Patientenverfügung im Krankenhaus: Was Sie regeln sollten

Patienten­verfügung im Krankenhaus: Was Sie regeln sollten

17.09.2020

Steht eine Operation oder ein stationärer Aufenthalt im Krankenhaus bevor, denken viele Menschen darüber nach, was sie alles vorbereiten müssen. Auf der Checkliste sollte neben der Krankenkassenkarte und dem Einweisungsschein auf jeden Fall auch die Erstellung einer Patientenverfügung stehen. Denn sie ist das Dokument, das es Ihnen ermöglicht, im Krankenhaus Ihr Selbstbestimmungsrecht zu wahren, wenn Sie sich selbst z. B. durch die Folgen einer schweren Operation nicht mehr äußern können.

Patientenverfügung im Krankenhaus: Kommunikationsmittel zwischen Arzt und Patient

Sie allein wissen, welchen Behandlungen Sie zustimmen würden und wie Sie leben möchten. Bei gutem Gesundheitszustand können Sie Ihrem Arzt Ihre Vorstellungen mitteilen und mit ihm gemeinsam über mögliche Therapien sprechen. Liegen Sie aber z. B. nach einem Unfall im Koma oder wachen nach einer Operation nicht mehr aus der Narkose auf, ist die Kommunikation zwischen Arzt und Patient nicht mehr möglich. Die Patientenverfügung schließt diese Lücke: Sie ermöglicht es jedem entscheidungsfähigen Patienten, genaue Anweisungen für Ärzte und Angehörige zu verfassen. In Kombination mit einer Vorsorgevollmacht ist sichergestellt, dass der behandelnde Mediziner die Wünsche berücksichtigen und bei schwierigen Entscheidungen eine Vertrauensperson des Patienten zu Rate ziehen kann.

Frau im Krankenhaus
Auch bei kleinen Eingriffen kann es zu Komplikationen kommen. Deshalb sollten Sie eine Patienten­verfügung für den Ernstfall erstellen.

Vor Operationen und Krankenhaus-aufenthalten: Patientenverfügung erstellen

Wenn bei Ihnen in absehbarer Zeit eine Operation oder ein Krankenhausaufenthalt ansteht, sollten Sie vorher auf jeden Fall eine Patientenverfügung verfassen. Bei größeren Eingriffen weisen Krankenhäuser oftmals sogar auf die Erstellung des Dokumentes hin. So ist es beispielsweise empfehlenswert, bei Krebs die Patientenverfügung entsprechend anzupassen und auf das spezielle Krankheitsbild und die verfügbaren Therapien einzugehen. Es geht nur um einen kleinen Eingriff? Auch dann sollten Sie entsprechend vorsorgen, denn Komplikationen kann es immer geben.

Sie haben bereits eine Patientenverfügung? Dann überprüfen Sie diese vor dem Eingriff im Krankenhaus besser noch einmal. Vielleicht haben sich Ihre Ansichten oder Ihre Wünsche inzwischen geändert. Wir erklären Ihnen, was Sie beachten müssen, wenn Sie die Patientenverfügung ändern.

Patientenverfügung als allgemeine Vorsorgemaßnahme

Auch wenn Sie sich bester Gesundheit erfreuen und in nächster Zeit keine geplante medizinische Versorgung benötigen, raten wir dazu, eine Patientenverfügung und eine Vorsorgevollmacht und/oder Betreuungsverfügung zu erstellen. Denn durch Unfälle oder schwere Infektionsverläufe können Sie jederzeit unverhofft in eine Situation kommen, in der Sie nicht mehr entscheidungsfähig sind und Angehörige sowie Ärzte eine Patientenverfügung dringend benötigen.

In unserem Ratgeber erklären wir Ihnen, wie Sie eine Patientenverfügung rechtssicher erstellen und was Sie dabei beachten müssen. Sie brauchen einen Überblick, der Ihnen dabei hilft, alle Punkte der Patientenverfügung im Auge zu behalten? Dann nutzen Sie unsere praktische Checkliste für die Patientenverfügung.

Muss sich ein Arzt an meine Patientenverfügung halten?

