Patienten­verfügung im Kranken­haus: Was Sie regeln sollten

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von Franziska Saß
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17.09.2020 (aktualisiert: 10.02.2021)
Patientenverfügung im Krankenhaus: Was Sie regeln solltenPatientenverfügung im Krankenhaus: Was Sie regeln sollten
Das Wichtigste in Kürze:
  • Mit einer Patienten­verfügung stellen Sie sicher, dass Ärzte im Kranken­haus Ihren Willen kennen und befolgen können, wenn Sie entscheidungsunfähig sind.
  • Gerade bei einem bevorstehenden Kranken­hausaufenthalt sollten Sie mit einer Patienten­verfügung und ergänzenden Dokumenten wie der Vorsorge­vollmacht vorsorgen. Allerdings ist die Erstellung auch eine wichtige allgemeine Maßnahme zur Vorsorge.
  • Informieren Sie vor einer Behandlung im Kranken­haus sowohl Ihre Vertrauens­personen als auch das Klinikpersonal darüber, dass Sie eine Patienten­verfügung haben und wo diese hinterlegt ist.

Steht eine Operation oder ein stationärer Aufenthalt im Kranken­haus bevor, denken viele Menschen darüber nach, was sie alles vorbereiten müssen. Auf der Checkliste sollte neben der Kranken­kassenkarte und dem Einweisungsschein auf jeden Fall auch die Erstellung einer Patienten­verfügung stehen. Denn sie ist das Dokument, das es Ihnen ermöglicht, im Kranken­haus Ihr Selbstbestimmungsrecht zu wahren, wenn Sie sich selbst z. B. durch die Folgen einer schweren Operation nicht mehr äußern können.

Patienten­verfügung im Kranken­haus: Kommunikationsmittel zwischen Arzt und Patient

Sie allein wissen, welchen Behandlungen Sie zustimmen würden und wie Sie leben möchten. Bei gutem Gesundheits­zustand können Sie Ihrem Arzt Ihre Vorstellungen mitteilen und mit ihm gemeinsam über mögliche Therapien sprechen. Liegen Sie aber z. B. nach einem Unfall im Koma oder wachen nach einer Operation nicht mehr aus der Narkose auf, ist die Kommunikation zwischen Arzt und Patient nicht mehr möglich. Die Patienten­verfügung schließt diese Lücke: Sie ermöglicht es jedem entscheidungsfähigen Patienten, genaue Anweisungen für Ärzte und Angehörige zu verfassen. In Kombination mit einer Vorsorge­vollmacht ist sichergestellt, dass der behandelnde Mediziner die Wünsche berücksichtigen und bei schwierigen Entscheidungen eine Vertrauensperson des Patienten zu Rate ziehen kann.

Frau im Krankenhaus
Auch bei kleinen Eingriffen kann es zu Komplikationen kommen. Deshalb sollten Sie eine Patienten­verfügung für den Ernstfall erstellen.

Vor Operationen und Kranken­haus-aufenthalten: Patienten-verfügung erstellen

Wenn bei Ihnen in absehbarer Zeit eine Operation oder ein Kranken­hausaufenthalt ansteht, sollten Sie vorher auf jeden Fall eine Patienten­verfügung verfassen. Bei größeren Eingriffen weisen Kranken­häuser oftmals sogar auf die Erstellung des Dokumentes hin. So ist es beispielsweise empfehlenswert, bei Krebs die Patienten­verfügung entsprechend anzupassen und auf das spezielle Krankheitsbild und die verfügbaren Therapien einzugehen. Es geht nur um einen kleinen Eingriff? Auch dann sollten Sie entsprechend vorsorgen, denn Komplikationen kann es immer geben.

Sie haben bereits eine Patienten­verfügung? Dann überprüfen Sie diese vor dem Eingriff im Kranken­haus besser noch einmal. Vielleicht haben sich Ihre Ansichten oder Ihre Wünsche inzwischen geändert.

Patienten­verfügung als allgemeine Vorsorge­maßnahme

Auch wenn Sie sich bester Gesundheit erfreuen und in nächster Zeit keine geplante medizinische Versorgung benötigen, raten wir dazu, eine Patienten­verfügung und eine Vorsorge­vollmacht und/oder Betreuungs­verfügung zu erstellen. Denn durch Unfälle oder schwere Infektionsverläufe können Sie jederzeit unverhofft in eine Situation kommen, in der Sie nicht mehr entscheidungsfähig sind und Angehörige sowie Ärzte eine Patienten­verfügung dringend benötigen.

