Vorsorge­vollmacht: Die wichtigsten 9 Fragen

Vorsorgevollmacht: Die wichtigsten 9 Fragen

1. Was ist eine Vorsorgevollmacht?

Mit einer Vorsorgevollmacht erteilen Sie einer oder mehreren Personen die Erlaubnis, für Sie Entscheidungen zu treffen und Sie in geschäftlichen und persönlichen Belangen zu vertreten, wenn Sie selbst nicht mehr in der Lage dazu sind. Viele glauben, dass ihre Angehörigen sie im Ernstfall automatisch vertreten können, was aber nicht der Fall ist. Nur wenn minderjährige Kinder nicht mehr einwilligungsfähig sind, dürfen die Eltern sie auch ohne Vollmacht vertreten. Bei volljährigen Personen darf eine andere Person nur dann die Vertretung übernehmen, wenn sie eine Vorsorgevollmacht oder eine Generalvollmacht hat oder vom Betreuungsgericht zum gesetzlichen Betreuer bestellt wurde.

Sie möchten wissen, inwiefern sich Vorsorge- und Generalvollmacht unterscheiden? In unserem Beitrag Vorsorgevollmacht und Generalvollmacht: Der Unterschied erklären wir Ihnen alles zum Thema.

2. Welche Rechte und Pflichten hat ein Bevollmächtigter?

Grundsätzlich können Sie selbst bestimmen, welche Rechte die von Ihnen bevollmächtigte Person hat. Legen Sie in der Vorsorgevollmacht dazu genau fest, wozu diese eingesetzt werden darf. Dabei haben Sie die freie Wahl: Sie können einer Person nur einen Teil der zu erledigenden Aufgaben übertragen oder ihr eine uneingeschränkte Vollmacht erteilen. Es ist ebenso möglich, für verschiedene Gebiete verschiedene Bevollmächtigte zu benennen.

Aufgaben, die der Inhaber einer Vorsorgevollmacht übernehmen kann:

  • Vermögensangelegenheiten: Verwaltung des Vermögens, Begleichung von Verbindlichkeiten, Abschluss und Kündigung von Verträgen, Post- und Fernmeldeverkehr, ggf. Beantragung und Entgegennahme von Sozialleistungen, außergerichtliche und gerichtliche Vertretung Ihrer Person gegenüber Dritten, wie z. B. Banken, Behörden, Versicherungen, Gerichten, Vertretung in erbrechtlichen Angelegenheiten sowie die Veräußerung oder der Kauf von Immobilien (nur mit notarieller Beurkundung möglich).
  • Persönliche Angelegenheiten: Personenfürsorge, Gesundheitsfürsorge, Aufenthaltsbestimmung, wenn es beispielsweise darum geht, dass Sie in einem Pflegeheim oder einer anderen Einrichtung untergebracht werden müssen.

Es gibt auch Aufgaben, die niemand stellvertretend für Sie übernehmen kann. Dazu gehören zum Beispiel Eheschließung und -scheidung, die Wahrnehmung Ihres Wahlrechts, sowie die Errichtung eines Testaments, die Anerkennung oder Anfechtung von Vaterschaft oder die Schließung von Eheverträgen.

Gut zu wissen

Zudem kann auch eine uneingeschränkt bevollmächtigte Person nicht immer frei handeln. Sie muss in bestimmten Fällen das Betreuungsgericht hinzuziehen, um eine Entscheidung treffen zu können. Das ist der Fall, wenn für einen medizinischen Eingriff entschieden werden soll, der lebensgefährlich ist oder langfristige Gesundheitsschäden nach sich ziehen kann. Auch wenn es um Maßnahmen zur Freiheitseinschränkung geht, wie z. B. die Anbringung von Gittern am Krankenbett oder die Gabe ruhigstellender Medikamente, muss das Betreuungsgericht konsultiert werden. Eine Ausnahme ist nur möglich, wenn sich Arzt und Bevollmächtigter darüber einig sind, dass die Entscheidung im Sinne des Vollmachtgebers ist.

