Patientenverfügung und Organspende: Das ist zu beachten

Patienten­verfügung und Organspende: Das ist zu beachten

31.08.2020

Ob man selbst Organspender wird, ist eine ganz persönliche Entscheidung. Oft ist es in Notfällen oder bei schweren Krankheiten nicht mehr möglich, seinen Willen diesbezüglich zu äußern. Darum besitzen viele Menschen einen Organspendeausweis, den sie z. B. im Portemonnaie bei sich tragen. Doch auch die Patientenverfügung bietet Ihnen die Möglichkeit, Ihre Wünsche zur Organspende klar und deutlich zum Ausdruck zu bringen. Wir erklären, worauf Sie dabei achten sollten.

Organspende: Eine Gewissensentscheidung

Mit einer Organspende können Sie nach Ihrem Tod schwer kranken Menschen helfen. Dass Menschen Ihre Organe spenden, ist auch dringend nötig: Nach Angaben der Deutschen Stiftung Organspende (DSO) warten aktuell knapp 10.000 Patienten auf ein Spenderorgan – manchmal jahrelang. Im vergangenen Jahr spendeten 932 Menschen ihre Organe. Ein Spender konnte durchschnittlich drei Menschen zu einem längeren Leben verhelfen.

Auch wenn sie damit anderen das Leben retten könnten, bereitet einigen Menschen der Gedanke Unbehagen, dass nach ihrem Tod Organe aus ihrem Körper entnommen werden. Andere befürchten, dass die Ärzte nicht alles tun werden, um sie am Leben zu halten, da sie ihre Organe spenden wollen. Und wieder andere haben Angst, noch nicht komplett tot zu sein, wenn ihre Organe entnommen werden.

Grundsätzlich gilt bei der Organspende: Nur wenn eindeutig der Hirntod vorliegt, dürfen Ärzte Organe für die Spende entnehmen. Dabei müssen zwei Mediziner unabhängig voneinander den Hirntod feststellen. Gibt es auch nur den kleinsten Hinweis, dass der Patient noch wiederbelebt werden könnte, darf der Hirntod nicht festgestellt und kein Organ entnommen werden.

Ganz egal, welche Gründe aus Ihrer Sicht für oder gegen eine Organspende sprechen: Sie können frei entscheiden, ob Sie die Entnahme von Organen nach dem Tod wünschen oder nicht.

Rechtliche Situation in Deutschland

Am 16. Januar 2020 wurde im Bundestag über eine gesetzliche Neuregelung der Organspende abgestimmt. Für Organspenden galt und gilt die Entscheidungslösung, das heißt, sie können grundsätzlich nur nach Einwilligung des Spenders oder seiner nahen Angehörigen durchgeführt werden. Diese Regelung wurde Anfang Januar 2020 im Bundestag grundsätzlich bestätigt, wird allerdings in Zukunft um einige Punkte erweitert. Die neue gesetzliche Regelung trägt darum den Namen „erweiterte Entscheidungslösung“.

Der Bundestag entschied unter anderem ein bundesweites Online-Register beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte einzurichten, bei dem sich Organspender registrieren können. Die Registrierung soll rechtsverbindlich sein und die Spender sollen jederzeit die Möglichkeit haben ihre Meinung zu ändern. Eine Eintragung in dieses Register wird aber nicht verpflichtend sein, weshalb man seine Entscheidung für oder gegen Organspende auch weiterhin im Organspendeausweis oder der Patientenverfügung festhalten kann.

Diese Organe und Gewebe können Sie spenden

Organe:

  • Herz
  • Lunge
  • Leber
  • Nieren
  • Bauchspeicheldrüse
  • Dünndarm

 

Gewebe:

  • Augenhornhaut
  • Herzklappen
  • Blutgefäße
  • Hautgewebe und Eihaut (Amnion)
  • Knochen- und Weichteilgewebe
  • Inselzellen der Bauchspeicheldrüse

Organspende in der Patientenverfügung regeln

Ihre Wünsche bezüglich der Organspende können Sie nicht nur im Organspendeausweis dokumentieren: Grundsätzlich geht das mit jedem Schriftstück, das Sie eigenhändig unterschreiben.

Eine Möglichkeit ist es, Ihre Festlegungen zur Organspende in der Patientenverfügung zu treffen. Dabei sollten Sie darauf achten, dass keine Widersprüche entstehen. Dies kann passieren, wenn Sie in der Patientenverfügung intensivmedizinische Maßnahmen wie künstliche Beatmung ablehnen, an anderer Stelle oder im Organspendeausweis aber der Organspende zugestimmt haben. Um die nötigen Untersuchungen für die Organentnahme und schließlich die Entnahme selbst durchzuführen, ist es notwendig, dass nach dem Hirntod intensivmedizinische Maßnahmen zeitweise fortgeführt werden. Enthält die Patientenverfügung Widersprüche, wissen die Mediziner nicht, wie sie handeln sollen und ziehen deshalb eine Organentnahme oft gar nicht in Betracht. Insbesondere Formulare zum Ankreuzen verleiten dazu, die Konsequenzen bestimmter Entscheidungen nicht zu durchdenken und versehentlich widersprüchliche Angaben zu machen – das ist einer von mehreren Gründen, warum von dieser Art Formular dringend abzuraten ist.

