2026 April 2

vom 20.04.2026
#38: Betrüger klonen Stimmen mit KI – Ein Selbstexperiment & Tipps zum Schutz
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Der digitale Enkeltrick: Wenn Betrüger Stimmen klonen

Ratgeber für den sorgenfreien Ruhestand

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

ich hatte gerade ein Gespräch mit mir selbst – und zwar am Telefon. Unsere Redaktion hat meine Stimme dafür mittels KI geklont. Das hat keine fünf Minuten gedauert. Zwar war das Gespräch etwas holprig, aber in einer Notsituation könnte jemand darauf reinfallen.

Betrügerische Anrufe zu entlarven wird in Zeiten von KI immer schwieriger. Die jährlichen Schäden gehen bereits in die Millionen. In unserem aktuellen Ratgeber berichten wir über die gängigen Maschen und zeigen Ihnen, wie Sie sich schützen können.

Weitere Themen:

  • Unsere Aktivrentnerin Bettina schreibt über das Sturzrisiko im Alter – und ihre eigenen Erfahrungen damit, nicht mehr unverwundbar zu sein

  • Ruhestands-Experte Peter Lennartz erklärt, warum der Eintritt in den Ruhestand den größten Umbau Ihres Lebens bedeutet – und wie sein Ruhestands-Barometer dabei helfen kann, diesen Schritt erfolgreich zu meistern

Ich wünsche Ihnen viel Freude beim Lesen!

Ihr Till Oltmanns
Jonathan Jüde
Copyright: Shutterstock, Sabrina Bracher

Das Telefon klingelt. Gerda P. (Name geändert) nimmt den Hörer ab. „Guten Tag, hier spricht die Polizei.“ Die 85-Jährige erschrickt. „Ihre Tochter hat einen schweren Verkehrsunfall verursacht, bei dem jemand ums Leben gekommen ist“, sagt der Polizeibeamte. „Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder sie zahlt eine Kaution in Höhe von 5.000 € oder wird auf Basis der Anklage inhaftiert.“

Was nach dem Anfang eines schlechten Films klingt, passiert täglich Familien in Deutschland. Dabei treffen solche Betrugsanrufe in den allermeisten Fällen ältere Menschen – wie die Mutter unserer Leserin. Als sie die Forderungen des falschen Kommissars hörte, geriet sie in Panik.

Sie suchte zuerst alles Bargeld im Haus zusammen. Anschließend wollte sie weiter zur Bank, um den Rest zu holen. Schließlich rief sie bei ihrer Enkelin an, die das ganze glücklicherweise aufklären konnte. Gerda P. ist mit dem Schrecken davongekommen. Doch bei diesem einen Anruf blieb es nicht - auch mit der Stimme ihrer Enkel und Urenkel wurde noch häufiger versucht, Geld von ihr zu fordern.

Wie KI für Betrug genutzt wird - Ein Selbstexperiment

Eine Umfrage unter unseren Lesern zeigt: Betrüger nutzen oft exakt diese Schock-Masche. Doch es wird immer schwieriger, diese Täuschungsanrufe zu erkennen. Mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) werden mittlerweile auch Stimmen von Angehörigen perfekt nachgestellt.

Für die Erstellung eines KI-Klons reichen schon wenige Sekunden einer Tonaufnahme der echten Stimme aus. Dieses sogenannte Voice Cloning (Stimmen-Klonen) hebt die Betrugsanrufe auf eine neue Stufe. Denn wie reagiert man, wenn nicht ein dubioser Polizist am anderen Ende der Leitung ist, sondern die unverkennbare Stimme der Tochter oder des Enkels?

Wir haben uns gefragt: Wie gut ist der Stand der Technik? Sind wir selbst in der Lage, eine Stimme zu klonen und können wir eine unechte Stimme entlarven? Um das herauszufinden, haben wir eine Teamkollegin auf die Probe gestellt.

Zuvor haben wir über eine KI-Software die Stimme unseres Gründers Till geklont. Dafür genügte eine hochwertige Podcast-Aufnahme von ihm. Daraus erstellte das Programm eine verblüffend echte Kopie, die mit unserer Kollegin telefonieren konnte. Wie das abgelaufen ist, können Sie hier sehen:

Wir haben es für Sie getestet!

Wir zeigen in diesem Video wie leicht es ist, eine Stimme mit KI zu klonen und für einen Anruf zu nutzen. Wird unsere Teamkollegin darauf hereinfallen?

