Betreuungs­verfügung: Vorlage und wichtige Fragen

author icon
von Afilio
date icon
10.09.2019 (aktualisiert: 05.07.2021)
Betreuungsverfügung: Vorlage und wichtige Fragen Betreuungsverfügung: Vorlage und wichtige Fragen
Das Wichtigste in Kürze:
  • Benennen Sie mit der Betreuungs­verfügung einen gewünschten gerichtlichen Betreuer für den Ernstfall z.B. nach einem Unfall. Halten Sie fest, wer Ihre Interessen wahren soll.
  • Erfahren Sie, wie eine Betreuungs­verfügung strukturiert ist und welche Angaben benötigt werden. Jetzt PDF herunterladen und umfassend informieren.
  • Unsere Vorlage ersetzt keine individuelle Betreuungs­verfügung. Besser: Sie regeln Ihre Vorsorge nach Ihren persönlichen Vorstellungen - mit Afilio.
Beispielvorlage

Hinweis: Es handelt sich lediglich um eine Beispielvorlage zur Anschauung. Erstellen Sie danach einfach Ihre persönliche Betreuungs­verfügung bei Afilio – einfach, rechtssicher und jederzeit anpassbar.

Vorlage herunterladen
Dokument Symbolbild

Was ist eine Betreuungs­verfügung?

Die Betreuungs­verfügung wird für den Fall aufgesetzt, dass ihr Verfasser zeitweise oder permanent nicht in der Lage ist, eigenverantwortliche Entscheidungen zu fällen oder seinen Willen selbst auszudrücken.

Hat der Betroffene keinen Bevollmächtigten (etwa im Rahmen einer Vorsorge­vollmacht) benannt, muss vom zuständigen Betreuungs­gericht ein rechtlicher Betreuer bestellt werden, der die wichtigsten Entscheidungen des Betroffenen in seinem Sinne übernehmen soll - etwa bei einem medizinischen Notfall. Eine Betreuungs­verfügung (genauso wie die Vorsorge­vollmacht) ist sinnvoll, um sicherzustellen, dass kein Fremder, sondern eine Vertrauensperson die eigenen Interessen wahrt. Denn anders als landläufig vermutet sind auch Eheleute füreinander nicht automatisch vertretungsberechtigt!

Liegt eine Betreuungs­verfügung vor, wird sich das Gericht bemühen, die darin niedergelegten Wünsche und Vorstellungen zu berücksichtigen. Die Betreuungs­verfügung ist also eine Regelung für den Fall, dass eine rechtliche Betreuung in einer akuten Situation notwendig ist. Mit unserem Muster vermitteln wir einen Eindruck davon, wie eine Betreuungs­verfügung beispielhaft verfasst werden kann. Unsere Vorlage ersetzt nicht die Notwendigkeit, eine eigene gültige Betreuungs­verfügung aufzusetzen.

Warum brauche ich eine Betreuungs­verfügung?

Praktisch jeder kann in eine Situation geraten, in der er nicht länger in der Lage ist, eigenverantwortliche Entscheidungen zu treffen, etwa nach einem schwerwiegenden Unfall oder z. B. einer plötzlichen Erkrankung wie Schlaganfall oder Herzinfarkt oder bei andauernder Pflege. In einem solchen Fall wird das zuständige Amtsgericht einen Betreuer bestellen, der die wichtigsten Entscheidungen z. B. über die Unterbringung in einem Pflege­heim oder zu medizinischen Behandlungen für den Betroffenen fällt. Die Betreuungs­verfügung hält fest, welche Vertrauensperson ein Betroffener als Betreuer bevorzugen würde. Eine Betreuungs­verfügung benötigen Sie allerdings nur dann, wenn Sie keine Vorsorge­vollmacht aufgesetzt und hinterlegt haben. Auch ist es neben einer Vorsorge­vollmacht ratsam eine Bank­vollmacht zu erteilen, damit Angehörige Im Fall einer Pflege­bedürftigkeit oder des Todes Zugriff auf das Konto haben. Nach § 1896 BGB greift die Betreuungs­verfügung auch nur und erst dann, wenn der Ernstfall eingetreten ist.

Welche Kosten entstehen bei einer Betreuungs­verfügung?

