Afilio-Ratgeber #41

vom 09.06.2026
Welche Vorsorge brauche ich? Der Afilio-Vorsorge-Check
Afilio LogoDamit Ihr Wille zählt.
Der digitale Enkeltrick: Wenn Betrüger Stimmen klonen

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

„Nicht vorsorgen ist auch keine Lösung!” - das ist seit Jahren unser Motto. Aber wann hat man eigentlich „fertig” vorgesorgt? Wir geben die Antwort: Der neue Afilio-Vorsorge-Check zeigt Ihnen in nur wenigen Minuten, welche Maßnahmen in Ihrer Situation wirklich wichtig sind. Am Ende erhalten Sie Ihre persönliche Checkliste zum Ausdrucken. Ich hoffe, dass Ihnen der Vorsorge-Check weiterhilft und bin gespannt auf Ihr Feedback!

Außerdem berichten wir in diesem Ratgeber über die neue Reform der Organspende, die am ersten Juni in Kraft getreten ist. Sie ermöglicht erstmals die sogenannte „Lebendnierenspende” an fremde Personen. Das rettet Leben, kann aber auch moralischen Druck ausüben, erklärt Prof. Dr. Michael Quante, einer der renommiertesten Medizinethiker Deutschlands, im Experteninterview.

In unserem Gedankenanstoß des Monats geht es um die Ausgeglichenheit der Seele - ein Zustand, von dem viele in der heutigen Zeit nur träumen können. Erfahren Sie, wie Sie Ihn mit Hilfe der Stoiker und Viktor Frankls ganz unabhängig von äußeren Umständen erreichen.

Ich wünsche Ihnen viel Freude beim Lesen.

Ihr Till Oltmanns
Till Oltmanns
Copyright: Shutterstock, Branislav Nenin

Vorsorge ist wichtig, aber was brauche ich eigentlich in meiner individuellen Situation? Über diese Frage wurden bereits ganze Bücher geschrieben. Denn unterschiedliche Lebensumstände, Wünsche und Vorstellungen führen auch zu einem unterschiedlichen Absicherungsbedarf.

Deutlich schneller geht es mit unserem neuen Vorsorge-Check: Wir haben alle relevanten Vorsorgemaßnahmen in fünf Kategorien zusammengefasst und zeigen Ihnen, basierend auf Ihrer individuellen Situation, was Sie wirklich brauchen:

  • Vorsorgedokumente: Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht & mehr
  • Nachlass: Testament, Bestattung & mehr
  • Pflege: Leistungsanspruch prüfen & Leistungen erhalten
  • Rente: Rentenrechner & Entnahmeplan für Ihr Vermögen
  • Gesundheit: Wichtige Vorsorgeuntersuchungen

Sie können alle Angaben komplett anonym tätigen und erhalten direkt Ihr Ergebnis: Eine individuelle Vorsorge-Checkliste zum Ausdrucken.

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So sieht der Vorsorge-Check aus:

Besonders hilfreich ist die integrierte Szenario-Planung. Sie erfahren, was mit Ihrer aktuellen Vorsorge bei einem Notfall oder Todesfall in den ersten Tagen und Wochen passieren würde. Das veranschaulicht, warum die empfohlenen Maßnahmen im Ernstfall so wichtig sind.

Probieren Sie es aus!

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Ihre Vorsorgevollmacht

Mit einer Vorsorgevollmacht bestimmen Sie, wer im Notfall wichtige Entscheidungen für Sie treffen darf. Damit bleiben Sie selbstbestimmt, verhindern eine gesetzliche Betreuung und entlasten Ihre Angehörigen.

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Philipp Zauner
Copyright: Shutterstock, ded pixto

Oft sind es nicht die Herausforderungen im Leben, die uns den Frieden rauben. Es ist die Art und Weise, wie wir mit ihnen umgehen. Serenus beschrieb das seinem Freund Seneca wie folgt:

„Nicht Sturmesbrausen, sondern die Seekrankheit schüttelt mich“.

