Vorsorge­vollmacht – Alles Wichtige erklärt von Afilio

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von Franziska Saß
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15.10.2020 (aktualisiert: 05.11.2020)
Vorsorgevollmacht – Alles Wichtige erklärt von Afilio
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Was ist eine Vorsorge­vollmacht?

Mit einer Vorsorge­vollmacht erteilen Sie einer oder mehreren Personen die Erlaubnis, für Sie Entscheidungen zu treffen und Sie in geschäftlichen und persönlichen Belangen zu vertreten, wenn Sie selbst nicht mehr in der Lage dazu sind. Viele glauben, dass ihre Angehörigen sie im Ernstfall automatisch vertreten können, was aber nicht der Fall ist. Nur wenn minderjährige Kinder nicht mehr einwilligungsfähig sind, dürfen die Eltern sie auch ohne Vollmacht vertreten. Bei volljährigen Personen darf eine andere Person nur dann die Vertretung übernehmen, wenn sie eine Vorsorge­vollmacht oder eine General­vollmacht hat oder vom Betreuungs­gericht zum gesetzlichen Betreuer bestellt wurde.

Sie möchten wissen, inwiefern sich Vorsorge- und General­vollmacht unterscheiden? In unserem Beitrag Vorsorge­vollmacht und General­vollmacht: Der Unterschied erklären wir Ihnen alles zum Thema.

Welche Rechte und Pflichten hat ein Bevollmächtigter?

Grundsätzlich können Sie selbst bestimmen, welche Rechte die von Ihnen bevollmächtigte Person hat. Legen Sie in der Vorsorge­vollmacht dazu genau fest, wozu diese eingesetzt werden darf. Dabei haben Sie die freie Wahl: Sie können einer Person nur einen Teil der zu erledigenden Aufgaben übertragen oder ihr eine uneingeschränkte Vollmacht erteilen. Es ist ebenso möglich, für verschiedene Gebiete verschiedene Bevollmächtigte zu benennen.

Aufgaben, die der Inhaber einer Vorsorge­vollmacht übernehmen kann:

  • Vermögensangelegenheiten: Verwaltung des Vermögens, Begleichung von Verbindlichkeiten, Abschluss und Kündigung von Verträgen, Post- und Fernmeldeverkehr, ggf. Beantragung und Entgegennahme von Sozialleistungen, außergerichtliche und gerichtliche Vertretung Ihrer Person gegenüber Dritten, wie z. B. Banken, Behörden, Versicherungen, Gerichten, Vertretung in erbrechtlichen Angelegenheiten sowie die Veräußerung oder der Kauf von Immobilien (nur mit notarieller Beurkundung möglich).
  • Persönliche Angelegenheiten: Personenfürsorge, Gesundheits­fürsorge, Aufenthaltsbestimmung, wenn es beispielsweise darum geht, dass Sie in einem Pflege­heim oder einer anderen Einrichtung untergebracht werden müssen.

Es gibt auch Aufgaben, die niemand stellvertretend für Sie übernehmen kann. Dazu gehören zum Beispiel Eheschließung und -scheidung, die Wahrnehmung Ihres Wahlrechts, sowie die Errichtung eines Testaments, die Anerkennung oder Anfechtung von Vaterschaft oder die Schließung von Eheverträgen.

Gut zu wissen
Bevollmächtigte können nicht immer frei handeln

Zudem kann auch eine uneingeschränkt bevollmächtigte Person nicht immer frei handeln. Sie muss in bestimmten Fällen das Betreuungs­gericht hinzuziehen, um eine Entscheidung treffen zu können. Das ist der Fall, wenn für einen medizinischen Eingriff entschieden werden soll, der lebensgefährlich ist oder langfristige Gesundheits­schäden nach sich ziehen kann. Auch wenn es um Maßnahmen zur Freiheitseinschränkung geht, wie z. B. die Anbringung von Gittern am Kranken­bett oder die Gabe ruhigstellender Medikamente, muss das Betreuungs­gericht konsultiert werden. Eine Ausnahme ist nur möglich, wenn sich Arzt und Bevollmächtigter darüber einig sind, dass die Entscheidung im Sinne des Vollmachtgebers ist.

