Erbscheinsantrag: Muster für die Beantragung Ihres Erbscheins
Erbscheinsantrag: Vorlage als Muster
  • Einen Erbscheinsantrag können nur Erben stellen. Vermächtnisnehmer und Pflichtteilsberechtigte dürfen hingegen keinen Erbschein beantragen.
  • Sie benötigen für den Antrag viele Unterlagen wie Sterbe- und Geburtsurkunden, die im Original oder beglaubigter Kopie vorzulegen sind.
  • Passen Sie alle individuellen Rahmenbedingungen des bzw. der Erben in unserer Mustervorlage an.

Erbscheinsantrag: Muster für die Beantragung Ihres Erbscheins

Erbschein beantragen? Mit unserem Muster geht das einfach, schnell und sicher. Wir erklären, worauf Sie achten müssen. Jetzt kostenlos Vorlage ansehen!

Stirbt ein Angehöriger, muss sich neben der Trauerbewältigung auch zeitnah um den Nachlass gekümmert werden. In einigen Situationen wird ein Erbschein benötigt, um mit Dritten wie Banken und Behörden, Wichtiges zu regeln und zu klären, vor allem wenn der Verstorbene weder Testament noch Erbvertrag hinterlassen hat und die gesetzliche Erbfolge greift. Gibt es keinen Nachweis über die Erbberechtigung, wenn der Erbfall eintritt, müssen Erben einen Erbschein beantragen, um das Vermögen des Erblassers anzunehmen. Nutzen Sie unsere kostenlose Vorlage für Ihren Erbscheinsantrag.

Wofür brauchen Sie einen Erbschein?

Ein Erbschein ist gesetzlich nicht verpflichtend, trotzdem fordern einige Institutionen einen. Prüfen Sie daher, ob es wirklich sinnvoll ist, einen Erbscheinsantrag zu stellen. Wollen Sie beispielsweise beim Vermieter die Wohnung, bei der Bank das Konto oder die Versicherungen des Verstorbenen auflösen, wollen die Institutionen in der Regel einen Erbschein als rechtliche Absicherung sehen. Erst wenn der oder die Erben einen beglaubigten Nachweis erbringen, können sie über das Vermögen verfügen und sich um die Finanzgeschäfte des Verstorbenen kümmern. Es müssen beispielsweise Daueraufträge gekündigt, Rechnungen beglichen und Vermögen übertragen werden. Unsere Checkliste Todesfall hilft Ihnen in Ihrer Trauer, einen Überblick über die wichtigsten Aufgaben im Fall der Fälle zu haben.

Beachten Sie, dass ein Erbschein nur in der Kommunikation mit Dritten wie der Bank, der Versicherung oder dem Grundbuchamt notwendig ist, müssen Sie keine Rechenschaft ablegen, benötigen Sie auch keinen Erbschein. Auch wenn Sie im Besitz einer umfassenden Kontovollmacht sind, die Ihnen der Verstorbene zu Lebzeiten ausgehändigt hat, ist ein Erbschein nicht nötig - selbst wenn ein Testament fehlt. Im Zweifel können Sie sich, bevor Sie einen Erbscheinsantrag stellen, an die Ansprechpartner von Banken oder Versicherungen, z. B. um Allianz zu kündigen, wenden und erfragen, ob die Ihnen vorliegenden Dokumente genügen oder Sie zusätzlich einen Erbschein beantragen sollen. Besitzen Sie keine Kontovollmacht jedoch ein öffentliches oder privates Testament, einen Erbvertrag oder eine Vorsorgevollmacht, benötigen Sie in keinem Fall einen Erbschein für den Rechtsverkehr mit Dritten und Sie können sich die Kosten für den Erbscheinsantrag sparen, da Sie bereits ohne Zweifel Ihr Erbrecht nachweisen können. Sollte die Bank trotzdem einen Erbschein verlangen, können Sie auf das BGH-Urteil mit dem Aktenzeichen XI ZR 440/15 hinweisen. In dem Urteil verlangte eine Bank ohne Notwendigkeit einen Erbschein und musste die entstandenen Unkosten in Höhe von 1770 Euro tragen.

Übrigens: Hat der Verstorbene zu Lebzeiten eine Lebensversicherung abgeschlossen und Sie als Bezugsberechtigten benannt, benötigen Sie keinen Erbschein für die Auszahlung. Auch gehört die Versicherungssumme in diesem Fall nicht zum Nachlass.

Erbscheinsantrag: Wer kann ihn stellen?

