Betreuungs­verfügung: Vorlage und wichtige Infos

von Afilio
10.09.2019 (aktualisiert: 29.11.2021)
Das Wichtigste in Kürze:
  • In einer Betreuungs­verfügung geben Sie an, welche Person Sie sich im Ernstfall als gesetzlichen Betreuer wünschen.
  • Die Verfügung legt einen Betreuer nicht endgültig fest. Er wird immer durch das Betreuungs­gericht bestimmt.
  • Unsere Vorlage ersetzt keine individuelle Betreuungs­verfügung. Besser: Sie regeln Ihre Vorsorge nach Ihren persönlichen Vorstellungen – mit Afilio.
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Hinweis: Es handelt sich lediglich um eine Beispielvorlage zur Anschauung. Erstellen Sie danach einfach Ihre persönliche Betreuungs­verfügung bei Afilio – einfach, rechtssicher und jederzeit anpassbar.

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Was ist eine Betreuungs­verfügung?

Eine Betreuungs­verfügung ermöglicht es Ihnen, für den Ernstfall festzuhalten, welche Person Sie sich als gesetzlichen Betreuer wünschen. Sollten Sie durch eine Krankheit oder einen Unfall nicht mehr in der Lage sein, Ihren Willen zu äußern oder sich um Ihre Angelegenheiten zu kümmern, kann dies entweder eine bevollmächtigte Person oder ein gesetzlicher Betreuer erledigen. Haben Sie keine Person mit einer Vorsorge­vollmacht ausgestattet, muss das Betreuungs­gericht einen gesetzlichen Betreuer bestellen. Für diesen Fall können Sie in ihrer Betreuungs­verfügung eine geeignete Person vorschlagen. Im Gegensatz zur Vorsorge­vollmacht ist Ihre Entscheidung allerdings nicht bindend – das Betreuungs­gericht muss also nicht zwingend Ihre Wunschperson zum Betreuer bestellen. Das Gericht bemüht sich in der Regel, dem Wunsch nachzukommen, kann aber davon abweichen, wenn die vorgeschlagene Person nicht geeignet ist.

Die Betreuungs­verfügung ist eine gute Ergänzung oder Alternative zur Vorsorge­vollmacht. Menschen, die niemandem in Ihrem Umkreis so sehr vertrauen, dass sie ihn bevollmächtigen können, können eine Betreuungs­verfügung erstellen. Der Vorteil: Gesetzliche Betreuer werden vom Betreuungs­gericht überwacht und können nicht frei entscheiden, wie es eine bevollmächtigte Person könnte.

Warum brauche ich eine Betreuungs­verfügung?

Praktisch jeder kann in eine Situation geraten, in der er nicht länger in der Lage ist, eigenverantwortliche Entscheidungen zu treffen, etwa nach einem schwerwiegenden Unfall oder z. B. einer plötzlichen Erkrankung wie Schlaganfall oder Herzinfarkt oder bei andauernder Pflege. In einem solchen Fall wird das zuständige Amtsgericht einen Betreuer bestellen, der die wichtigsten Entscheidungen z. B. über die Unterbringung in einem Pflege­heim oder zu medizinischen Behandlungen für den Betroffenen fällt. Die Betreuungs­verfügung hält fest, welche Vertrauensperson Sie als Betreuer bevorzugen würden. Eine Betreuungs­verfügung benötigen Sie, wenn Sie keine Vorsorge­vollmacht aufgesetzt und hinterlegt haben oder Ihre Vorsorge­vollmacht ergänzen möchten.

Welche Kosten entstehen bei einer Betreuungs­verfügung?

Da eine Betreuungs­verfügung prinzipiell nicht an eine Form gebunden ist und keiner Beglaubigung bedarf, können Sie sie kostenfrei privat verfassen. Ebenso kostenlos ist auch bei Afilio das erste Vorsorge­dokument. Wer sicherstellen will, eine Betreuungs­verfügung nutzen zu können, die allen inhaltlichen Voraussetzungen entspricht, kann seine erste Vorsorge­maßnahme professionell erstellen – gratis oder für einen freiwilligen Beitrag. Auch bei Fragen zum Erstellungsvorgang und zur Nutzung unseres Angebots steht unser Support unseren Nutzern kostenlos zur Seite.

Welche Aufgaben hat ein gesetzlicher Betreuer?

