eine intakte Familie, in der man sich gegenseitig stützt – das ist ein gesellschaftliches Ideal. Doch was passiert, wenn Bindungen zwischen Eltern und Kindern plötzlich brechen und totale Funkstille herrscht? In unserem heutigen Hauptartikel widmen wir uns einem Tabuthema: dem Kontaktabbruch in der Familie. Wir zeigen, wie verlassene Eltern mit der Trauer umgehen und neuen Trost finden können.
Damit Sie auch bei anderen komplexen Lebensfragen – ob Rente, Pflege oder Erbrecht – verlässliche Orientierung erhalten, starten wir heute ein ganz neues Angebot für Sie: die Afilio-Expertenberatung. Getreu dem Motto „Guter Rat muss nicht teuer sein“ laden wir ab sofort regelmäßig namhafte Fachleute zu uns ein, die in kleinen Runden Ihre ganz persönlichen Fragen beantworten. Das Besondere: Wir garantieren jedem angemeldeten Teilnehmer eine Antwort! Sichern Sie sich am besten direkt einen der streng limitierten Plätze für unsere Termine im Juli und August.
Den Auftakt im Juli macht der Ruhestandscoach Peter Lennartz. In seinem heutigen Gastbeitrag erklärt er vorab, warum der Übergang in den neuen Lebensabschnitt oft von einer unerwarteten inneren Unruhe begleitet wird. Erfahren Sie, warum Ruhe keine Faulheit ist, sondern die notwendige Basis, um wieder richtig aufzublühen.
Warum nur? Viele Eltern sind verzweifelt, wenn ihr Kind sich zurückzieht.
Wer wünscht sich das nicht: Eine Familie, in der einer den anderen liebt und stützt. Unzertrennlich. Für immer. Diesem gesellschaftlichen Ideal gerecht zu werden, ist nie leicht und manchmal unmöglich. Aber was geschieht, wenn Eltern und Kinder keinen Kontakt mehr haben? Wenn alle Bindungen brechen?
Kurzvorstellung
Eva Goldschald
Eva Goldschald ist freie Journalistin und Fotografin. Am liebsten schreibt sie über Menschen, deren Schicksale, Träume und Lebensgeschichten sowie Umweltthemen. Als Fotografin hält sie ihre Geschichten mit der Kamera fest. Am liebsten ganz früh am Morgen, wenn alles noch schläft. Ihre Texte und Bilder findet man auf ihrer Website www.evagoldschald.com
Es sind beinahe fünf Jahre vergangen, seit Tanja L.* ihren Sohn das letzte Mal gesehen hat. Fünf Jahre, in denen die Mutter nicht weiß, wie es ihrem Sohn geht, was er macht, wie er fühlt. Sie leben in derselben Stadt und sehen sich trotzdem nicht. „Ich schwanke immer wieder zwischen Trauer und Wut. Ich weiß nicht, was ich tun würde, würden wir uns wiedersehen. Ob ich ihn direkt umarme oder ihn erst einmal anschreie und frage, wieso er mir das angetan hat.“ Auslöser sei ein Familienstreit an einem Herbsttag gewesen. Worum es ging, weiß die 54-jährige Mutter zweier erwachsener Kinder nicht mehr genau. Nichts Gravierendes, sagt sie. Eine kleine Diskussion. Und dann ein großer Knall. Der Sohn stürmt mit seiner Freundin aus dem Haus und Tanja L. weiß instinktiv: Dieser Streit ist anders als alle anderen Meinungsverschiedenheiten zuvor.
Der Kontaktabbruch scheint radikal und unfassbar. Dabei ist Tanjas Geschichte kein Einzelfall. Nach vorsichtigen Schätzungen von Soziologen brechen rund 100.000 Erwachsene in Deutschland von sich aus den Kontakt zu den Eltern ab. Die reale Zahl könnte noch weit höher sein. Genauso die Zahl derer, die generell keinen Kontakt mehr zu Eltern oder Kindern haben. Verifizierbare Statistiken gibt es dazu nicht. Es ist ein Tabu, das nur selten offen angesprochen wird.
*Name von der Redaktion geändert.
