Unter­vollmacht bei der Vorsorge­vollmacht – was ist das?

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von Christina Horst
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10.12.2020 (aktualisiert: 15.02.2021)
Untervollmacht bei der Vorsorgevollmacht – was ist das?Untervollmacht bei der Vorsorgevollmacht – was ist das?
Das Wichtigste in Kürze:
  • Sie können entscheiden, ob Ihr Bevollmächtigter laut Vorsorge­vollmacht berechtigt sein soll, dritten Personen Unter­vollmachten zu erteilen. Diese vertreten dann nicht den Bevollmächtigten, sondern Sie – den Vollmachtgeber.
  • Ist der Bevollmächtigte selbst einmal krank oder anderweitig verhindert, kann der Unterbevollmächtigte sich um Ihre Angelegenheiten kümmern.
  • Sie können festlegen, für welche Bereiche die Unter­vollmacht gelten darf. So können Sie z. B. ausschließen, dass eine dritte Person im Ernstfall über Ihre medizinische Behandlung entscheidet.
  • Bevollmächtigen Sie von vornherein mehrere Vertrauens­personen, ist die Wahrscheinlichkeit geringer, dass diese eine Unter­vollmacht benötigen. Denn dann kann notfalls meist ein anderer Bevollmächtigter einspringen.

Mit einer Vorsorge­vollmacht übertragen Sie einer Vertrauensperson Ihrer Wahl das Recht, Sie in bestimmten Angelegenheiten zu vertreten, wenn Sie selbst nicht mehr in der Lage dazu sind. Der Bevollmächtigte kann so Ihre Interessen wahren, z. B. in den Bereichen Gesundheit und Pflege­bedürftigkeit, Aufenthalts- und Wohnungsangelegenheiten, Vermögen sowie Post- und Fernmeldeverkehr, und Sie vor Behörden und bei Gericht vertreten.

Doch was passiert, wenn Ihre Vertrauensperson selbst einmal verhindert ist? Für diesen Fall können Sie in der Vorsorge­vollmacht festlegen, dass der Bevollmächtigte Unter­vollmachten erteilen darf. Das bedeutet, er darf die Vertretungsmacht in bestimmten Angelegenheiten auf eine dritte Person übertragen. Wir erklären, wie die Unter­vollmacht bei der Vorsorge­vollmacht funktioniert und ob es sinnvoll ist, dem Bevollmächtigten eine entsprechende Befugnis zu geben.

So funktioniert die Unter­vollmacht bei einer Vorsorge­vollmacht

Für Bevollmächtigte ist es häufig aufwändig und zeitraubend, sich gleichzeitig um die eigenen Belange und die des Vollmachtgebers zu kümmern. Auch kann es natürlich vorkommen, dass eine bevollmächtigte Person selbst erkrankt oder anderweitig verhindert ist, sodass sie sich nicht mehr wie vereinbart um die ihr übertragenen Aufgaben kümmern kann. In Ihrer Vorsorge­vollmacht können Sie für solche Fälle vorbeugen: Sie können festlegen, dass Ihre Vertrauensperson die ihr erteilte Vertretungsmacht mithilfe einer Unter­vollmacht an eine dritte Person übertragen darf.

Der Bevollmächtigte kann dann eine Person seiner Wahl beauftragen, für ihn einzuspringen, z. B. bei der Erledigung der Post, bei der Kontoführung oder der Organisation der Pflege. Wichtig: Der Unterbevollmächtigte vertritt nicht den Hauptbevollmächtigten – Ihre Vertrauensperson –, sondern den Vollmachtgeber – also Sie.

Gut zu wissen: Eine Unter­vollmacht kann auch wichtig werden, wenn der Bevollmächtigte den Vollmachtgeber vor Gericht vertreten muss, denn häufig benötigt der Anwalt eine Vollmacht, um den Prozess führen zu können.

Umfang der Unter­vollmacht

Eine Unter­vollmacht ist niemals umfangreicher als die ursprüngliche Vollmacht. Der Bevollmächtigte kann also grundsätzlich nur die Befugnisse übertragen, die er selbst besitzt. Da die Vorsorge­vollmacht meist besonders weitreichende Befugnisse umfasst – beispielsweise die Umsetzung der Wünsche, die in der Patienten­verfügung stehen – sollten Vollmachtgeber sich überlegen, welche Rechte der Bevollmächtigte auf einen Dritten übertragen darf und welche nicht. Dies sollte ausdrücklich in der Vollmacht stehen. Zu Ihrem eigenen Schutz können Sie z. B. verfügen, dass Ihr Bevollmächtigter alltägliche Aufgaben an Dritte übertragen kann, nicht aber weitreichende persönliche Entscheidungen wie z. B. über Ihre Gesundheits­sorge oder den Aufenthaltsort.

Beispiel: Sie erteilen Ihrem Sohn eine Vorsorge­vollmacht und beauftragen ihn damit, sich um all Ihre wichtigen Angelegenheiten zu kümmern, wenn Sie aus gesundheitlichen Gründen verhindert sind. Außerdem legen Sie in der Vorsorge­vollmacht fest, dass Ihr Sohn Unter­vollmachten erteilen darf, damit er z. B. seine Ehefrau damit beauftragen kann, sich um Ihre Post zu kümmern, wenn er selbst keine Zeit hat. Sie möchten aber nicht, dass Ihre Schwiegertochter über Ihren Aufenthaltsort oder medizinische Eingriffe entscheiden kann. Aus diesem Grund schließen Sie diese Bereiche von der Unter­vollmacht aus.

