Afilio-Ratgeber #44

vom 23.07.2026
Ein Rest Ungewissheit: Die Rentenreform
Afilio LogoDamit Ihr Wille zählt.
Der digitale Enkeltrick: Wenn Betrüger Stimmen klonen

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

der Übergang in den wohlverdienten Ruhestand sollte eigentlich eine Zeit der Vorfreude sein. Doch die anstehende Rentenreform sorgt bei vielen Menschen für Verunsicherung. In unserem ersten Artikel beleuchtet Stefan Schmitz das „Kleingedruckte“ der Pläne und zeigt auf, warum es sich lohnt, rechtzeitig hinzusehen und die eigenen Unterlagen zu prüfen – aber auch, warum Sie sich von der drohenden Bürokratie nicht verrückt machen lassen sollten.

Dass das Alter glücklicherweise aus viel mehr besteht als aus Formularen und Sorgen, beweist unsere nächste Geschichte auf wunderbare Weise: Die 81-jährige Stil-Ikone Günther Krabbenhöft macht auf den Straßen Berlins und im Internet vor, wie viel Energie, Freiheit und Lebensfreude im Älterwerden stecken können. Sein herzlicher Appell an uns alle lautet ganz einfach: Seien Sie mutig und wagen Sie sich auch mal auf unbekanntes Terrain!

Mut zur Anpassung braucht es mitunter auch beim Wetter. Passend zu den Rekordtemperaturen widmen wir uns der Frage, wie Sie sich im Alltag am besten schützen können, wenn die Hitze im Sommer zur echten Belastung wird.

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Ich wünsche Ihnen viel Freude beim Lesen (oder Hören).

Ihr Till Oltmanns
Stefan Schmitz
Karen Buckenauer mit einem Cappuccino unter Hamburgs Wolken – sie erzählt uns von ihrer Sorge vor dem „Vakuum"
Worum geht’s?

Noch ist unklar, welche Übergangsfristen es geben wird. Wer bald in Rente gehen will, sollte sich davon nicht verunsichern lassen – aber genau aufpassen.

Karen Buckenauer hätte weniger Sorgen, wenn ihre 82-jährige Tante nicht wäre. „Die macht mir die Hölle heiß“, erzählt die Hamburgerin, die selbst gerade 64 geworden ist. Nächstes Jahr will sie vorzeitig in Rente, das sollte eigentlich klappen – über 35 Beitragsjahre hat sie beisammen. Mit ihrem Rentenberater hat sie alles besprochen: Noch bekommt die frühere Erzieherin Arbeitslosengeld, wenn das nächsten Sommer ausläuft, wechselt sie nahtlos in die Rente. Daran, so hofft sie, wird auch die anstehende Rentenreform nichts ändern. „Ganz sicher bin ich aber nicht“, sagt sie. „Es wird ja nirgends klar gesagt, was nun gilt.“

Sorge vor dem „Vakuum“

Falls bei ihren Plänen etwas dazwischenkomme, geriete sie „in eine Art Vakuum“. Kein Arbeitslosengeld, keine Rente. Mist wäre das. Und genau vor diesem Mist warnt sie die Tante mit dem Höllenfeuer. Bei ihr, so sagt die alte Dame zumindest, habe es ganz plötzliche Überraschungen bei der Rente gegeben. Buckenauers Freunde und Bekannte, von denen eigentlich alle schon in Rente seien, machten es auch nicht besser. „Wir haben alles durch“, zitiert sie ihre Freunde. „Wir sind safe.“ Dabei zieht sie die Nasenflügel hoch, wie sie es wahrscheinlich schon vor 50 Jahren getan hat, wenn die Klassenstreberin sagte: „Ich habe meine Französisch-Hausaufgaben seit gestern fertig.“

Im Jobcenter wartet niemand

Buckenauer sitzt mit einem Cappuccino unter Hamburgs Wolken, die von der Elbe rüberziehen ins feine Blankenese. Es stimmt schon, dass die Reformpläne der Koalition sie verunsichern. Aber Panik strahlt sie wirklich nicht aus. Jede Woche geht sie in einen Kurs für experimentelles Malen, den sie toll findet. Denn: „Man kann keine Fehler machen.“ Das sei gut für Körper und Geist und sollte eigentlich von der Krankenkasse bezahlt werden. Jedenfalls hat sie dort eine Frau kennengelernt, die im Jobcenter arbeitet. Die hat ihr deutlich gemacht, dass sie von niemandem mehr gedrängt werden wird, sich Arbeit zu suchen. „Im Jobcenter wollen sie Leute wie mich nicht sehen“, lacht sie. „64 Jahre, Erzieherin, danke schön“.

