Patientenverfügung ändern: Das müssen Sie beachten

Patienten­verfügung ändern: Das müssen Sie beachten

21.08.2020

Etwa 43 Prozent der Bevölkerung haben bereits eine Patientenverfügung. Viele von ihnen erstellen die Verfügung und wollen sie dann am liebsten nie wieder sehen. Kein Wunder, denn wer beschäftigt sich schon gerne mit Krankheit und Sterben? Allerdings ist es möglich – und sinnvoll – die Patientenverfügung zu ändern.

So können Sie Ihre Patientenverfügung ändern

In der Patientenverfügung wird der Behandlungswille des Patienten festgehalten, für den Fall, dass er oder sie ihren Willen nicht mehr selbst äußern kann. Das Dokument ist für Betreuer, Ärzte und Bevollmächtigte bindend. Die Gültigkeit der Patientenverfügung ist grundsätzlich nicht begrenzt, sie kann aber jederzeit geändert oder widerrufen werden.

Während es für das Erstellen der Patientenverfügung strenge formale Vorgaben gibt, können Änderungen jederzeit ganz einfach vorgenommen werden. Selbst handschriftliches Hinzufügen von Überarbeitungen genügt, diese sollten allerdings mit Datum und Unterschrift versehen sein, um keinen Zweifel an der Urheberschaft aufkommen zu lassen. Streichungen aus dem Text sind ebenfalls möglich. Wichtig ist, dass Ärzte und Betreuer im Fall der Fälle beim Lesen erkennen, was den derzeitigen Vorstellungen des Verfassers entspricht. Je größer die Anzahl der Änderungen, Streichungen und Ergänzungen, desto schwieriger lässt sich dies einschätzen. Setzen Sie darum bei mehreren Überarbeitungen lieber eine neue Patientenverfügung auf.

Patientenverfügung ändern: Frau schreibt ihre neuen Wünsche in ihre Patientenverfügung.
Ihre Patienten­verfügung können Sie jederzeit formlos widerrufen. Auch Änderungen sind jederzeit möglich.

Verfügung an aktuelle Situation anpassen

Ändern Patienten ihre Meinung über Therapiemethoden oder Situationen, in denen sie eine bestimmte Behandlung wünschen bzw. nicht wünschen, können sie jederzeit ihre Patientenverfügung überarbeiten. Häufig entschließen sich Menschen zu einer Änderung der Patientenverfügung, wenn sie in ihrem Bekanntenkreis schwere Erkrankungen, Pflegefälle, Wachkomafälle oder ähnliches miterleben. Ganz egal, was Sie zu Ihrer Willensänderung veranlasst, Sie können Ihre Patientenverfügung ohne jede Begründung überarbeiten.

Ein weiterer Anlass, die Patientenverfügung zu aktualisieren, können veränderte Lebensumstände sein, beispielsweise eine schwere Erkrankung, Scheidung, Tod des Partners oder Umzug in ein Alten- oder Pflegeheim. Hier müssen Sie ebenfalls keine Begründung für Ihre Änderungen angeben. Die Patientenverfügung sollte möglichst Ihrer aktuellen Lebenssituation entsprechen, weshalb eine regelmäßige Überprüfung und Aktualisierung des Dokuments sinnvoll ist. Auch der Krankheitsverlauf selbst kann der Grund dafür sein, dass das Vorsorgedokument nach einer Weile nicht mehr ohne Weiteres anwendbar ist. Darum sollte z. B. eine Patientenverfügung bei Krebs ggf. angepasst werden, wenn Komplikationen oder Begleiterkrankungen auftreten.

Falls Sie Ihrer Patientenverfügung ein Dokument beigelegt haben, in dem Sie Ihre persönliche Auffassung von einem lebenswerten Leben geschildert haben, sollten Sie ggf. auch dieses entsprechend abändern. In unserem Ratgeber erfahren Sie, warum es empfehlenswert ist, die Patientenverfügung um Wertvorstellungen zu ergänzen.

Gut zu wissen: In der Debatte um Patientenverfügung und Ethik geht es vor allem darum, dass zu ungenau formulierte oder veraltete Patientenverfügungen Ärzte und Angehörige vor schwierige Entscheidungen stellen. Wenn Sie Ihr Dokument regelmäßig prüfen und bei Bedarf ändern, erleichtern Sie es den Beteiligten, Ihren Willen zu interpretieren und Entscheidungen in Ihrem Sinne zu treffen.