Das, wonach er sich sehnt, nennt Seneca die „Ausgeglichenheit der Seele“: ein Zustand, in dem der Geist einen stetigen Kurs verfolgt und mit sich selbst im Reinen ist, egal wie sehr es außen schwankt. Aber wie erreicht man diese Ausgeglichenheit?

Woran man den „Seekranken“ erkennt

Die „Unausgeglichenheit” der Seele zeigt sich für Seneca in Form einer rastlosen Schnelllebigkeit. Ein Mensch, der innerlich rennt. Er gestaltet seine Lebensumstände fortwährend um und sucht ständig nach Gründen, einen gerade erst gefassten Beschluss wieder zu ändern.

„Dies verrät einen kranken Menschen: keinen Zustand lange ertragen zu können, sondern Änderungen wie Heilmittel anzuwenden. […] Stets flieht so ein jeder vor sich selber.”

– Seneca

Diese Unausgeglichenheit hat laut Seneca weder etwas mit den äußeren Umständen, noch mit unseren Gefühlen zu tun. Ein Mensch kann in tiefer Trauer sein und dennoch eine innere Ausgeglichenheit bewahren. Ebenso kann jemand, bei dem objektiv alles rund läuft, innerlich gehetzt und zutiefst unausgeglichen sein.

Die Insel Ägina im Sturm; eigenes Foto

Die fehlende Richtung

Viktor Frankl argumentiert, dass Schnelllebigkeit aus einer fehlenden inneren Richtung resultiert. Der Mensch stürzt sich in den Trubel, um vor seiner eigenen Leere zu fliehen.

„Je weniger er um ein Ziel seines Weges weiß, nur umso mehr beschleunigt er das Tempo, in dem er diesen Weg zurücklegt.“

– Viktor Frankl

Wir schauen heute mehr denn je darauf, was Andere tun. Wir übernehmen ihre Ziele, um dazuzugehören, doch im Innersten spüren wir, dass wir eine fremde Identität bewohnen. Seneca betont die Wichtigkeit radikaler Authentizität: Es ist weitaus besser, für seine einfache Art geringgeschätzt zu werden, als unter der Last einer ständigen Heuchelei zu leiden.

Zudem ist Frankl überzeugt, dass in jedem von uns eine innere Stimme existiert, die uns eine Richtung vorgibt: unser Gewissen. Unruhe entsteht meist dann, wenn wir aufhören, auf diese Stimme zu hören. Der „kranke“ Mensch ist demnach jemand, der nach einer 100-prozentigen Sicherheit im Leben sucht, die es nirgends gibt, und deshalb seinem eigenen Bauchgefühl misstraut. Diese Kombination ist fatal: Wir trauen unserer inneren Stimme nicht und meinen gleichzeitig, dass das Gras woanders grüner sei.

Laut Frankl liegt die Heilung in der Erkenntnis, dass die Antwort auf die Frage, welche Richtung wir gehen sollen, nicht „irgendwo da draußen” zu finden ist. Es ist das Leben, das uns diese Frage stellt, und es ist unsere Aufgabe, tagtäglich mit unseren Taten darauf zu antworten.

Die Flucht vor der Gegenwart

Neben dem fehlenden Ziel gibt es oft einen zweiten Grund, warum wir nicht zur Ruhe kommen: Uns fehlt die Kraft zur Akzeptanz der Realität. Wir weigern uns, die Dinge so zu sehen, wie sie sind und versuchen, der Wahrheit buchstäblich davonzulaufen.

Seneca betont, dass jedes Leben in gewisser Weise eine „Gefangenschaft durch das Schicksal“ darstellt. Der Schlüssel liegt nicht im Aufbäumen gegen das Unveränderliche, sondern in der Einsicht: „Die Gewohnheit macht selbst schwere Lasten erträglich, wenn man aufhört, gegen sie anzukämpfen“. Das bedeutet nicht, die Situation zu verharmlosen oder Leid einfach „wegzustecken“. Es geht darum, das Unglück klar zu sehen, ohne es durch unnötigen Widerstand zu verschlimmern. Segler wissen: Sich bei stürmischer See unter Deck zu verstecken, macht die Seekrankheit in der Regel nur schlimmer.