Kein Weg zurück

Dann erzählt sie ein wenig, wie es so zugegangen ist bei ihrer Arbeit. Schwierige Kinder, Lärm, Stress. Es klingt so, wie wenn Gewerkschafter von Dachdeckern sprechen, die es mit über 60 nicht mehr aufs Dach schaffen. Die Botschaft ist klar: Zurück in die Vergangenheit führt kein Weg. Es geht nur nach vorne in die Rente. Auch die Kinder der gelernten Schneiderin – ein Sohn, eine Tochter - gönnten ihr den Ruhestand. Sie habe es verdient.

Experten schreiben für Experten

Natürlich könnte Frau Buckenauer auf der Seite der Bundesregierung im Internet den 80-seitigen Bericht der Alterssicherungskommission herunterladen. Da steht, was die Koalition nun in Gesetze gießen will. Und tatsächlich empfehlen die Experten – neben vielen anderen Dingen -, das Renteneintrittsalter für langjährig Versicherte zügig von 63 auf 64 Jahre anzuheben und dann weiter zu erhöhen „parallel zur Entwicklung der Regelaltersgrenze“. Dabei sollte aber alles „mit einem Vorlauf umgesetzt werden, der den rentennahen Jahrgängen ausreichend Planungssicherheit gibt“. Man könnte auch sagen: Frau Buckenauer ist ebenso safe wie ihre Freunde, die bereits Rente bekommen. Nichts wird sich für sie ändern.

Rentenberatung unter den Augen von Marx und Engels

Wirklich nicht? Der Weg zu Rentenberater Alfons Lukas führt an einen Ort, an dem Hamburg wunderschön ist und schrecklich zugleich. Unten im Park vor Lukas' Haustür zanken sich die Hunde von zwei Junkies, die kaum mitkriegen, was passiert. Eine betrunkene Frau schluchzt auf einer Parkbank, warum auch immer. Mit dem Aufzug geht es zu Lukas hinauf in den sechsten Stock, wo sein riesiges Wohnzimmerfenster den Blick freigibt auf Elbe und Elbphilharmonie, auf den Michel und die ganze Stadt.

Rentenberater Alfons Lukas in seinem Arbeitszimmer an der Elbe

Formulare als Herausforderung

„Es gibt große Sorgen“, sagt Lukas, der gerade eine Frau verabschiedet, der er bei ihrem Rentenantrag geholfen hat. An den Wänden stehen die Werke von Lenin und Marx und Engels im Regal, in den Schubladen liegen die Formulare der Deutschen Rentenversicherung. Die sind nicht ganz so dick wie die Schriften der alten Kommunisten, aber auch ziemlich unübersichtlich. „Gestern war eine Iranerin mit zwei Kindern hier“, erzählt er. „Ganz tolle Leute.“ Aber die Frau habe richtig Angst gehabt, beim Ausfüllen der Formulare zu versagen.

22 Seiten als Minimum

Lukas zieht aus der Schublade einen fingerdicken Papierstapel. „Das ist die Grundausstattung“, sagt er. „22 Seiten.“ Oft müsse aber viel mehr ausgefüllt werden; zum Beispiel für Erwerbsminderungsrenten. Er zeigt, worauf es alles ankommen kann. Da gibt es Spalten, in denen die Ursachen für die Beendigung eines Arbeitsverhältnisses vor Jahrzehnten eingetragen werden müssen. „Die meisten Leute haben keine Ahnung mehr, was damals war“, sagt er. „Die empfinden das als Schikane.“ Dabei seien die Fragen durchaus begründet. Sein Job sei es, seinen Besuchern die Scheu zu nehmen, sich mit so drögen Themen zu befassen.

