Patienten­verfügung bei Krebs: Ein spezieller Fall

von Afilio
21.09.2020 (aktualisiert: 06.01.2022)
Das Wichtigste in Kürze:
  • In einer Patienten­verfügung sollten Sie möglichst konkrete Angaben dazu machen, wie Sie im Ernstfall medizinisch behandelt werden möchten.
  • Falls Sie an einer Krebserkrankung leiden, ist es sinnvoll, auf Ihr spezielles Krankheitsbild einzugehen und Ihre Entscheidungen bezüglich der verfügbaren Therapien und Behandlungs­möglichkeiten festzuhalten.
  • Bei Krebs treten häufig Komplikationen oder Begleiterkrankungen auf, die zu Anfang noch nicht absehbar sind. Achten Sie in diesem Fall darauf, dass Sie Ihre Patienten­verfügung bei Bedarf anpassen.

Patienten­verfügung erstellen: So geht's

Die Patienten­verfügung ist ein bewährtes Mittel, um die eigenen Behandlungs­wünsche festzuhalten. Sie setzen sie für den Fall auf, dass Sie sich irgendwann nicht mehr selbst dazu äußern können. Jede volljährige, einwilligungsfähige Person kann eine Patienten­verfügung aufsetzen, die unbeschränkt gültig ist. Es ist jedoch jederzeit informell möglich, die Patienten­verfügung zu ändern oder zu widerrufen, also auch verbal oder selbst durch Gesten.

Wenn Sie eine Patienten­verfügung erstellen, sollten Sie sich zunächst mit grundlegenden Fragen über Krankheit und Tod auseinandersetzen, z. B.: Wann und wie lange möchten Sie medizinisch behandelt werden? Wer soll Ihre Entscheidungen treffen, wenn Sie selbst dazu nicht mehr in der Lage sind? Was sind Ihre ethischen oder religiösen Überzeugungen bezüglich Leben und Sterben?

Nachdem Sie sich über diese grundlegenden Fragen klargeworden sind, müssen Sie sie möglichst detailliert in der Patienten­verfügung niederschreiben. Benennen Sie konkrete Lebens- und Behandlungs­situationen und sagen Sie unmissverständlich, wie Sie in den jeweiligen Situationen behandelt oder nicht behandelt werden möchten.

Geläufige Vorlagen für Patienten­verfügungen decken Situationen ab, in denen ein Patient nicht mehr einwilligungsfähig ist und

  • unabwendbar sterben wird.
  • sich im Endstadium einer unheilbaren, tödlich verlaufenden Krankheit befindet.
  • infolge einer Gehirnschädigung die geistigen Fähigkeiten erloschen sind.
  • die Person infolge eines sehr weit fortgeschrittenen Hirnabbauprozesses nicht mehr in der Lage ist, auf natürliche Weise Nahrung und Flüssigkeit aufzunehmen.

Das sollten Krebspatienten ergänzen

Bei einer schweren Erkrankung wie Krebs ist es sinnvoll, die Patienten­verfügung zu ergänzen, um den besonderen Anforderungen der Krankheit gerecht zu werden. Zunächst sollten Krebspatienten mit einem Arzt mögliche medizinische Szenarien und Behandlungs­möglichkeiten durchgehen, die im Laufe der Erkrankung auf sie zukommen können. Die Patienten müssen sich klarmachen, ob und in welchen Situationen sie bestimmte Behandlungen wünschen oder nicht wünschen. Falls es nicht mehr möglich ist, das Leben des Patienten durch die verfügbaren Therapien zu verlängern oder er dies für sich ablehnt, wird die Patienten­verfügung auch für die Palliativpflege relevant.

Je mehr Informationen die behandelnden Ärzte haben, desto besser können sie im Fall der Fälle nach Ihrem Willen handeln. Darum können Sie die Patienten­verfügung noch um weitere Punkte ergänzen. Sie können Details zu Ihrer Krankheitsgeschichte und Diagnose geben, Sie können in eigenen Worten über Ihre Wertvorstellungen schreiben und was Ihnen zu diesem Zeitpunkt wichtig ist. Es ist ebenfalls möglich, ein präferiertes Kranken­haus oder Pflege­heim zu nennen sowie eine Vertrauensperson oder eine Person aus Ihrer Glaubensgemeinschaft, die Ihnen Beistand leisten soll. Schließlich können Sie auch noch einen Notfallplan erstellen, in dem Sie mögliche Komplikationen auflisten und Ihre gewünschte Behandlung.