Ein gesetzlicher Betreuer hat die Aufgabe, die von ihm betreute Person in vielfältigen Angelegenheiten zu vertreten. Unabhängig von den Wünschen des Betroffenen selbst kann das Betreuungs­gericht die von ihm als notwendig erachteten Verantwortungsbereiche auch selbst festlegen. Das ist z. B. der Fall, wenn das Betreuungs­gericht die Ansicht vertritt, dass ein Betreuer nicht für alle Entscheidungsbefugnisse geeignet ist. Grundsätzlich betrifft der Handlungsrahmen des gesetzlichen Betreuers:

  • Gesundheits­fürsorge
  • Aufenthaltsbestimmung
  • Wohnungsangelegenheiten
  • Vertretung im Verkehr mit Versicherungen, öffentlichen Stellen und Trägern von Sozialleistungen
  • Vermögensangelegenheiten

Dabei wird der Betroffene selbst nicht entmündigt – der gesetzliche Betreuer hat seine Aufgaben so wahrzunehmen, dass sie den Interessen des Pflege­bedürftigen entsprechen. Auch Beschränkungen des Handlungsspielraums lassen sich in einer Betreuungs­verfügung festhalten. Ebenfalls festlegen können Sie, wo Sie im Ernstfall untergebracht werden möchten. Insbesondere in allen Vermögensangelegenheiten hat der gesetzliche Betreuer die Interessen des Betroffenen zu wahren, dazu wird er auch vom Betreuungs­gericht kontrolliert.

Krankenwagen fährt mit Blaulicht auf Straße
Je unerwarteter der Ernstfall, desto wichtiger die Vorsorge: Die Betreuungs­verfügung hält fest, wer die wichtigsten Entscheidungen fällen soll, wenn der Betroffene selbst nicht mehr dazu in der Lage ist.

Wer kann Betreuer werden?

Grundsätzlich ist jede volljährige und nicht vorbestrafte Person geeignet. Allerdings ist es angesichts der Tragweite der notwendigen Entscheidungen sinnvoll, eine Person zu benennen, die darüber hinaus auch geschäftsfähig ist und ihren Lebensmittelpunkt in Ihrer Nähe hat. Um das Betreuungs­gericht von der Eignung der benannten Person zu überzeugen ist es außerdem von Vorteil, wenn sie keinen Eintrag im Schuldenregister, dafür aber solide deutsche Sprachkenntnisse vorweisen kann – schließlich gilt es, den Schutzbedürftigen wenigstens vorübergehend, möglicherweise aber dauerhaft in wesentlichen Bereichen auch gegenüber Ämtern und Behörden zu vertreten.

Gut zu wissen: In Ihrer Betreuungs­verfügung können Sie nicht nur festhalten, wen Sie sich als Betreuer wünschen, sondern auch wen das Gericht auf keinen Fall bestellen soll. Dieser Wunsch ist für das Gericht bindend – auch wenn es zu dem Schluss kommt, dass die betreffende Person geeignet wäre, darf es sie nicht zum Betreuer bestellen.

Ist die Betreuungs­verfügung an eine bestimmte Form gebunden?

Prinzipiell unterliegt die Betreuungs­verfügung keinen Formvorschriften, ein formloses Schreiben mit dem Vermerk, dass es sich um eine Betreuungs­verfügung handelt, reicht aus. Eine Beglaubigung ist nicht notwendig. Maßgeblich hingegen sind Ort, Datum und Ihre Unterschrift. Allerdings sollten Sie inhaltlich klar benennen, was Sie sich wünschen ­– und das möglichst eindeutig. Sie können unsere Vorlage nutzen, um sich einen ersten Überblick über die notwendigen inhaltlichen Aspekte zu verschaffen.

Muss der Verfasser voll geschäftsfähig sein?

Im Gegensatz zu einer Vollmacht kann eine Betreuungs­verfügung auch dann noch rechtsgültig verfasst werden, wenn ihr Verfasser nur noch eingeschränkt geschäftsfähig ist. Um aber Kontroversen über die Gültigkeit eines Vorsorge­dokuments zu vermeiden ist es dringend angeraten, sie bereits dann aufzusetzen, wenn noch keine Einschränkung der Geschäfts­fähigkeit vorliegt.

Wo sollte ich meine Betreuungs­verfügung hinterlegen?

Damit eine Betreuungs­verfügung auch genutzt werden kann, ist es notwendig, sie so zu hinterlegen, dass Angehörige, Gerichte und ggf. behandelnde Ärzte so schnell wie möglich Kenntnis von ihrem Bestehen erhalten. Eine Betreuungs­verfügung sollte darum immer gut auffindbar hinterlegt sein, außerdem sollte wenigstens eine weitere Person von ihrer Existenz und ihrem Aufbewahrungsort wissen. Noch besser ist es, die eigene Verfügung beim Zentralen Vorsorge­register der Bundes­notarkammer einzutragen oder sie sogar beim örtlichen Amtsgericht in der zuständigen Abteilung für Betreuungsangelegenheiten zu hinterlegen.

Das ist der Unterschied
Patienten­verfügung, Betreuungs­verfügung und Vorsorge­vollmacht

Sie möchten gerne wissen, was der Unterschied zwischen den wichtigsten Vorsorge­dokumenten ist? In unserem Beitrag Patienten-, Betreuungs­verfügung & Vorsorge-vollmacht: Der Unterschied erfahren Sie ganz genau, wie diese Dokumente im Ernstfall helfen.