Die stille Katastrophe
Die Gründe für einen Kontaktabbruch sind vielfältig. Körperliche und seelische Gewalt sind die nachvollziehbarsten. Schwieriger wird es, wenn sich Kinder einfach nicht mehr verstanden fühlen und sich deshalb zurückziehen. „Viele Eltern merken nicht, wie sie wirken mit ihren Bemerkungen, Bewertungen, Einmischungen und Versuchen der ständigen Beelterung”, sagt der Heilpraktiker, Therapeut und systemische Coach Jochen Rögelein. “Wenn eine Mittsechziger Mutter im Beisein ihrer Mittdreißiger Tochter vorwurfsvoll fragt, ob sie jetzt gar nichts mehr sagen dürfe, beschreibt das unsere Arbeit sehr genau.“
Rögelein begleitet sowohl Eltern als auch Kinder, die keinen oder nur sehr wenig Kontakt zueinander pflegen oder ihn langsam wieder herstellen möchten. „Zusätzlich haben erwachsene Kinder oft kein Interesse an der Auseinandersetzung wie in einem mir bekannten Fall, bei dem die Söhne extrem konfliktscheu sind. Eltern sollen sich dann für etwas entschuldigen, wissen aber tatsächlich nicht wofür. Die Forderung nach Entschuldigung erscheint oft wie ein Vorwand, aber auch ein Machtmittel“, erklärt Rögelein.
Der kurze Weg zum Beziehungs-GAU
Seit dem Streit herrscht zwischen Tanja L. und ihrem Sohn komplette Funkstille. Aus einem banalen Gespräch entwickelte sich damals eine so heftige Diskussion, bei der vor allem ihr Sohn und ihr Mann aneinander gerieten. Michael* sei schon immer impulsiv gewesen, sehr euphorisch und extrem, sowohl bei negativen als auch bei positiven Dingen. „Er reagierte extrem emotional in alle Richtungen. Ich dachte allerdings nie, dass es so weit kommen würde“, sagt sie.
Sie versuchte mehrmals Kontakt aufzunehmen. Briefe, WhatsApp-Nachrichten und Anrufe blieben bisher unbeantwortet. Ein klärendes Gespräch gab es nicht. „Ich habe ständig Angst, etwas falsch zu machen. Bei jedem Status in WhatsApp frage ich mich, wie es wohl bei ihm ankommt. Zeige ich mich zu glücklich oder zu traurig ohne ihn? Wie fühlt er sich, wenn er Bilder von uns als Familie sieht. Und sieht er es überhaupt?“
Tanja sagt, Streit habe es immer mal wieder gegeben. Ihrer Ansicht nach waren es aber nie so gravierend, dass es zu einem Kontaktabbruch hätte führen können. Auch fehlende Liebe kann sie sich nicht vorwerfen. Mutter und Sohn hätten immer ein sehr inniges Verhältnis gehabt. Noch als Jugendlicher sei der Sohn nach den Ferien sogar manchmal zum Kuscheln ins Bett gekommen und habe ihr seine Sorgen anvertraut.
Sehnsucht nach Verständnis und Respekt
Das Familienbild hat sich über die Jahre verändert. Während Eltern-Kind-Beziehungen in früheren Generationen eher distanziert und kühl waren, sind sie heute sehr innig und oft überfürsorglich. Eltern engen die Kinder nicht selten ein, meint Jochen Rögelein. Hinzu kämen laut dem Therapeuten neue Lebensformen und -stile, die immer weniger miteinander kompatibel seien.
Dieser Riss, der durch die Gesellschaft ginge, ziehe sich demnach auch durch Familien. Oft sei es Respekt, den sich Kinder von ihren Eltern so sehr wünschen. „Ältere Menschen haben eine gewisse Resilienz entwickelt im respektlosen Umgang zwischen Menschen und Hierarchien und treten vielleicht schneller übergriffig auf“, meint Rögelein.
Demgegenüber steht die nächste Generation, die sehr viel Wert auf eben diesen Respekt legt. Zum Beispiel, weil sich Kinder für eine Lebensform entscheiden, die den Eltern so gar nicht zusagt. Während die eine Seite Unverständnis zeigt, treten die Kinder stark moralisierend und vorwurfsvoll auf. Die Positionen verhärten sich, weil viele Eltern glauben, man sei doch aus dem selben Holz geschnitzt. „Bei diesen unüberwindbaren Differenzen ist ein Kontaktabbruch für viele der einzige Ausweg.“
Austausch zwischen „Verlassenen Eltern” spendet Trost
Auch Thomas Pabst hat zeitweise keinen Kontakt zu seinen beiden Kindern. Er kennt das Gefühl der Hilflosigkeit; nicht zu verstehen, was in den Kindern vorgeht. Bei der Suche nach Unterstützung stieß er auf Gesprächsgruppen von Eltern mit demselben Schicksal. Weil die Treffen aber während seiner Arbeitszeit stattfanden, gründete er kurzerhand eine eigene Gesprächsgruppe. „Verlassene Eltern“ sprechen in der gleichnamigen Gruppe miteinander über das Erlebte, finden Trost bei ihrer Trauer um das verlorene Kind und entwickeln manchmal sogar Verständnis für deren Verhalten.