Charlie Munger, der langjährige Freund und Co-Investor von Warren Buffett, nennt dieses Konzept „Soldiering Through” und beschreibt in einem Interview, wie er mit dem Tod seines Sohnes an Leukämie umgegangen ist. Das Entscheidende dabei: Man darf den Schmerz nicht verdrängen, etwa indem man versucht, die innere Leere durch noch mehr Stress auf der Arbeit zu betäuben. Vielmehr geht es darum, den Schmerz wirklich zu spüren und das Leben dennoch pflichtbewusst weiterzuführen, auch wenn das bedeutet, auf dem täglichen Arbeitsweg auf offener Straße zu weinen. Eine zutiefst stoische Haltung, die Seneca sicher bewundert hätte.

Wer mehr über diese unerschütterliche Mentalität lernen möchte, findet in Viktor Frankls Bericht über das Konzentrationslager „...trotzdem Ja zum Leben sagen“ die ultimative Anleitung, wie man selbst in tiefster Not die innere Freiheit bewahrt.

So wichtig es ist, unser Schicksal zu akzeptieren, sollten wir das Leben jedoch nicht katastrophisieren. Dafür hilft es manchmal „rauszuzoomen” und die Herausforderung, die uns das Leben stellt, im großen Ganzen zu betrachten.

Wie Reinhard Mey schon sang:

„Über den Wolken... wird, was uns groß und wichtig erscheint, plötzlich nichtig und klein.“

So müssen wir erkennen, dass neben den Schwierigkeiten in unserem Leben auch viel Gutes existiert.

Die Kunst der Balance

Wahre Ausgeglichenheit bedeutet letztlich Balance: Es ist die tägliche Übung, der Realität mutig ins Auge zu schauen und sie so zu akzeptieren, wie sie ist, während man gleichzeitig die Fähigkeit kultiviert, „rauszuzoomen“ und über den Dingen zu stehen. Und das alles, während man seinem Gewissen und der eigenen Richtung vertraut, ohne sich von der Meinung Anderer ablenken zu lassen.

Dass dieser Zustand nicht leicht zu halten ist, zeigt die Geschichte: Selbst große Stoiker wie Mark Aurel verbrachten ihr ganzes Leben damit, diese Standhaftigkeit immer wieder neu zu finden (wie man in seinen Tagebucheinträgen nachlesen kann). Ausgeglichenheit ist kein Ziel, das man einmal erreicht und dann besitzt. Es ist ein fortwährender Prozess des Austarierens.

Ich hoffe, dass diese Gedanken Ihnen dabei helfen können, Ihr eigenes Steuer ein Stück fester in der Hand zu halten. Mir helfen sie auf jeden Fall, wenn ich - wie so oft - mal wieder mit der Seekrankheit ringe.

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Henrike Buss
Copyright: Shutterstock, fizkes

In Deutschland warten derzeit tausende Menschen auf ein Spenderorgan. Allein im Jahr 2024 waren es laut der Deutschen Stiftung Organtransplantation 8.575 Menschen, 6.397 davon warteten auf eine Niere. Demgegenüber standen jedoch nur 953 tatsächliche Spender. Deutschland hinkt im internationalen Vergleich seit Jahren hinterher.

Um Betroffenen schneller zu helfen, ist am 1. Juni 2026 ein neues Gesetz in Kraft getreten: Die sogenannte Lebendnierenspende wurde reformiert und ist nun auch für einander fremde Personen möglich. Bisher durfte man eine Niere nur an engste Angehörige abgeben.