Jetzt auf YouTube anschauen

Unser eigenes Experiment zeigt: Es ist erschreckend einfach, selbst junge, digitalaffine Menschen im ersten Moment zu täuschen.

Weitere digitale Betrugsmaschen

Die Berichte unserer Leserinnen und Leser zeigen neben dem Schockanruf und dem Stimmen-Klonen weitere perfide Methoden, auf die Sie dringend achten sollten:

  • Gefälschte Promi-Werbung: Kriminelle erstellen mithilfe von KI Videos, in denen prominente Persönlichkeiten scheinbar für dubiose Anlagestrategien werben. Lippenbewegungen und Stimmen werden dabei so manipuliert, als würden sie tatsächlich sprechen. Opfer werden dazu verleitet, eine erste Einzahlung zu tätigen. Für die Auszahlung fiktiver Gewinne werden anschließend hohe Gebühren gefordert.
  • KI-gesteuerter Liebesbetrug: Beim sogenannten „Love Scamming” erschleichen sich Täter online das Vertrauen alleinstehender Menschen. Mithilfe von KI generieren sie Profilbilder von Personen, die in der Realität gar nicht existieren. Text-Programme helfen ihnen dabei, wochenlang empathische Nachrichten zu schreiben, bevor sie plötzlich Geld fordern.
  • Fehlerfreies Phishing: Betrüger nutzen KI, um täuschend echte, fehlerfreie Mails, SMS oder Briefpost im Namen einer Bank oder Behörden zu verfassen. So wird es für den Laien fast unmöglich, echte Warnungen oder Aufforderungen von gefährlichem Betrug zu unterscheiden.
  • Die falsche Paketzustellung: Viele Menschen erreicht auch eine Nachricht von bekannten Lieferdiensten, die melden, dass ein Paket angeblich nicht zugestellt werden konnte, weshalb eine Gebühr gezahlt werden müsse. Ein Link führt zu perfekt gefälschten Seiten, über die versucht wird, persönliche Daten oder Kreditkarteninformationen abzugreifen.

Die wahren Folgen der Betrugsanrufe

Auswertungen der Landeskriminalämter zeigen das Ausmaß: Allein im Jahr 2023 erbeuteten Kriminelle durch die erwähnten Methoden (Schockanrufe, den Enkeltrick und falsche Polizisten) bundesweit über 117 Millionen Euro. Darüber hinaus schätzt eine Studie des Bundeskriminalamts (BKA) zur Cyber-Kriminalität den jährlichen Gesamtschaden durch Computerbetrug für Privatpersonen auf rund 700 Millionen Euro.

Da viele Fälle aus Scham nicht gemeldet werden, ist die Dunkelziffer in beiden Fällen hoch. Mit dem technischen Fortschritt und den immer raffinierteren Maschen wird der Schaden voraussichtlich weiter steigen. Wie allgegenwärtig die Gefahr ist, zeigen auch weitere Umfragen. Demnach gaben 38 Prozent der Befragten an, innerhalb eines Jahres mindestens einmal Opfer einer Straftat im Cyber-Raum geworden zu sein.

Auch wenn Betrüger mittlerweile viele digitale Wege nutzen, bleibt das Telefon ihr gefährlichstes Werkzeug für spontane Überrumpelungen. Damit Ihnen und Ihren Liebsten so ein Albtraum erspart bleibt, zeigen wir Ihnen im Folgenden, wie Sie sich am besten wappnen können.

Von der Polizei

Die 5 wichtigsten Tipps gegen Telefonbetrug

Die Polizeiliche Kriminalprävention hat einige wertvolle Tipps zu den wichtigsten Maßnahmen entwickelt, mit denen Sie sich und Ihre Angehörigen vorbereiten und im Ernstfall schützen können.