Widersprüche vermeiden

Um Widersprüche zu vermeiden, können verschiedene Maßnahmen einzeln oder in Kombination in die Patientenverfügung aufgenommen werden:

  • Vorrang definieren: Machen Sie ganz klar, was im Fall eines Falles Vorrang haben soll, die Zustimmung zur Organspende oder die Anweisungen in der Patientenverfügung.
  • Einschränkung auf bestimmte Situationen: Sie können Ihre Zustimmung zur Organspende auf bestimmte Situationen beschränken, zum Beispiel auf Situationen, in denen Sie lebenserhaltenden Maßnahmen zugestimmt haben.
  • Zeitliches Limit festlegen: Zur Entnahme der Organe sind lebensverlängernde Maßnahmen nötig. Sie können bestimmen, wie lange die Mediziner Sie am Leben erhalten dürfen, um eine Organspende zu ermöglichen, beispielsweise 72 Stunden.

Wichtig: Formulieren Sie präzise!

Die Patientenverfügung entfaltet nur Bindungswirkung, wenn sie hinreichend konkret formuliert ist. Das geht aus mehreren Urteilen des Bundesgerichtshofes (BGH) zur Patientenverfügung hervor.

Die Patientenverfügung muss auffindbar sein

Damit Ihre Entscheidung für oder gegen eine Organspende sowie weitere Festlegungen im Ernstfall berücksichtigt werden können, muss die Patientenverfügung für Ärzte, Angehörige und Betreuer auffindbar sein.

Darum sollten Sie mindestens ein Exemplar Ihrer Patientenverfügung an einem sicheren Ort hinterlegen – z. B. bei einer bevollmächtigten Vertrauensperson oder Ihrem Hausarzt. Am besten tragen Sie auch eine Notfallkarte zur Patientenverfügung bei sich, auf der steht, wo das Dokument hinterlegt ist. Außerdem ist es möglich, die Patientenverfügung in Verbindung mit einer Vorsorgevollmacht oder Betreuungsverfügung beim Zentralen Vorsorgeregister (ZVR) der Bundesnotarkammer registrieren zu lassen – hierauf haben allerdings nur Betreuungsgerichte Zugriff. Hier können Sie sich zum Unterschied zwischen Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung informieren.

Notfallabruf mit AfilioPlus

Besonders praktisch ist unsere Notfallkarte für AfilioPlus Mitglieder: Mit dem aufgedruckten Code können Ärzte oder Vertrauenspersonen den Inhalt der Patientenverfügung rund um die Uhr online einsehen. Ebenfalls inklusive für AfilioPlus Mitglieder ist die Registrierung der Vorsorgedokumente beim Zentralen Vorsorgeregister der Bundesnotarkammer.

Halten Sie Ihre Patientenverfügung aktuell

Egal ob es um die Organspende oder um andere Entscheidungen in Ihrer Patientenverfügung geht: Prüfen Sie regelmäßig, ob das Dokument noch Ihren aktuellen Willen widerspiegelt. Empfehlenswert ist es, die Patientenverfügung mindestens alle zwei Jahre, besser jährlich zu überprüfen. Hat sich an Ihren Behandlungwünschen zwischenzeitlich nichts geändert, können Sie dies durch eine neue datierte Unterschrift bekräftigen; grundsätzlich ist die Gültigkeit der Patientenverfügung aber nicht begrenzt. Haben Sie Ihre Meinung zur Organspende oder anderen ärztlichen Maßnahmen geändert, können Sie Ihre Patientenverfügung jederzeit ändern oder widerrufen.

Das Wichtigste in Kürze:
  • Ob Sie Organe spenden möchten, können Sie auf einem Organspendeausweis, aber auch in Ihrer Patientenverfügung angeben.
  • Achtung: Wenn Sie Organe spenden möchten, in Ihrer Patientenverfügung aber z. B. die künstliche Beatmung ablehnen, ist das ein Widerspruch. Intensivmedizinische Maßnahmen sind notwendig, um nach dem Hirntod die Durchblutung bis zur Organentnahme aufrechtzuerhalten.
  • Widersprüche vermeiden Sie, wenn Sie klar angeben, was im Fall der Fälle Vorrang haben soll: die Zustimmung zur Organspende oder die Ablehnung lebenserhaltender Maßnahmen.
  • In der Patientenverfügung können Sie die Zustimmung zur Organspende auf bestimmte Situationen beschränken und angeben, wie lange Mediziner lebenserhaltende Maßnahmen anwenden dürfen.

Häufig gestellte Fragen

Was muss ich tun, wenn ich keine Organe spenden will?

In Deutschland gilt: Ärzte dürfen nur Organe entnehmen, wenn der Spender oder seine Angehörigen zugestimmt haben. Wenn Sie Ihre Wünsche schriftlich auf einem Organspendeausweis oder in der Patientenverfügung festhalten, ist im Ernstfall für alle Beteiligten sofort ersichtlich, dass Sie keine Organe spenden möchten. Wenn Sie keine schriftliche Erklärung verfasst haben, müssen Ihre nächsten Angehörigen in Ihrem Sinne entscheiden – darum ist es wichtig, dass Sie mit Ihren Vertrauenspersonen über Ihre Vorstellungen sprechen. Die Schriftform ist aber immer eindeutiger und deshalb dringend zu empfehlen.

Wie schreibe ich eine Patientenverfügung richtig?

Während ein Organspendeausweis schnell ausgefüllt ist, ist die Patientenverfügung inhaltlich komplexer. Ankreuzformulare sind nicht dafür geeignet, Ihre Wünsche zur Organspende und zu weiteren medizinischen Maßnahmen festzuhalten. In unserem Ratgeber finden Sie viele hilfreiche Tipps zum Verfassen einer rechtssicheren Patientenverfügung. Empfehlenswert ist es, der Verfügung ein Dokument beizulegen, in dem Sie Ihre persönlichen Wertvorstellungen schildern: Es kann Ärzten und Angehörigen als Interpretationshilfe dienen und vermeiden, dass sie zwischen Patientenverfügung und Ethik entscheiden müssen.

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