Da eine Betreuungs­verfügung prinzipiell nicht an eine Form gebunden ist und keiner Beglaubigung bedarf, kann sie grundsätzlich kostenfrei privat verfasst werden. Ebenso kostenlos ist auch bei Afilio das erste Vorsorge­dokument. Wer sicherstellen will, eine Betreuungs­verfügung nutzen zu können, die allen inhaltlichen Voraussetzungen entspricht, kann seine erste Vorsorge­maßnahme professionell erstellen - gratis oder für einen freiwilligen Beitrag. Auch bei Fragen zum Erstellungsvorgang und zur Nutzung unseres Angebots steht unser Support unseren Nutzern kostenlos zur Seite. Wer darüber hinaus seine Vorsorge umfassend regeln will, kann bei Afilio auch eine Patienten­verfügung und / oder eine Vorsorge­vollmacht aufsetzen.

Welche Aufgaben hat ein gesetzlicher Betreuer?

Ein gesetzlicher Betreuer hat die Aufgabe, die von ihm betreute Person in vielfältigen Angelegenheiten zu vertreten. Unabhängig von den Wünschen des Betroffenen selbst kann das Betreuungs­gericht die von ihm als notwendig erachteten Verantwortungsbereiche auch selbst festlegen, wenn es zu der Ansicht kommt, dass ein Betreuer nicht für alle Entscheidungsbefugnisse geeignet ist. Grundsätzlich betrifft der Handlungsrahmen des gesetzlichen Betreuers:

  • Gesundheits­fürsorge
  • Aufenthaltsbestimmung
  • Wohnungsangelegenheiten
  • Vertretung im Verkehr mit Versicherungen, öffentlichen Stellen und Trägern von Sozialleistungen
  • Vermögensangelegenheiten.

Dabei wird der Betroffene selbst nicht entmündigt - der gesetzliche Betreuer hat seine Aufgaben so wahrzunehmen, dass sie den Interessen des Pflege­bedürftigen entsprechen. Auch Beschränkungen des Handlungsspielraums lassen sich in einer Betreuungs­verfügung festhalten, genauso wie Präferenzen über den eigenen Aufenthalt im Ernstfall. Wer also nicht von seinem Betreuer in einem Pflege­heim untergebracht werden möchte, kann das in seiner Betreuungs­verfügung festhalten. Insbesondere in allen Vermögensangelegenheiten hat der gesetzliche Betreuer die Interessen des Betroffenen zu wahren, dazu wird er auch vom Betreuungs­gericht kontrolliert.

Krankenwagen fährt mit Blaulicht auf Straße
Je unerwarteter der Ernstfall, desto wichtiger die Vorsorge: Die Betreuungs­verfügung hält fest, wer die wichtigsten Entscheidungen fällen soll, wenn der Betroffene selbst nicht mehr dazu in der Lage ist.

Wer kann Betreuer werden?

Grundsätzlich ist jede volljährige und nicht vorbestrafte Person geeignet, um als Betreuer vorgeschlagen zu werden. Allerdings ist es angesichts der Tragweite der notwendigen Entscheidungen sinnvoll, eine Person zu benennen, die darüber hinaus auch geschäftsfähig ist und ihren Lebensmittelpunkt in der Nähe des Betroffenen hat. Um das Betreuungs­gericht von der Eignung der benannten Person zu überzeugen ist es außerdem von Vorteil, wenn sie keinen Eintrag im Schuldenregister, dafür aber solide deutsche Sprachkenntnisse vorweisen kann – schließlich gilt es, den Schutzbedürftigen wenigstens vorübergehend, möglicherweise aber dauerhaft in wesentlichen Bereichen zu vertreten.

Ist die Betreuungs­verfügung an eine bestimmte Form gebunden?

Prinzipiell unterliegt die Betreuungs­verfügung keinen Formvorschriften, ein formloses Schreiben mit dem Vermerk, dass es sich um eine Betreuungs­verfügung handelt, genügt prinzipiell. Eine Beglaubigung ist nicht notwendig. Maßgeblich hingegen sind Ort, Datum und Unterschrift des Verfassers. Allerdings gilt es inhaltlich stichhaltige und eindeutige Hinweise zu den eigenen Vorstellungen festzuhalten. Sie können unsere Vorlage nutzen, um sich einen ersten Überblick über die notwendigen inhaltlichen Aspekte zu verschaffen. Nutzer von Afilio können darüber hinaus unsere Beratung zur Vorsorge in Anspruch nehmen.

Muss der Verfasser voll geschäftsfähig sein?