Überraschungen vermeiden

Immer wieder erlebe er, dass der Horror vor der Bürokratie die Leute dazu bringe, etwa die Renteninformationen gar nicht zu lesen. „Ich hatte eine Frau hier, die bekam 1350 Euro im Monat nach einem langen Arbeitsleben an der Kasse im Supermarkt“, sagt er. Die sei geschockt und überrascht gewesen, wie wenig ihr bleibt. Er rät jedem, sich früh zu kümmern, nachzufragen, wenn etwas unklar sei – und sich nicht abschrecken zu lassen von der Bürokratensprache. Auch was die kommende Rentenreform angeht, mahnt er zu ruhiger Wachsamkeit. „Viele meinen, die Rente mit 63 Jahren sei schon weg. Ich sage: Leute, es gibt ja noch gar keine Gesetze.“

Rentenreform-Checkliste

Was Sie beachten sollten:

Die von der Bundesregierung geplante Rentenrefom wird Übergangsfristen vorsehen, damit für die Betroffenen Zeit bleibt, sich auf die Maßnahmen einzustellen. Wie lang diese Fristen sein werden, ist noch unklar. Gerade die Angehörigen rentennaher Jahrgänge sollten im Blick behalten, wie sich die Pläne konkret entwickeln und was das für sie bedeutet.

  • Nach den Vorschlägen der Kommission soll die abschlagsfreie Frührente nach mindestens 45 Versicherungsjahren wegfallen. Wenn Sie schon auf ein langes Erwerbsleben zurückblicken, prüfen Sie anhand ihrer Rentenmitteilung, ob und wann Sie die 45 Jahre erreicht haben. Achten Sie darauf, welcher Termin für die Neuregelung festgesetzt wird – und ob Sie vielleicht doch noch einen Anspruch haben
  • Wenn Sie nach 35 Versicherungsjahren vorzeitig mit Abschlägen in Rente gehen wollen, prüfen Sie, ob dies in Ihrem Fall noch mit 63 Jahren möglich sein wird. Das Mindestalter soll auf 64 Jahre angehoben werden und dann ebenso wie das reguläre Renteneintrittsalter weiter steigen. Auch hier steht die Entscheidung über die konkreten Termine und Fristen noch aus.
  • Wer 1965 oder später geboren wurde, wird wohl erst nach seinem 67. Geburtstag regulär in Rente gehen können. Das bedeutet auch, dass bei einem früheren Ausscheiden aus dem Beruf die Abschläge steigen, wenn man in einem bestimmten Alter aus dem Beruf aussteigt. Sie werden etwa 0,3 Prozent der Rente für jeden Monat einbüßen, der zusätzlich zwischen Ihrem Eintrittsalter und der Regelaltersgrenze liegt. Wieviel ist das konkret? Wollen und können Sie das akzeptieren? Falls Sie diese Fragen jetzt schon klären, können Sie direkt reagieren, wenn die konkreten Eckdaten der Reform feststehen.
  • Falls Sie sich für ein Modell zur Altersteilzeit interessieren, müssen Sie beachten, wann und mit welchen Übergangsfristen das Mindestalter – wie vorgesehen – von 55 auf 58 Jahre angehoben wird.
  • Alle, die ein Blockmodell zur Altersteilzeit ins Auge gefasst haben, müssen sich beeilen. Bei diesem Modell arbeiten ältere Beschäftigte eine Zeit lang voll, bekommen aber weniger Lohn. Nach dieser aktiven Phase werden sie bei gleichem Lohn freigestellt bis zum Erreichen der Altersrente. Das Blockmodell soll komplett abgeschafft werden. Prüfen Sie daher, ob es vielleicht eine Möglichkeit gibt, es doch noch zu nutzen, bevor die Reform in Kraft tritt.
  • Teil der Reform ist die Stärkung der betrieblichen Altersvorsorge. Achten Sie dazu auf Angebote Ihres Arbeitgebers.
  • Für Beschäftigte, die ihren Beruf aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben können, sollen neue Möglichkeiten zum Übergang in die Rente geschaffen werden. Noch ist unklar, wie diese Regelungen genau aussehen. Wenn Sie davon betroffen sein könnten, achten Sie auf Beschlüsse hierzu.
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Henrike Buss
Günther Krabbenhöft auf den Straßen Berlins. Copyright: Archiv Günther Krabbenhöft

Als Günther Krabbenhöft noch ein vergleichsweise junger Mann war, so um die 70 Jahre, stand er am U-Bahnhof Kottbusser Tor in Berlin und wartete auf die Bahn. Er trug eine Fliege, eine Weste, einen Hut. Eine wirklich außergewöhnliche Erscheinung war er, was auch einem Touristen auffiel, der ihn fotografierte - und mit einem Facebook-Post dazu einen unfassbaren Hype auslöste. Krabbenhöft wurde nach der Bahnfahrt im Sommer 2015 zur weltbekannten Stil-Ikone.

