Lebens­versicherung statt Sterbegeld?

author icon
von Johannes Kuhnert
date icon
21.08.2019 (aktualisiert: 15.02.2021)
Lebensversicherung statt Sterbegeld? Lebensversicherung statt Sterbegeld?
Das Wichtigste in Kürze:
  • Lebens­versicherung ist nicht gleich Lebens­versicherung. Die unterschiedlichen Versicherungsarten die unter den Begriff „Lebens­versicherung“ fallen, erfüllen auch unterschiedliche Funktionen.
  • Die klassische Lebens­versicherung ist eine Kapitallebens­versicherung. Hier wird über eine lange Laufzeit ein Gesamtbetrag angespart, verzinst und zum Stichtag vollständig ausgezahlt. Aufgrund der wohl auch weiterhin niedrig bleibenden Zinsen bleibt die klassische Lebens­versicherung unattraktiv.
  • Bei der Variante als Lebens­versicherung mit kontinuierlich ausgezahlter Leibrente als Renten­versicherung laufen Inflation und Niedrigzins langfristig gegeneinander. Hier ist zwar keine Gesundheits­prüfung notwendig, dafür verringert sich der Gesamtwert der Versicherung langfristig.
  • Fondsgebundene Lebens­versicherungen kombinieren Geldanlage und Risikolebens­versicherung. Hier gibt es höhere Renditechancen,aber auch größere Risiken.
  • Indexgebundene Lebens­versicherungen reinvestieren Überschüsse aus sicheren Basisanlagen in renditeorientierte Aktienindizes in Form von Optionen. Doch eine höhere Rendite ist keineswegs garantiert, dafür sind die Verwaltungsgebühren meist hoch.
  • Sinnvoll zur Absicherung der eigenen Familie: Die Risikolebens­versicherung. Sie ist ideal für Familien, wenn ein Partner deutlich mehr verdient als der andere. Stirbt der Hauptverdiener, ist die Familie abgesichert.

Lebens­versicherung - das bessere Sterbegeld? So sichern Sie Ihre Angehörigen sinnvoll ab

Die klassische Lebens­versicherung ist eine Sparanlage, die eigene Alters­vorsorge zu ergänzen. Obwohl die Angehörigen bei den meisten Versicherungsmodellen nicht im Vordergrund stehen, erhalten sie oft eine festgesetzte Versicherungssumme, wenn er vor Erreichen des Erfüllungstermins verstirbt. Regulär spart der spart der Vertragsnehmer seine Beiträge über viele Jahre in der Lebens­versicherung an. Lebt er zum vertraglich vereinbarten Stichtag der Auszahlung, werden ihm sämtliche verzinste Beiträge samt Überschuss ausgezahlt. Doch bei den Überschüssen hapert es gewaltig. Denn in Zeiten der Niedrigzinsen fehlt des den Versicherern an Anlagemöglichkeiten für das Geld, das ihnen die Versicherten überweisen. Dabei wäre der Überschuss immens wichtig für die Attraktivität der klassischen Kapitallebens­versicherung. Denn während in früheren Zeiten eine satte Verzinsung die Lebens­versicherung als Geldanlage attraktiv machte, liegt der sogenannte Garantiezins bei gerade mal noch 0,9 Prozent und damit unterhalb der mittleren Inflationsrate. Die Folge: Immer weniger Investitionsmöglichkeiten stehen immer geringeren Neuabschlüssen gegenüber, und die Versicherer verlassen das einst einträgliche Geschäftsfeld zugunsten neuer Versicherungsprodukte wie indexgebundenen Lebens­versicherungen oder fondsgebundenen Versicherungen. Auch wollen immer mehr Versicherte ihre Lebens­versicherung kündigen oder die Lebens­versicherung verkaufen.

Die klassische Renten­versicherung – das Monatsmodell

Die klassische private Renten­versicherung ist eine Ergänzung zur gesetzlichen Renten­versicherung. Der Grundgedanke ist hier, dass der angesparte Betrag sukzessive parallel zur eigentlichen Rente ausgezahlt wird. Dabei kann der Vertragsnehmer allerdings frei wählen, ob er die Versicherungsbeträge monatlich ausgezahlt bekommen will oder wie bei der Kapitallebens­versicherung eine vollständige Auszahlung zu einem vertraglich fixierten Zeitpunkt wünscht.

