Vorsorgevollmacht erstellen: Das ist zu beachten

Vorsorge­vollmacht erstellen: Das ist zu beachten

02.12.2020

Foto: Shutterstock/ Palatinate Stock

Ihre Vorsorgevollmacht soll sicherstellen, dass Ihre Lieben im Ernstfall schnell für Sie handeln können. Zusätzlich soll sie ihnen einen Leitfaden mit auf den Weg geben, wenn der Ernstfall eintritt. Dass das gar nicht so einfach ist, zeigt sich in der Praxis: Viele Vollmachtgeber bauen unbeabsichtigt Fallstricke in Ihre Dokumente ein. Diese führen oftmals dazu, dass die Bevollmächtigten viel Aufwand betreiben müssen, um für ihren Vollmachtgeber aktiv werden zu können. Wir erklären, wie Sie eine Vollmacht erstellen und worauf Sie beim Schreiben achten müssen, damit Ihre Angehörigen sofort handlungsfähig sind.

Vorsorgevollmacht erstellen: So geht’s

Wer einen klaren Ablauf für die Erstellung seiner Vollmacht hat und weiß, was er möchte, kann in kurzer Zeit ein rechtsgültiges Dokument aufsetzen. So erstellen Sie Ihre Vollmacht in wenigen Schritten:

  1. Sprechen Sie mit Ihrer Vertrauensperson: Bevor Sie die Vorsorgevollmacht schreiben, sollten Sie sich zunächst überlegen, wer Ihr Bevollmächtigter werden soll und welche Rechte Sie ihm einräumen möchten. Sprechen Sie vorab mit Ihrer Vertrauensperson, denn auch sie muss eine Entscheidung treffen: Sie sollten ihr die Möglichkeit geben, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen und für sich zu entscheiden, ob sie die Verantwortung übernehmen möchte, die mit einer Vorsorgevollmacht verbunden ist. Fühlt sich Ihre Wunschperson dieser Herausforderung nicht gewachsen, sollten Sie Verständnis dafür zeigen und sich um einen anderen Kandidaten bemühen. Setzen Sie keinesfalls einen Bevollmächtigten ohne sein Wissen oder gar gegen seinen Willen ein, denn er kann die Aufgabe auch noch ablehnen, wenn der Ernstfall bereits eingetreten ist. Damit schaden Sie sich vor allem selbst, denn dann wird letztlich doch eine Betreuung notwendig.
Tipp

In unserem Beitrag Bevollmächtigte: Welche Rechte und Pflichten haben sie? erfahren Sie, welche Aufgaben ein Bevollmächtigter übernehmen darf und welche nicht.

  1. Festlegen, was wichtig ist: Zu den Aufgaben, die Bevollmächtigte üblicherweise übernehmen, gehört z. B. die Bezahlung anfallender Rechnungen und der Miete. Die meisten Menschen entscheiden sich vermutlich dafür, dass sich Ihr Bevollmächtigter um diese grundlegenden Dinge kümmert. Grundsätzlich können Sie allerdings individuell festlegen, in welchen Belangen Ihre Vertrauensperson Sie vertreten darf.

  2. Innenverhältnis regeln: Bestimmen Sie, wie Ihre Vertrauensperson die Vollmacht nutzen soll. Sie können hier nicht nur festlegen, ab wann der oder die Bevollmächtigte tätig werden soll, sondern auch festlegen, wie Ihre Vertrauensperson handeln soll. So stellen Sie nicht nur sicher, dass in Ihrem Sinne entschieden wird, sondern geben Ihrem Angehörigen einen klaren Fahrplan an die Hand. Dieser kann für ihn eine große Entlastung sein.

    Tipp: In unserem Experten-Interview erklärt Rechtsanwalt und Notar Dr. Andreas Lohmeyer, warum das Innenverhältnis wichtig ist, um sich vor Vollmachtsmissbrauch zu schützen.