Bevollmächtigte, die die Vorsorgevollmacht anerkennen und die darin geschilderten Aufgaben übernehmen, verpflichten sich, im Sinne des Vollmachtgebers zu handeln. Besteht Anlass für Zweifel, können Angehörige rechtlich dagegen vorgehen. Allerdings: Wer eine Vollmacht bekommt, muss diese nicht zwingend annehmen. In unserem Beitrag Vorsorgevollmacht: Bevollmächtigter will nicht – was tun? erfahren Sie, was Sie in diesem Fall tun können. Lesen Sie hier noch mehr Wissenswertes zu den Rechten und Pflichten von Bevollmächtigten.

3. Was passiert ohne Vorsorgevollmacht?

Haben Sie keine Vorsorgevollmacht, wird im Ernstfall ein Betreuer vom Betreuungsgericht bestellt, der Ihre Angelegenheiten regelt und über die weitere medizinische Behandlung entscheidet. Bei dieser Person kann es sich um einen nahen Angehörigen, aber auch um einen fremden Berufsbetreuer handeln. Für viele Menschen ist es eine unangenehme Vorstellung, dass eine ihnen unbekannte Person über weitreichende medizinische Eingriffe und ihre privaten sowie finanziellen Angelegenheiten entscheiden soll. Noch dazu müssen Sie die Arbeit des Berufsbetreuers bezahlen. Ist er lange für Sie tätig, kann hier eine größere Summe zusammenkommen. Auch wenn Angehörige die Betreuung übernehmen, ist das meist keine gute Lösung: Ihnen wird die ohnehin schon aufwendige und belastende Betreuung durch einen meist hohen bürokratischen Aufwand erschwert. Besser ist es also, mit einer Vorsorgevollmacht vorzusorgen: So stellen Sie sicher, dass eine Ihnen vertraute Person für Sie Entscheidungen treffen kann. Wichtig: Informieren Sie Ihren Stellvertreter vorher genau über Ihre Wünsche und Vorstellungen.

4. Wo bekommt man eine Vorsorgevollmacht?

Jede volljährige, geschäftsfähige Person kann ihre Vorsorgevollmacht selbst handschriftlich oder am Computer verfassen. Grundsätzlich bedarf es nur der eigenhändigen Unterschrift des Verfassers, damit die Vollmacht gültig ist. Weitere formale Vorgaben muss sie nicht erfüllen. In der Theorie muss die Vorsorgevollmacht nicht einmal schriftlich vorliegen, sondern kann auch mündlich erteilt werden. Davon ist allerdings abzuraten, da Bevollmächtigte so im Ernstfall nur schwer beweisen können, dass Sie Ihnen tatsächlich eine Vollmacht erteilt haben. Im besten Fall verfassen Sie zusätzlich Handlungsanweisungen und Zusatzinformationen, die den Bevollmächtigten bei der Erledigung ihrer Aufgaben helfen.

5. Worauf muss ich beim Schreiben einer Vorsorgevollmacht achten?

Wenn Sie Ihre persönliche Vorsorgevollmacht schreiben, sollten Sie auf jeden Fall sicherstellen, dass Sie für Dritte verständlich schildern, wer welche Aufgaben rechtsgültig für Sie übernehmen darf. Mit der Vorsorgevollmacht kann die bevollmächtigte Person Außenstehenden nachweisen, dass sie die beschriebenen geschäftlichen und persönlichen Entscheidungen treffen darf – das Dokument regelt das sogenannte „Außenverhältnis“. Zusätzlich zu der Vorsorgevollmacht empfiehlt es sich, auch eine Handlungsanweisung für das „Innenverhältnis“ zu erstellen. Dieses Papier, das sie formlos aufsetzen können, z. B. in Form eines Briefs, dient dem Bevollmächtigten als Anleitung, die ihm dabei hilft, in der Erfüllung seiner Aufgaben Ihren Wünschen zu entsprechen.