Bevollmächtigte, die die Vorsorge­vollmacht anerkennen und die darin geschilderten Aufgaben übernehmen, verpflichten sich, im Sinne des Vollmachtgebers zu handeln. Besteht Anlass für Zweifel, können Angehörige rechtlich dagegen vorgehen. Allerdings: Wer eine Vollmacht bekommt, muss diese nicht zwingend annehmen. In unserem Beitrag Vorsorge­vollmacht: Bevollmächtigter will nicht – was tun? erfahren Sie, was Sie in diesem Fall tun können. Lesen Sie hier noch mehr Wissenswertes zu den Rechten und Pflichten von Bevollmächtigten.

Was passiert ohne Vorsorge­vollmacht?

Haben Sie keine Vorsorge­vollmacht, wird im Ernstfall ein Betreuer vom Betreuungs­gericht bestellt, der Ihre Angelegenheiten regelt und über die weitere medizinische Behandlung entscheidet. Bei dieser Person kann es sich um einen nahen Angehörigen, aber auch um einen fremden Berufsbetreuer handeln. Für viele Menschen ist es eine unangenehme Vorstellung, dass eine ihnen unbekannte Person über weitreichende medizinische Eingriffe und ihre privaten sowie finanziellen Angelegenheiten entscheiden soll. Noch dazu müssen Sie die Arbeit des Berufsbetreuers bezahlen. Ist er lange für Sie tätig, kann hier eine größere Summe zusammenkommen. Auch wenn Angehörige die Betreuung übernehmen, ist das meist keine gute Lösung: Ihnen wird die ohnehin schon aufwendige und belastende Betreuung durch einen meist hohen bürokratischen Aufwand erschwert. Besser ist es also, mit einer Vorsorge­vollmacht vorzusorgen: So stellen Sie sicher, dass eine Ihnen vertraute Person für Sie Entscheidungen treffen kann. Wichtig: Informieren Sie Ihren Stellvertreter vorher genau über Ihre Wünsche und Vorstellungen.

Tipp: In unserem Artikel Betreuung und Vorsorge­vollmacht: Die Gesetzesgrundlagen erklären wir Ihnen, wie die Betreuung in Deutschland geregelt ist und wie Sie sie mit einer Vorsorge­vollmacht verhindern können.

Wo bekommt man eine Vorsorge­vollmacht?

Jede volljährige, geschäftsfähige Person kann ihre Vorsorge­vollmacht selbst handschriftlich oder am Computer verfassen. Grundsätzlich bedarf es nur der eigenhändigen Unterschrift des Verfassers, damit die Vollmacht gültig ist. Weitere formale Vorgaben muss sie nicht erfüllen. In der Theorie muss die Vorsorge­vollmacht nicht einmal schriftlich vorliegen, sondern kann auch mündlich erteilt werden. Davon ist allerdings abzuraten, da Bevollmächtigte so im Ernstfall nur schwer beweisen können, dass Sie Ihnen tatsächlich eine Vollmacht erteilt haben. Im besten Fall verfassen Sie zusätzlich Handlungsanweisungen und Zusatzinformationen, die den Bevollmächtigten bei der Erledigung ihrer Aufgaben helfen.

Muster zur Vorsorge­vollmacht

Zugegeben, die Vorsorge für den Ernstfall ist vermutlich nichts, womit Sie sich gerne beschäftigen. Sie muss aber dennoch sein. Da ist es verlockend, sich einfach eine kostenlose Vorlage aus dem Internet herunterzuladen und diese schnell auszufüllen. Davon können wir allerdings nur abraten! Denn Muster und Beispiele, die online frei zur Verfügung gestellt werden, decken immer nur allgemeine Fälle ab und nie Ihre persönlichen Vorstellungen und Wünsche.