Mit einer Patientenverfügung von Afilio sind Sie auf der sicheren Seite: Wir verwenden medizinisch bindende Formulierungen, die den Urteilen des Bundesgerichtshofes (BGH) zur Patientenverfügung entsprechen. Spätere Änderungen können Sie ganz einfach per Knopfdruck einfügen und verbindlich hinterlegen. Zudem erinnern wir Sie jährlich daran, Ihr Vorsorgedokument bei Bedarf zu aktualisieren.

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Widerruf der Patientenverfügung: So ist es möglich

Eine Patientenverfügung kann jederzeit formlos widerrufen werden. Der Widerruf kann schriftlich oder verbal erfolgen, auch mit Gesten wie Kopfschütteln oder -nicken können Sie Ihre Patientenverfügung jederzeit widerrufen, sogar in einer akuten Behandlungssituation. Voraussetzung ist, dass Sie zu dem Zeitpunkt noch einwilligungsfähig sind.

Schwierig wird es, wenn z. B. ein Demenzpatient, der nicht mehr einwilligungsfähig ist, mit einem Kopfnicken lebensverlängernden Maßnahmen zustimmt, obwohl er diese zu einem Zeitpunkt als er noch einwilligungsfähig war, in seiner Patientenverfügung abgelehnt hat. Hier muss nun der Betreuer entscheiden. In der Regel wird sich der Betreuer für das entscheiden, was der Patient bei vollem Bewusstsein in seiner Patientenverfügung festgehalten hat. Schließlich gibt die Verfügung den Behandlungswillen des Patienten für genau die Fälle an, in denen er nicht mehr selbst entscheiden kann.

Die Formlosigkeit des Widerrufs soll es den Betroffenen einfach machen. Niemand soll aufgrund zu anspruchsvoller Formalien an eine Patientenverfügung gebunden bleiben, obwohl er eigentlich seine Meinung bereits geändert hat. Ein Nachteil ist, dass es ohne formellen Widerruf schwierig für Betreuer oder Bevollmächtigte ist, zu wissen, ob eine bestehende Patientenverfügung bereits widerrufen wurde. Sofern es keine Anhaltspunkte für eine Meinungsänderung gibt, wird darum grundsätzlich von einer Gültigkeit der Patientenverfügung ausgegangen.

Sie müssen Ihre Patientenverfügung nicht unbedingt gegenüber Betreuern oder Ärzten widerrufen, sondern können Ihren Willen auch gegenüber anderen Personen äußern. Wichtig: Kein Betreuer oder Bevollmächtigter kann eigenmächtig Ihre Patientenverfügung widerrufen.

Hinterlegte Versionen nicht vergessen!

Wird eine Patientenverfügung geändert oder widerrufen, kann das vorherige Dokument vernichtet werden. Wichtig ist auch, Exemplare, die zum Beispiel beim Hausarzt oder Angehörigen hinterlegt wurden, zu vernichten oder durch die aktuelle Version zu ersetzen. Zur Sicherheit können Sie auch noch einmal schriftlich festhalten, welche Patientenverfügung (mit Datum) die einzige und aktuell gültige Version ist, bzw. dass Sie Ihre Patientenverfügung widerrufen.

Mehr dazu, wo Sie Ihr persönliches Dokument hinterlegen können, erfahren Sie in unserem Ratgeber Patientenverfügung hinterlegen: So ist sie immer griffbereit.

Das Wichtigste in Kürze:
  • Patientenverfügungen können jederzeit geändert werden, handschriftliche Überarbeitungen genügen.
  • Wurden viele Änderungen vorgenommen, sollte die Verfügung neu aufgesetzt werden, damit Ihr aktueller Wille sofort erkennbar ist.
  • Sie können Ihre Patientenverfügung schriftlich, verbal und durch Gesten widerrufen.
  • Vergessen Sie nicht nach Änderung oder Widerruf, hinterlegte Exemplare der vorherigen Patientenverfügung zu aktualisieren oder zu vernichten.

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