Dieser Schritt rettet Leben. Doch er wirft auch tiefgründige Fragen auf: Ist der Ausbau der Lebensorganspende wirklich die ethisch richtige Option – oder baut sie stärkeren emotionalen Druck auf? Wir haben dazu mit einem der renommiertesten Medizinethiker Deutschlands gesprochen, dessen Perspektive zum Nachdenken anregt.

Bislang: Spenden nur im engsten Kreis

Bisher war die Lebendspende einer Niere (oder eines Teils der Leber) streng reglementiert. Erlaubt war sie nur zwischen:

  • Verwandten ersten oder zweiten Grades
  • Ehegatten, Verlobten und eingetragenen Lebenspartnern
  • Personen, die dem Spender nachweislich sehr nahestehen

Der Grund für diese Strenge: Der Gesetzgeber wollte sicherstellen, dass niemand aus finanziellem Druck oder durch illegalen Organhandel zu einer Spende gedrängt wird. Doch diese Hürde führte oft dazu, dass Spenden blockiert wurden, weil der Partner oder die Schwester medizinisch einfach nicht passte.

Ab jetzt: Die gekoppelte Spende über Kreuz

Genau hier setzt die Reform ab Juni 2026 an. Wenn die Chemie – oder besser gesagt die Blutgruppe – im privaten Kreis nicht stimmt, können sich nun mehrere Paare zusammenschließen.

Ein einfaches Beispiel: Herr Buhl möchte seiner schwerkranken Frau eine Niere spenden, hat aber die falsche Blutgruppe. Gleichzeitig möchte Frau Müller ihrer Schwester helfen, aber auch hier passt es medizinisch nicht.

Die neue Lösung: Herr Buhl spendet seine Niere an die ihm unbekannte Schwester von Frau Müller. Im Gegenzug spendet Frau Müller ihre Niere an Frau Buhl.

Die Zuordnung läuft komplett anonym über ein zentrales Transplantationsprogramm. Die Spender und Empfänger lernen sich nicht kennen. Das verhindert emotionale Konflikte oder falsche Erwartungen nach dem Eingriff.

Neu: Die völlig anonyme Spende (Altruistische Spende)

Ebenfalls ab Juni erlaubt ist die rein selbstlose Nierenspende an eine völlig unbekannte Person, ohne dass ein Angehöriger im Gegenzug ein Organ erhält. Dies geschieht absolut freiwillig und ohne Bezahlung, um jeglichem Organhandel den Riegel vorzuschieben.

Das Dilemma: Lebendspende vs. Widerspruchslösung

In Deutschland wird seit Jahren heiß darüber diskutiert, wie man den Mangel an Spenderorganen beheben kann. Zwei Wege stehen sich dabei oft gegenüber:

  • Der Ausbau der Lebendspende: Dies wird nun mit der aktuellen Reform umgesetzt.
  • Die Einführung der Widerspruchslösung: Sie besagt, dass jeder Mensch nach dem Tod automatisch Spender ist – es sei denn, man hat zu Lebzeiten aktiv widersprochen. Diese Lösung wird in der deutschen Politik oft mit dem Argument abgelehnt, man dürfe die Bürger nicht zu einer Entscheidung drängen.
    • Ein Blick über die Grenze zeigt jedoch: In vielen anderen europäischen Ländern wie Spanien, Österreich, Frankreich oder den Niederlanden gilt diese Regelung bereits seit Jahren.
    • Dies sorgt dort für deutlich höhere Spendenzahlen.

Doch ist der Ausbau der Lebendspende psychologisch wirklich die „sanftere“ Methode?

Lebendspende: Wirklich die ethisch bessere Option?

Prof. Dr. Quante brachte schon 2012 eine andere Perspektive in diese Diskussion:

Er sagt, dass die Lebendspende bei den potentiellen Spendern einen ungleich härteren, seelischen Zwang erzeugt als es ein einfaches Kreuzchen auf einem Dokument je tun würde.