Ein gutes Jahrzehnt später ist er noch immer Opa cool. Wenn man den mittlerweile 81-Jährigen sieht, weiß man: Dieser Mann hat sein Leben in die eigene Hand genommen. Ihn umgibt eine Aura von Freiheit und Lebensfreude, mit der er Hunderttausende Follower auf Social Media begeistert.

Dabei ist Krabbenhöft nicht der einzige sogenannte “Granfluencer”, der es zu Bekanntheit geschafft hat. Tatsächlich erobern viele Menschen noch weit jenseits der 60 Instagram, TikTok und YouTube und beweisen damit, dass Authentizität in jedem Alter wirkt.

Warum sind Granfluencer so erfolgreich?

Das Wort Granfluencer setzt sich zusammen aus den englischen Wörtern “grandparents” und “influencer”. Es beschreibt ältere Männer und Frauen, die aktiv auf Social-Media-Plattformen sind. Was sie dort posten, ist so verschieden, wie Menschen eben sind. Aber meist geht es um Leidenschaft und Vergangenheit. Um das, was sie erlebt haben, was sie daraus gelernt haben und wofür sie brennen. Das interessiert Junge und Alte gleichermaßen.

Aber woher kommt diese Faszination? Am Anfang steht offenbar die Verwunderung, wenn auf den vermeintlich so jugendlichen Plattformen ein Gesicht mit Falten und Lebensspuren auftaucht. Eine positive Überraschung sei das, sagt Ruth Gehrmann, die im Sonderforschungsbereich Humandifferenzierung an der Universität Mainz arbeitet. Ältere würden, so erklärte sie im ZDF, mit ihren Inhalten zudem Jüngeren die Angst vor dem Altern nehmen und ihnen ein Vorbild geben.

Durch die starke Präsenz bekämen ältere Menschen auch wieder mehr Sichtbarkeit in unserer Gesellschaft. Dies könne Verbindungen schaffen zwischen Generationen, die oft eher wenig miteinander zu tun haben.

Von ländlicher Strenge zum bunten Berlin

Heute trifft man Günther Krabbenhöft gelegentlich spazierend auf den Straßen Berlins – oder tanzend in den Szeneclubs. Dabei sah der Anfang seines Lebens weit weniger lässig aus:

Geboren wurde er 1945 in Hildesheim. In seiner Kindheit und Jugend auf dem Land in Niedersachsen gab es oft Schläge, und er litt an dem Gefühl, nicht dazuzugehören und es seinen Eltern nicht recht machen zu können. Als er 1968 nach Berlin kam, war das auch eine Flucht. Der gelernte Koch arbeitete ein halbes Jahrhundert in den Küchen der Stadt, die ihm neue Freiheiten gab. Trotzdem dauerte es viele Jahre, bis sich der geschiedene Vater einer Tochter, als schwul outete.

Als die Welt ihn 2015 zur Kenntnis nahm, war er jemand, der sich ein eigenes Leben geschaffen hatte; weit ab von dem, was ihm als Kind vorbestimmt schien. Dass er Stil hatte, konnte jeder sehen - so wie der Tourist, der ihn am Kottbusser Tor fotografierte und das Bild hinausschickte in die Welt.

Nur bis Günther Krabbenhöft selbst dieses Bild sah, verging eine ganze Weile. Der Mann, der später Hunderttausende Follower mit seinen Videos und Posts erreichte, hatte damals weder ein Smartphone noch einen Computer. Das hat sich inzwischen geändert. Und es nicht ohne Ironie, dass der Erfolg in virtuellen Welten dazu geführt hat, dass man seinen Weg und seine Sicht auf das Alter nun auch ganz traditionell auf Papier nachlesen kann; in dem 2020 erschienenen Buch „Sei einfach du! – Zum Jungsein bist du nie zu alt“.

Copyright: Sven Kohler

“Mit zunehmendem Alter sollten wir mutiger werden”

Günther Krabbenhöft über Mut, Stil und unbekanntes Territorium

Afilio: Herr Krabbenhöft, Sie sind bekannt für Ihren Stil und Ihre Lebensfreude. Warum sollten wir gerade im Alter mutiger werden, uns selbst treu bleiben und auch mal farbenfroh aus der Reihe zu tanzen?

