Treppenlift: Mit diesen Kosten müssen Sie rechnen

von Jennifer Günther
21.10.2019 (aktualisiert: 06.01.2022)
Das Wichtigste in Kürze:
  • Wer im Alter möglichst lange in den eigenen Wänden wohnen möchte, sieht sich bei Pflege­bedarf mit einigen Barrieren konfrontiert. Besonders Treppen können ein unüberwindbares Hindernis sein – ein Treppenlift kann hier Abhilfe schaffen.
  • Es gibt unterschiedliche Modelle, die auch für Menschen mit höherem Gewicht oder mit einem Rollstuhl geeignet sind.
  • Finanzielle Unterstützung bekommen Pflege¬bedürftige unter anderem von der Pflege­kasse.
  • Möchten Sie einen Treppenlift in ein Mietshaus oder eine Mietwohnung einbauen, brauchen Sie die Genehmigung des Vermieters.

Wann brauchen Sie einen Treppenlift?

Ein Treppenlift eignet sich vor allem für pflegebedürftige und ältere Menschen, die nicht mehr gut zu Fuß sind, aber möglichst lange in den eigenen vier Wänden bleiben möchten. Gerade wenn sie sich nur noch mit Gehhilfen selbstständig fortbewegen können, wird eine Treppe meist zu einem unüberwindbaren Hindernis. Ein Lift ermöglicht es ihnen, sich weiterhin selbstständig in der eigenen Wohnung zu bewegen – auch über mehrere Stockwerke hinweg. Pflege­bedürftige müssen sich nicht mehr mühsam die Treppen hinaufschleppen und der Lift schützt vor gefährlichen Stürzen. Zusätzlich vereinfacht er die Pflege für pflegende Angehörige und ambulanten Pflege­dienste.

Was kostet ein Treppenlift?

Grundsätzlich sind die Kosten für einen Treppenlift abhängig vom Modell und den baulichen Gegebenheiten. Unterschieden wird zwischen:

  • Sitzlift: Der Sitzlift ist wohl das bekannteste Modell: Der Betroffene sitzt auf einer Art Stuhl und fährt die Treppe hinauf oder herab. Sitzlifte bekommen Sie ab etwa 5.000 Euro.

  • Plattformlift: Plattformlifte richten sich in erster Linie an Menschen im Rollstuhl. Mit Plattformliften können Rollstuhlfahrer Treppen bewältigen. Die Kosten beginnen bei etwa 10.000 Euro.

  • Hublift: Auch Hublifte sind für Menschen mit Rollstuhl geeignet und ermöglicht es ihnen, sogar Höhenunterschiede von bis zu drei Metern zu bewältigen. Sie sind auch eine gute Alternative zu Rollstuhlrampen. Mit etwa 7.000 Euro sind sie etwas günstiger als andere Lifte.

  • Senkrechtlift/Homelift: Senkrechtlifte werden eher selten eingesetzt. Sie ähneln einem Aufzug und transportieren Pflege­bedürftige senkrecht nach oben. Sie kommen dann zum Einsatz, wenn das Treppenhaus zu verwinkelt für einen klassischen Treppenlift ist. Die Kosten belaufen sich auf 20.000 bis 35.000 Euro.

Treppenlift an einer Treppe mit Kurve

Welche Kosten letztendlich entstehen, lässt sich nicht pauschalisieren, da Treppenlifte in der Regel Maßanfertigungen sind. Die Fahrsysteme werden individuell an die baulichen Gegebenheiten angepasst, was besonders dann wichtig ist, wenn Treppen Kurven haben. Die Kosten sind von der Tragfähigkeit von Wänden und Treppe, den Treppenmaßen, der Treppenform, der Anzahl der Etagen, dem Funktionsumfang und der Qualität abhängig. In den Kosten enthalten sind in der Regel auch die Montage-, Transport- und Materialkosten. Die jährliche Wartung verursacht zusätzliche etwa 200 bis 300 Euro.

Wer hilft bei der Finanzierung des Treppenlifts?