Nur Erben können einen Antrag auf Erbschein stellen, dabei spielt es keine Rolle, ob Sie durch ein Testament, einen Erbvertrag oder aufgrund der gesetzlichen Erbfolge Erbe sind. Ist der Erbe noch minderjährig, wird er von seinen Eltern bzw. Sorgeberechtigten vertreten. Im Namen des Erben können auch Testamentsvollstrecker oder ein Nachlassverwalter das Beantragen des Erbscheins für Sie übernehmen. Wenn Sie jedoch vom Verstorbenen enterbt wurden und nur pflichtteilsberechtigt sind, dürfen Sie keinen Erbschein beantragen, auch Vermächtnisnehmer sind nicht berechtigt.

Sind Sie Teil einer Erbengemeinschaft und nicht Alleinerbe, dann gibt der Erbschein auch Auskunft über die Höhe der Erbteile. Als Erbengemeinschaft können Sie zusammen oder allein einen Erbscheinsantrag stellen. Stellen Sie den Antrag als Gemeinschaft der Erben, werden die Kosten auch durch die Erbengemeinschaft getragen und aufgeteilt. Jeder Erbe kann jedoch auch für sich allein einen Erbschein beantragen und die Kosten selbst tragen. Stellen Sie allein einen Antrag, sind jedoch Teil einer Erbengemeinschaft, erhalten Sie einen Teilerbschein. Übrigens: Existiert ein Testament, müssen Sie erst die Testamentseröffnung abwarten, bis Sie einen Erbscheinsantrag stellen können.

Welche Dokumente benötigen Sie für den Erbscheinsantrag?

Erbengemeinschaft regelt Nachlass
Ob Alleinerbe oder eine Gemeinschaft: Erstellen Sie ein Nachlassverzeichnis mit allen Vermögenswerten und Immobilien

Zur Beantragung eines Erbscheins benötigen Sie viele Unterlagen, die Sie im Original oder in beglaubigter Kopie dem Antrag beifügen müssen. Stellen Sie erst den Antrag, wenn Sie neben Ihrem Personalausweis oder Reisepass alle weiteren Nachweise und Dokumente beisammen haben. So kann das Erbscheinsverfahren schnellst möglich bearbeitet und abgeschlossen werden. Nutzen Sie unsere kostenlose Afilio-Vorlage und passen Sie sie individuell an Ihre Erbsituation mit folgenden Informationen und Unterlagen an:

  • Informationen über den Erblasser wie Sterbedatum, letzte Wohnanschrift, Staatsangehörigkeit,
  • Nachweis des Erbrechts mit Familienstammbaum und Geburtsurkunden aller Erben sowie auch von bereits verstorbenen erbberechtigten Personen,
  • Auflistung der Erben mit den aktuellen Wohnanschriften,
  • Nachlasswert mithilfe einer Auflistung das Vermögen und auch eventuelle Schulden ermitteln,
  • eidesstattliche Versicherung ablegen, dass Ihre Angaben richtig sind und Sie beispielsweise keine Kenntnis über ein Testament oder einen Erbvertrag haben.

Gibt es Verträge, die im Falle eines Erbverzichts geschlossen wurden, wie z. B. im Rahmen eines Berliner Testaments? Legen Sie diese Dokument auch bei.

So beantragen Sie den Erbschein

Der Erbscheinsantrag kann zu jeder Zeit beim Nachlassgericht am letzten gemeldeten Wohnort des Erblassers gestellt werden. Beachten Sie, wenn ein Testament vorhanden ist, können Sie den Erbschein erst nach der Testamentseröffnung beantragen. Liegen weder Testament noch Erbvertrag vor, gibt es keine Frist, die eingehalten werden muss. Trotzdem sollten Sie nicht zu viel Zeit verstreichen lassen, da Sie lediglich sechs Wochen Zeit haben, um ein Erbe auszuschlagen. Beantragen Sie einen Erbschein, gilt das Erbe im Übrigen als angenommen. Sie müssen den Erbschein persönlich beim Nachlassgericht beantragen, da Sie vor Ort eine eidesstattliche Erklärung über die von Ihnen gemachten Angaben ablegen müssen. Es reicht, wenn Sie die vor dem Rechtspfleger abgeben, der Ihren Erbscheinsantrag entgegen nimmt.

Um den Erbschein zu beantragen, haben Sie zwei Möglichkeiten. Sie können zum einen eine mündliche Erklärung äußern, die am Nachlassgericht protokolliert wird, oder zum anderen können Sie einen Notar oder Juristen beauftragen, der sich in Ihrem Namen mit dem Gericht in Verbindung setzt, haben Sie alle benötigten Dokumente und Unterlagen eingereicht, dauert es in der Regel wenige Wochen, bis Sie den Erbschein per Post erhalten. Zudem erhalten Sie als Erbe vom Nachlassgericht einen Vordruck, um ein Nachlassverzeichnis über sämtliche Wertgegenstände zu erstellen. Sind Immobilien und Unternehmen im Erbe eingeschlossen, reicht es, die Werte zu schätzen.