Krabbenhöft: Ich finde, gerade mit zunehmendem Alter sollten wir mutiger werden – wann denn sonst? Irgendwann kommt der Moment, an dem man merkt: Ich muss nicht mehr ständig darauf achten, was andere von mir denken. Jetzt ist die Zeit, das eigene Leben so zu gestalten, wie es sich für mich richtig anfühlt.

Mut heißt für mich nicht nur, bunte Kleidung zu tragen. Mut bedeutet, Neues auszuprobieren, alte Gewohnheiten loszulassen, neugierig zu bleiben, rauszugehen, Menschen zu begegnen und sich auch mit 70, 80 oder 90 noch auf unbekanntes Terrain zu wagen. Jedes Mal, wenn wir etwas Neues lernen oder uns etwas zutrauen, spüren wir: Da ist noch so viel Leben in uns.

Deshalb kann ich nur sagen: Los, Leute – ganz egal, wie alt ihr seid. Traut euch! Es ist ein wunderbares Gefühl, am Ende sagen zu können: ‚Das habe ich noch gemacht. Das habe ich mich getraut. Und ich habe dabei so viel Freude gewonnen.‘

Afilio: Viele Menschen der Generation 60+ zögern, sich auf Social Media oder neue digitale Trends einzulassen. Was hat Ihnen der Schritt in die Online-Welt persönlich geschenkt und warum lohnt es sich, die Berührungsängste abzulegen?

Krabbenhöft: Ich glaube, Neugier kennt kein Alter. Natürlich ist am Anfang vieles ungewohnt, und man fragt sich vielleicht: Brauche ich das überhaupt? Aber ich habe festgestellt, dass die digitale Welt unglaublich viele Möglichkeiten bietet. Sie bringt Menschen zusammen, eröffnet neue Kontakte und gibt einem die Chance, sich auszutauschen, zu inspirieren und selbst inspiriert zu werden.

Ich finde, wir sollten keine Angst vor neuen Entwicklungen haben. Man muss nicht alles perfekt können – wichtig ist nur, den ersten Schritt zu machen. Ich habe selbst erlebt, wie bereichernd es ist, offen zu bleiben und Neues auszuprobieren. Man entdeckt Fähigkeiten an sich, von denen man gar nicht wusste, dass man sie hat.

Afilio: Unser Ratgeber möchte Menschen dabei unterstützen, das Älterwerden aktiv, selbstbestimmt und voller Lebensfreude zu gestalten. Welchen ganz persönlichen Rat möchten Sie unseren über eine Million Leserinnen und Lesern für ein erfülltes Leben im Alter mit auf den Weg geben?

Krabbenhöft: Ich glaube, dass wir freundlicher mit uns selbst sein sollten und uns weniger davon abhängig machen, was andere über uns denken. Das Leben ist zu kostbar, um sich aus Angst oder Gewohnheit klein zu machen. Jeder Tag bietet die Chance, etwas Schönes zu erleben, jemandem ein Lächeln zu schenken oder selbst überrascht zu werden.

Mein Wunsch an alle Leserinnen und Leser ist deshalb: Bewahren Sie sich Ihre Neugier, Ihren Mut und Ihre Freude am Leben. Älterwerden ist kein Stillstand – es kann eine der spannendsten und freiesten Zeiten unseres Lebens sein, wenn wir sie mit offenen Augen und offenem Herzen annehmen.

Copyright: Sven Kohler

Im letzten Afilio-Ratgeber (Ausgabe #43) gab es bereits unsere zweite Ausgabe des Afilio-Quiz. Die Teilnehmer konnten ihr Vorsorge-Wissen testen und eine AfilioPlus-Mitgliedschaft gewinnen. Die Gewinner des letzten Quiz sind:

1. Platz mit 814 Pkt. (Afilio Mitgliedschaft – lebenslang): Christof G.

2. Platz mit 811 Pkt. (Afilio Mitgliedschaft – 5 Jahre): Martina K.

3. Platz mit 807 Pkt. (Afilio Mitgliedschaft – 3 Jahre): Marion R. & Esther K.

Das Afilio-Quiz

Wir gehen in die nächste Runde: Testen Sie Ihr Vorsorge-Wissen und gewinnen Sie!

  • Punkte sammeln für schnelle & richtige Antworten
  • Top 3 gewinnen eine AfilioPlus-Mitgliedschaft
  • Gewinner werden am 10.08.2026 bekanntgegeben
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Stefan Schmitz
Mathias und Viola verschaffen sich eine Abkühlung von der Sommerhitze am Cooling Point am Berliner Mauerpark.