Bei Afilio bekommen Sie eine Vorsorge­vollmacht, die genau Ihren Wünschen entspricht. In unserem Muster zeigen wir Ihnen, wie Ihr Dokument aussehen kann.

Unser Muster zu Anschauung

Hinweis: Es handelt sich lediglich um eine Beispielvorlage zur Anschauung. Erstellen Sie im Anschluss Ihr persönliches Dokument mit Afilio.

Vorlage herunterladen
Dokument Symbolbild

Worauf muss ich beim Schreiben einer Vorsorge­vollmacht achten?

Wenn Sie Ihre persönliche Vorsorge­vollmacht schreiben, sollten Sie auf jeden Fall sicherstellen, dass Sie für Dritte verständlich schildern, wer welche Aufgaben rechtsgültig für Sie übernehmen darf. Mit der Vorsorge­vollmacht kann die bevollmächtigte Person Außenstehenden nachweisen, dass sie die beschriebenen geschäftlichen und persönlichen Entscheidungen treffen darf – das Dokument regelt das sogenannte „Außenverhältnis“. Zusätzlich zu der Vorsorge­vollmacht empfiehlt es sich, auch eine Handlungsanweisung für das „Innenverhältnis“ zu erstellen. Dieses Papier, das sie formlos aufsetzen können, z. B. in Form eines Briefs, dient dem Bevollmächtigten als Anleitung, die ihm dabei hilft, in der Erfüllung seiner Aufgaben Ihren Wünschen zu entsprechen. In unserem Experten-Interview erklärt Rechtsanwalt und Notar Dr. Andreas Lohmeyer, warum das Innenverhältnis außerdem vor Vollmachtsmissbrauch schützt.

Folgendes sollte eine Vorsorge­vollmacht inhaltlich abdecken:

  • Handlungsbereiche: Definieren Sie klar, für welche Ihrer Lebensbereiche ein Bevollmächtigter Entscheidungen treffen darf. Soll er über Ihre Gesundheit entscheiden können und dazu auch alle geschäftlichen oder wirtschaftlichen Dinge erledigen? Oder soll er nur einen beschränkten Handlungsrahmen haben?
  • Unter­vollmacht: Darf der Bevollmächtigte Unter­vollmachten an andere erteilen, wenn er selbst Aufgaben nicht erledigen oder Termine nicht wahrnehmen kann? Unter­vollmachten können nur für wirtschaftliche Aufgaben erteilt werden, nicht aber für persönliche Entscheidungen, wie z. B. zur medizinischen Behandlung.
  • Schenkungen: Ist es Ihrem Bevollmächtigten erlaubt, Schenkungen an sich und Dritte vorzunehmen? Hat Ihr Bevollmächtigter Zugriff auf Ihr Konto, kann er somit auch Geld für sich und andere Personen abheben.
  • Verhältnis der Bevollmächtigten: Bei einer Vorsorge­vollmacht für mehrere Personen sollten Sie klar definieren, ob eine Person allein entscheiden darf (Einzelvertretungsmacht) oder nur alle Bevollmächtigten gemeinsam Entscheidungen treffen können (Gesamtvertretungsmacht).
  • Ersatzbevollmächtigte: Eine Vorsorge­vollmacht ist für Ihren Bevollmächtigten nicht verpflichtend. Wenn er die Pflichten nicht übernehmen möchte, muss er das nicht. Aus diesem Grund ist es sinnvoll, einen Ersatzbevollmächtigten anzugeben. Er kann auch einspringen, wenn die eigentlich bevollmächtigte Person verhindert ist.
  • Kontrollpersonen: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Wer sich nicht sicher ist, dass er seinen Bevollmächtigten uneingeschränkt vertrauen kann, kann auch eine Kontrollperson einsetzen. Diese kann z. B. regelmäßig Kontoauszüge oder andere Dokumente anfordern, um die Tätigkeit des Bevollmächtigten zu überprüfen. Bei der Kontrollperson handelt es sich in der Regel um einen Anwalt.