Folgendes sollte eine Vorsorgevollmacht inhaltlich abdecken:

  • Handlungsbereiche: Definieren Sie klar, für welche Ihrer Lebensbereiche ein Bevollmächtigter Entscheidungen treffen darf. Soll er über Ihre Gesundheit entscheiden können und dazu auch alle geschäftlichen oder wirtschaftlichen Dinge erledigen? Oder soll er nur einen beschränkten Handlungsrahmen haben?
  • Untervollmacht: Darf der Bevollmächtigte Untervollmachten an andere erteilen, wenn er selbst Aufgaben nicht erledigen oder Termine nicht wahrnehmen kann? Untervollmachten können nur für wirtschaftliche Aufgaben erteilt werden, nicht aber für persönliche Entscheidungen, wie z. B. zur medizinischen Behandlung.
  • Schenkungen: Ist es Ihrem Bevollmächtigten erlaubt, Schenkungen an sich und Dritte vorzunehmen? Hat Ihr Bevollmächtigter Zugriff auf Ihr Konto, kann er somit auch Geld für sich und andere Personen abheben.
  • Verhältnis der Bevollmächtigten: Haben Sie mehreren Personen eine Vollmacht erteilt, sollten Sie klar definieren, ob eine Person allein entscheiden darf (Einzelvertretungsmacht) oder nur alle Bevollmächtigten gemeinsam Entscheidungen treffen können (Gesamtvertretungsmacht).
  • Ersatzbevollmächtigte: Eine Vorsorgevollmacht ist für Ihren Bevollmächtigten nicht verpflichtend. Wenn er die Pflichten nicht übernehmen möchte, muss er das nicht. Aus diesem Grund ist es sinnvoll, einen Ersatzbevollmächtigten anzugeben. Er kann auch einspringen, wenn die eigentlich bevollmächtigte Person verhindert ist.
  • Kontrollpersonen: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Wer sich nicht sicher ist, dass er seinen Bevollmächtigten uneingeschränkt vertrauen kann, kann auch eine Kontrollperson einsetzen. Diese kann z. B. regelmäßig Kontoauszüge oder andere Dokumente anfordern, um die Tätigkeit des Bevollmächtigten zu überprüfen. Bei der Kontrollperson handelt es sich in der Regel um einen Anwalt.

Achten Sie darauf, dass Ihre Vorsorgevollmacht Ihre eigenhändige Unterschrift, das Datum und den Ort enthält. Im besten Fall unterschreibt auch der Bevollmächtigte, um zu bestätigen, dass er die Verantwortung übernehmen möchte.

Noch mehr Tipps dazu, wie Sie eine Vorsorgevollmacht schreiben und welche Fehler Sie vermeiden sollten, bekommen Sie in unserem Artikel Vorsorgevollmacht erstellen: Das sollten Sie beim Schreiben beachten.

Vorsicht: Im Netz finden Sie zahlreiche Vorlagen und Vordrucke, die Sie sich schnell herunterladen können. Meist ist das jedoch keine gute Wahl: Denn die vorgefertigten Papiere decken oft nur sehr allgemeine Regelungen ab und eignen sich daher nicht für die persönliche Vorsorge. Nehmen Sie sich lieber Zeit und denken Sie genau darüber nach, wer welche Aufgaben übernehmen soll, wenn Sie plötzlich entscheidungs- und geschäftsunfähig werden. Passende Dokumente mit Ausfüllhilfe finden Sie zum Beispiel bei Afilio.

Junge Frau hilft älterem Herren beim Erstellen einer Vorsorgevollmacht
Wenn Sie eine Vorsorge­vollmacht erstellen, sollten im besten Fall nicht nur Sie selbst, sondern auch die bevollmächtigte Person unterschreiben. So stimmt Ihre Vertrauensperson zu, dass sie bereit ist, die Verantwortung zu übernehmen.
Beispiel
Außen- und Innenverhältnis

Frau Müller erteilt ihrem Sohn eine Vorsorgevollmacht. Er bekommt mit der Vollmacht das Recht, über den Aufenthaltsort von Frau Müller zu entscheiden. Für Dritte ist erkennbar geregelt, dass der Sohn darüber entscheiden darf, wo seine Mutter lebt. Es handelt sich um das Außenverhältnis. Durch eine schwere Demenz muss Frau Müller nun in einem Heim untergebracht werden. Aus einem Brief, den sie ihrem Sohn gemeinsam mit der Vorsorgevollmacht übergeben hat, geht hervor, dass sie sich bereits ein Heim ausgesucht hatte, in dem ihr Sohn sie, wenn nötig, unterbringen soll. Der Brief ist eine klare Handlungsanweisung für den Sohn und regelt das sogenannte Innenverhältnis. Hinweis: Es kann vorkommen, dass Betreuungsgerichte eine Vorsorgevollmacht ohne eine Regelung zum Innenverhältnis für unvollständig erklären und einen Kontrollbetreuer für die bevollmächtigte Person einsetzen.