Die Hitze im Sommer nimmt beständig zu - und belastet vor allem ältere Menschen. Schon einfache Maßnahmen können helfen.

An der Bernauer Straße in Berlin soll der Mensch Schutz finden vor der Sommerhitze. Ein chromblitzendes Ding steht da, mit 32 Düsen und einem Knopf. Der 66-jährige Mathias steht davor, vergangenes Jahr ist er in den Ruhestand gegangen, aber als Wissenschaftler noch immer der Neugier verpflichtet. Er drückt auf den Sensor. Und der Regen kommt. Zumindest strömt 45 Sekunden lang mit viel Druck vernebeltes Wasser aus allen Düsen; kalt und frisch, ein Liter insgesamt. Mathias dreht sich mit dem Rücken in die weißliche Wolke, die Brille beschlägt, das T-Shirt wird ziemlich nass. Seine Frau Viola hält lieber etwas Abstand. Sie lächelt ihn an.

Ein „Cooling Point“ gegen die Rekordtemperaturen

Berlin, Mauerpark, im Sommer 2026. Ein paar Wochen erst ist es her, dass in der Stadt ein neuer Hitzerekord gemessen wurde. 39,9 Grad Celsius an der Wetterstation Tempelhof. Wenn das Häusermeer so in der Sonne brütet, nehmen Asphalt und Beton die Wärme auf und geben sie wieder ab, wenn die Menschen schlafen wollen. Es sind Nächte wie in den Tropen. Aber auch auf dem Land wird es immer heißer. Sogar 40,8 Grad waren es in Baruth in Brandenburg an jenem Samstag im Juni, als in Tempelhof der neue Berliner Rekord gemessen wurde.

Herausforderung für den Städtebau

Viola und Mathias setzen sich auf die von Grünpflanzen umgebenen Holzbänke, des so genannten „Cooling Points“, zu dem auch die Vernebelungsanlage gehört. Das Dach über ihnen ist so konstruiert, dass die Sonne schmale Streifen auf Hemd und Bluse der beiden zeichnet. Wohl dosiert ist hier der Schutz vor der Hitze.

Die ganze Anlage, gedacht zur Verbesserung der „Aufenthaltsqualität“ und ein paar zehntausend Euro teuer, wurde in Berlin heftig diskutiert. Der Lavendel in den Kübeln auch schonmal geklaut. Tatsächlich lassen sich die Hitzeprobleme nicht durch Nebelwolken lösen - sie sind eine echte Herausforderung. Für den Städtebau, aber vor allem für jeden einzelnen und insbesondere für ältere Menschen.

Immer mehr heiße Tage

Die Statistik zeigt, dass die Hitze nicht nur ein gefühltes Phänomen ist. Noch Anfang der 1950er Jahren wurden im Schnitt in Deutschland drei Tage im Jahr mit über 30 Grad registriert. Seitdem werden es immer mehr - nicht kontinuierlich von Jahr zu Jahr, aber mit einem eindeutigen Trend. Ein Spitzenwert von über 20 Tagen wurde 2018 registriert, auch im vergangenen Jahr waren es nach den Zahlen des Deutschen Wetterdienstes mehr als elf.

Moderne Technik hilft

Mathias und Viola kommen aus Zürich, was am See und in den Bergen liegt, aber auch dem Klimawandel nicht entgehen kann. „Wir haben schon lange eine Wärmepumpe“, sagt Mathias. „Isolierte Fenster natürlich; alles, was man so machen kann.“ Sie haben ihre Möglichkeiten genutzt, um das Leben anzupassen an die Folgen der Erderwärmung.

Klare Regeln im Alltag

Zwischen den beiden steht auf der Bank eine Wasserflasche, die sie ständig begleitet. Viola hat ihren Sonnenhut aufgesetzt. Sie geht gerne schwimmen. Das hat sie auch schon gemacht, als es im Sommer noch nicht so warm war. „Aber jetzt noch öfter“, sagt sie. Gelüftet wird früh morgens und am Abend. Dazwischen halten sie die Fenster geschlossen. Mittags gehen sie an warmen Tagen nur noch vor die Tür, wenn es sein muss.

