Betreutes Wohnen: Senioren-WG oder Heim?

von Jennifer Günther
23.09.2019 (aktualisiert: 06.12.2021)
Das Wichtigste in Kürze:
  • Wer seinen Alltag nicht mehr allein bewältigen kann, findet Unterstützung im betreuten Wohnen.
  • Unterschiedliche Wohnmodelle bieten jeder Person das richtige Maß an Hilfe und Selbstständigkeit.

Was ist betreutes Wohnen?

Eine einheitliche Definition für betreutes Wohnen ist in Deutschland nicht eindeutig festgelegt. Grundsätzlich sind Wohnformen gemeint, in denen Menschen, die Ihren Alltag aufgrund von psychischen, körperlichen und geistigen Einschränkungen nicht allein bewältigen können, Unterstützung bekommen. Das umfasst verschiedene Bereiche des alltäglichen Lebens, wie etwa die Haushaltsführung, aber auch das Pflege­n sozialer Kontakte oder die eigene Körperhygiene.

Ziel ist, so wenig wie möglich in die Autonomie der Pflege­bedürftigen einzugreifen, damit diese weiterhin die Kontrolle über ihr Leben haben. Deshalb richten sich die Angebote nach dem Grundsatz, so viel Freiraum und Selbstständigkeit wie möglich zu bieten und genau so viel Hilfe wie nötig. In solchen Wohnkonzepten können Menschen etwa im Alter oder bei Pflege­bedürftigkeit weiterhin ein unabhängiges Leben führen. Betreutes Wohnen kann in den eigenen Wänden stattfinden, aber auch in eigens dafür errichteten Wohnanlagen, in denen mehrere Menschen zusammenwohnen.

Für wen eignet sich betreutes Wohnen?

Grundsätzlich eignet sich betreutes Wohnen für diejenigen, die Wert auf Ihre Selbstständigkeit legen, aber bei aufkommendem Bedarf Betreuungsangebote wahrnehmen möchten. Angebote zum betreuten Wohnen richten sich sowohl an Alleinstehende als auch an (Ehe-)Paare oder befreundete Menschen, die ihr Leben gemeinsam verbringen möchten. Wer auf der Suche nach Sicherheit ist, aber seine Unabhängigkeit so lange wie möglich bewahren möchte, kann im betreuten Wohnen genau die passende Wohnform finden.

Welche verschiedenen Formen vom betreuten Wohnen gibt es?

Betreutes Wohnen zu Hause

Wer auf fremde Hilfe angewiesen ist, muss nicht gleich aus der eigenen Wohnung ausziehen. Die ambulante Pflege oder die 24-Stunden-Pflege leisten körperlich, geistig oder psychisch eingeschränkten Menschen Hilfe bei der Bewältigung des Alltags. Trotz Pflege­bedürftigkeit ändert sich für Betroffene so wenig wie möglich an ihren Lebensumständen: Sie leben weiterhin im bekannten Umfeld, haben Kontakt zu Nachbarn und kennen die Gegebenheiten. Durch ambulante Pflege­dienste erhalten sie qualifizierte Unterstützung in den Bereichen, in denen es nötig ist.

Voraussetzung dafür ist zum einen das Vorhandensein eines Pflege­dienstes, der die jeweilige Wohngegend abdeckt, und zum anderen eine Wohnung, die an die Bedürfnisse des Betroffenen angepasst ist. Ist er beispielsweise körperlich eingeschränkt und auf Gehhilfen wie einen Rollator angewiesen, muss die Wohnung ebenerdig sein und genügend Platz für das jeweilige Hilfsmittel bieten – nur so finden sich Pflege­bedürftige verletzungsfrei zurecht. Ist dies nicht gegeben können Betroffene bei der Pflege­kasse Zuschuss zur Wohnraum­anpassung beantragen, um ein pflegetaugliches Umfeld zu schaffen. Dazu gehören Maßnahmen wie der Einbau eines Treppenliftes oder ein barrierefreies Bad.

Sicherheit: dauerhaft nur mit einer 24-Stunden-Pflege

Selbstständigkeit: sehr gut

Barrierefreiheit: ggf. erst durch Wohnraum­anpassungen

Kosten: Mietkosten, Kosten für Umbauten und Pflege­kräfte fallen zusätzlich an

Betreutes Wohnen in einer Wohngemeinschaft

Wer Angst davor hat, aufgrund der Pflege­bedürftigkeit den Anschluss an die Gesellschaft zu verlieren und den sozialen Kontakt im eigenen Zuhause schätzt, kann in eine Wohngemeinschaft ziehen oder sogar selbst eine gründen. Ähnlich wie zu Studierendenzeiten leben die Personen gemeinsam in einer Wohnung, haben aber ihre eigenen Zimmer, in die sie sich zurückziehen können. Es gibt Gemeinschaftsräume, in denen sich alle Bewohner treffen und austauschen können. Anders als bei Wohngemeinschaften, die beispielsweise Teil eines Alters- oder Pflege­heims sind und von einem externen Träger verwaltet werden, handelt es sich bei dieser Form der Wohngemeinschaft um einen selbst organisierten Zusammenschluss. Die Hilfe organisiert die WG selbst, bei größerem Bedarf kommt ein ambulanter Dienst oder auch eine Haushaltshilfe.