6. Vorsorgevollmacht: Wann muss ich zum Notar?

Gültig ist die Vorsorgevollmacht auch ohne Notar. Mit dem von Ihnen unterschriebenen Dokument im Original können Ihre Bevollmächtigten die meisten Belange auch ohne Beurkundung oder Beglaubigung regeln, z. B. die Umsetzung Ihrer Patientenverfügung.

Wenn Ihre Vertrauenspersonen allerdings auch über Ihre Eigentumswohnung oder Ihr Haus entscheiden sollen, benötigen sie dafür laut § 29 Grundbuchordnung eine „öffentlich beglaubigte Urkunde“. Als solche gilt die Vorsorgevollmacht, wenn sie notariell beurkundet oder die Unterschrift des Verfassers öffentlich beglaubigt ist.

Für die Beglaubigung Ihrer Unterschrift müssen Sie nicht zwingend zum Notar: Auch Ihre örtliche Betreuungsbehörde kann die Echtheit Ihrer Unterschrift auf der Vorsorgevollmacht bestätigen. Das ist seit 2009 in § 6 Abs. 2 Betreuungsbehördengesetz (BtBG) geregelt; allerdings kommt es noch immer vor, dass entsprechende Stellen diesen Service nicht anbieten. Auch gab es bereits Fälle, in denen die öffentliche Beglaubigung durch eine Betreuungsbehörde vor Gericht angezweifelt wurde. Mit der Beglaubigung Ihrer Vorsorgevollmacht durch einen Notar sind Sie also besser abgesichert.

Noch umfassender ist die notarielle Beurkundung: Diese beinhaltet normalerweise auch das Erstellen des Dokuments und ist somit teurer als die Beglaubigung. Bei dem Termin klärt der Notar Sie über den Sachverhalt und die rechtliche Tragweite des Geschäfts auf. Er übersetzt Ihren Willen in rechtssichere Formulierungen und liest Ihnen die Vorsorgevollmacht vollständig vor. Anschließend unterschreiben Sie das Dokument, der Notar bestätigt mit seiner Unterschrift Ihre Geschäftsfähigkeit. Das kann von Vorteil sein, um im Ernstfall etwaige Zweifel an der Gültigkeit Ihrer Vorsorgevollmacht von vornherein auszuräumen.

Falls Sie Unternehmer oder Unternehmerin sind und Ihre Bevollmächtigten im Ernstfall über die Firma verfügen sollen, ist eine Beglaubigung bzw. Beurkundung Ihrer Vorsorgevollmacht ebenfalls in vielen Fällen notwendig.

Wie viel Sie für die notarielle Beurkundung der Vorsorgevollmacht bezahlen müssen, wird abhängig von Ihrem Vermögen berechnet, wobei maximal die Hälfte als Geschäftswert angesetzt werden darf. Bei einem Vermögen von 100.000 Euro kostet die Vorsorgevollmacht im Normalfall 165 Euro, bei 250.000 Euro werden 300 Euro fällig. Die Mindestgebühr für eine Beurkundung beträgt 60 Euro. Eine Auslagenpauschale und die Mehrwertsteuer kommen jeweils hinzu. Es ist unwichtig, zu welchem Notar Sie gehen, denn die Kosten sind im Gerichts- und Notarkostengesetz (GNotKG) für alle gleich geregelt. Die Beglaubigung der Unterschrift kostet beim Notar 10 Euro pro Dokument bzw. 1 Euro pro Seite plus Mehrwertsteuer.

Sie wollen noch mehr dazu erfahren, was Sie eine Vorsorgevollmacht kostet? In unserem Beitrag Vorsorgevollmacht Kosten: Was Sie beim Notar bezahlen erklären wir Ihnen alles, was Sie wissen müssen.

