Wohnraum­anpassung: Umbau mit der Pflege­versicherung

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von Johannes Kuhnert
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27.08.2019 (aktualisiert: 17.06.2021)
Wohnraumanpassung: Umbau mit der PflegeversicherungWohnraumanpassung: Umbau mit der Pflegeversicherung
Das Wichtigste in Kürze:
  • Wohnraum­anpassungen ermöglichen es pflegebedürftigen Menschen, Ihren Wohnraum so umbauen zu lassen, dass sie möglichst lange in den eigenen vier Wänden wohnen können.
  • Die Pflege­kassen unterstützen Maßnahmen, wie z. B. den Einbau einer ebenerdigen Dusche oder eines Treppenlifts.
  • Eine oder mehrere geplante Maßnahmen müssen dazu dienen, die häusliche Pflege zu ermöglichen oder die Selbständigkeit des Betroffenen zu erhöhen.
  • Dafür werden pro Umbaumaßnahme einmalig 4.000 Euro bewilligt, bei Wohngemeinschaften sogar bis zu 16.000 €.

Wohnraum­anpassung: Die Pflege­versicherung finanziert den Umbau

Wer pflegebedürftig ist, hat in vielen Fällen auch mit Bewegungseinschränkungen zu kämpfen, die ihn im Alltag sehr belasten. Was früher ganz einfach war, wird mit zunehmendem Pflege­bedarf immer schwieriger. Gerade Treppen und Bäder stellen Pflege­bedürftige gerade auch in der eigenen Wohnung vor große Herausforderungen. Trotzdem möchten viele Menschen möglichst lange selbstständig in den eigenen vier Wänden leben. Um Betroffene dabei zu unterstützen, ihre eigene Wohnsituation den veränderten Bedürfnissen anzupassen, gibt es für Anspruchsberechtigte von den Pflege­kassen einen Zuschuss zur Wohnraum­anpassung bzw. zum barrierefreien Wohnen und Bauen. Der Zuschuss können Pflege­bedürftige nutzen, um das eigene Zuhause altersgerechter zu gestalten oder das Umfeld für pflegende Angehörige zu verbessern.

Bis zu 4.000 Euro für die ebenerdige Dusche

Die Wohnraum­anpassung soll es Ihnen ermöglichen, auch mit Pflege­bedarf ein selbständiges Leben in den eigenen vier Wänden zu führen. Dafür werden pro Umbaumaßnahme einmalig bis zu 4.000 Euro bewilligt. Diese können Sie nutzen, um das eigene Bad umzubauen, indem Sie z. B. eine ebenerdige Dusche oder einen Badewannenlift installieren lassen. Weitere typische Maßnahmen sind der Einbau eines Treppenlifts, Türverbreiterungen oder andere Maßnahmen, die der Sturzprophylaxe dienen. Oftmals sind die Wohnraum­anpassungen nötig, um die ambulante Pflege durch Pflege­dienste überhaupt erst zu ermöglichen, bzw. die eigenständige Alltagsversorgung pflegebedürftiger Menschen zu erleichtern. Sinnvoll kann es auch sein, im selben Zuge einen Hausnotruf zu installieren. Diesen be­zuschusst die Pflege­kasse extra mit bis zu 23 Euro im Monat.

Gesetzliche Grundlagen und Voraussetzungen

Die Wohnraum­anpassung ist im SGB XI verankert. Im Rahmen der allgemeinen Pflege­leistungen können Betroffene mit Pflege­grad 2 bis 5 Leistungen zur Wohnraum­anpassung in Höhe von maximal 4.000€ in Anspruch nehmen. Bei verändertem – also de facto höherem – Pflege­bedarf kann die Pflege­kasse entweder den gesamten oder einen Teil­zuschuss erneut bewilligen.