  • Einfach auflegen: Beenden Sie verdächtige Anrufe sofort. Das ist nicht unhöflich, sondern Ihr wichtigstes Schutzschild, um in Ruhe durchzuatmen und sich zu sortieren.
  • Selbst zurückrufen & Kennwort nutzen: Rufen Sie Ihre Angehörigen immer nur unter der Nummer zurück, die Sie selbst eingespeichert haben. Vereinbaren Sie zudem vorab ein geheimes Familien-Kennwort für den Ernstfall.
  • Nichts verraten oder übergeben: Geben Sie am Telefon niemals Auskunft über Ihre familiären oder finanziellen Verhältnisse und übergeben Sie unter keinen Umständen Geld oder Wertsachen an Unbekannte.
  • Die Polizei einschalten: Zögern Sie nicht. Wählen Sie sofort die 110, wenn Ihnen ein Anruf verdächtig vorkommt – und erst recht, wenn Sie befürchten, bereits Opfer geworden zu sein.
  • Vorbeugen im Telefonbuch: Betrüger suchen gezielt nach älter klingenden Vornamen. Lassen Sie Ihren Vornamen im Telefonbuch abkürzen (z. B. "E. Müller" statt "Erna Müller") oder den Eintrag komplett löschen.

Unser wichtigster Rat an Sie: Sprechen Sie am besten noch heute mit Ihrer Familie und Ihren Freunden über dieses Thema und legen Sie gemeinsam ein Kennwort fest. Denn Aufklärung und offene Kommunikation bleiben der beste Schutz gegen die neuen Betrugsmaschen. Passen Sie auf sich auf!

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Bettina von Sass
Copyright: Shutterstock, Toa55
Kurz-Vorstellung

Ich starte als Aktivrentnerin bei Afilio!

Hallo, ich bin Bettina von Sass. Seit 45 Jahren arbeite ich als Journalistin. Ich habe zwei Töchter (25 und 27), und in ein paar Wochen werde ich 66. Ich bin also bald Rentnerin.

Den Ruhestand möchte ich aber nicht wörtlich nehmen – daher klingt der Begriff “Aktivrente” wie Musik in meinen Ohren. Bei Afilio warten auf mich, die ehemalige Zeitungs-Journalistin, tolle Aufgaben in einem ganz neuen, spannenden Arbeitsumfeld. Neugier und Vorfreude – auch auf Sie, liebe Leser – sind groß!

Herzlich,

Ihre Bettina von Sass

Es passierte kurz vor Weihnachten in Tirol, beim Skifahren mit der Familie. Um genau zu sein: Ich war noch gar nicht losgefahren – da fiel ich um. In der allerersten Urlaubsminute auf Brettern. Nach dem fester Schnallen eines Skistiefels verlor ich das Gleichgewicht. Sturz auf die Seite, im rechten Knie ein stechender Schmerz. „Na, wenn das mal kein Kreuzbandriss ist“, unkte sofort der Mann meiner Nichte. Als Ex-Profifußballer hat er Erfahrung. Und lag richtig.

Ich bin 65, fahre Ski seit meinem fünften Lebensjahr. Aber wie lange noch? Nach dieser Erfahrung im Dezember vielleicht gar nicht mehr. Zumal ich erst im vergangenen Frühling die letzte Treppenstufe im S-Bahnhof übersehen hatte. Die Folge: ein Bänderanriss. Ein paar Monate zuvor war ich beim Rennen über eine Straße über die eigenen Füße gestolpert. Die Wunde am Knie musste genäht werden.

Eigentlich fühle ich mich körperlich keinen Tag älter als 50. Naja, meistens. Aber ich muss wohl – für mein Empfinden erschreckend früh – einsehen: Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko, zu stürzen und sich dabei ernsthaft zu verletzen.

Ein Drittel aller über 65-Jährigen stürzen jährlich

Mangelndes Gleichgewicht und schwindende Muskelkraft sind fast immer ausschlaggebend. Und das Risiko zu fallen steigt von Jahr zu Jahr. Eine Untersuchung am Robert-Bosch-Krankenhaus in Stuttgart zeigt: Ungefähr ein Drittel aller Menschen über 65 stürzt mindestens einmal pro Jahr. Zu dieser Gruppe gehöre ich. Das ist schon etwas frustrierend. Bei über 80-Jährigen passiert es deutlich häufiger. So ist Sturzprävention ein zentrales Thema der Altersmedizin.

Vom Mediziner

5 Tipps zur Sturzprävention

„Entscheidend ist: Risiken wie Stolperfallen in Ihrem Umfeld zu erkennen und zu vermeiden – und mit speziellen Übungen fit zu bleiben“, erklärt Dr. Ulrich Behr, Internist und Facharzt für Sportmedizin aus Berlin. „Fünf Punkte sind besonders wichtig:

  • Beachten Sie, dass Ihre Leistungs- und Reaktionsfähigkeiten mit zunehmendem Alter abnehmen.

