Patientenverfügung bei Krebs: Ein spezieller Fall

Patienten­verfügung bei Krebs: Ein spezieller Fall

21.09.2020

Patientenverfügung erstellen: So geht's

Die Patientenverfügung ist ein bewährtes Mittel, um die eigenen Behandlungswünsche festzuhalten. Sie setzen sie für den Fall auf, dass Sie sich irgendwann nicht mehr selbst dazu äußern können. Jede volljährige, einwilligungsfähige Person kann eine Patientenverfügung aufsetzen, die unbeschränkt gültig ist. Es ist jedoch jederzeit informell möglich, die Patientenverfügung zu ändern oder zu widerrufen, also auch verbal oder selbst durch Gesten.

Wenn Sie eine Patientenverfügung erstellen, sollten Sie sich zunächst mit grundlegenden Fragen über Krankheit und Tod auseinandersetzen, z. B.: Wann und wie lange möchten Sie medizinisch behandelt werden? Wer soll Ihre Entscheidungen treffen, wenn Sie selbst dazu nicht mehr in der Lage sind? Was sind Ihre ethischen oder religiösen Überzeugungen bezüglich Leben und Sterben?

Nachdem Sie sich über diese grundlegenden Fragen klargeworden sind, müssen Sie sie möglichst detailliert in der Patientenverfügung niederschreiben. Benennen Sie konkrete Lebens- und Behandlungssituationen und sagen Sie unmissverständlich, wie Sie in den jeweiligen Situationen behandelt oder nicht behandelt werden möchten.

Geläufige Vorlagen für Patientenverfügungen decken Situationen ab, in denen ein Patient nicht mehr einwilligungsfähig ist und

  • unabwendbar sterben wird.
  • sich im Endstadium einer unheilbaren, tödlich verlaufenden Krankheit befindet.
  • infolge einer Gehirnschädigung die geistigen Fähigkeiten erloschen sind.
  • die Person infolge eines sehr weit fortgeschrittenen Hirnabbauprozesses nicht mehr in der Lage ist, auf natürliche Weise Nahrung und Flüssigkeit aufzunehmen.

Das sollten Krebspatienten ergänzen

Bei einer schweren Erkrankung wie Krebs ist es sinnvoll, die Patientenverfügung zu ergänzen, um den besonderen Anforderungen der Krankheit gerecht zu werden. Zunächst sollten Krebspatienten mit einem Arzt mögliche medizinische Szenarien und Behandlungsmöglichkeiten durchgehen, die im Laufe der Erkrankung auf sie zukommen können. Die Patienten müssen sich klarmachen, ob und in welchen Situationen sie bestimmte Behandlungen wünschen oder nicht wünschen. Falls es nicht mehr möglich ist, das Leben des Patienten durch die verfügbaren Therapien zu verlängern oder er dies für sich ablehnt, wird die Patientenverfügung auch für die Palliativpflege relevant.

Je mehr Informationen die behandelnden Ärzte haben, desto besser können sie im Fall der Fälle nach Ihrem Willen handeln. Darum können Sie die Patientenverfügung noch um weitere Punkte ergänzen. Sie können Details zu Ihrer Krankheitsgeschichte und Diagnose geben, Sie können in eigenen Worten über Ihre Wertvorstellungen schreiben und was Ihnen zu diesem Zeitpunkt wichtig ist. Es ist ebenfalls möglich, ein präferiertes Krankenhaus oder Pflegeheim zu nennen sowie eine Vertrauensperson oder eine Person aus Ihrer Glaubensgemeinschaft, die Ihnen Beistand leisten soll. Schließlich können Sie auch noch einen Notfallplan erstellen, in dem Sie mögliche Komplikationen auflisten und Ihre gewünschte Behandlung.

Es ist wichtig, sich beim Erstellen einer rechtssicheren Patientenverfügung professionelle Unterstützung zu holen, da zur Beschreibung der Situationen und Behandlungen sehr konkrete Formulierungen genutzt werden müssen. Ist Ihre Patientenverfügung zu vage, müssen im Fall der Fälle Ihre Bevollmächtigten oder ein gerichtlich bestellter Betreuer über Ihren Willen mutmaßen.