Spielen Pflege­bedürftige mit dem Gedanken, sich einen Treppenlift einbauen zu lassen, sollten sie zuerst mit der Pflege­kasse sprechen. Auf Antrag unterstützt die sie Maßnahmen zur Wohnraum­anpassung mit bis zu 4.000 Euro – dazu gehört auch der Einbau eines Treppenlifts.

Allerdings be­zuschusst die Pflege­kasse nur dann Wohnraum­anpassungen, wenn keine andere Versicherung oder Institution dazu verpflichtet ist. Was viele nicht wissen: Leistungsträger wie die Berufsgenossenschaft oder Unfall­versicherung müssen Versicherte finanziell unterstützen, wenn diese durch einen Arbeitsunfall in der Mobilität eingeschränkt sind. Ist das bei Ihnen der Fall, sollten Sie zuerst diese Stellen kontaktieren.

Ist die Gehbeeinträchtigung hingegen eine Folge eines Unfalls mit Fremdverschulden, kann auch die Haftpflicht­versicherung des Unfallverursachers zum Leistungsträger werden. Zu guter Letzt können Pflege­bedürftige auch beim Sozialamt oder der Bundesagentur für Arbeit nach einer finanziellen Unterstützung fragen. Bei Bedürftigkeit be­zuschussen auch diese Stellen den Einbau.Unfallverursachers zum Leistungsträger werden. Zu guter Letzt können Pflege­bedürftige auch beim Sozialamt oder der Bundesagentur für Arbeit nach einer finanziellen Unterstützung nachfragen; diese springen manchmal bei Bedürftigkeit ein.

Noch mehr Hilfsmittel für den Alltag
Selbstständig trotz eingeschränkter Bewegungsfähigkeit

Wer auch im Alter noch viele Dinge selbst erledigen möchte, körperlich aber nicht mehr dazu in der Lage ist, kann neben dem Treppenlift auch andere Hilfsmittel nutzen, die ihm ein bisschen Selbstständigkeit im Alltag zurückgeben.

Dazu gehören z. B. Gehhilfen oder Elektromobile. Vielen Menschen hilft es auch bereits, Maßnahmen zur Wohnraum­anpassung vornehmen zu lassen, um in den eigenen vier Wänden selbstständiger zu sein.

Gebrauchter Treppenlift oder Neuware?

Viele Unternehmen bieten gebrauchte Treppenlifte an. Diese eignen sich jedoch nicht für jeden Haushalt. Das Teuerste am Treppenlift ist das Schienensystem, denn dieses wird in der Regel individuell für die Treppenform angefertigt. Dementsprechend wird häufig nur die Sitzeinheit gebraucht verkauft.

Der Kauf von einer Privatperson ist nicht zu empfehlen. Denn hier treibt die Montage den Preis für gewöhnlich in die Höhe. Außerdem gibt es bei Privatkäufen im Normalfall keine Garantie.

Eine Alternative sind gebrauchte Treppenlifte von zertifizierten Herstellern. Diese sind meist generalüberholt und bis zu 50 Prozent günstiger als Neuware. Der Vorteil ist, dass Treppenlifthersteller einen Gesamtpreis mit Montage anbieten, sodass Kunden direkt erkennen können, welche Kosten auf sie zukommen.

Kann ein Treppenlift auch im Mietshaus eingebaut werden?

Wer ein Eigenheim oder eine Eigentumswohnung besitzt, muss sich keine Gedanken über die rechtliche Grundlage für den Einbau eines Treppenlifts machen. Wohnen Pflege­bedürftige allerdings im Mietshaus oder in einer Mietwohnung, müssen sie den Vermieter um Erlaubnis fragen. Holen Sie vor dem Einbau unbedingt die schriftliche Genehmigung des Vermieters ein. In der Regel bekommen sie diese, müssen den Treppenlift aber beim Auszug abbauen lassen.

Tipp: Sie suchen noch mehr Lösungen für ein pflegegerechtes Zuhause? Lesen Sie auch unseren Ratgeber zum Badewannenlift.

Quellen

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