  • Vermeiden Sie unnötige Hektik und Eile.

  • Machen Sie zu Hause täglich fünf bis zehn Minuten Kraft- und Gleichgewichtsübungen, schauen Sie zum Beispiel in der ARD-Mediathek die Sendung ,So vermeiden Sie gefährliche Stürze‘.

  • Sprechen Sie alternativ mit Ihrem Arzt wegen einer möglichen Physiotherapieverordnung zum Erlernen der Übungen.

  • Nutzen Sie geeignetes Schuhwerk, besonders im Winter. Bei Glätte lieber gleich Spikes.“

Risikofaktoren im Überblick:

  • Abnehmendes Sehvermögen: Hindernisse und Stolperfallen werden in der Wohnung mit der Zeit gefährlicher. Das sind vor allem abstehende Teppichkanten oder lose Kabel.
  • Sehschwäche: Alle zwei Jahre sollte man einen Sehtest machen lassen.
  • Hörprobleme: Hörverluste können den Gleichgewichtssinn stören. Sinnvoll sind daher regelmäßige Untersuchungen in einer HNO-Arztpraxis.
  • Beruhigungsmittel und Psychopharmaka: Diese beeinträchtigen die Aufmerksamkeit und können Schwindel hervorrufen. Lassen Sie sich beraten: Ihr Arzt oder Ihre Ärztin kann die Dosierung ändern oder ein anderes Medikament verordnen.
  • Wechselwirkungen verschiedener Medikamente: Haben Sie von einem Facharzt ein neues Medikament verordnet bekommen? Dann sprechen Sie Ihren Hausarzt unbedingt darauf an: Das Zusammenspiel Ihrer Medikamente muss immer wieder neu geprüft werden.

Welche Folgen können Stürze haben?

Manchmal bleibt es bei Abschürfungen oder Prellungen. Es kann bei Stürzen aber auch zu schweren Kopfverletzungen, Bänderrissen oder Knochenbrüchen kommen. Hüft- und Unterarmknochen sind häufig betroffen, außerdem der Oberschenkelhals. Brüche können langfristige gesundheitliche Konsequenzen haben. Das Risiko, pflegebedürftig zu werden, steigt nach Komplikationen und längeren Klinikaufenthalten.

Die beste Sturzprophylaxe: Fitness

Bleiben oder werden Sie körperlich fit. Auch wenn Sie sich bisher zu wenig bewegt haben: Es ist nie zu spät! Dabei hilft es, regelmäßige Bewegung in den Alltag zu integrieren, zum Beispiel durch Spazierengehen, Treppensteigen oder Gartenarbeit. Tragen Sie Ihre schweren Einkaufstaschen in aufrechter Haltung. Parallel sollten Sie einfache Übungen machen.

Übungen für Balance und Kraft

Wer stand- und gangsicher ist, bleibt selbstständig und mobil. Das steigert die Lebensqualität erheblich. Mit Balancetraining verbessern Sie Ihre Körperhaltung und das Gleichgewicht. Krafttraining erhöht nicht nur die Muskelkraft – es stärkt auch Ihre Knochen und hält sie langfristig stabil. Bauen Sie einfache Übungen in Ihren Alltag ein und steigern Sie die Dauer und Intensität der Übungen nur langsam. Sprechen Sie im Zweifel vorher mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin darüber, was für Sie geeignet ist.

Für die Balance:

Stehen Sie auf einem Bein, während Sie sich die Zähne putzen. Stellen Sie sich dabei auf die Zehenspitzen und halten Sie die Position einige Sekunden. Wiederholen Sie die Übung acht Mal. Laufen Sie auch in Ihrem Alltag immer mal wieder auf den Zehenspitzen.

Für die Kraft:

Es gibt ganz unterschiedliche Kraftübungen. Zum Beispiel: Gezieltes Training mit elastischen Thera-Bändern stärkt die Muskulatur genau dort, wo sie für Standsicherheit und Reaktionsfähigkeit gebraucht wird. Jede Übung 8 bis 12 mal wiederholen, zwei Durchgänge. Beispiele:

  1. Aufstehen vom Stuhl mit Widerstand
  • Ziel: Stärkung der Beinmuskulatur
    • Band oberhalb der Knie
    • Vom Stuhl aufstehen und langsam wieder setzen
    • Knie leicht gegen das Band drücken
  1. Fußheben im Sitzen (gegen Stolpern)
  • Ziel: Kräftigung der Schienbeinmuskulatur
    • Band um Vorfuß legen
    • Fuß Richtung Körper ziehen
    • Langsam zurück

Wichtig, um beim Gehen die Füße ausreichend anzuheben

Copyright: Shutterstock, Best smile studio

Fazit

Stürze im Alter sind kein unabwendbares Schicksal. Wer aktiv bleibt, Muskeln stärkt, Balance übt und zuhause Stolperfallen entfernt, kann das Risiko deutlich reduzieren. Weitere Infos und genaue Anleitungen finden Sie zum Beispiel in diesem Leitfaden oder in diesem YouTube-Video von Gabi Fastner.