Betreuungs­verfügung als zusätzliche Absicherung

Sie können Betreuungs­verfügung und Vorsorge­vollmacht auch parallel aufsetzen. Die Betreuungs­verfügung dient dann als zusätzliche Absicherung um sicherzustellen, dass auch dann eine Vertretung gewährleistet ist, die Ihren Wünschen entspricht, wenn der Bevollmächtigte aus der Vorsorge­vollmacht verhindert ist.
Auch in anderen Ausnahmefällen greift die Betreuungs­verfügung, etwa wenn der Verdacht besteht, dass ein Bevollmächtigter gegen Ihre Interessen handelt. In einem solchen Fall kann das Gericht auf Antrag den Bevollmächtigten von seinen Pflichten entbinden.

Hand steckt einen Stapel Briefe in einen Briefkasten
Wertvoll im Alltag: Ein eingesetzter Betreuer regelt eine Vielzahl alltäglicher Angelegenheiten - bis hin zur Korrespondenz mit Versicherungen, öffentlichen Stellen und Arbeitgebern.

Vorteile und Nachteile: Die wichtigsten Aspekte auf einen Blick

Pro

Contra

In einer Betreuungs­verfügung können Sie alle Wünsche und Vorstellungen zu rechtlichen und medizinischen Fragestellungen festhalten. Außerdem können Sie eine Vertrauensperson als bevorzugten Betreuer benennen.

Während eine Vorsorge­vollmacht unmittelbar gilt, kann bis zur Bestellung eines geeigneten Betreuers Zeit vergehen, in der wichtige Entscheidungen getroffen werden müssen.

Das Betreuungs­gericht ist verpflichtet, die Wünsche des Verfassers zu berücksichtigen. Auch ein eingesetzter Betreuer ist an den Inhalt der Verfügung gebunden.

Das Betreuungs­gericht muss dem Wunsch nach Einsetzung einer Vertrauensperson nicht nachkommen, die Verfügung hat nur empfehlenden Charakter. Falls das Gericht eine andere Person bestellt, muss sie versuchen, den Wünschen des Verfassers gerecht zu werden.

Es ist nicht notwendig, voll geschäftsfähig zu sein, um eine gültige Betreuungs­verfügung aufzusetzen.

Gerade wenn die Betreuungs­verfügung von einer nicht voll geschäftsfähigen Person aufgesetzt wurde, kann es passieren, dass Angehörige gegen ihren Inhalt Klage erheben. Besser ist es, eine entsprechende Verfügung bereits dann aufzusetzen, wenn kein Zweifel an der Geschäfts­fähigkeit besteht.

Jeder gerichtliche Betreuer wird vom zuständigen Betreuungs­gericht kontrolliert - hat es Zweifel an der Ausübung der Betreuertätigkeit, kann es einen Betreuer jederzeit ablösen.

Auch als Betreuer eingesetzte Angehörige oder Vertrauens­personen unterliegen der Kontrolle des Gerichts und müssen sich einzelne Rechtsgeschäfte im Zweifelsfall bewilligen lassen.

Warum ist eine persönlich erstellte Betreuungs­verfügung besser als ein Muster oder Vordruck?

Unser Muster der Betreuungs­verfügung dient dazu, einen Überblick zu vermitteln, welche Aspekte für eine wirksame Vorsorge entscheidend sind. Die Gewissheit, eine rechtliche Betreuung zur Seite gestellt zu bekommen, die mit den eigenen Wünschen und Gewohnheiten vertraut ist, kann entscheidend dazu beitragen, ein für alle Beteiligten einfacheres Umfeld zu schaffen. Doch wie bei den meisten wichtigen Entscheidungen im Leben kann eine starre Vorlage nur einen ersten Eindruck von den Entscheidungsmöglichkeiten für den Ernstfall vermitteln. Auch Formulare zum Ankreuzen sind für lebensentscheidende Situationen nicht geeignet. Darum sollten Sie noch heute persönlich Ihre rechtsgültige Betreuungs­verfügung erstellen.

Häufig gestellte Fragen

Wie schreibe ich eine Betreuungs­verfügung?

Da die Betreuungs­verfügung in der Form keinen Vorschriften unterliegt, können Sie sie frei formulieren. Ein formloses Schreiben, in dem Sie vermerken, dass es sich um ihre Betreuungs­verfügung handelt, reicht vollkommen aus. Inhaltlich sollte deutlich werden, wen Sie sich als Betreuer wünschen und falls nötig, von wem Sie auf keinen Fall betreut werden möchten. Essenziell für die Gültigkeit der Betreuungs­verfügung sind Ihr Name, Ihre Adresse und Ihre Unterschrift.

Wie bekomme ich kostenlos eine Patienten­verfügung?

Eine Patienten­verfügung können Sie kostenlos und rechtssicher bei Afilio erstellen. Die Plattform bietet Ihnen zusätzlich die Möglichkeit, die Patienten­verfügung digital und für Ihre Angehörigen auffindbar zu hinterlegen und sie im Zentralen Vorsorge­register der Bundes­notarkammer zu registrieren.

Quellen

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