Somit dreht er das Argument gegen die Widerspruchslösung um. Durch die Ablehnung der Widerspruchslösung scheue sich der Staat vor einem minimalen „Entscheidungsdruck“ für gesunde Bürger zu Lebzeiten. Gleichzeitig nehme er dafür in Kauf, dass Familien im Krankheitsfall unter extremen, emotionalen Druck geraten, ein eigenes Organ hergeben zu „müssen“.

Kurzvorstellung

Prof. Dr. Michael Quante

Michael Quante ist Professor für Praktische Philosophie an der Universität Münster und einer der renommiertesten Medizinethiker Deutschlands. Neben seiner akademischen Arbeit bringt er komplexe ethische Fragestellungen regelmäßig in den gesellschaftlichen Diskurs ein.

Seinen wegweisenden Beitrag zum Dilemma der Lebendspende im Fachbuch „Psychonephrologie“ aus dem Jahr 2015 möchten wir in diesem Artikel als Diskussionsanstoß nutzen.

Im Gespräch: Medizinethiker Prof. Dr. Michael Quante

Afilio: Herr Prof. Quante, viele Politiker lehnen die Widerspruchslösung ab, befürworten aber den Ausbau der Lebendspende. Sie sehen darin einen Widerspruch. Warum?

Prof. Dr. Quante: Vermutlich wird diese Position, neben den unbestreitbaren medizinischen Vorteilen einer Lebendspende, vertreten, um Ängsten und unklaren ethischen Intuitionen aus dem Wege zu gehen. Außerdem lässt sich so vermeiden, den Tod ansprechen zu müssen. Weil jede Option Zumutungen mit sich bringt, sind solche Einwände gegen die Widerspruchslösung jedoch unplausibel.

Afilio: Inwiefern entsteht denn durch eine Lebendspende Druck auf Angehörige?

Prof. Dr. Quante: Entnahmeregelungen verlangen Entscheidungen. Weil es um Lebenschancen anderer Menschen geht, erzeugen sie moralischen oder sozialen Druck. Im Fall der Lebendspende ist das genauso der Fall wie bei der Ansprache von Hinterbliebenen (wenn keine Willenserklärung der Verstorbenen vorliegt) oder der Bitte, zu Lebzeiten den eigenen Willen zu bekunden.

Es geht also nicht darum, ob überhaupt Druck entsteht, sondern darum, wer ihm wann ausgesetzt wird. Im Fall der Widerspruchslösung wird die Bitte, sich zu äußern, um die Information ergänzt, dass eine Nichtäußerung dazu führt, eine Organentnahme nach dem Tode vornehmen zu dürfen.

Es geht also um eine Abwägung: Wer soll um eine Entscheidung gebeten werden? Die betreffende Person selbst oder Hinterbliebene? Und wie soll mit dem Ausbleiben einer expliziten Antwort umgegangen werden? Wollen wir sie, was angesichts der allgemein hohen Zustimmungsraten zur Organspende plausibel ist, als implizite Zustimmung werten? Oder wollen wir in diesem Fall entweder auf eine Organentnahme verzichten oder die Hinterbliebenen um eine stellvertretende Antwort bitten?

Afilio: Sie sprechen sich also ganz klar für die Widerspruchslösung aus?

Prof. Dr. Quante: Die gesetzliche Verankerung der Widerspruchslösung ist m.E. deshalb ethisch geboten, weil sich so der Mangel an transplantierbaren Organen verringern sowie erhebliches Leid oder der Tod von potentiellen Organempfängern vermeiden lässt.

Eine klare Information aller Bürgerinnen und Bürger, die Möglichkeit, die eigene Entscheidung schnell und sicher jederzeit aktualisieren zu können, sowie der Respekt vor einem Nein, welches keine Sanktionen nach sich ziehen darf, sind unverzichtbare Voraussetzungen.

Solange Organknappheit besteht und die genannten Rahmenbedingungen geschaffen sind, ist die Widerspruchslösung ethisch geboten. Denn in dem eingeräumten Vetorecht wird die ethisch bedeutsame Verbindung eines Menschen zu ‚seinem‘ Leichnam gesellschaftlich angemessen respektiert.