Achtung

Wenn Ihre Bevollmächtigten auch Bankgeschäfte für Sie erledigen sollen, ist selbst eine beglaubigte oder beurkundete Vorsorgevollmacht oft nicht ausreichend, denn jede Bank hat eigene Bestimmungen zur Vollmacht. Erkundigen Sie sich bei Ihrem Geldinstitut nach den Regelungen und sorgen Sie ggf. mit einer speziellen Bankvollmacht dafür, dass Ihre Vertrauenspersonen im Ernstfall z. B. Überweisungen für Sie tätigen können.

7. Wann und wie lange ist eine Vorsorgevollmacht gültig?

Ab wann Ihre Vorsorgevollmacht gilt, entscheiden Sie selbst. Sie können in das Dokument hineinschreiben, dass es erst im Fall Ihrer Geschäftsunfähigkeit gelten soll, also wenn Sie die Tragweite von Rechtsgeschäften nicht mehr einschätzen und deshalb z. B. keine Verträge mehr abschließen können. Das kommt etwa bei Demenz oder psychischen Erkrankungen vor. Damit tun Sie sich und Ihren Bevollmächtigten aber meist keinen Gefallen. Denn dann müssen Ihre Vertreter im Ernstfall zunächst einmal beweisen, dass Sie laut § 104 des Bürgerlichen Gesetzbuches geschäftsunfähig sind, bevor sie mit der Vollmacht handeln können. Bis ein Arzt die Geschäftsunfähigkeit festgestellt hat, vergeht kostbare Zeit, in der Ihre Vertrauenspersonen z. B. keine Überweisungen in Ihrem Namen tätigen können.

Besser ist es in der Regel, die Gültigkeit der Vorsorgevollmacht zumindest im Außenverhältnis nicht an die Bedingung der Geschäftsunfähigkeit zu knüpfen. Im Innenverhältnis ist dies aber durchaus sinnvoll. Das bedeutet: Sie verständigen sich mit Ihren Bevollmächtigten darauf, dass die Vollmacht erst zum Einsatz kommen soll, wenn Sie nicht mehr handlungs- bzw. geschäftsfähig sind. Die Vollmacht selbst gestalten Sie aber so, dass Ihre Vertreter sofort handeln können, ohne z. B. Vertragspartnern oder Behörden entsprechende Nachweise zu erbringen. Das ist selbstverständlich nur dann empfehlenswert, wenn Sie Ihren Bevollmächtigten uneingeschränkt vertrauen.

Wenn Sie es einmal aufgesetzt haben, ist das Dokument unbegrenzt gültig. Selbstverständlich können Sie die Vorsorgevollmacht widerrufen oder ändern – allerdings nur, solange Sie geschäftsfähig sind. Sind Sie es nicht mehr, ist ein Widerruf trotzdem möglich, allerdings komplizierter, denn dann muss das Betreuungsgericht eingeschaltet werden. Achten Sie bei einer Änderung Ihrer Vorsorgevollmacht darauf, dass Sie das alte Dokument sowie alle hinterlegten Ausfertigungen und Kopien vernichten und durch die neue Version ersetzen.

Mehr zum Thema erfahren Sie in unserem Artikel Vorsorgevollmacht Gültigkeit: Alles was Sie wissen müssen.

Transmortale Vorsorgevollmacht

Es kann sinnvoll sein, eine Vorsorgevollmacht über den Tod hinaus zu verfassen. Denn die Erben des Vollmachtgebers können sich erst als Rechtsnachfolger ausweisen, wenn das Nachlassgericht ihnen die Erbscheine ausgestellt hat – und das kann mehrere Wochen dauern. Wenn Sie eine transmortale Vorsorgevollmacht aufsetzen, können in dieser Phase Ihre Bevollmächtigten wichtige Dinge regeln, z. B. Verträge kündigen, die Wohnung auflösen und Rechnungen begleichen. Die Vollmachtnehmer müssen nicht selbst zu den Erben gehören. Letztere können die Vollmacht widerrufen, sobald sie über den Erbschein verfügen. Die Erben können von den Bevollmächtigten auch Rechenschaft über ihre Entscheidungen verlangen. Besteht der Verdacht, dass Bevollmächtigte die Vollmacht missbrauchen könnten, sollten die Erben sie unverzüglich nach dem Erbfall widerrufen – das geht z. B. bei Banken häufig bei Vorlage des Testaments oder Erbvertrags.