Folgend Kriterien müssen für den Antrag erfüllt sein:

  • Eine oder mehrere geplante Maßnahmen müssen dazu dienen, die häusliche Pflege zu ermöglichen.
  • Die Investition erleichtert die häusliche Pflege erheblich und reduziert Aufwand und Belastung für den Betroffenen und das Pflege­personal, bzw. die pflegenden Angehörigen.
  • Die Maßnahmen tragen dazu bei, eine selbständige Lebensführung zu ermöglichen.
Ebenerdige Dusche
Unterstützung von der Pflege­kasse gibt es z. B. für eine ebenerdige Dusche. Bild: Shutterstock/Jodie Johnson

Hilfe zur Wohnraum­anpassung beantragen

Aus Sicht der Pflege­kasse stellt jeder Umbau die Bewilligung einer Maßnahme dar – und das unabhängig davon, ob im Rahmen der Maßnahme ein einzelner oder mehrere Umbauten realisiert werden sollen. Darum kann es für Betroffene oder Angehörige praktisch sein, mehrere notwendige Umbauten auf mehrere Anlässe zu verteilen, um den Zuschuss zur Wohnraum­anpassung wiederholt zu nutzen – ohne, dass dafür ein zwingender Grund wie ein veränderter Pflege­grad vorliegen muss.

Welche Maßnahmen werden gefördert?

Es gibt eine ganze Reihe von Maßnahmen, die Sie sich finanzieren lassen können. Wir haben für Sie einen Auszug der typischen Maßnahmen zusammengestellt:

Badumbauten

  • Einbau einer barrierefreien Dusche
  • Umbau des Wannenbads von der Wanne zur Dusche
  • Einbau eines Badewannenlifts
  • Einbau einer barrierefreien Toilette
  • Einbau von Stützstangen, Bewegungshilfen und Handgriffen

Wohnraumumbauten

  • Einbau eines Treppenlifts
  • Einbau von Antirutschmatten oder trittsicherer Stufenflächen auf Treppen
  • Verlegung rutschfester Bodenbeläge
  • Erweiterung vorhandener Geländerführungen für beide Seiten
  • Einbau zusätzlicher, auch im Dunklen erkennbarer Lichtschalter

Wie oft kann ich den Zuschuss nutzen?

Bei einzelnen Betroffenen: Grundsätzlich bewilligt die Pflege­kasse den Zuschuss auf Basis der Umbaumaßnahmen – und das bis zur Höchstgrenze von 4.000€ pro Maßnahme, etwa beim Umbau vom Bad zur Dusche oder bei der Beseitigung von Stolperfallen oder echten Hindernissen im Haushalt. Doch damit ist der Zuschuss nicht ausgeschöpft. Sobald sich der Zustand des Betroffenen verschlechtert und weitere Maßnahmen zur Verbesserung der Pflege­situation, bzw. der Selbständigkeit des Betroffenen nötig werden, können Betroffene den Zuschuss zur Wohnraum­anpassung erneut beantragen.

Bei Wohngemeinschaften oder mehreren Pflege­bedürftigen im selben Haushalt: Bilden mehrere Pflege­bedürftige eine Wohngemeinschaft oder leben sie in einem gemeinsamen Haushalt, können Sie Maßnahmen gemeinschaftlich beantragen und gemeinsam finanzieren. Bei vier oder mehr Mitbewohnern bewilligt die Pflege­kasse bis zu 16.000€ pro Haushalt im Rahmen einer einzigen Maßnahme. Derartig großzügige Mittel sind immer dann sinnvoll, wenn eine umfassende Maßnahme für den gesamten Wohnbereich umgesetzt werden soll – etwa die durchgehende Beseitigung von Weghindernissen, indem etwa sämtliche Türschwellen entfernt und durch neue Raumdurchgänge ersetzt werden. Aber auch Orientierungshilfen, der Austausch von nicht rutschsicheren Bodenbelägen oder ganzen Treppen kann in vielen Fällen dazu beitragen, die Selbständigkeit und Alltagssicherheit der Pflege­bedürftigen in einer Wohnung nachhaltig zu erhöhen.

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