrer Patientenverfügung und sehr genaue Angaben stellen sicher, dass Ärzte und Angehörige nach Ihren Vorstellungen handeln können, wenn Sie selbst nicht mehr in der Lage sind, diese zu äußern.

Unser Tipp

Sprechen Sie am besten mit Ihrem Hausarzt über die Patientenverfügung. Er kann Ihnen nicht nur die medizinischen Hintergründe und die Behandlungsmethoden bei verschiedenen Krankheiten erklären, sondern er kennt auch Ihre persönliche Krankengeschichte und kann Tipps geben, welche Entscheidungen Sie auf jeden Fall abdecken sollten. Mehr dazu erfahren Sie in unserem Beitrag: Bekomme ich beim Hausarzt eine Patientenverfügung?

2. Erstellen Sie Ihre Patientenverfügung

Wenn Sie Ihre Vorstellungen für sich definiert haben, können Sie mit der Erstellung der Patientenverfügung beginnen. Sie sollten Ihre Verfügung allerdings nicht frei drauf los schreiben, sondern sich Hilfe holen, z. B. durch Vorlagen oder Formulare. Allerdings ist hier Vorsicht geboten: Eine Patientenverfügung zum Ankreuzen bietet Ihnen weder umfassende Möglichkeiten, Ihren Willen festzuhalten, noch sind Sie zu 100 Prozent abgesichert. Denn oftmals sind besonders vorformulierte Vorlagen oder Ankreuzzettel nicht rechtssicher und veraltet. Besser sind geprüfte Formulare mit Ausfüllhilfe, die die aktuelle Rechtsprechung berücksichtigen – z. B. von Afilio.

In unserem Beitrag zum Thema erfahren Sie, wie Sie Ihre Patientenverfügung rechtssicher erstellen.

Was muss alles in einer Patientenverfügung stehen?

Die folgenden Punkte sollten Sie in Ihrer Patientenverfügung aufgeführt haben:

  • Eingangsformel mit Namen, Geburtsdatum, Adresse
  • schriftliche Bestätigung, dass Sie die Patientenverfügung im Vollbesitz Ihrer geistigen Kräfte verfassen
  • Angaben zu Ihrer aktuellen gesundheitlichen Situation
    Erfreuen Sie sich bester Gesundheit? Sind Sie bereits erkrankt oder sogar pflegebedürftig?
  • Angaben zur Behandlungssituation
    Nennen Sie konkrete Behandlungssituationen und welche Behandlungen Sie in diesen Fällen wünschen.
  • ärztliche und pflegerische Maßnahmen
    Geben Sie an, wie Sie zu lebenserhaltenden Maßnahmen, Schmerz- und Symptombehandlung, künstlicher Ernährung und Flüssigkeitszufuhr, künstlicher Beatmung und Wiederbelebung stehen.
  • gewünschter Ort der Behandlung am Lebensende
  • Beistand und Vertrauenspersonen
  • Schweigepflichtsentbindung, damit Ärzte Vertrauenspersonen über Ihren Gesundheitszustand informieren können
  • Regelungen zur Organspende
  • Anlagen, wie zum Beispiel die persönlichen Wertvorstellungen, die bestenfalls so formuliert sind, dass Ärzte im Ernstfall nicht zwischen Patientenverfügung und Ethik entscheiden müssen
  • Dokumentation der Beratung, wenn Sie sich haben beraten lassen
  • Hinweis auf ergänzende Dokumente wie Vorsorgevollmacht oder Betreuungsverfügung
  • Unterschrift

Gut zu wissen: Wenn Sie die Christliche Patientenverfügung nutzen, sollten Sie aufpassen, dass auch alle für Sie wichtigen Fälle deutlich benannt sind. Denn das Ankreuzformular der Kirche geht auf einige Themen nicht ein, die dann im Freitextfeld ergänzt werden müssen.

Mutter spricht mit Ihrer Tochter über Patientenverfügung
Mit einer Vorsorge­vollmacht übertragen Sie Ihren Bevollmächtigten große Verantwortung. Sprechen Sie darum vorab mit Ihrer Wunschperson und überlassen Sie ihr die Entscheidung, ob sie sich der Aufgabe gewachsen fühlt.

4. Erstellen Sie ergänzende Vorsorgedokumente

Eine Patientenverfügung allein ist leider nur die halbe Miete – ohne eine Vorsorgevollmacht und/oder eine Betreuungsverfügung entfaltet sie nicht ihre ganze Wirkung. Deshalb sollten Sie auf jeden Fall eines, am besten sogar beide Dokumente aufsetzen. In der Vorsorgevollmacht bevollmächtigen Sie eine Vertrauensperson dazu, weitreichende Entscheidungen für Sie zu treffen. Sie kann durch die Vollmacht uneingeschränkt handeln. In der Betreuungsverfügung schlagen Sie hingegen nur eine Person vor, die Sie sich als Betreuer wünschen. Wer zum gesetzlichen Betreuer bestellt wird, entscheidet das Betreuungsgericht. Die bestellte Person darf nicht frei handeln, sondern wird vom Gericht überwacht.