Achten Sie darauf, dass Ihre Vorsorge­vollmacht Ihre eigenhändige Unterschrift, das Datum und den Ort enthält. Im besten Fall unterschreibt auch der Bevollmächtigte, um zu bestätigen, dass er die Verantwortung übernehmen möchte.

Vorsicht: Im Netz finden Sie zahlreiche Vorlagen und Vordrucke, die Sie sich schnell herunterladen können. Meist ist das jedoch keine gute Wahl: Denn die vorgefertigten Papiere decken oft nur sehr allgemeine Regelungen ab und eignen sich daher nicht für die persönliche Vorsorge. Nehmen Sie sich lieber Zeit und denken Sie genau darüber nach, wer welche Aufgaben übernehmen soll, wenn Sie plötzlich entscheidungs- und geschäftsunfähig werden. Passende Dokumente mit Ausfüllhilfe finden Sie zum Beispiel bei Afilio.

Junge Frau hilft älterem Herren beim Erstellen einer Vorsorgevollmacht
Wenn Sie eine Vorsorge­vollmacht erstellen, sollten im besten Fall nicht nur Sie selbst, sondern auch die bevollmächtigte Person unterschreiben. So stimmt Ihre Vertrauensperson zu, dass sie bereit ist, die Verantwortung zu übernehmen.
Beispiel
Außen- und Innenverhältnis

Frau Müller erteilt ihrem Sohn eine Vorsorge­vollmacht. Er bekommt mit der Vollmacht das Recht, über den Aufenthaltsort von Frau Müller zu entscheiden. Für Dritte ist erkennbar geregelt, dass der Sohn darüber entscheiden darf, wo seine Mutter lebt. Es handelt sich um das Außenverhältnis. Durch eine schwere Demenz muss Frau Müller nun in einem Heim untergebracht werden. Aus einem Brief, den sie ihrem Sohn gemeinsam mit der Vorsorge­vollmacht übergeben hat, geht hervor, dass sie sich bereits ein Heim ausgesucht hatte, in dem ihr Sohn sie, wenn nötig, unterbringen soll. Der Brief ist eine klare Handlungsanweisung für den Sohn und regelt das sogenannte Innenverhältnis. Hinweis: Es kann vorkommen, dass Betreuungs­gerichte eine Vorsorge­vollmacht ohne eine Regelung zum Innenverhältnis für unvollständig erklären und einen Kontrollbetreuer für die bevollmächtigte Person einsetzen.

Vorsorge­vollmacht: Wann muss ich zum Notar?

Gültig ist die Vorsorge­vollmacht auch ohne Notar. Mit dem von Ihnen unterschriebenen Dokument im Original können Ihre Bevollmächtigten die meisten Belange auch ohne Beurkundung oder Beglaubigung regeln, z. B. die Umsetzung Ihrer Patienten­verfügung.

Wenn Ihre Vertrauens­personen allerdings auch über Ihre Eigentumswohnung oder Ihr Haus entscheiden sollen, benötigen sie dafür laut § 29 Grundbuchordnung eine „öffentlich beglaubigte Urkunde“. Als solche gilt die Vorsorge­vollmacht, wenn sie notariell beurkundet oder die Unterschrift des Verfassers öffentlich beglaubigt ist.