Betreutes Wohnen in einer selbst organisierten Wohngemeinschaft ist eine Herausforderung und nicht für jeden geeignet. Die Menschen wohnen eng zusammen, weshalb ein gewisses Vertrauensverhältnis bestehen sollte. Auch was die Pflege­bedürftigkeit betrifft, sollten sich die Personen gut ergänzen. Bei einem Zusammenschluss von sechs Menschen, die beispielsweise allesamt körperlich eingeschränkt ist, ist es schwierig, Besorgungen außerhalb der Wohnung zu erledigen. Eine Möglichkeit ist es deshalb, mit alleinerziehenden Eltern zusammenzuziehen. Während ein Bewohner sich um die Kinder kümmert, kann der alleinerziehende Vater oder die alleinerziehende Mutter etwa arbeiten oder einkaufen gehen. Wer also hilfsbereit ist und den sozialen Kontakt zu Menschen schätzt, kann bei diesem Wohnmodell all das finden.

Sicherheit: sehr gut, da Betroffene selten allein sind

Selbstständigkeit: sehr gut

Barrierefreiheit: ggf. erst durch Wohnraum­anpassungen

Kosten: Mietkosten, ggf. zusätzliche Kosten für Pflege­dienst, Haushaltshilfe und Umbauten

Ältere Menschen beim Kochen
Die klassische Wohngemeinschaft eignet sich nicht nur für Studierende: Auch für ältere Menschen mit Pflege­bedarf ist diese Wohnform geeignet.

Betreutes Wohnen mit Serviceangeboten

Mehr Komfort bietet das betreute Wohnen mit Serviceangeboten in einer Wohnanlage, die pflege- und altersgerecht ist. Hier muss sich der Betroffene nicht darum sorgen, dass in der Wohnung Stolperfallen sind oder die Dusche nicht ebenerdig ist. Die Wohnungen wurden in der Regel eigens für diesen Zweck errichtet bzw. umgebaut und die Pflege­bedürftigen können Serviceangebote in Anspruch nehmen. Allerdings zahlen sie nur die, die sie auch wirklich brauchen. Wer körperlich und geistig fit genug ist, selbst einkaufen zu gehen, sich aber bei der Hausarbeit unwohl fühlt, bekommt Hilfe beim Kochen oder Fenster putzen, aber nicht beim Einkaufen. Das Angebot kann variieren, weshalb sich im Vorfeld ein Vergleich lohnt. Grundsätzlich sollten Sie allerdings darauf achten, dass es folgende Hilfestellungen gibt:

  • Notrufsystem mit 24 Stunden Bereitschaft
  • Haustechnischer Service bei Störfällen oder der allgemeinen Pflege der Wohnanlage
  • Feste Ansprechperson
  • Informationen über Freizeitmöglichkeiten, im besten Fall sogar kulturelle Angebote
  • Essensservice, zum Beispiel Essen auf Rändern
  • Fahr- und Begleitdienste
  • Hauswirt­schaftliche Hilfe

Betroffene schließen einen Miet- oder Kaufvertrag ab und die zusätzlichen Leistungen werden extra abgerechnet. Brauchen Bewohner nach und nach mehr Hilfestellungen, können sie diese individuell dazu buchen.

Sicherheit: hoch, da dauerhaft verfügbare Pflege­kräfte

Selbstständigkeit: sehr gut

Barrierefreiheit: sehr gut

Kosten: Mietkosten, Kosten für zusätzliche Dienste

Betreutes Wohnen im Heimverbund

Betreutes Wohnen zu Hause, in einer Wohngemeinschaft oder in einer Wohnanlage mit Serviceangeboten haben eins gemeinsam: Es kann sein, dass Bewohner früher oder später umziehen müssen, nämlich dann, wenn sie tatsächlich im hohen Maße pflegebedürftig werden. Ambulante Pflege­dienste und Serviceangebote in Wohnanlagen können die Pflege im Alltag nur bis zu einem gewissen Maß übernehmen. Schließlich steht das Wohl von Betroffenen an erster Stelle und manchmal lässt sich die Notwendigkeit einer Rundumversorgung nicht vermeiden.