Während der Ansparphase funktionieren Renten­versicherung und Lebens­versicherung grundsätzlich identisch. Allerdings gibt es bei der Renten­versicherung keinen Versicherungsschutz für den vorzeitigen Todesfall:Stirbt der Versicherungsnehmer vor dem vertraglich vereinbaren Auszahlungszeitpunkt, erhalten seine Angehörigen lediglich die bis dato eingezahlten Beträge ausgezahlt.

Fondsgebundene Lebens­versicherung: Neue Versicherungsprodukte für Langfristanlagen

Die fondsgebundene Lebens­versicherung ist eine Kombination aus Absicherung im Todesfall und einer Kapitalanlage. Während ein Sockelbetrag konservativ vom Versicherer angelegt wird, wird ein Teil der angesparten Beiträge hier in unterschiedliche Fonds investiert. Am Tag der Auszahlung werden dann Sockelbetrag und Fondsertrag gemeinsam ausgezahlt; ein grundsätzlich attraktiver Weg, mögliche Aktiengewinne mit einer stabilen Wertanlage zu kombinieren. Allerdings gibt es keine Gewähr für einen dauerhaft steigenden Wert der herangezogenen Fonds. Fällt der Zeitpunkt der Auszahlung in eine Zeit niedriger Aktienkurse, sinkt auch der Ertrag zur Gesamtauszahlung. Pluspunkt: Der vorzeitige Tod des Versicherungsnehmers ist mit einem Garantiebetrag abgesichert – der auch mögliche Zugewinne aus dem Fondsanteil einschließt.

Indexgebundene Lebens­versicherung

Die indexgebundene Lebens­versicherung funktioniert dem Grundsatz nach wie die klassische Lebens­versicherung. Anders als bei der „alten“ Kapitallebens­versicherung werden die Überschüsse jedoch indexbasiert in Aktien investiert statt in sichere verzinste Produkte. Den Vorteil der höheren Renditemöglichkeit bezahlt der Versicherungsnehmer dann insgesamt mit einem größeren Investitionsrisiko, denn einen Garantiezins räumen Versicherer bei der indexgebundenen Lebens­versicherung nicht länger ein. Anders als bei der fondsgebundenen Lebens­versicherung wird jedoch noch ein relativ kleiner Teil des Ansparbetrags in Aktien investiert und der Gewinn von Jahr zu Jahr neu gedeckelt – während mögliche Verluste vollständig vom Versicherungsnehmer getragen werden müssen. Außerdem lassen sich Versicherer ihre investiven Tätigkeiten mit hohen Gebühren bezahlen.

Gut zu wissen: Wer eine kapitalbildende Versicherung besitzt und kurzfristig Geld benötigt, kann die Lebens­versicherung beleihen. Das ist häufig besser als sie zu kündigen oder zu verkaufen, denn dabei sind die Verluste für Verbraucher hoch. Gerade bei älteren, gut verzinsten Verträgen kann es sich lohnen, die Alters­vorsorge zu erhalten. Wer nicht sicher ist, wie er mit seiner Kapital- und Versicherungssituation verfahren soll, kann u.U. auch die Dienste einer unabhängigen Honorarberatung in Anspruch nehmen.

Risikolebens­versicherung: Stabile Absicherung für Familienangehörige

Geht es vorrangig um eine langfristige Absicherung der eigenen Familie, dann ist vor allem die Risikolebens­versicherung bis heute eine sinnvolle Wahl. Das betrifft dabei auch insbesondere Familien, die langfristige Verpflichtungen eingegangen sind, etwa bei einer mehrjährigen Immobilienfinanzierung – aber auch junge Familien mit kleinen Kindern können sich mit einer Risikolebens­versicherung langfristig absichern für den Fall, dass der Hauptverdiener vorzeitig verstirbt. Übliche Zeitfenster einer Risikolebens­versicherung erstrecken sich über die Dauer einer Kreditlaufzeit oder bis zum Ende der beruflichen Ausbildung der eigenen Kinder. Höchstlaufzeit vieler Versicherer ist das Erreichen des 75. Lebensjahres des Versicherten.