Für die Beglaubigung Ihrer Unterschrift müssen Sie nicht zwingend zum Notar: Auch Ihre örtliche Betreuungsbehörde kann die Echtheit Ihrer Unterschrift auf der Vorsorge­vollmacht bestätigen. Das ist seit 2009 in § 6 Abs. 2 Betreuungsbehördengesetz (BtBG) geregelt; allerdings kommt es noch immer vor, dass entsprechende Stellen diesen Service nicht anbieten. Auch gab es bereits Fälle, in denen die öffentliche Beglaubigung durch eine Betreuungsbehörde vor Gericht angezweifelt wurde. Mit der Beglaubigung Ihrer Vorsorge­vollmacht durch einen Notar sind Sie also besser abgesichert.

Noch umfassender ist die notarielle Beurkundung: Diese beinhaltet normalerweise auch das Erstellen des Dokuments und ist somit teurer als die Beglaubigung. Bei dem Termin klärt der Notar Sie über den Sachverhalt und die rechtliche Tragweite des Geschäfts auf. Er übersetzt Ihren Willen in rechtssichere Formulierungen und liest Ihnen die Vorsorge­vollmacht vollständig vor. Anschließend unterschreiben Sie das Dokument, der Notar bestätigt mit seiner Unterschrift Ihre Geschäfts­fähigkeit. Das kann von Vorteil sein, um im Ernstfall etwaige Zweifel an der Gültigkeit Ihrer Vorsorge­vollmacht von vornherein auszuräumen.

Falls Sie Unternehmer oder Unternehmerin sind und Ihre Bevollmächtigten im Ernstfall über die Firma verfügen sollen, ist eine Beglaubigung bzw. Beurkundung Ihrer Vorsorge­vollmacht ebenfalls in vielen Fällen notwendig.

Wie viel Sie für die notarielle Beurkundung der Vorsorge­vollmacht bezahlen müssen, wird abhängig von Ihrem Vermögen berechnet, wobei maximal die Hälfte als Geschäftswert angesetzt werden darf. Bei einem Vermögen von 100.000 Euro kostet die Vorsorge­vollmacht im Normalfall 165 Euro, bei 250.000 Euro werden 300 Euro fällig. Die Mindestgebühr für eine Beurkundung beträgt 60 Euro. Eine Auslagenpauschale und die Mehrwertsteuer kommen jeweils hinzu. Es ist unwichtig, zu welchem Notar Sie gehen, denn die Kosten sind im Gerichts- und Notarkostengesetz (GNotKG) für alle gleich geregelt. Die Beglaubigung der Unterschrift kostet beim Notar 10 Euro pro Dokument bzw. 1 Euro pro Seite plus Mehrwertsteuer.

Sie wollen noch mehr dazu erfahren, was Sie eine Vorsorge­vollmacht kostet? In unserem Beitrag Vorsorge­vollmacht Kosten: Was Sie beim Notar bezahlen erklären wir Ihnen alles, was Sie wissen müssen.

Achtung
Vorsicht bei Bankgeschäften

Wenn Ihre Bevollmächtigten auch Bankgeschäfte für Sie erledigen sollen, ist selbst eine beglaubigte oder beurkundete Vorsorge­vollmacht oft nicht ausreichend, denn jede Bank hat eigene Bestimmungen zur Vollmacht. Erkundigen Sie sich bei Ihrem Geldinstitut nach den Regelungen und sorgen Sie ggf. mit einer speziellen Bank­vollmacht dafür, dass Ihre Vertrauens­personen im Ernstfall z. B. Überweisungen für Sie tätigen können.

Wann und wie lange ist eine Vorsorge­vollmacht gültig?

Ab wann Ihre Vorsorge­vollmacht gilt, entscheiden Sie selbst. Sie können in das Dokument hineinschreiben, dass es erst im Fall Ihrer Geschäftsunfähigkeit gelten soll, also wenn Sie die Tragweite von Rechtsgeschäften nicht mehr einschätzen und deshalb z. B. keine Verträge mehr abschließen können. Das kommt etwa bei Demenz oder psychischen Erkrankungen vor. Damit tun Sie sich und Ihren Bevollmächtigten aber meist keinen Gefallen. Denn dann müssen Ihre Vertreter im Ernstfall zunächst einmal beweisen, dass Sie laut § 104 des Bürgerlichen Gesetzbuches geschäftsunfähig sind, bevor sie mit der Vollmacht handeln können. Bis ein Arzt die Geschäftsunfähigkeit festgestellt hat, vergeht kostbare Zeit, in der Ihre Vertrauens­personen z. B. keine Überweisungen in Ihrem Namen tätigen können.