Sind Betroffene schon pflegebedürftig oder es ist absehbar, dass sie irgendwann viel Pflege benötigen, sollten sie sich über das betreute Wohnen im Heim genauer informieren. Solche Wohnmodelle sind räumlich und organisatorisch an ein Pflege­heim gebunden; Bewohner werden umfassend versorgt. Dort gibt es Freizeitangebote zur Aufrechterhaltung von sozialen Kontakten, Essensangebote und Pflege. Bewohner haben ihren eigenen privaten Bereich, in den sie sich zurückziehen können, aber auch Begegnungsstätten, um sich mit anderen auszutauschen. Pflege­kräfte unterstützen dort, wo es notwendig ist: bei der Hygiene, medizinischen Angelegenheiten oder auch im Notfall. Solche Wohnmodelle vermitteln das höchste Maß an Sicherheit für Betroffene und ihre Angehörigen, denn es ist immer eine Fachkraft in der Nähe.

Sicherheit: sehr gut

Selbstständigkeit: mittel

Barrierefreiheit: sehr gut

Kosten: hoch, Sie zahlen je nach Wohnort bis zu 3.000 Euro monatlich dazu

Welche Kosten übernimmt die Kasse?

Bei einem anerkannten Pflege­grad übernimmt die Pflege- beziehungsweise Kranken­kasse anteilig die Kosten für Pflege­dienst oder die Heimunterbringung. Je nachdem, ob Betroffene Pflege­grad 1, Pflege­grad 2, Pflege­grad 3, Pflege­grad 4 oder Pflege­grad 5 haben, variiert der Beitrag. Ist eine Wohnraum­anpassung nötig, damit man in den eigenen vier Wänden wohnen bleiben kann, kann man einen Zuschuss bei der Pflege­kasse beantragen. In einer eigenen Wohnung können auf Antrag 4.000 Euro bewilligt werden, bei einer Wohngemeinschaft maximal 16.000 Euro, wobei der Betrag auf die Pflege­kassen aller Mitbewohner mit Anspruch aufgeteilt wird.

Hilfe bei der Entscheidung

Zunächst einmal sollten Betroffene die Entscheidung nicht überhastet treffen, sondern je nach Lebenslage abwägen, was sie benötigen, um ihr Leben weiterhin selbstständig zu führen. Hilfreich kann es sein, sich anhand von bestimmten Fragen einen Überblick über die eigenen Wünsche zu verschaffen:

  • Bin ich zufrieden mit meiner aktuellen Wohnsituation?
  • Möchte ich in meiner Wohnung wohnen bleiben?
  • Brauche ich mehr Menschen um mich herum?
  • Möchte ich in einer Gemeinschaft leben?
  • Fehlt mir das Gefühl von Sicherheit?
  • Welche Einschränkungen habe ich im Alltag?
  • Bei welchen Tätigkeiten brauche ich Hilfe?
  • Fühle ich mich sicher in meiner Umgebung?
  • Sind mir Serviceleistungen wie ein Einkaufs- oder Haushaltsservice wichtig?
  • Möchte ich in einer Umgebung wohnen, in der für alles gesorgt ist?

Wer sich in der eigenen Wohnung weiterhin wohlfühlt und es als ausreichend empfindet, wenn ein ambulanter Dienst vorbeischaut, braucht sich zunächst nicht mit dem Umzug in betreutes Wohnen beschäftigen. Fühlen sich Betroffene jedoch unsicher, wenn sie allein sind, dann kann je nach Pflege­bedürftigkeit eine gemeinsam organisierte Wohnung oder betreutes Wohnen im Heimverbund eine gute Alternative sein. Ist Betroffenen allerdings ihre Privatsphäre sehr wichtig, bietet sich das betreute Wohnen mit Serviceleistungen an. Dort hat der Betroffene seine eigene Wohnung, kann aber bei Bedarf Service- und Betreuungsangebote wahrnehmen.

Sind Sie unsicher, welches Wohnmodell infrage kommt, dann sprechen Sie ruhig mit Ihnen nahestehenden Personen über Ihre Gefühle. Wohnanlagen für betreutes Wohnen sollten Sie auf jeden Fall besichtigen. Lassen Sie sich die Zimmer bzw. Wohnungen zeigen, sprechen Sie mit anderen Bewohnern und schauen Sie sich die Vertrags­bedingungen genauestens an. Sie finden mit Sicherheit ein Wohnmodell, das zu Ihren Bedürfnissen passt.

Quellen

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