Im Gegensatz zu einer Vollmacht kann eine Betreuungs­verfügung auch dann noch rechtsgültig verfasst werden, wenn ihr Verfasser nur noch eingeschränkt geschäftsfähig ist. Um aber Kontroversen über die Gültigkeit eines Vorsorge­dokuments zu vermeiden ist es dringend angeraten, sie bereits dann aufzusetzen, wenn noch keine Einschränkung der Geschäfts­fähigkeit vorliegt.

Wo sollte ich meine Betreuungs­verfügung hinterlegen?

Damit eine Betreuungs­verfügung auch genutzt werden kann, ist es notwendig, sie so zu hinterlegen, dass Angehörige, Gerichte und ggf. behandelnde Ärzte so schnell wie möglich Kenntnis von ihrem Bestehen erhalten. Eine Betreuungs­verfügung sollte darum immer gut auffindbar hinterlegt sein, außerdem sollte wenigstens eine weitere Person von ihrer Existenz und ihrem Aufbewahrungsort wissen. Noch besser ist es, die eigene Verfügung beim Zentralen Vorsorge­register der Bundesnotarkammer einzutragen oder sie sogar beim örtlichen Amtsgericht in der zuständigen Abteilung für Betreuungsangelegenheiten zu hinterlegen.

Was unterscheidet Betreuungs­verfügung und Vorsorge­vollmacht?

Die Betreuungs­verfügung ist sinnvoll für alle, die keine Vertrauensperson haben, der sie umfassende Vollmacht über ihre Angelegenheiten ausstellen möchten. Ein eingesetzter Betreuer unterliegt dann der Kontrolle des Betreuungs­gerichts. Alle wichtigen Entscheidungen müssen vom Gericht bewilligt werden. Die Vorsorge­vollmacht hingegen setzt eine Vertrauensperson ins Recht, auch schwerste Entscheidungen selbständig zu fällen, das setzt zwar weitgehendes Vertrauen voraus, stellt aber auch sicher, dass eine bevollmächtigte Person in der Lage ist, auch wichtige Entscheidungen zügig zu treffen. Sowohl Betreuungs­verfügung als auch Vorsorge­vollmacht können ohne Notar aufgesetzt werden, nur wenn ein Bevollmächtigter auch in Immobilienangelegenheiten des Vollmachtgebers entscheiden soll, ist eine notariell beglaubigte Vollmacht erforderlich.

Betreuungs­verfügung als zusätzliche Absicherung

Betreuungs­verfügung und Vorsorge­vollmacht können auch parallel aufgesetzt werden. Die Betreuungs­verfügung dient dann als zusätzliche Absicherung um sicherzustellen, dass auch dann eine Vertretung gewährleistet ist, die den Wünschen des Betroffenen entspricht, wenn der Bevollmächtigte aus der Vorsorge­vollmacht verhindert ist.
Auch in anderen Ausnahmefällen greift die Betreuungs­verfügung, etwa wenn der Verdacht besteht, dass ein Bevollmächtigter entgegen den Interessen des Vollmachtgebers handelt. In einem solchen Fall kann das Gericht auf Antrag den Bevollmächtigten von seinen Pflichten entbinden.

  • Die Betreuungs­verfügung hat im Hinblick auf Wahl des Betreuers nur empfehlenden Charakter. Das Gericht entscheidet, ob ein vom Patienten gewünschter Betreuer angenommen (bestellt) wird. Lehnt das Gericht die in der Betreuungs­verfügung benannte Person wegen möglicher Interessenkonflikte ab, ist der festgehaltene Betreuungswunsch hinfällig.
  • Ein Betreuer ist allein durch seine Nennung noch nicht zu Entscheidungen berechtigt, während ein Bevollmächtigter unmittelbar nach Inkrafttreten der Vorsorge­vollmacht eigenverantwortliche Entscheidungen im Sinne des Vollmachtgebers fällen darf.
  • Der Bevollmächtigte ist unabhängig, der Betreuer wird vom Gericht kontrolliert. Das Gericht fordert nicht nur Rechenschaft für Entscheidungen, sondern nimmt auch vor der Einsetzung Einblick in seine Vermögensverhältnisse. Alle wichtigen Entscheidungen des Betreuers müssen ebenfalls vom Gericht genehmigt werden. Kommt das Gericht zu dem Schluss, dass der Betreuer nicht für seine Aufgabe geeignet ist, kann es ihn jederzeit absetzen.
  • Wer eine Betreuung durch eine fremde Person kategorisch umgehen möchten, sollte eine Vorsorge­vollmacht erstellen und sie im Zentralen Vorsorge­register der Bundesnotarkammer registrieren.
Hand steckt einen Stapel Briefe in einen Briefkasten
Wertvoll im Alltag: Ein eingesetzter Betreuer regelt eine Vielzahl alltäglicher Angelegenheiten - bis hin zur Korrespondenz mit Versicherungen, öffentlichen Stellen und Arbeitgebern.