Besser ist es in der Regel, die Gültigkeit der Vorsorge­vollmacht zumindest im Außenverhältnis nicht an die Bedingung der Geschäftsunfähigkeit zu knüpfen. Im Innenverhältnis ist dies aber durchaus sinnvoll. Das bedeutet: Sie verständigen sich mit Ihren Bevollmächtigten darauf, dass die Vollmacht erst zum Einsatz kommen soll, wenn Sie nicht mehr handlungs- bzw. geschäftsfähig sind. Die Vollmacht selbst gestalten Sie aber so, dass Ihre Vertreter sofort handeln können, ohne z. B. Vertragspartnern oder Behörden entsprechende Nachweise zu erbringen. Das ist selbstverständlich nur dann empfehlenswert, wenn Sie Ihren Bevollmächtigten uneingeschränkt vertrauen.

Wenn Sie es einmal aufgesetzt haben, ist das Dokument unbegrenzt gültig. Selbstverständlich können Sie die Vorsorge­vollmacht widerrufen oder ändern – allerdings nur, solange Sie geschäftsfähig sind. Sind Sie es nicht mehr, ist ein Widerruf trotzdem möglich, allerdings komplizierter, denn dann muss das Betreuungs­gericht eingeschaltet werden. Achten Sie bei einer Änderung Ihrer Vorsorge­vollmacht darauf, dass Sie das alte Dokument sowie alle hinterlegten Ausfertigungen und Kopien vernichten und durch die neue Version ersetzen.

Mehr zum Thema erfahren Sie in unserem Artikel Vorsorge­vollmacht Gültigkeit: Alles was Sie wissen müssen.

Transmortale Vorsorge­vollmacht

Es kann sinnvoll sein, eine Vorsorge­vollmacht über den Tod hinaus zu verfassen. Denn die Erben des Vollmachtgebers können sich erst als Rechtsnachfolger ausweisen, wenn das Nachlass­gericht ihnen die Erbscheine ausgestellt hat – und das kann mehrere Wochen dauern. Wenn Sie eine transmortale Vorsorge­vollmacht aufsetzen, können in dieser Phase Ihre Bevollmächtigten wichtige Dinge regeln, z. B. Verträge kündigen, die Wohnung auflösen und Rechnungen begleichen. Die Vollmachtnehmer müssen nicht selbst zu den Erben gehören. Letztere können die Vollmacht widerrufen, sobald sie über den Erbschein verfügen. Die Erben können von den Bevollmächtigten auch Rechenschaft über ihre Entscheidungen verlangen. Besteht der Verdacht, dass Bevollmächtigte die Vollmacht missbrauchen könnten, sollten die Erben sie unverzüglich nach dem Erbfall widerrufen – das geht z. B. bei Banken häufig bei Vorlage des Testaments oder Erbvertrags.

Mutter  und Tochter glücklich auf dem Sofa
Erteilen Sie eine Vorsorge­vollmacht ausschließlich Personen, denen Sie uneingeschränkt vertrauen. Das können Ihre Kinder, aber auch sehr gute Freunde sein.

Vorsorge­vollmacht – wo hinterlegen?

Ihre Vorsorge­vollmacht sollten Sie sicher aufbewahren – allerdings müssen Sie dafür sorgen, dass Ihre Bevollmächtigten im Ernstfall schnell auf das Dokument zugreifen können. Händigen Sie Ihren Vertrauens­personen eine Kopie aus und verraten Sie ihnen, wo sie im Fall der Fälle das Original finden, oder hinterlegen Sie das Original direkt bei Ihren Bevollmächtigten.