  3. Vollmacht schreiben: Erstellen Sie eine gültige Vollmacht und eine dazugehörige Regelung für das Innenverhältnis. Sie haben verschiedene Möglichkeiten, Ihre Vorsorgevollmacht aufzusetzen. Sie können Sie handschriftlich oder am PC schreiben, ein Formular nutzen oder eine Vollmacht bei einem Notar erstellen.
    Vorsicht bei Vorlagen: Muster aus dem Internet bilden meist nur eine allgemeine und nie Ihre persönliche Lebenssituation ab. Sie sollten Ihnen nur als Beispielansicht dienen. Hier können Sie ein Beispiel für eine Vorsorgevollmacht von Afilio ansehen: Vorsorgevollmacht Muster

  4. Daten überprüfen: Überprüfen Sie, ob die wichtigsten Daten auf der Vollmacht vorhanden sind. Auf jeden Fall müssen Ort, Datum, Ihr Name, Ihr Geburtsdatum, Ihr Geburtsort, Ihre Adresse und Ihre Unterschrift auf dem Dokument zu finden sein. In manchen Vorlagen wird auch die Telefonnummer gefordert, zwingend notwendig ist sie aber nicht. Außerdem müssen die Daten des oder der Bevollmächtigten vollständig aufgeführt werden – Name, Adresse, Geburtsdatum, Geburtsort und die Unterschrift des Bevollmächtigten. Diese ist nicht zwingend notwendig, wird allerdings dringend empfohlen.

Das klingt für Sie alles zu kompliziert? Afilio macht es Ihnen einfach! Nutzen Sie für Ihre Vollmacht ganz einfach unser Online-Formular: Jetzt Vorsorgevollmacht erstellen.

Frau füllt Vorsorgevollmacht aus
Sie können die Vorsorge­vollmacht handschriftlich oder am PC erstellen. Es ist sogar möglich, sie nur mündlich auszuspre-chen. Davon ist aber abzuraten, da es für Bevollmächtigte schwer wird, das nachzuweisen. Foto: Shutterstock/ Mangostar

Vorsorgevollmacht erstellen: Fehler und Hürden vermeiden

Um es Ihren Bevollmächtigten so einfach wie möglich zu machen und sicherzustellen, dass sie Sie im Ernstfall vertreten, sollten Sie darauf achten, keine ungeahnten Hürden in das Dokument einzubauen. Außerdem ist es wichtig, dass Ihre Vorsorgedokumente vollständig sind. Die folgenden Abschnitte sollen Ihnen eine Übersicht darüber geben, welche Punkte Sie bei der Erstellung der Vorsorgevollmacht beachten sollten.

Innen- und Außenverhältnis unterscheiden

Es führt immer wieder dazu, dass Vollmachten ungültig sind und ein Betreuer bestellt werden muss, weil Vollmachtgeber zu viele Informationen in die Vorsorgevollmacht aufnehmen. Grundsätzlich unterteilt sich dieses Dokument in das sogenannte Außen- und das Innenverhältnis. Das Außenverhältnis regelt die Vollmacht, die Ihre Bevollmächtigten nutzen, um Sie gegenüber Dritten zu vertreten. Sie ist also der Nachweis, dass jemand in Ihrem Namen Entscheidungen treffen darf. Zusätzlich sollten Sie auf jeden Fall einen Brief mit Handlungsanweisungen aufsetzen, die Ihrem Bevollmächtigten genau mitteilen, wie er in Ihrem Namen handeln soll. Hier regeln Sie das sogenannte Innenverhältnis – es handelt sich um eine Abmachung zwischen Ihnen und Ihrem Bevollmächtigten.

Bei einer Vorsorgevollmacht für mehrere Personen können Sie im Innenverhältnis zudem festlegen, welcher Bevollmächtigte wann tätig werden soll. Besonders diesen Punkt sollten Sie nicht im Außenverhältnis regeln. Möchten Sie z. B., dass Ihre Kinder erst tätig werden, wenn Ihr Ehepartner als erster Bevollmächtigter verhindert ist, dann geben Sie das im Innenverhältnis an. Im Außenverhältnis sollten alle Bevollmächtigten jedoch gleichberechtigt sein. Entscheiden Sie sich dafür, diese Informationen in das Außenverhältnis aufzunehmen, schaffen Sie eine zusätzliche Hürde für Ihre Kinder. Sie müssen dann nämlich nicht nur nachweisen, dass sie bevollmächtigt sind, sondern auch, dass Ihr Ehepartner seine Aufgaben nicht mehr wahrnehmen kann. Weil das in der Praxis nicht immer möglich ist, besteht die Gefahr, dass letztendlich doch ein Betreuer bestellt werden muss.

Besprechung vor Gericht
Wer zu viele Einschränkungen in das Außenverhältnis schreibt, legt Vertrauens­personen oft Steine in den Weg. Foto: Shutterstock/mojo cp

Entscheidungsfähigkeit der Bevollmächtigten nicht einschränken

Ein weiterer Punkt: Ihre Bevollmächtigten sollten nach außen hin stets allein entscheiden können. Zwar sind Sie mit der Festlegung, dass Bevollmächtigte nur gemeinsam entscheiden können, besser vor Missbrauch geschützt, allerdings kann es dann vorkommen, dass Entscheidungen nur verzögert getroffen werden können, weil ein Bevollmächtigter nicht erreichbar ist. Im schlimmsten Fall kann keine Entscheidung gefällt werden und das zuständige Betreuungsgericht muss einen gesetzlichen Betreuer bestellen.