Gut zu wissen: Sie müssen wegen einer Kreberkrankung in Kürzte ins Krankenhaus? In unserem Ratgeber Patientenverfügung im Krankenhaus: Was Sie regeln sollten erfahren Sie, warum es so wichtig ist, Ihre Patientenverfügung vor dem Klinikaufenthalt noch einmal zu ändern oder zu erneuern. Da eine Krebserkrankung auch einen schweren Verlauf nehmen kann, macht es Sinn, sich in der Patientenverfügung auch mit dem Thema Palliativpflege auseinanderzusetzen.

Wann Sie die Patientenverfügung erneuern sollten

Krebspatienten sollten nach ihrer Diagnose keine Zeit verlieren, eine Patientenverfügung zu verfassen, beziehungsweise ihre bestehende Patientenverfügung zu aktualisieren. Zwar ist die Gültigkeit der Patientenverfügung grundsätzlich unbeschränkt, trotzdem empfehlen wir Ihnen, Ihre Verfügung jährlich zu erneuern. Das können Sie ganz unkompliziert mit Datum und Unterschrift machen.

Krebs ist keine lineare Erkrankung. Im Krankheitsverlauf können Änderungen, Komplikationen oder sogar Neuerkrankungen auftreten, die zu Beginn nicht absehbar sind. In diesem Fall sollten Sie Ihre Patientenverfügung zeitnah aktualisieren und auf die neue Situation zuschneiden.

Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung: Wer soll für Sie entscheiden?

Zusätzlich zur Patientenverfügung können Sie mit Vorsorgevollmacht oder Betreuungsverfügung festlegen, welche Personen im Fall der Fälle für Sie Entscheidungen treffen sollen.

Ist ein Patient selbst nicht mehr in der Lage, Entscheidungen zu treffen, legt das Betreuungsgericht eine Person fest, die für den Patienten wichtige Entscheidungen trifft. Das können zum Beispiel Angehörige oder Berufsbetreuer sein. In der Betreuungsverfügung schlagen Sie vor, wer diese Person sein soll. Der Betreuer ist an den erkennbaren Willen des Patienten, wie zum Beispiel in der Patientenverfügung geäußert, gebunden und wird vom Gericht überwacht.

Mit der Vorsorgevollmacht bevollmächtigt man eine Vertrauensperson, in persönlichen und finanziellen Dingen für einen selbst zu handeln. Ein Bevollmächtigter handelt eigenverantwortlich und wird nicht vom Gericht überwacht.

Das Wichtigste in Kürze:
  • In einer Patientenverfügung sollten Sie möglichst konkrete Angaben dazu machen, wie Sie im Ernstfall medizinisch behandelt werden möchten.
  • Falls Sie an einer Krebserkrankung leiden, ist es sinnvoll, auf Ihr spezielles Krankheitsbild einzugehen und Ihre Entscheidungen bezüglich der verfügbaren Therapien und Behandlungsmöglichkeiten festzuhalten.
  • Bei Krebs treten häufig Komplikationen oder Begleiterkrankungen auf, die zu Anfang noch nicht absehbar sind. Achten Sie in diesem Fall darauf, dass Sie Ihre Patientenverfügung bei Bedarf anpassen.

Häufig gestellte Fragen

Wie formuliere ich in der Patientenverfügung?

Wenn Sie nicht ansprechbar und nicht entscheidungsfähig sind, ist Ihr schriftlicher Patientenwille die einzige Möglichkeit der direkten Kommunikation zwischen Ihnen und Ihren Ärzten. Darum ist es wichtig, dass Sie in der Patientenverfügung medizinisch eindeutige Behandlungswünsche für konkrete Situationen festhalten. Das hat der Bundesgerichtshof (BGH) in mehreren Urteilen zur Patientenverfügung bestätigt. Je eindeutiger Ihre Patientenverfügung, desto einfacher ist es auch für Ihre Angehörigen, in Ihrem Sinne zu handeln. Lassen Sie sich hinsichtlich des Inhalts am besten vom Hausarzt zur Patientenverfügung beraten – auch, wenn Sie nicht an einer schweren Erkrankung wie Krebs leiden.

Kann ich beim Hausarzt eine Patientenverfügung machen?

Prinzipiell ist es möglich, die Patientenverfügung beim Hausarzt zu erstellen. Allerdings bietet nicht jede Praxis diesen Service an, denn es handelt sich nicht um eine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung, sondern um eine Selbstzahlerleistung. Mit welchen Gebühren Sie rechnen müssen, erklären wir in unserem Ratgeber zu den Kosten der Patientenverfügung.

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