Muss sich ein Arzt an meine Patienten­verfügung halten?

Ihre Patienten­verfügung ist für Ärzte und Angehörige gesetzlich bindend. Ärzte, die gegen die Anweisungen in der Verfügung handeln, machen sich der Körperverletzung strafbar. Einzige Ausnahme: Notärzte haben die Aufgabe, alle Maßnahmen zu ergreifen, um das Leben des Patienten zu erhalten und ihn zu stabilisieren. Sie haben keine Zeit, eine Patienten­verfügung anzufordern, sondern müssen sofort handeln. Die Vorsorge­dokumente eines Patienten werden somit erst zu Rate gezogen, wenn es um die weitere Behandlung im Kranken­haus geht.

Wie kommt die Patienten­verfügung zum Arzt?

In der Praxis bitten Ärzte oft Angehörige darum, die entsprechenden Dokumente zu beschaffen und möglichst schnell ins Kranken­haus zu bringen. Eine deutlich bessere und schnellere Lösung ist es, Ärzte selbst dazu zu ermächtigen, die Patienten­verfügung abzurufen. Überlegen Sie genau, wo Sie Ihre Daten hinterlegen, damit sie im Ernstfall zeitnah vorliegen. Haben Sie z. B. eine Eintragung in das Zentrale Vorsorge­register der Bundesnotarkammer (ZVR) veranlasst, können Ärzte nicht darauf zugreifen – nur Betreuungs­gerichte sind dazu berechtigt. Besser ist es, die Verfügung zusätzlich digital und jederzeit abrufbar zu hinterlegen.

Damit Ihre Dokumente im Ernstfall schnell vorliegen, können Sie mit diesen Maßnahmen entsprechend vorsorgen:

  • Informieren Sie Angehörige darüber, dass eine Patienten­verfügung existiert und teilen Sie ihnen mit, wo sich das Dokument befindet. Wenn Sie eine Notfallkarte zur Patienten­verfügung haben, nehmen Sie diese mit oder händigen Sie sie für den Ernstfall Ihrer Vertrauensperson aus.
  • Hinterlegen Sie die Daten am besten digital, sodass Angehörige und Ärzte jederzeit und von überall darauf zugreifen können.
  • Sprechen Sie bei der Aufnahme ins Kranken­haus an, dass Sie eine Verfügung erstellt haben und nennen Sie Vertrauens­personen, die den Aufenthaltsort kennen.

Sorgen Sie immer dafür, dass Angehörige und am besten auch Ärzte Ihre Patienten­verfügung schnell finden. In unserem Beitrag Patienten­verfügung hinterlegen: So ist sie immer griffbereit erklären wir, worauf Sie achten müssen.

Häufige Fragen

Was passiert, wenn man keine Patienten­verfügung hat?

Wenn Sie keine Patienten­verfügung aufsetzen, verzichten Sie auf die Kommunikation mit Ihrem Arzt. Liegt auch keine Vorsorge­vollmacht vor, können Sie sich auch nicht von einer Vertrauensperson vertreten lassen. Haben Sie nicht entsprechend vorgesorgt, muss das Betreuungs­gericht einen Betreuer bestellen, der dann über Ihre weitere Behandlung entscheidet. Dabei kann es sich um eine vollkommen fremde Person handeln, die weder Sie noch Ihre Wünsche kennt. Die Wahrscheinlichkeit ist hier also hoch, dass medizinische Behandlungen vorgenommen werden, die nicht Ihrem Willen entsprechen.

Wann tritt die Patienten­verfügung in Kraft?

Die Patienten­verfügung tritt nur dann in Kraft, wenn Sie selbst nicht mehr entscheidungsfähig sind. Solange Sie selbst in der Lage dazu sind, Ihre Behandlungs­entscheidung anderen mitzuteilen, sind die Regelungen aus der Patienten­verfügung nicht relevant. Weitere Informationen dazu finden Sie in unserem Beitrag Patienten­verfügung Gültigkeit: Das müssen Sie wissen.

Franziska Saß

Franziska Saß

Franziska Saß ist seit April 2020 Content Managerin bei Afilio. Die studierte Journalistin hat über mehrere Jahre frei für verschiedene Tageszeitungen geschrieben und war anschließend in verschiedenen Unternehmen im Content Management tätig. Bei Afilio schreibt sie vor allem Ratgeberartikel zu wichtigen Vorsorge­dokumenten, Versicherungen und Pflege.

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