Vorteile und Nachteile: Die wichtigsten Aspekte auf einen Blick

Pro

Contra

In einer Betreuungs­verfügung können alle Wünsche und Vorstellungen des Verfassers zu rechtlichen und medizinischen Fragestellungen festgehalten werden. Außerdem kann eine Vertrauensperson als bevorzugter Betreuer benannt werden.

Während eine Vorsorge­vollmacht unmittelbar gilt, kann bis zur Bestellung eines geeigneten Betreuers Zeit vergehen, in der wichtige Entscheidungen getroffen werden müssen.

Das Betreuungs­gericht ist verpflichtet, die Wünsche des Verfassers zu berücksichtigen. Auch ein eingesetzter Betreuer ist an den Inhalt der Verfügung gebunden.

Das Betreuungs­gericht muss dem Wunsch nach Einsetzung einer Vertrauensperson nicht nachkommen, die Verfügung hat nur empfehlenden Charakter. Falls das Gericht eine andere Person bestellt, muss sie versuchen, den Wünschen des Verfassers gerecht zu werden.

Es ist nicht notwendig, voll geschäftsfähig zu sein, um eine gültige Betreuungs­verfügung aufzusetzen.

Gerade wenn die Betreuungs­verfügung von einer nicht voll geschäftsfähigen Person aufgesetzt wurde, kann es passieren, dass Angehörige gegen ihren Inhalt Klage erheben. Besser ist es, eine entsprechende Verfügung bereits dann aufzusetzen, wenn kein Zweifel an der Geschäfts­fähigkeit ihres Verfasser besteht.

Jeder gerichtliche Betreuer wird vom zuständigen Betreuungs­gericht kontrolliert - hat es Zweifel an der Ausübung der Betreuertätigkeit, kann es einen Betreuer jederzeit ablösen.

Auch als Betreuer eingesetzte Angehörige oder Vertrauens­personen unterliegen der Kontrolle des Gerichts und müssen sich einzelne Rechtsgeschäfte im Zweifelsfall bewilligen lassen.

Warum ist eine persönlich erstellte Betreuungs­verfügung besser als ein Muster oder Vordruck?

Unser Muster einer Betreuungs­verfügung dient dazu, einen Überblick zu vermitteln, welche Aspekte für eine wirksame Vorsorge entscheidend sind. Die Gewissheit, eine rechtliche Betreuung zur Seite gestellt zu bekommen, die mit den eigenen Wünschen und Gewohnheiten vertraut ist, kann entscheidend dazu beitragen, ein für alle Beteiligten einfacheres Umfeld zu schaffen. Doch wie bei den meisten wichtigen Entscheidungen im Leben kann eine starre Vorlage nur einen ersten Eindruck von den Entscheidungsmöglichkeiten für den Ernstfall vermitteln. Auch Formulare zum Ankreuzen sind für lebensentscheidende Situationen nicht geeignet. Darum sollten Sie noch heute persönlich Ihre rechtsgültige Betreuungs­verfügung erstellen – mit Afilio, Ihrer Gesellschaft für Vorsorge!

Häufig gestellte Fragen

Wie schreibe ich eine Betreuungs­verfügung?

Da die Betreuungs­verfügung in der Form keinen Vorschriften unterliegt, können Sie sie frei formulieren. Ein formloses Schreiben, in dem vermerkt wird, dass es sich um ihre Betreuungs­verfügung handelt, reicht also vollkommen aus. Inhaltlich sollte deutlich werden, wen Sie sich als Betreuer wünschen und falls nötig, von wem Sie auf keinen Fall betreut werden möchten. Essenziell für die Gültigkeit der Betreuungs­verfügung sind Ihr Name, Ihre Adresse und Ihre Unterschrift.

Wie bekomme ich kostenlos eine Patienten­verfügung?

Eine Patienten­verfügung können Sie kostenlos und rechtssicher bei Afilio erstellen. Die Plattform bietet Ihnen zusätzlich die Möglichkeit, die Patienten­verfügung digital und für Ihre Angehörigen auffindbar zu hinterlegen und sie im Zentralen Vorsorge­register der Bundesnotarkammer zu registrieren.

Quellen

Weitere Artikel, die Sie interessieren könnten

Teilen Sie den Artikel