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Erteilen Sie eine Vorsorge­vollmacht ausschließlich Personen, denen Sie uneingeschränkt vertrauen. Das können Ihre Kinder, aber auch sehr gute Freunde sein.

8. Vorsorgevollmacht – wo hinterlegen?

Ihre Vorsorgevollmacht sollten Sie sicher aufbewahren – allerdings müssen Sie dafür sorgen, dass Ihre Bevollmächtigten im Ernstfall schnell auf das Dokument zugreifen können. Händigen Sie Ihren Vertrauenspersonen eine Kopie aus und verraten Sie ihnen, wo sie im Fall der Fälle das Original finden, oder hinterlegen Sie das Original direkt bei Ihren Bevollmächtigten.

Ein sinnvoller Schritt ist zudem die Registrierung der Vorsorgevollmacht beim Zentralen Vorsorgeregister der Bundesnotarkammer (ZVR). Betreuungsgerichte können dort im Ernstfall innerhalb kürzester Zeit in Erfahrung bringen, ob Sie eine Vorsorgevollmacht erstellt haben. Gibt es einen oder mehrere Bevollmächtigte, braucht das Gericht keine Betreuung anordnen.

Achtung: Der Inhalt der Vorsorgevollmacht wird nicht im ZVR gespeichert; durch die Registrierung erfahren lediglich Betreuungsgerichte, ob ein solches Dokument existiert. Machen Sie die Vollmacht und andere Vorsorgedokumente darum unbedingt zugänglich für Ihre Vertrauenspersonen. Das geht auch digital: Mit dem Notfallabruf von Afilio können z. B. Ihre Angehörigen oder Ärzte per Code rund um die Uhr auf Ihre Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung zugreifen.

Mehr dazu, wo Sie Ihre Vorsorgevollmacht hinterlegen sollten, erfahren Si in unserem Beitrag Vorsorgevollmacht hinterlegen und aufbewahren: So geht’s.

9. Welche weiteren Vorsorgedokumente benötige ich?

Die Vorsorgevollmacht ist ein sehr wichtiges Vorsorgedokument, aber nicht das einzige. Zusätzlich sollten Sie eine Patientenverfügung verfassen. Darin legen Sie genau fest, wie Sie medizinisch behandelt werden möchten, wenn Sie Ihre Wünsche z. B. nach einem Unfall oder aufgrund einer schweren Krankheit nicht mehr äußern können. Auf diese Weise stellen Sie nicht nur sicher, dass Ihre Vertrauenspersonen in Ihrem Sinne handeln: Sie nehmen Ihren Angehörigen damit auch schwierige Entscheidungen ab und beugen Streitigkeiten zwischen Bevollmächtigten vor.

Wenn Sie auf Nummer sicher gehen wollen, setzen Sie zusätzlich eine Betreuungsverfügung auf. Eigentlich ist das Dokument eine Alternative zur Vorsorgevollmacht: Wenn der Betroffene keine engen Vertrauten hat, die er bevollmächtigen könnte, kann er stattdessen in der Betreuungsverfügung eine Person aus seinem Umfeld vorschlagen, die das Gericht zum Betreuer bestellen soll. Der Unterschied zur Vorsorgevollmacht: Ein gerichtlich bestellter Betreuer darf nur unter Aufsicht des Betreuungsgerichts handeln und wird nur bestellt, wenn er aus Sicht des Gerichts für die Aufgabe geeignet ist. Erstellen Sie die Betreuungsverfügung als zusätzliche Absicherung, tritt sie nur in Kraft, wenn Ihre Bevollmächtigten im Fall der Fälle nicht verfügbar sind – z. B., weil sie selbst erkrankt sind.

Gut zu wissen: Sie können in der Betreuungsverfügung nicht nur festhalten, wen Sie sich als Betreuer wünschen, sondern auch, wer auf keinen Fall zu Ihrem Betreuer bestellt werden soll. In unserem Beitrag Vorsorgevollmacht oder Betreuungsverfügung: Was Sie brauchen erklären wir Ihnen, in welchen Fällen die Betreuungsverfügung eine gute Alternative oder sogar eine Ergänzung zur Vorsorgevollmacht ist.

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