Ein sinnvoller Schritt ist zudem die Registrierung der Vorsorge­vollmacht beim Zentralen Vorsorge­register der Bundesnotarkammer (ZVR). Betreuungs­gerichte können dort im Ernstfall innerhalb kürzester Zeit in Erfahrung bringen, ob Sie eine Vorsorge­vollmacht erstellt haben. Gibt es einen oder mehrere Bevollmächtigte, braucht das Gericht keine Betreuung anordnen.

Achtung: Der Inhalt der Vorsorge­vollmacht wird nicht im ZVR gespeichert; durch die Registrierung erfahren lediglich Betreuungs­gerichte, ob ein solches Dokument existiert. Machen Sie die Vollmacht und andere Vorsorge­dokumente darum unbedingt zugänglich für Ihre Vertrauens­personen. Das geht auch digital: Mit dem Notfallabruf von Afilio können z. B. Ihre Angehörigen oder Ärzte per Code rund um die Uhr auf Ihre Vorsorge­vollmacht und Patienten­verfügung zugreifen.

Mehr dazu, wo Sie Ihre Vorsorge­vollmacht hinterlegen sollten, erfahren Sie in unserem Beitrag Vorsorge­vollmacht hinterlegen und aufbewahren: So geht’s.

Welche weiteren Vorsorge­dokumente benötige ich?

Die Vorsorge­vollmacht ist ein sehr wichtiges Vorsorge­dokument, aber nicht das einzige. Zusätzlich sollten Sie eine Patienten­verfügung verfassen. Darin legen Sie genau fest, wie Sie medizinisch behandelt werden möchten, wenn Sie Ihre Wünsche z. B. nach einem Unfall oder aufgrund einer schweren Krankheit nicht mehr äußern können. Auf diese Weise stellen Sie nicht nur sicher, dass Ihre Vertrauens­personen in Ihrem Sinne handeln: Sie nehmen Ihren Angehörigen damit auch schwierige Entscheidungen ab und beugen Streitigkeiten zwischen Bevollmächtigten vor.

Wenn Sie auf Nummer sicher gehen wollen, setzen Sie zusätzlich eine Betreuungs­verfügung auf. Eigentlich ist das Dokument eine Alternative zur Vorsorge­vollmacht: Wenn der Betroffene keine engen Vertrauten hat, die er bevollmächtigen könnte, kann er stattdessen in der Betreuungs­verfügung eine Person aus seinem Umfeld vorschlagen, die das Gericht zum Betreuer bestellen soll. Der Unterschied zur Vorsorge­vollmacht: Ein gerichtlich bestellter Betreuer darf nur unter Aufsicht des Betreuungs­gerichts handeln und wird nur bestellt, wenn er aus Sicht des Gerichts für die Aufgabe geeignet ist. Erstellen Sie die Betreuungs­verfügung als zusätzliche Absicherung, tritt sie nur in Kraft, wenn Ihre Bevollmächtigten im Fall der Fälle nicht verfügbar sind – z. B., weil sie selbst erkrankt sind.

Gut zu wissen: Sie können in der Betreuungs­verfügung nicht nur festhalten, wen Sie sich als Betreuer wünschen, sondern auch, wer auf keinen Fall zu Ihrem Betreuer bestellt werden soll.

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Quellen

Franziska Saß

Franziska Saß

Franziska Saß ist seit April 2020 Content Managerin bei Afilio. Die studierte Journalistin hat über mehrere Jahre frei für verschiedene Tageszeitungen geschrieben und war anschließend in verschiedenen Unternehmen im Content Management tätig. Bei Afilio schreibt sie vor allem Ratgeberartikel zu wichtigen Vorsorge­dokumenten, Versicherungen und Pflege.

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