Zusätzliche Dokumente aufsetzen

Eine Vorsorgevollmacht allein ist nur die halbe Miete. Denn Ihre Vertrauensperson kann Sie zwar rechtlich gegenüber Ärzten vertreten, doch damit sie in Ihrem Sinne entscheiden kann, muss sie Ihre Wünsche kennen. Woher soll sie schließlich wissen, welche medizinische Behandlung Sie annehmen oder ablehnen würden oder wo Sie sterben möchten? Abhilfe schafft hier die Patientenverfügung, die Sie auf jeden Fall ebenfalls erstellen sollten.

In der Patientenverfügung beschreiben Sie, wie Sie medizinisch behandelt werden möchten, wo Sie am Ende Ihres Lebens untergebracht werden möchten und welche Menschen Sie als Beistand wünschen. Erstellen Sie eine Patientenverfügung und bewahren Sie sie im besten Fall gemeinsam mit der Vollmacht an einem sicheren Ort auf. Welche Möglichkeiten es gibt, erfahren Sie in unserem Beitrag Vorsorgevollmacht hinterlegen und aufbewahren: So geht’s.

Gut zu wissen

Sie können nicht nur Ihre Vorsorgevollmacht, sondern auch Ihre Patientenverfügung mit Afilio in wenigen Schritten erstellen. Jetzt Patientenverfügung erstellen.

Ein weiteres wichtiges Dokument ist die Betreuungsverfügung, mit der Sie für den Fall vorsorgen, dass vom Gericht ein Betreuer bestellt werden muss. In der Verfügung benennen Sie eine Vertrauensperson, die Sie sich als Betreuer wünschen. Nachdem das Gericht geprüft hat, ob die Person geeignet ist, wird sie in der Regel auch bestellt. Einzige Ausnahme: Die Person ist verhindert oder aus anderen Gründen nicht für die Betreuung geeignet. Haben Sie eine wirksame Vorsorgevollmacht, geht diese immer vor: Die Betreuungsverfügung wird nur dann eingesetzt, wenn die Bevollmächtigten ausfallen.

Das Wichtigste in Kürze:
  • Mit einer Anleitung wird alles leichter: Gehen Sie bei der Erstellung Ihrer Vorsorgevollmacht nach den oben genannten Schritten vor oder nutzen Sie das Formular von Afilio.
  • Vermeiden Sie zu viele Einschränkungen in der Vorsorgevollmacht, um sicherzustellen, dass Ihre Bevollmächtigten auch handlungsfähig sind.
  • Grenzen Sie das Außen- und das Innenverhältnis inhaltlich klar voneinander ab und nehmen Sie die detaillierten Informationen und Einschränkungen in das Innenverhältnis auf.
  • Sichern Sie sich zusätzlich mit einer Patientenverfügung und einer Betreuungsverfügung ab.

Häufig gestellte Fragen

Hat der Ehepartner automatisch eine Vorsorgevollmacht?

Nein. Auch wenn Sie verheiratet sind, darf Ihr Partner nicht einfach so für Sie entscheiden, wenn Ihnen etwas passiert. Denn in Deutschland kann niemand automatisch Ihr Vertreter werden, wenn Sie ihn nicht ausdrücklich dazu bevollmächtigt haben – z. B. mit einer Vorsorgevollmacht.

Kann man zwei Personen eine Vorsorgevollmacht erteilen?

Es ist möglich, mehreren Personen eine Vorsorgevollmacht zu erteilen. Dabei sollten Sie allerdings aufpassen, dass Sie keine unnötigen Hürden einbauen. Setzen Sie z. B. Ihre Tochter als Bevollmächtigte ein und Ihren Sohn als Ersatzbevollmächtigten, muss Ihr Sohn immer nachweisen, dass seine Schwester nicht handlungsfähig ist. Das kann zu Verzögerungen und Schwierigkeiten führen. Setzen Sie lieber beide als gleichberechtigt Bevollmächtigte ein und regeln Sie im sogenannten Innenverhältnis, dass Ihr Sohn erst einspringen darf, wenn die Tochter verhindert ist.

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