Sind Sie motivierter, wenn Sie Ihr Training in Gesellschaft machen? Dann können Sie sich einem Gruppentraining anschließen. Infos erhalten Sie in Haus- und Facharztpraxen, bei Physiotherapeuten oder Ihrer Krankenkasse. Noch ein Tipp: Für Balancetraining eignen sich auch Tanzkurse, Tai Chi oder Qi Gong.

Manchmal braucht es erst ein gerissenes Kreuzband, um die Zeichen der Zeit zu erkennen. Mein regelmäßiges Aquafitness-Training reicht künftig nicht aus. Also habe ich mit einer Alltagsübung schon mal angefangen. Ich stehe jetzt zum Beispiel beim Zähneputzen immer auf einem Bein. Für die Balance. Ist ja immerhin schon mal ein Anfang. Und um die Muskeln kümmere ich mich auch – dann klappt es ja vielleicht sogar noch mal mit dem Skifahren…

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Peter Lennartz
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Peter Lennartz

Peter Lennartz ist Ruhestandscoach, Autor, Trainer und Keynote Speaker. Unter der Marke „Ziemlich bester Ruhestand“ schreibt er über die Fragen, die den Übergang in die nächste Lebensphase wirklich bewegen — und er spricht darüber in seinem gleichnamigen wöchentlichen Podcast. Weitere Informationen: www.ziemlich-bester-ruhestand.de

Am Ende meines letzten Ruhestands-Workshops las ich 24 Aussagen vor – zu sechs Lebensbereichen, die sich beim Übergang in den Ruhestand verändern. Eine Teilnehmerin hob den Kopf: „Uff … das sind ja viel mehr Bereiche, als ich gedacht hätte.“ Ihre Nachbarin nickte: „Ich dachte immer, es geht nur darum, aufzuhören zu arbeiten.“ Dieses Murmeln im Raum – das ist der Moment, um den es in diesem Beitrag geht.

Ein Lebensbeben

Der amerikanische Forscher Bruce Feiler hat für große Lebensbrüche den Begriff „Lifequake“ geprägt: jene seltenen Momente, in denen das vertraute Leben aus den Fugen gerät, bevor sich etwas Neues stabilisiert. In einer Studie mit über 200 Menschen stellte er fest: Im Durchschnitt erlebt jeder Mensch drei bis fünf solcher Lebensbeben.

Der Übergang in den Ruhestand gehört zweifellos dazu. Aber er ist kein gewöhnliches Lebensbeben. Er ist ein besonders großes, weil er nicht lediglich einen oder zwei Lebensbereiche berührt, sondern bis zu sechs gleichzeitig in Bewegung bringt.

Und weil zusätzlich ein tiefgreifender Wechsel stattfindet: weg von einem Leben, das durch Rollen und Ziele strukturiert war, hin zu einem Leben, das man selbst gestalten muss. Chip Conley, Gründer der Modern Elder Academy, nennt das die Entwicklung von „Roles & Goals“ hin zu „Meaning“ – vom Funktionieren zum Gestalten.

Das ist keine Krise. Aber es ist echte Arbeit. Und sie beginnt damit, zu verstehen, welche Bereiche sich bei Ihnen gerade in Bewegung befinden.

Die sechs Übergänge im Überblick

In meiner Arbeit mit Coachees und Workshop-Teilnehmenden habe ich sechs Lebensbereiche identifiziert, die beim Eintritt in den Ruhestand regelmäßig in Bewegung geraten:

Identität und Selbstbild. Jahrzehntelang hat die berufliche Rolle vieles beantwortet, bevor man die Frage überhaupt gestellt hat. „Was machen Sie so?“ – diese harmlose Partyfrage trifft kurz nach dem letzten Arbeitstag oft mitten ins Herz. Der Soziologe Richard Sennett hat es prägnant beschrieben: Arbeit gibt uns nicht nur Einkommen. Sie gibt uns Zugehörigkeit, Anerkennung und das Gefühl von Wirksamkeit. Dinge, die mit dem letzten Arbeitstag nicht einfach ersetzt werden.