„Nur wenige Eltern können die Entscheidung des Kindes wirklich nachempfinden. Überwiegend sind es Frauen, die den Leidensdruck als enorm empfinden und sich austauschen möchten. Männer machen das größtenteils mit sich selbst aus oder kommen meistens gemeinsam mit ihrer Frau.“ Manche der Eltern würden nur 100 Meter von den Kindern entfernt leben, laufen sich zufällig über den Weg und das Kind behandelt sie wie Fremde, erzählt Thomas Pabst. Akzeptieren falle da schwer, egal wie viel Zeit verstrichen sei.
Eines der letzten Tabus
Tanja L. kämpft bis heute damit, dass ihr Sohn sich nicht meldet. Die Hoffnung stirbt zuletzt, meint sie, aber allzu viel ist davon nicht mehr übrig. „Das Schlimme ist, ich kann es selbst nicht steuern oder alleine regeln, weil zwei Seiten dazu gehören. Ich warte, hoffe an jedem Geburtstag oder an Weihnachten, dass etwas kommt. Da ist immer der Blick aufs Handy, in den Briefkasten. Aber je mehr Zeit vergeht, desto mehr schwindet die Hoffnung.“
Mittlerweile geht sie ganz offen damit um, wenn jemand fragt, wie es denn ihrem Sohn ginge. Am Anfang suchte sie noch nach Ausflüchten, aber das funktionierte irgendwann nicht mehr. Das Schlimme sei für sie allerdings, dass niemand wirklich mit ihr darüber spricht. „Manchmal", sagt sie, „fühlt es sich so an, als wäre mein Kind gestorben. Wahrscheinlich würde mich in dem Fall öfter jemand fragen, wie es mir wirklich geht. Aber wenn man sein Kind auf diese Weise verliert, will niemand das Thema ansprechen. Die paar Nahestehenden, die fragen, verstehen nicht, wieso wir uns nicht einfach zusammensetzen und reden. Ich war immer stolz auf und dankbar für meine Familie. Das habe ich jeden Abend in mein Tagebuch geschrieben. Jetzt schreibe ich das nicht mehr.“
Komplexe Themen wie Rente, Pflege oder Erbrecht werfen viele Fragen auf. Verlässliche Antworten und Orientierung von Fachleuten zu bekommen, ist meist gar nicht so einfach oder sehr teuer. Deswegen starten wir ein neues Format, das Ihnen fundiertes Fachwissen verständlich und bequem direkt nach Hause bringt: Die Afilio-Expertenberatung.
Hierfür laden wir regelmäßig namhafte Fachleute zu uns ein, die in kleinen Runden Ihre persönlichen Fragen beantworten.
Das erwartet Sie bei der Afilio-Expertenberatung:
Antwort-Garantie: Wir begrenzen die Teilnehmerzahl. So können wir Ihnen garantieren, dass jede vorab eingereichte Frage beantwortet wird – entweder live während der Übertragung oder direkt im Nachgang schriftlich.
Sie bestimmen die Themen: Auf unserer neuen Übersichtsseite können Sie vorab Ihre Frage einreichen oder angeben, welche Fragen anderer Mitglieder Sie besonders interessieren. Die am häufigsten gewählten Themen werden zuerst besprochen.
Der „Kaffeeklatsch" danach: Nach dem offiziellen Teil beenden wir die Videoaufzeichnung. Wer möchte, bleibt danach noch für 15 Minuten in einer gemütlichen Runde virtuell zusammen, um sich ungezwungen mit anderen Mitgliedern auszutauschen.
Unsere ersten Termine – jetzt Plätze sichern!
Die Anmeldung ist ab sofort eröffnet. Da die Plätze wegen der Antwort-Garantie auf limitiert sind, gilt das Prinzip: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.