Der wesentliche Unterschied zur allen anderen Arten von Lebens­versicherungen besteht hier darin, dass der Versicherungsnehmer keinen Sparbeitrag aufbaut, sondern einen regulären Versicherungsbeitrag entrichtet. Die Beitragshöhe richtet sich dabei nach dem Gesundheits­zustand des Patienten, so preisen Versicherer mögliche Risiken bei übergewichtigen Patienten, chronischen Krankheiten oder Rauchern ein. Sinnvoll ist es, eine Risikolebens­versicherung möglichst frühzeitig und vor Auftreten chronischer Krankheiten abzuschließen.

Risikolebens­versicherung als Alternative zum Sterbegeld?

Wer vor einer situationsgerechten Ad-Hoc-Absicherung für seine Angehörigen steht, könnte versucht sein, zwei Vorsorge­möglichkeiten heranzuziehen: Die Risikolebens­versicherung und die Sterbegeld­versicherung. Dabei stehen beide Instrumente nicht in Widerspruch zueinander, sie dienen einfach unterschiedlichen Zwecken. Während die Risikolebens­versicherung die eigenen engsten Angehörigen langfristig absichern soll, dient die Sterbegeld­versicherung dazu, die unmittelbar entstehenden Kosten eines Todesfalls abzufedern.

Dabei ist es durchaus denkbar, die erwarteten Bestattungskosten in den Umfang einer Risikolebens­versicherung mit einzukalkulieren. Hier hängen die Kosten einer Beisetzung von drei Faktoren ab: Der Bestattungsart, dem Umfang der Beisetzungsfeier und den langfristigen Kosten für Friedhofsgebühren und Pflege. Während eine günstige Feuerbestattung für bereits 3000€ realisierbar ist, kann eine großzügige Beerdigung mit umfangreicher Trauerfeier Kosten von über 10.000€ nach sich ziehen.

Wer auch für diesen Fall eine Risikolebens­versicherung abschließen will, sollte berücksichtigen, dass sich die Beitragshöhe nicht nur nach der Höhe des Versicherungsbetrags richtet, sondern auch nach Alter,Gesundheits­zustand und Lebensumständen des Versicherungsnehmers. Je größer die Gesundheits­risiken aus Sicht der Versicherung sind, desto teurer wird die Police. Doch aufgepasst: Die Beitragshöhe steigt bereits für über Fünfzigjährige spürbar – auch wenn keine gesundheitlichen Belastungen vorliegen. Wer seine Familie langfristig für den unerwarteten Notfall absichern will, sollte einen langen Atem beweisen – oder draufzahlen. Auch langjährige Nichtraucher über 50 kommen leicht auf Monatsbeiträge von über 60 Euro bei einem Versicherungsbetrag von 175.000 Euro. Zum Vergleich: Ein 40jähriger kommt bei gleichen Konditionen auf einen Monatsbeitrag von meist weniger als 15 Euro im günstigsten Tarif.

Fazit:

Wer über 50 ist und in erster Linie mögliche Beerdigungskosten auffangen will, fährt mit einer Sterbegeld­versicherung auf den Monat betrachtet günstiger. Eine großzügig bemessene Absicherung von 10.000€ ist mit rund 40€ nicht nur weniger kostenintensiv, sie hat auch einen weiteren Vorteil: Im Gegensatz zu einer Risikolebens­versicherung ist sie nicht zeitlich befristet, und in vielen Fällen ab dem 85. Lebensjahr beitragsfrei. Die angesparten Beiträge verfallen im Gegensatz zur Risikolebens­versicherung also nicht (Nutzen Sie bei Bedarf auch unsere Vorlage, um Ihre Lebens­versicherung zu kündigen).

Wer hingegen jünger ist und seine Familie langfristig absichern will, für den kann eine Risikolebens­versicherung eine Möglichkeit sein, um die eigenen Bestattungskosten zusätzlich abzubilden. Sinnvoll ist langfristig ein Absicherungsbetrag, der dem 4-5fachen des eigenen Jahresbruttogehalts entspricht. Stirbt der Versicherungsnehmer jedoch nach dem 75. Lebensjahr, ist die Risikolebensversichung ausgelaufen – und die Kosten für die Beerdigung bleiben bei den Angehörigen.

Tipp: In unserem Ratgeber zur Sterbegeld­versicherung für Eheleute erfahren Sie, was zu beachten ist, wenn Sie und Ihr Partner sich gegenseitig absichern möchten.

Weitere Artikel, die Sie interessieren könnten

Teilen Sie den Artikel