Christliche Patientenverfügung: Glaube und Vorsorge

Christliche Patienten­verfügung: Glaube und Vorsorge

24.09.2020

Die Evangelische Kirche Deutschland (EKD), die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) und die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK) geben bereits seit 1999 die Broschüre Christliche Patientenvorsorge heraus. Enthalten ist die Christliche Patientenverfügung, die die Glaubensfragen stärker abbilden soll, als eine normale Verfügung. Doch brauchen Christen wirklich ein spezielles Dokument?

Die Christliche im Vergleich zur normalen Patientenverfügung

Für sich betrachtet, weist die Christliche Patientenverfügung nur wenige Unterschiede zu einem normalen Dokument auf. Formulierungen und Inhalt weisen nicht direkt daraufhin, dass es sich um ein von der Kirche herausgegebenes Vorsorgedokument handelt. Allerdings ist hier der Kontext entscheidend: Denn die Patientenverfügung gibt es nur im Rahmen der Broschüre zur Christlichen Patientenvorsorge, die viele Themen zur medizinischen Behandlung, besonders am Lebensende, aus christlicher Sicht behandelt. Leser bekommen hier Anregungen, die ihnen dabei helfen sollen, über das Leben als Geschenk Gottes und die eigene Haltung zum Tod nachzudenken. Das umfassende Papier behandelt Themen rund um die medizinische Behandlung im Notfall. Außerdem wird auch die Organspende in der Patientenverfügung sowie die Sterbehilfe. Das Papier beinhaltet aber auch ergänzende Dokumente wie die Vorsorgevollmacht und die Betreuungsverfügung.

Wirksamkeit der Verfügung

Hier ist Vorsicht geboten: Die Christliche Patientenverfügung beschränkt sich ausdrücklich nur auf Situationen, in denen sich der Verfasser in Todesnähe befindet. Damit können Sie davon ausgehen, dass in jeder anderen Situation, in der Sie Ihre Wünsche nicht mehr äußern können, lebenserhaltende Maßnahmen durchgeführt werden – und das vielleicht gegen Ihren Willen. Sie haben in der christlichen Patientenverfügung keine Möglichkeit, selbst zu bestimmen, wann sie wirksam sein soll. In einer nicht-theologischen Verfügung können Sie hingegen festlegen, dass Ihre Wünsche befolgt werden müssen, sobald Sie sich selbst nicht mehr äußern können – auch wenn Sie sich dann noch nicht in Todesnähe befinden.

Christliche Symbole mit Stehoskop
Wer seinen christlichen Glauben in der Patienten­verfügung verankert wissen will, muss nicht auf die Christliche Patienten­verfügung zurückgreifen. Auch ein normales Dokument bietet den Raum zur Erwähnung des Glaubens.

Kritik an der Christlichen Patientenverfügung

Bei der Christlichen Patientenverfügung handelt es sich um ein Ankreuzformular, das im Vergleich zu einer persönlichen Patientenverfügung recht kurzgehalten ist. In der Verfügung finden Sie vorformulierte Sätze zur medizinischen Behandlung, denen Sie durch Ankreuzen zustimmen können. Kreuzen Sie einen Punkt nicht an, lehnen Sie automatisch ab. Mit wenigen Kreuzen können Sie also für den Ernstfall vorsorgen – ob das die wirklich beste Lösung ist, ist allerdings fragwürdig.

Denn viele wichtige Themen werden in der Christlichen Patientenverfügung überhaupt nicht abgedeckt. Das gilt z. B. für die Behandlung beim Locked-In-Syndrom, bei einem Schlaganfall, einer Hirnverletzung oder Demenz. Viele Menschen möchten für diese Situationen vorsorgen und die von ihnen gewünschte medizinische Behandlung schriftlich festhalten. Zwar ist es möglich, diese Fälle handschriftlich im Anhang unterzubringen, allerdings muss der Verfasser sehr umfassend informiert sein, um entsprechende Ergänzungen machen zu können. Für einen Laien kann das eine Herausforderung darstellen.

Tipp: Lassen Sie sich von Ihrem Hausarzt beraten, bevor Sie eine Patientenverfügung verfassen. Er kann Ihnen die verschiedenen Behandlungsmethoden erklären und Sie auf Grundlage Ihrer persönlichen Krankengeschichte zu wichtigen Inhalten beraten.

Ein Muss für Christen?

Grundsätzlich eignet sich auch die normale Patientenverfügung, um Ihrem Glauben Ausdruck zu verleihen. Es ist also nicht zwingend notwendig, dass Sie eine christliche Patientenverfügung erstellen. Sie können einfach den Anhang Ihrer normalen Patientenverfügung nutzen, um dort Ihre Wertvorstellungen und Ihren Glauben zu fixieren. Formulieren Sie auch hier möglichst deutlich und schreiben Sie lieber mehr als zu wenig. Denn je mehr Informationen Sie Ihren Angehörigen und Ärzten mitgeben, desto wahrscheinlicher ist es, dass sie Ihren Willen kennen und nicht erst interpretieren müssen. Mehr dazu erfahren Sie in unserem Beitrag Patientenverfügung und Ethik: Überblick über die Debatte.

Patienten­verfügung von Afilio

Wenn Sie eine Patientenverfügung bei Afilio erstellen, bekommen Sie nicht nur ein rechtssicheres und vollständiges Dokument, sondern können auch Ihren Glauben so wie Ihre individuellen Wünsche schriftlich festhalten.

Das Wichtigste in Kürze:
  • Die Christliche Patientenverfügung wird seit 1999 von der Evangelischen Kirche Deutschland (EKD), der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) und der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK) herausgegeben. Die aktuelle Version erschien 2018 als PDF.
  • Die Verfügung unterscheidet sich inhaltlich nur wenig von anderen Verfügungen. Die beigelegte Broschüre gibt Verfassern Anregungen, die Ihnen dabei helfen sollen im Sinne des christlichen Glaubens über wichtige Fragen bezüglich Leben und Tod zu entscheiden.
  • Das Formular deckt wichtige Themen, die vielen Menschen wichtig sind, nicht ausreichend ab., z. B. zur Demenz. Wer sie nutzen möchte, kann Regelungen zwar handschriftlich eintragen, braucht dafür aber Hintergrundwissen.

Häufig gestellte Fragen

Ist eine Christliche Patientenverfügung nur für Christen?

Nein. Jeder, der die Christliche Patientenverfügung für seine Vorsorge nutzen möchte, kann dies grundsätzlich tun. Allerdings ist der Unterschied bezüglich der einzelnen Formulierungen zwischen der Christlichen und einer normalen Patientenverfügung sehr gering und es handelt sich nur um ein kurzes Ankreuzformular, dass wenig Spielraum für Ihre persönlichen Wünsche lässt. Aus diesem Grund empfehlen wir, eine persönliche Patientenverfügung aufzusetzen und sich beim Arzt hinsichtlich der verschiedenen Situationen, die abgedeckt werden sollten, beraten zu lassen.

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