Mittwoch, 08. Juli | 18:00 Uhr: Ihr „ziemlich bester Ruhestand“
Mit Peter Lennartz (Ruhestandsexperte). Erfahren Sie, wie Sie die sieben Phasen des Ruhestands souverän meistern, neuen Sinn jenseits des Berufslebens finden und Ihre freie Zeit bewusst gestalten.
Mittwoch, 12. August | 18:00 Uhr: Pflegereform & Ihre Fragen rund um die Pflege
Mit Jens Henseleit (Pflegesachverständiger & Pflegegutachter). Erfahren Sie, was die geplante Pflegereform für Sie bedeutet und wie Sie einen Pflegegrad richtig beantragen und einschätzen.
Mittwoch, 19. August | 18:00 Uhr: Patientenverfügung in der Praxis
Mit Dr. Tim Kleffner (Chefarzt Zentrale Notaufnahme). Was im Ernstfall wirklich zählt, wie Ihre Verfügung im Notfall auch greift und welche häufigen Formulierungsfehler Ärzte beim Lesen ausbremsen.
Wunderbar aktiv im Alter. Das geht nicht ohne Entspannung.
Kurzvorstellung
Peter Lennartz
Afilio-Experte Peter Lennartz ist Ruhestandscoach, Autor, Trainer und Keynote Speaker. Unter der Marke „Ziemlich bester Ruhestand“ schreibt er über die Fragen, die beim Übergang in die nächste Lebensphase wirklich bewegen – und er spricht darüber in seinem gleichnamigen wöchentlichen Podcast. Weitere Informationen: www.ziemlich-bester-ruhestand.de
Kennen Sie das Gefühl, endlich Zeit für sich zu haben – und trotzdem nicht richtig zur Ruhe zu kommen? Der Kalender ist leerer, doch der Kopf läuft weiter, als hätte ihm niemand Bescheid gesagt, dass jetzt Feierabend ist.
In einem meiner Workshops sagte eine Frau, die über vierzig Jahre im Pflegedienst gearbeitet hat: „Ich will im Ruhestand erst mal einfach nur runterkommen.“ Keine Bucket List, kein neues Projekt, kein Ehrenamt. Einfach nur: runterkommen. Ein Bekannter, dem jahrzehntelang mehrere Läden gehörten, sagte es noch knapper: „Ich habe keine Pläne. Das wäre das Letzte, was ich brauche.“ Zwei Menschen, zwei Geschichten, derselbe tiefe Impuls: erst einmal durchatmen.
Das ist kein Zeichen von Trägheit, sondern eine kluge Antwort des Körpers. Denn auch die Aktivsten kommen irgendwann an einen Punkt, an dem Körper und Kopf etwas anderes einfordern als das nächste Abenteuer – einen Moment des Innehaltens. Zur Ruhe zu kommen ist Reparaturarbeit. Diese Arbeit muss getan werden, damit Energie, Klarheit und neue Richtung in Ihr Leben zurückkehren können. Ruhe ist also nicht das Ende von Aktivität, sondern sie ist der Anfang von etwas Neuem.
In diesem Beitrag erfahren Sie, warum diese Phase im Ruhestand seine Berechtigung hat, welche Glaubenssätze uns, die Generation Babyboomer, vielleicht daran hindern, Ruhe wirklich zuzulassen. Und Sie erfahren, wie Sie Ihren ganz eigenen Weg zu echter Erholung finden können. Mit dem Lotsen für Ruhe & Regeneration finden Sie anschließend heraus, welcher Weg das für Sie persönlich ist.
Verstehen: Warum die Ruhephase so wichtig ist
Über Jahrzehnte hat der Beruf unser Leben strukturiert: den Tagesablauf, das soziale Leben, die Identität. Bei einigen mehr, bei anderen weniger. Mit dem Ruhestand fällt das alles weg, mal schneller, mal langsamer. Was viele unterschätzen: Ein neuer Alltag entsteht nicht von selbst, er will bewusst gestaltet werden. „Runterkommen“ ist dabei für viele der erste, notwendige Schritt, der nötig ist, bevor neue Projekte und Pläne überhaupt sinnvoll werden.