Eine Aufgabe für jeden - und für alle zusammen

Dabei behandeln sie Klimaschutz nicht als rein private Angelegenheit. „Seit 2018 bin ich nicht mehr geflogen“, sagt Mathias, der früher oft zu Tagungen rund um die Welt unterwegs war. Wenn er heute irgendwohin muss, dann fährt er mit dem Zug. Gerade erst war er in Reading in England. In Oslo war er auch schon. Das ist nicht immer bequem, aber verantwortungsvoll. Und, wie er einräumt, für einen Menschen in seiner Lebensphase leichter durchzuhalten als für Jüngere, die Karriere machen wollen.

Ostsee oder Mittelmeer

Die Sonnenstreifen leuchten auf Mathias’ Hemd, Viola blinzelt unter ihrem Hut in die wenigen Strahlen, die es durch das Dach bis zu ihr schaffen. Es ist der Mauerpark in Berlin-Mitte, aber leicht kann man sich die beiden am Mittelmeer vorstellen oder in der Karibik. Irgendwo, wo die Sonne noch mehr zuhause ist als in Deutschland. „In den Urlaub“, sagt Mathias, „fahren wir am liebsten an die Ostsee. War schon immer so.“

5 Tipps

Was tun bei Hitze

  1. Trinken: Nehmen Sie reichlich Flüssigkeit zu sich - auch wenn Sie keinen Durst verspüren

  2. Abkühlen: Lassen Sie Wasser über Hände und Arme laufen, um den Körper zu kühlen. Nehmen Sie ein Fußbad. Auch Körperlotionen oder ein Thermalwasserspray können helfen

  3. Richtig lüften: Lassen Sie morgens und abends Luft herein. Dazwischen bleiben die Fenster geschlossen. Fenster auf denen die Sonne steht, werden möglichst durch außenliegende Rollladen geschützt

  4. Entspannen: Kein Sport und keine anstrengenden Arbeiten im Freien zwischen elf und 18 Uhr. Auch Einkaufen sollten Sie möglichst nicht in der heißesten Zeit des Tages

  5. Aufpassen: Die Hitze kann die Wirkung von bestimmten Medikamenten verändern. Kühl lagern - und im Zweifel prüfen, ob die eigenen Medikamente besonders empfindlich sind

Aus der Afilio-Redaktion

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Im Redaktionsteam stoßen wir bei unserer Recherche immer wieder auf spannende Inhalte – von Artikeln bis hin zu Filmen. Doch nicht alle schaffen es in den Ratgeber.

Für alle, die gerne noch mehr lesen, schauen und sich inspirieren lassen wollen, sammeln wir hier die Empfehlungen aus unserer Redaktion. Viel Spaß damit!


Buch-Empfehlung

Alexander Kühn: Älterwerden für Anfänger

Stefan Schmitz

Der Spiegel-Journalist Alexander Kühn hat ein bemerkenswertes Buch über das Altern geschrieben. Er selbst steht da noch ziemlich am Anfang. Als er vergangenes Jahr einen sehr runden Geburtstag erlebte, kam ihm das vor wie eine Diagnose: „Sie haben 50.“ Und damit sei nunmal die meiste Zeit rum im Leben. Aber was ist mit denen, die wirklich alt sind? Afilio hat bei ihm nachgefragt: „Herr Kühn, eignet sich Ihr Buch auch für Menschen, die schon viel Erfahrung mit dem Altern haben und längst keine 50 mehr sind?“

Alexander Kühn: „Es stimmt: In meinem Buch erzähle ich von meiner Angst, 50 zu werden, und wie ich meinen Frieden damit mache. Aber es geht um mehr. Die 50 ist die Ouvertüre zum Altsein. Sie öffnet einen Spalt breit die Tür zu dem, was mich erwartet, wenn ich aufs Finale zusteure, mit 70, 80 oder 90 Jahren, wer weiß das schon. Werde ich dann auf dem Sonnendeck eines Kreuzfahrtschiffs liegen? Oder in einem Bett, das sie mit einem Gitter versehen haben, damit ich nicht hinausfalle? Ich möchte kein grantiger Alter werden, kein Früher-war-alles-Besserwisser, sondern heiter und gelassen bleiben. Als Journalist habe ich in den vergangenen Jahren einige alte bis sehr alte Prominente besucht, denen das gelungen ist: Nana Mouskouri, 91, Frank Elstner, 84, Otto Waalkes, 78. Auch von ihnen berichte ich in meinem Buch.“

Hier geht's zum Buch „Älterwerden für Anfänger“ von Alexander Kühn. (DVA/Spiegel, 288 Seiten, 22 Euro)

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