Arbeit, Übergang und finanzielle Sicherheit. Mit dem Ruhestand endet nicht nur die Arbeit, es endet auch das Gehalt. Was kommt, ist die Rente. Für viele ist das finanziell gut geplant. Und trotzdem verändert sich etwas: Der monatliche Eingang auf dem Konto ist nicht mehr das Ergebnis eigener Leistung, sondern eine Zahlung. Das ist ein psychologischer Unterschied, den viele unterschätzen. Dazu kommt die Frage der Struktur: Soll ich wirklich komplett aufhören, oder noch in irgendeiner Form aktiv bleiben?

Partnerschaft und Alltag. Es gibt einen Satz, der in meinen Workshops immer für Lachen – und kurz darauf nachdenkliches Nicken – sorgt: „Rente bedeutet doppelt so viel Ehemann und halb so viel Geld.“ Wenn plötzlich beide zuhause sind, treffen zwei Lebensentwürfe aufeinander, die sich über Jahrzehnte parallel entwickelt haben. Das kann gut gehen – aber ohne Erwartungsmanagement und Gespräche gibt es dafür keine Garantie.

Das soziale Netz. Mit dem Ende des Berufslebens fallen viele Kontaktpunkte weg, oft leise und fast unbemerkt. Mit der Zeit merkt man: Begegnungen werden seltener, Gespräche entstehen nicht mehr von selbst. Was früher automatisch passierte, muss nun bewusst gestaltet werden. Ein aktives soziales Leben im Ruhestand ist kein Zufall, es will gestaltet werden.

Körper und Energie. Gesundheit ist nicht nur ein medizinisches Thema. Der Ruhestand bringt oft mehr Zeit für Bewegung und Erholung, aber auch die Frage, wie agil man langfristig bleiben kann. Wer aktiv etwas für sich tut, hat in Zukunft mehr Spielraum – für Reisen, neue Projekte und Teilhabe. Gesundheit ist die Grundlage, auf der alles andere aufbaut.

Sinn und Zukunftsgestaltung. Die vielleicht tiefste Frage: Wofür stehe ich eigentlich morgens auf, wenn nicht mehr für die Arbeit? Viele fürchten, dass Sinn und Orientierung mit dem Beruf verschwinden. Dabei entsteht Sinn im Ruhestand oft ganz anders als erwartet – nicht durch große Projekte, sondern durch das, was man beiträgt, was man gestaltet, was man mit anderen teilt. Sinn entsteht selten auf Bestellung. Aber er entsteht auch nicht von allein.

Ihr Ruhestandsbarometer: Wo stehen Sie gerade?

24 Aussagen, sechs Lebensbereiche, ein klares Bild: Das Ruhestandsbarometer ist kein Test und kein Urteil – sondern eine Einladung zur ehrlichen Selbstbefragung. Sie erfahren, in welchen Bereichen bei Ihnen gerade die meiste Bewegung stattfindet. Und genau dort lohnt es sich, genauer hinzuschauen.

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Das Wissen hilft – wirklich

95 % der Ruhestandländerinnen und Ruheständler geben rückblickend an, dass sie sich früher und intensiver mit diesem Übergang hätten auseinandersetzen sollen. Das ist eine erstaunlich hohe Zahl.

Der Grund liegt nicht darin, dass dieser Übergang so schwer ist. Sondern darin, dass die meisten Menschen nicht wissen, was sie erwartet. Menschen, die sich damit aktiv auseinandersetzen und besser verstehen, was in solchen Phasen wirklich passiert, kommen nachweislich besser durch sie hindurch. Nicht weil sie weniger spüren, sondern weil sie besser einordnen können, was sie fühlen.

Der Ruhestand ist nicht das Ende von etwas. Er ist ein Neustart. Und er ist der größte Umbau, den die meisten von uns je erleben werden. Und wer das weiß, der kann die größte Reise des Lebens bewusster gestalten und den Übergang in den „Ziemlich besten Ruhestand“ gelassener erleben. Mit Mut, Vorfreude und voller Inspirationen.

Aus der Afilio-Redaktion

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