Dahinter steckt mehr als ein Gefühl. Über Jahre – teilweise über 50 Jahre – hat unser Nervensystem im Anspannungsmodus gearbeitet. Wir waren leistungsbereit, reaktionsschnell, auf Belastung und auf Leistung eingestellt. Mit dem Ruhestand entfällt der äußere Taktgeber. Doch das Nervensystem schaltet aus dem Leistungs- und Arbeitsmodus nicht einfach um. Ich kenne viele Menschen, die auch im Ruhestand nicht ohne ihre alte To-do Liste aus dem Beruf auskommen und die abends sehen wollen, was sie alles am Tag geschafft, was sie geleistet haben.
Es braucht also Zeit, um in den anderen Modus zu wechseln. Dieser Prozess kann Wochen oder Monate dauern. Der Schlaf verändert sich, die Energie schwankt, der Körper holt nach, was lange zu kurz kam. Eine Studie der Universität Zürich zeigt, dass Lebensqualität und Wohlbefinden direkt nach dem Renteneintritt zunächst sogar sinken können. Und erst bei aktiver Gestaltung wieder steigen.
Diese Umstellung verdient Ihre Aufmerksamkeit. Die ersten Monate nach dem Renteneintritt sind für manche Menschen eine sensible Phase. Drei Empfehlungen können helfen:
Gehen Sie rund um den Renteneintritt einmal bewusst zum Arzt. Nicht weil etwas mit Ihnen nicht stimmt, sondern als Check-in mit Ihrem Körper.
Gestalten Sie den Übergang nicht zu abrupt. Wer vierzig oder mehr Jahre im Vollsprint war, sollte nicht von heute auf morgen auf null schalten. Sportler nennen diese Phase das „Abtrainieren“.
Nehmen Sie körperliche Signale ernst. Der Wunsch nach Rückzug, nach Stille, nach Regeneration ist nicht nur psychologisch sinnvoll – er ist auch biologisch klug.
Erlauben: Warum Ruhe kein schlechtes Gewissen braucht
Zwischen „Ich weiß, dass ich jetzt Ruhe brauche“ und „Ich erlaube mir Ruhe“ liegt oft ein ganzes Leben voller Glaubenssätze. Die Generation, die heute in den Ruhestand geht, wuchs in einer Gesellschaft auf, in der Arbeit nicht nur Mittel zum Zweck war, sondern Identität, Wert und Würde. Sätze wie „Wer rastet, der rostet“ oder „Ohne Fleiß keinen Preis“ haben sich tief eingeprägt. Ausnahmen bestätigen natürlich auch hier die Regel.
Diese Sätze sind keine persönliche Schwäche, sondern das Ergebnis jahrzehntelanger Prägung. Die gute Nachricht: Wir können sie als solche erkennen und feststellen, dass sie nicht in jeder Lebensphase wahr sein müssen. Die Psychologin Carol Dweck hat gezeigt, dass Menschen in jedem Alter Überzeugungen hinterfragen und neue Denkmuster entwickeln können. Auch der innere Kritiker, der bei jeder Ruhepause flüstert „Du solltest doch eigentlich …“, kann leiser werden, wenn man ihm bewusst begegnet.
Sich Ruhe zu erlauben ist dabei eine aktive Leistung. Wer jahrzehntelang gelernt hat, produktiv zu sein, muss üben, Stille und Langeweile zuzulassen. Wenn wir aufhören, uns abzulenken, wird im Gehirn ein Netzwerk aktiv, das Fachleute das Default Mode Network nennen. In diesem scheinbaren Nichtstun ordnen sich Gedanken, verknüpfen sich Erfahrungen, entstehen neue Ideen. Klarheit und Kreativität entstehen nicht trotz der Ruhe – sie entstehen oft erst durch sie. Ruhe darf also ein fester Bestandteil Ihres neuen Lebens werden: nicht als Pause zwischen Aktivitäten, sondern als Aktivität in sich selbst.
Wie kommen Sie am besten zur Ruhe?
Der Lotse für Ruhe & Regeneration hilft Ihnen herauszufinden, auf welchem Weg Erholung bei Ihnen am ehesten beginnt – über den Körper, die Stille, die Natur oder das Wohlgefühl.
Gestalten: Wie Sie Ihren eigenen Weg zur Ruhe finden
Verstehen und Erlauben sind wichtige Schritte. Irgendwann aber stellt sich die praktische Frage: Wie komme ich konkret zur Ruhe – und zwar auf eine Art, die zu mir passt? Denn echte Erholung ist nicht für alle dasselbe. Was dem einen Energie gibt, zum Beispiel ein langer, stiller Waldspaziergang, kann der anderen wie verlorene Zeit vorkommen. Es geht nicht um die eine richtige Methode, sondern um die, die zu Ihnen passt.