Ihre Patientenverfügung ist für Ärzte und Angehörige gesetzlich bindend. Ärzte, die gegen die Anweisungen in der Verfügung handeln, machen sich der Körperverletzung strafbar. Einzige Ausnahme: Notärzte haben die Aufgabe, alle Maßnahmen zu ergreifen, um das Leben des Patienten zu erhalten und ihn zu stabilisieren. Sie haben keine Zeit, eine Patientenverfügung anzufordern, sondern müssen sofort handeln. Die Vorsorgedokumente eines Patienten werden somit erst zu Rate gezogen, wenn es um die weitere Behandlung im Krankenhaus geht.

Wie kommt die Patientenverfügung zum Arzt?

In der Praxis bitten Ärzte oft Angehörige darum, die entsprechenden Dokumente zu beschaffen und möglichst schnell ins Krankenhaus zu bringen. Eine deutlich bessere und schnellere Lösung ist es, Ärzte selbst dazu zu ermächtigen, die Patientenverfügung abzurufen. Überlegen Sie genau, wo Sie Ihre Daten hinterlegen, damit sie im Ernstfall zeitnah vorliegen. Haben Sie z. B. eine Eintragung in das Zentrale Vorsorgeregister der Bundesnotarkammer (ZVR) veranlasst, können Ärzte nicht darauf zugreifen – nur Betreuungsgerichte sind dazu berechtigt. Besser ist es, die Verfügung zusätzlich digital und jederzeit abrufbar zu hinterlegen.

Damit Ihre Dokumente im Ernstfall schnell vorliegen, können Sie mit diesen Maßnahmen entsprechend vorsorgen:

  • Informieren Sie Angehörige darüber, dass eine Patientenverfügung existiert und teilen Sie ihnen mit, wo sich das Dokument befindet. Wenn Sie eine Notfallkarte zur Patientenverfügung haben, nehmen Sie diese mit oder händigen Sie sie für den Ernstfall Ihrer Vertrauensperson aus.
  • Hinterlegen Sie die Daten am besten digital, sodass Angehörige und Ärzte jederzeit und von überall darauf zugreifen können.
  • Sprechen Sie bei der Aufnahme ins Krankenhaus an, dass Sie eine Verfügung erstellt haben und nennen Sie Vertrauenspersonen, die den Aufenthaltsort kennen.

Sorgen Sie immer dafür, dass Angehörige und am besten auch Ärzte Ihre Patientenverfügung schnell finden. In unserem Beitrag Patientenverfügung hinterlegen: So ist sie immer griffbereit erklären wir, worauf Sie achten müssen.

Das Wichtigste in Kürze:
  • Mit einer Patientenverfügung stellen Sie sicher, dass Ärzte im Krankenhaus Ihren Willen kennen und befolgen können, wenn Sie entscheidungsunfähig sind.
  • Gerade bei einem bevorstehenden Krankenhausaufenthalt sollten Sie mit einer Patientenverfügung und ergänzenden Dokumenten wie der Vorsorgevollmacht vorsorgen. Allerdings ist die Erstellung auch eine wichtige allgemeine Maßnahme zur Vorsorge.
  • Informieren Sie vor einer Behandlung im Krankenhaus sowohl Ihre Vertrauenspersonen als auch das Klinikpersonal darüber, dass Sie eine Patientenverfügung haben und wo diese hinterlegt ist.

Häufige Fragen

Was passiert, wenn man keine Patientenverfügung hat?

Wenn Sie keine Patientenverfügung aufsetzen, verzichten Sie auf die Kommunikation mit Ihrem Arzt. Liegt auch keine Vorsorgevollmacht vor, können Sie sich auch nicht von einer Vertrauensperson vertreten lassen. Haben Sie nicht entsprechend vorgesorgt, muss das Betreuungsgericht einen Betreuer bestellen, der dann über Ihre weitere Behandlung entscheidet. Dabei kann es sich um eine vollkommen fremde Person handeln, die weder Sie noch Ihre Wünsche kennt. Die Wahrscheinlichkeit ist hier also hoch, dass medizinische Behandlungen vorgenommen werden, die nicht Ihrem Willen entsprechen.

Wann tritt die Patientenverfügung in Kraft?

Die Patientenverfügung tritt nur dann in Kraft, wenn Sie selbst nicht mehr entscheidungsfähig sind. Solange Sie selbst in der Lage dazu sind, Ihre Behandlungsentscheidung anderen mitzuteilen, sind die Regelungen aus der Patientenverfügung nicht relevant. Weitere Informationen dazu finden Sie in unserem Beitrag Patientenverfügung Gültigkeit: Das müssen Sie wissen.

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