Es ist wichtig, sich beim Erstellen einer rechtssicheren Patienten­verfügung professionelle Unterstützung zu holen, da zur Beschreibung der Situationen und Behandlungen sehr konkrete Formulierungen genutzt werden müssen. Ist Ihre Patienten­verfügung zu vage, müssen im Fall der Fälle Ihre Bevollmächtigten oder ein gerichtlich bestellter Betreuer über Ihren Willen mutmaßen.

Gut zu wissen: Sie müssen wegen einer Kreberkrankung in Kürzte ins Kranken­haus? In unserem Ratgeber Patienten­verfügung im Kranken­haus: Was Sie regeln sollten erfahren Sie, warum es so wichtig ist, Ihre Patienten­verfügung vor dem Klinikaufenthalt noch einmal zu ändern oder zu erneuern. Da eine Krebserkrankung auch einen schweren Verlauf nehmen kann, macht es Sinn, sich in der Patienten­verfügung auch mit dem Thema Palliativpflege auseinanderzusetzen.

Wann Sie die Patienten­verfügung erneuern sollten

Krebspatienten sollten nach ihrer Diagnose keine Zeit verlieren, eine Patienten­verfügung zu verfassen, beziehungsweise ihre bestehende Patienten­verfügung zu aktualisieren. Zwar ist die Gültigkeit der Patienten­verfügung grundsätzlich unbeschränkt, trotzdem empfehlen wir Ihnen, Ihre Verfügung jährlich zu erneuern. Das können Sie ganz unkompliziert mit Datum und Unterschrift machen.

Krebs ist keine lineare Erkrankung. Im Krankheitsverlauf können Änderungen, Komplikationen oder sogar Neuerkrankungen auftreten, die zu Beginn nicht absehbar sind. In diesem Fall sollten Sie Ihre Patienten­verfügung zeitnah aktualisieren und auf die neue Situation zuschneiden.

Vorsorge­vollmacht und Betreuungs­verfügung: Wer soll für Sie entscheiden?

Zusätzlich zur Patienten­verfügung können Sie mit Vorsorge­vollmacht oder Betreuungs­verfügung festlegen, welche Personen im Fall der Fälle für Sie Entscheidungen treffen sollen.

Ist ein Patient selbst nicht mehr in der Lage, Entscheidungen zu treffen, legt das Betreuungs­gericht eine Person fest, die für den Patienten wichtige Entscheidungen trifft. Das können zum Beispiel Angehörige oder Berufsbetreuer sein. In der Betreuungs­verfügung schlagen Sie vor, wer diese Person sein soll. Der Betreuer ist an den erkennbaren Willen des Patienten, wie zum Beispiel in der Patienten­verfügung geäußert, gebunden und wird vom Gericht überwacht.

Mit der Vorsorge­vollmacht bevollmächtigt man eine Vertrauensperson, in persönlichen und finanziellen Dingen für einen selbst zu handeln. Ein Bevollmächtigter handelt eigenverantwortlich und wird nicht vom Gericht überwacht.

Häufig gestellte Fragen

Wie formuliere ich in der Patienten­verfügung?

Wenn Sie nicht ansprechbar und nicht entscheidungsfähig sind, ist Ihr schriftlicher Patientenwille die einzige Möglichkeit der direkten Kommunikation zwischen Ihnen und Ihren Ärzten. Darum ist es wichtig, dass Sie in der Patienten­verfügung medizinisch eindeutige Behandlungs­wünsche für konkrete Situationen festhalten. Das hat der Bundesgerichtshof (BGH) in mehreren Urteilen zur Patienten­verfügung bestätigt. Je eindeutiger Ihre Patienten­verfügung, desto einfacher ist es auch für Ihre Angehörigen, in Ihrem Sinne zu handeln. Lassen Sie sich hinsichtlich des Inhalts am besten vom Hausarzt zur Patienten­verfügung beraten – auch, wenn Sie nicht an einer schweren Erkrankung wie Krebs leiden.

Kann ich beim Hausarzt eine Patienten­verfügung machen?

Prinzipiell ist es möglich, die Patienten­verfügung beim Hausarzt zu erstellen. Allerdings bietet nicht jede Praxis diesen Service an, denn es handelt sich nicht um eine Leistung der gesetzlichen Kranken­versicherung, sondern um eine Selbstzahlerleistung. Mit welchen Gebühren Sie rechnen müssen, erklären wir in unserem Ratgeber zu den Kosten der Patienten­verfügung.

Quellen

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