Das Problem: Viele Menschen wissen nach Jahrzehnten im Beruf gar nicht mehr genau, was ihnen wirklich guttut. Die eigenen Bedürfnisse wurden so lange hintangestellt, dass sie sich kaum noch melden. Drei Wege können dabei helfen, das wieder zu lernen.
Schauen Sie zurück auf Momente, in denen Sie wirklich bei sich waren. Nicht produktiv, sondern einfach da; solche Momente sind keine Nostalgie, sondern Hinweise.
Probieren Sie aus, ohne Erwartung, und achten Sie weniger darauf, ob etwas beeindruckend klingt, als darauf, ob Sie danach bei sich sind oder weiter weg.
Nehmen Sie die stillen Fragen ernst: Was hat mir früher Kraft gegeben? Was darf in meinem Leben langsamer werden? Was möchte jetzt wachsen – ganz ohne äußeren Druck?
Manchmal führt der Weg zur Ruhe über die Bewegung, manchmal über die Stille, manchmal über Wärme und Wohlgefühl und manchmal über etwas ganz Unerwartetes. In meinen Workshops kommen auf die Frage „Wobei können Sie am besten abschalten?“ selten die Antworten aus den Ratgebern. Es kommt: Holz hacken. Marmelade kochen. Häkeln. Busfahren. Und das ist eine schöne Erkenntnis. Denn Abschalten muss nicht nach Entspannung aussehen. Was Sie wirklich erholen lässt, weiß am Ende nur eine oder einer: Sie selbst.
Genau hier setzt der Lotse für Ruhe & Regeneration an. Er hilft Ihnen, mit wenigen Fragen herauszufinden, auf welchem dieser Wege Erholung bei Ihnen am ehesten beginnt und was sich lohnt, als Erstes auszuprobieren. Die wichtigste Frage lautet danach nämlich nicht „Was sollte ich tun?“, sondern „Was möchte ich einmal in Ruhe ausprobieren?“
Annehmen: Ruhe ist keine Faulheit
Vielleicht haben Sie beim Lesen an der einen oder anderen Stelle genickt. Das ist bereits ein wichtiger Schritt. Sie müssen jetzt keinen großen Plan schmieden. Es reicht, sich eine kleine, ruhige Gewohnheit zu schenken und zu beobachten, wie sie sich anfühlt. Klarheit entsteht nicht durch große Entscheidungen, sondern durch kleine Bewegungen in die richtige Richtung.
Der Naturforscher John Lubbock hat es schon 1894 schön gesagt:
„Ruhe ist keine Faulheit. Und manchmal auf dem Gras unter Bäumen zu liegen, dem Murmeln des Wassers zu lauschen oder den Wolken beim Ziehen zuzusehen, ist wahrlich keine Zeitverschwendung.“
Und genau das haben Sie sich nach einem langen Berufsleben mehr als verdient. In der echten Ruhe beginnt oft das neue Aufblühen.
Im Afilio-Ratgeber Ausgabe #41 haben wir unser neues Afilio-Quiz gestartet. Die Teilnehmer konnten ihr Vorsorge-Wissen testen und eine AfilioPlus-Mitgliedschaft gewinnen. Die Gewinner des letzten Quiz sind:
1. Platz mit 803 Pkt. (Afilio Mitgliedschaft – lebenslang): Christian D.
2. Platz mit 801 Pkt. (Afilio Mitgliedschaft – 5 Jahre): Ernst K.
3. Platz mit 783 Pkt. (Afilio Mitgliedschaft – 3 Jahre): Kerstin K.
Das Afilio-Quiz
Wir gehen in eine zweite Runde: Testen Sie Ihr Vorsorge-Wissen und gewinnen Sie!
Im Redaktionsteam stoßen wir bei unserer Recherche immer wieder auf spannende Inhalte – von Artikeln bis hin zu Filmen. Doch nicht alle schaffen es in den Ratgeber.
Für alle, die gerne noch mehr lesen, schauen und sich inspirieren lassen wollen, sammeln wir hier die Empfehlungen aus unserer Redaktion. Viel Spaß damit!
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