Gut zu wissen: Bekommen Sie einen Ablehnungsbescheid durch das Nachlassgericht, haben Sie einen Monat Zeit, um Widerspruch einzulegen.

Sie können Ihren Erbschein statt beim Nachlassgericht auch bei einem Notar beantragen. In diesem Fall benötigen Sie dieselben Unterlagen und Angaben, die auch vor Gericht notwendig sind und können bei ihm auch Ihre eidesstattliche Versicherung abgeben. Der Vorteil, den Erbscheinsantrag beim Notar zu beantragen, ist die bessere Beratung und schnellere Terminvergabe. Zudem empfinden Erben das Umfeld des Notars meistens angenehmer als bei Gericht. Doch beachten Sie, beim Notar fallen weitere Kosten an.

Das kostet ein Erbschein

Ein Erbscheinsverfahren kostet
Es fallen Gebühren für das Erbscheinsverfahren und die eidesstattliche Versicherung an

Die Höhe der Kosten richtet sich nach der Höhe des hinterlassenen Vermögens abzüglich der Schulden, je höher also der Vermögenswert, desto teurer der Erbschein. Dabei setzt sich die Gebühr aus zwei Kostenpunkten zusammen. Einmal fällt eine Gebühr für die eidesstattliche Versicherung an und zum anderen eine Gebühr für die Erteilung des Erbscheins. Beantragen Sie den Erbschein beim Notar statt vor dem Nachlassgericht, müssen Sie zusätzlich noch die Notargebühren bezahlen.

Die Gebühren werden auch immer von der Person getragen, die den Erbschein beantragt, sind Sie eine Erbengemeinschaft, werden die Kosten durch alle Erben geteilt. Nehmen Sie Ihren Erbscheinsantrag zurück oder das Gericht lehnt Ihren Antrag ab, verringern sich die Kosten.

Gibt es ein Risiko beim Beantragen des Erbscheins?

Sie können Ihren Erbanspruch gefährden, wenn Sie während des Erbscheinverfahrens falsche Angaben machen oder ein gefälschtes Testament vorlegen. Auch das bewusste Zurückhalten eines Testamentes kann Sie erbunwürdig machen und strafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen. Sie können in diesem Fall bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe bekommen, wenn Sie wichtige Informationen verschwiegen oder während der eidesstattlichen Versicherung gelogen haben.

Ein Erbscheinverfahren birgt jedoch auch weitere Risiken, auch wenn Sie die Wahrheit gesagt haben und zu einem späteren Zeitpunkt beispielsweise ein verschollenes Dokument auftaucht, kann Ihr ausgestellter Erbschein wieder für ungültig erklärt werden. Sollten Sie in dem Fall weiterhin auf das Vermögen zugreifen, droht Ihnen eine Strafverfolgung.

Kommt es zu Erbstreitigkeiten und Miterben weisen den Erbschein zurück oder andere Familienangehörige zweifeln Ihren Erbanspruch oder das Testament an, dürfen Sie bis zur Urteilsverkündung keinen Gebrauch vom Erbschein machen und auch nicht über den Nachlass verfügen. Beachten Sie, dass ein Erbstreit meistens sehr langwierig und kostenintensiv ist.

Erbscheinsantrag: Besser einen Anwalt beauftragen?

Beauftragen Sie einen Fachanwalt für Erbrecht, profitieren Sie von seiner Expertise und können sich so gegen potenzielle Risiken im Erbscheinverfahren absichern. Jedoch verursacht die Beauftragung weitere finanzielle Belastungen, die Sie zusätzlich zum Notar und Nachlassgericht bezahlen müssen. In den meisten Fällen ist es nicht ratsam, einen Anwalt für den Erbscheinsantrag zu beauftragen. Jedoch gibt es einige Situationen, in denen es sinnvoll sein kann:

  • Es bestehen Unklarheiten hinsichtlich der Erbfolge bzw. Streit im Rahmen der Erbschaft. In dem Fall kann der Anwalt Ihren Erbanspruch zweifelsfrei nachweisen.
  • Er erstellt mit Ihnen das Nachlassverzeichnis und hilft somit bei der korrekten Berechnung des Nachlasses.
  • Der Rechtsbeistand kann die Höhe der Erbschaft überprüfen und Schritte einleiten, damit Sie bei einer Überschuldung nicht mit Ihrem privaten Vermögen haften oder ein wertvolles Erbe ausschlagen.
  • Kommt es zu Konflikten mit Testamentsvollstreckern oder Pflichtteilsberechtigten hilft er, eine außergerichtliche Einigung anzustreben. So kann ein langer, teurer Rechtsstreit vermieden werden.