Wann ist eine Unter­vollmacht wirksam?

Wirksam ist eine Unter­vollmacht nur, wenn der Bevollmächtigte berechtigt ist, sie zu erteilen – und das ist er nur, wenn der Vollmachtgeber einverstanden ist. Am besten ist es darum, wenn Sie in der Vorsorge­vollmacht Ihre Wünsche klar kommunizieren: Schreiben Sie ausdrücklich hinein, ob Sie dem Bevollmächtigten erlauben, Unter­vollmachten zu erteilen, oder ob Sie ausschließlich von ihm selbst vertreten werden möchten.

Ist diese Frage nicht klar geregelt, wird im Zweifelsfall durch Auslegung ermittelt, ob der Bevollmächtigte Unter­vollmachten erteilen darf: Laut Bundesgerichtshof ist eine Unter­vollmacht nicht zulässig, wenn der Vollmachtgeber erkennbar ein Interesse an der persönlichen Wahrnehmung der Vertretungsmacht durch den Bevollmächtigten hat. Bevollmächtigte sollten in so einem Fall, wenn möglich, lieber die Erlaubnis des Vollmachtgebers einholen.

Wie bei allen Vollmachten gilt außerdem: Der Unterbevollmächtigte muss Dritten das Original der Unter­vollmacht vorlegen können, um für den Vollmachtgeber entscheiden und handeln zu können – eine Kopie reicht nicht aus.

Tipp: In unserem Ratgeber erfahren Sie mehr zur Gültigkeit einer Vorsorge­vollmacht.

Sind Unter­vollmachten bei der Vorsorge­vollmacht sinnvoll?

Ob es sinnvoll ist, die Erteilung von Unter­vollmachten in der Vorsorge­vollmacht zu gestatten, hängt von der individuellen Situation ab. Wenn Sie zu Ihrem Bevollmächtigten uneingeschränktes Vertrauen haben, spricht grundsätzlich nichts dagegen, ihm diese Freiheit zu geben. Denn setzt er die Unter­vollmacht in Ihrem Interesse ein – beispielsweise um die Organisation Ihrer Pflege zu erleichtern – profitieren Sie als Vollmachtgeber davon. Eine Unter­vollmacht verhindert mitunter sogar eine gerichtlich angeordnete Betreuung. Denn wenn Ihr Bevollmächtigter sich nicht wie geplant um Ihre Angelegenheiten kümmern kann, muss dies eine andere Person übernehmen – im Zweifelsfall ein Berufsbetreuer.

Allerdings gibt es noch eine andere Möglichkeit, sich diesbezüglich abzusichern: Sie können in Ihrer Vorsorge­vollmacht mehrere Personen bevollmächtigen. Dabei können Sie Ihren Bevollmächtigten auch genaue Anweisungen geben, wer der Hauptbevollmächtigte sein soll und wer unter welchen Bedingungen für ihn einspringen soll. Dies regeln Sie am besten im sogenannten Innenverhältnis – einer Vereinbarung zwischen Ihnen und Ihren Vertrauens­personen, die genau definiert, wie diese die Vollmacht einsetzen dürfen. Bei der Unter­vollmacht hingegen liegt die Entscheidung, welche dritte Person Sie vertreten soll, bei Ihrem Bevollmächtigten.

Vielleicht ist auch eine Kombination aus beidem die passende Variante für Sie: Sie können mehrere Vertrauens­personen bevollmächtigen und zusätzlich vereinbaren, dass diese wiederum per Unter­vollmacht Stellvertreter benennen können.

Häufig gestellte Fragen

Können zwei Personen eine Vorsorge­vollmacht haben?

Sie können selbstverständlich auch zwei oder mehr Personen bevollmächtigen, z. B. Ihren Ehepartner und Ihre erwachsenen Kinder. Das hat den Vorteil, dass die Bevollmächtigten sich die oft anspruchsvolle und zeitintensive Aufgabe teilen können. Für den Vollmachtgeber besteht der Vorteil vor allem darin, dass ein anderer Bevollmächtigter einspringen kann, falls eine Person ausfällt. Zudem ist das Risiko für einen Missbrauch der Vollmacht geringer, wenn die bevollmächtigten Personen wichtige Entscheidungen gemeinsam treffen. Hier erfahren Sie, wie Sie eine Vorsorge­vollmacht für mehrere Personen erstellen.

Wer braucht eine Vorsorge­vollmacht?

Da weder Ihr Partner noch Ihre Kinder oder andere Angehörige automatisch zu Ihren gesetzlichen Vertretern werden, wenn Sie selbst nicht mehr ansprechbar oder handlungsfähig sind, sollten Sie unbedingt mindestens eine Vertrauensperson bevollmächtigen. Besser ist es, mehrere Bevollmächtigte zu haben – so können z. B. Ihre Kinder bei Bedarf für Ihren Partner einspringen. Nur wenn das Vertrauensverhältnis wenig ausgeprägt ist, sollten Sie anstatt der Vorsorge­vollmacht eine Betreuungs­verfügung in Erwägung ziehen. Ansonsten dient die Betreuungs­verfügung als zusätzliche Absicherung. Hier erfahren Sie mehr: Patienten-, Betreuungs­verfügung oder Vorsorge­vollmacht?

Christina Horst

Christina Horst

Christina Horst war bis Januar 2021 Content Managerin bei Afilio und schrieb vor allem über Vorsorge­themen wie die Patienten­verfügung und die Vorsorge­vollmacht. Zuvor war sie als Online-Redakteurin und Lektorin in Unternehmen und Agenturen sowie als freie Journalistin tätig.

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