Worum geht’s?

Hier eine kurze Zusammenfassung der Argumentation von Prof. Dr. Michael Quante:

  • Ohne Widerspruchslösung wird die Last schwerer Entscheidungen auf Angehörige oder lebende Spender abgewälzt.
  • Die Widerspruchslösung fordert alle Bürger zu Lebzeiten auf, selbst zu entscheiden – das entlastet ihre Angehörigen im Ernstfall komplett.
  • Freiheit bleibt: Ein dokumentiertes „Nein“ wird immer bedingungslos und ohne Nachteile respektiert.

Fazit

Die Reform ab Juni 2026 ist ein großer Meilenstein und gibt vielen Patienten neue Hoffnung. Gleichzeitig zeigt uns die Debatte, dass wir das Thema nicht wegschieben sollten.

Ist die breit akzeptierte Lebendorganspende wirklich eine ethisch bessere Option? Oder setzt sie Angehörige zu sehr unter Druck? Das verbreitete Entscheidungszwang-Argument gegen die Widerspruchslösung hat unser Gast Herr Prof. Dr. Quante ausgehebelt. Er bietet damit einen spannenden Diskussionsanstoß.

Eins ist sicher: Den schwersten emotionalen Druck nimmt man seinen Angehörigen, indem man selbst entscheidet, solange man gesund ist. Egal, wie Ihre persönliche Entscheidung ausfällt: Halten Sie sie schriftlich fest. Das geht ganz unkompliziert im Organspendeausweis oder im Rahmen Ihrer Patientenverfügung. Damit schaffen Sie im Ernstfall Klarheit und entlasten die Menschen, die Sie lieben.

Sie haben Fragen zur Reform der Lebendorganspende oder wollen sich über die Teilnahme am Spendenprogramm informieren? Lesen Sie zum Beispiel beim Bundesgesundheitsministerium nach oder lassen Sie sich telefonisch kostenlos beraten beim Infotelefon Organspende.

Leser-Frage an Chefarzt Dr. Tim Kleffner:

Wie wird sichergestellt, dass meine Patientenverfügung im Krankenhaus tatsächlich verfolgt wird?

„Aus der Praxis kann ich sagen: Eine Patientenverfügung wirkt im Krankenhaus nur dann zuverlässig, wenn sie im entscheidenden Moment auch bekannt und auffindbar ist.

In einer Notfallsituation geht es zunächst darum, den Patienten zu stabilisieren und akute Lebensgefahr abzuwenden. Dabei wird geklärt: Ist der Patient ansprechbar und einwilligungsfähig? Gibt es eine Patientenverfügung? Gibt es eine Vorsorgevollmacht oder eine bevollmächtigte Person?

Wenn eine Patientenverfügung vorliegt, wird geprüft, ob sie zur aktuellen medizinischen Situation passt. Ist das der Fall, ist sie für das Behandlungsteam verbindlich. Wichtig ist dann die Abstimmung zwischen Ärzten, Pflege, ggf. Intensivmedizin und der bevollmächtigten Person oder dem rechtlichen Betreuer. Die Entscheidung wird in der Patientenakte dokumentiert, damit alle Beteiligten denselben Informationsstand haben.

Besonders hilfreich ist es, wenn Angehörige oder Bevollmächtigte wissen, wo die Verfügung liegt, und sie im Krankenhaus direkt vorlegen können - idealerweise zusammen mit der Vorsorgevollmacht.

Meine praktische Empfehlung: Die Verfügung sollte nicht nur ,irgendwo abgeheftet' sein, sondern im Ernstfall schnell verfügbar sein. Denn je klarer und schneller der Patientenwille erkennbar ist, desto besser kann er im Krankenhaus umgesetzt werden.“

– Dr. Tim Kleffner, Chefarzt
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