Gut zu wissen: Die in der Vorsorgevollmacht bevollmächtigte Person muss nicht zwingend tätig werden, sondern kann die Pflicht auch ablehnen. In diesem Fall bestimmt das Betreuungsgericht einen Betreuer.

Mehr zum Unterschied zwischen Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung erfahren Sie in unserem Ratgeber.

Ordner in denen die Patientenverfügung hinterlegt ist
Die Patienten­verfügung sollte nicht nur in einem Ordner im heimischen Wohnzimmer liegen, sondern bestenfalls auch digital hinterlegt sein.

5. Hinterlegen Sie Ihre Patientenverfügung sicher

Die beste Vorsorge nützt nichts, wenn die entsprechenden Papiere im Ernstfall nicht auffindbar sind. Aus diesem Grund sollten Sie Patientenverfügung und Co. in anerkannten Datenbanken registrieren und sicher aufbewahren. Eine Möglichkeit ist beispielsweise die Registrierung im Zentralen Vorsorgeregister der Bundesnotarkammer (ZVR). Hier können Sie die Information hinterlegen, dass Sie eine Vorsorgevollmacht und eine Patientenverfügung erstellt haben. Der Nachteil: Nur Betreuungsgerichte können die Datenbank des ZVR einsehen. Deutlich besser ist es, die Daten digital und für Angehörige sowie Ärzte zugänglich zu hinterlegen – z. B. bei Afilio. Zudem sollten Sie Angehörigen mitteilen, dass es eine Patientenverfügung gibt und wo diese aufbewahrt wird.

In unserem Artikel Patientenverfügung hinterlegen: So ist sie immer griffbereit finden Sie alle Informationen rund um die korrekte Aufbewahrung Ihrer Dokumente. Übrigens können Sie die wichtigsten Informationen zu Ihrer Patientenverfügung auch täglich bei sich tragen - mit einer Notfallkarte. So finden Ärzte und Angehörige Ihr Dokument im Ernstfall ganz sicher.

6. Prüfen und ändern Sie Ihre Patientenverfügung regelmäßig

Egal ob durch die Familiengründung oder eine Krankheit: In Ihrem Leben kann sich jederzeit etwas ändern. Aus diesem Grund ist es ratsam, die Patientenverfügung regelmäßig zu überprüfen und zu erneuern. Die Lebenssituation, die Sie in der Verfügung schildern, sollte immer mit Ihrer aktuellen Situation übereinstimmen. Wir raten dazu, das Dokument mindestens alle zwei Jahre zu überprüfen und ggf. zu ändern. Was Sie dafür wissen müssen, erfahren Sie in unserem Beitrag Patientenverfügung ändern: Das müssen Sie beachten.

Tipp: Wenn Sie verheiratet sind, sollten Sie diese sechs Schritte direkt gemeinsam mit Ihrem Patner durchgehen und auch für ihn die entsprechenden Dokumente aufsetzen. Denn im Ernstfall sind weder Sie noch er dazu berechtigt, automatisch Entscheidungen für den anderen zu treffen. Mehr dazu erfahren Sie in unserem Artikel Patientenverfügung Ehepartner: Vorsorge für Verheiratete.

Das Wichtigste in Kürze:

Hier finden Sie noch einmal alle wichtigen Schritte auf einen Blick.

  1. Wägen Sie Ihre Entscheidungen ab
  2. Erstellen Sie Ihre Patientenverfügung
  3. Reden Sie mit Vertrauenspersonen
  4. Erstellen Sie ergänzende Vorsorgedokumente
  5. Hinterlegen Sie Ihre Dokumente sicher
  6. Prüfen und ändern Sie Ihre Patientenverfügung regelmäßig

Häufig gestellte Fragen

Woher bekomme ich ein Formular für die Patientenverfügung?

Ein rechtssicheres Formular, mit dem Sie Ihre Patientenverfügung aufsetzen können, bekommen Sie von Afilio. Bei uns können Sie Ihr Dokument einfach online mit einer Ausfüllhilfe erstellen und hinterlegen – jederzeit zugänglich und sicher. Erstellen Sie jetzt Ihre Patientenverfügung.

Warum Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht?

Die Vorsorgevollmacht ist eine sinnvolle Ergänzung zur Patientenverfügung. In der Vollmacht bestimmen Sie eine Person, die im Zweifelsfall über die weitere medizinische Behandlung entscheiden kann. Gibt es keine Vorsorgevollmacht, muss das Gericht einen Betreuer bestellen, der dann unter Aufsicht des Gerichts für Sie entscheidet.

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