Untervollmacht bei der Vorsorgevollmacht – was ist das?

Unter­vollmacht bei der Vorsorge­vollmacht – was ist das?

07.12.2020

Mit einer Vorsorgevollmacht übertragen Sie einer Vertrauensperson Ihrer Wahl das Recht, Sie in bestimmten Angelegenheiten zu vertreten, wenn Sie selbst nicht mehr in der Lage dazu sind. Der Bevollmächtigte kann so Ihre Interessen wahren, z. B. in den Bereichen Gesundheit und Pflegebedürftigkeit, Aufenthalts- und Wohnungsangelegenheiten, Vermögen sowie Post- und Fernmeldeverkehr, und Sie vor Behörden und bei Gericht vertreten.

Doch was passiert, wenn Ihre Vertrauensperson selbst einmal verhindert ist? Für diesen Fall können Sie in der Vorsorgevollmacht festlegen, dass der Bevollmächtigte Untervollmachten erteilen darf. Das bedeutet, er darf die Vertretungsmacht in bestimmten Angelegenheiten auf eine dritte Person übertragen. Wir erklären, wie die Untervollmacht bei der Vorsorgevollmacht funktioniert und ob es sinnvoll ist, dem Bevollmächtigten eine entsprechende Befugnis zu geben.

So funktioniert die Untervollmacht bei einer Vorsorgevollmacht

Für Bevollmächtigte ist es häufig aufwändig und zeitraubend, sich gleichzeitig um die eigenen Belange und die des Vollmachtgebers zu kümmern. Auch kann es natürlich vorkommen, dass eine bevollmächtigte Person selbst erkrankt oder anderweitig verhindert ist, sodass sie sich nicht mehr wie vereinbart um die ihr übertragenen Aufgaben kümmern kann. In Ihrer Vorsorgevollmacht können Sie für solche Fälle vorbeugen: Sie können festlegen, dass Ihre Vertrauensperson die ihr erteilte Vertretungsmacht mithilfe einer Untervollmacht an eine dritte Person übertragen darf.

Der Bevollmächtigte kann dann eine Person seiner Wahl beauftragen, für ihn einzuspringen, z. B. bei der Erledigung der Post, bei der Kontoführung oder der Organisation der Pflege. Wichtig: Der Unterbevollmächtigte vertritt nicht den Hauptbevollmächtigten – Ihre Vertrauensperson –, sondern den Vollmachtgeber – also Sie.

Gut zu wissen: Eine Untervollmacht kann auch wichtig werden, wenn der Bevollmächtigte den Vollmachtgeber vor Gericht vertreten muss, denn häufig benötigt der Anwalt eine Vollmacht, um den Prozess führen zu können.

Umfang der Untervollmacht

Eine Untervollmacht ist niemals umfangreicher als die ursprüngliche Vollmacht. Der Bevollmächtigte kann also grundsätzlich nur die Befugnisse übertragen, die er selbst besitzt. Da die Vorsorgevollmacht meist besonders weitreichende Befugnisse umfasst – beispielsweise die Umsetzung der Wünsche, die in der Patientenverfügung stehen – sollten Vollmachtgeber sich überlegen, welche Rechte der Bevollmächtigte auf einen Dritten übertragen darf und welche nicht. Dies sollte ausdrücklich in der Vollmacht stehen. Zu Ihrem eigenen Schutz können Sie z. B. verfügen, dass Ihr Bevollmächtigter alltägliche Aufgaben an Dritte übertragen kann, nicht aber weitreichende persönliche Entscheidungen wie z. B. über Ihre Gesundheitssorge oder den Aufenthaltsort.

Beispiel: Sie erteilen Ihrem Sohn eine Vorsorgevollmacht und beauftragen ihn damit, sich um all Ihre wichtigen Angelegenheiten zu kümmern, wenn Sie aus gesundheitlichen Gründen verhindert sind. Außerdem legen Sie in der Vorsorgevollmacht fest, dass Ihr Sohn Untervollmachten erteilen darf, damit er z. B. seine Ehefrau damit beauftragen kann, sich um Ihre Post zu kümmern, wenn er selbst keine Zeit hat. Sie möchten aber nicht, dass Ihre Schwiegertochter über Ihren Aufenthaltsort oder medizinische Eingriffe entscheiden kann. Aus diesem Grund schließen Sie diese Bereiche von der Untervollmacht aus.

Wann ist eine Untervollmacht wirksam?

Wirksam ist eine Untervollmacht nur, wenn der Bevollmächtigte berechtigt ist, sie zu erteilen – und das ist er nur, wenn der Vollmachtgeber einverstanden ist. Am besten ist es darum, wenn Sie in der Vorsorgevollmacht Ihre Wünsche klar kommunizieren: Schreiben Sie ausdrücklich hinein, ob Sie dem Bevollmächtigten erlauben, Untervollmachten zu erteilen, oder ob Sie ausschließlich von ihm selbst vertreten werden möchten.

Ist diese Frage nicht klar geregelt, wird im Zweifelsfall durch Auslegung ermittelt, ob der Bevollmächtigte Untervollmachten erteilen darf: Laut Bundesgerichtshof ist eine Untervollmacht nicht zulässig, wenn der Vollmachtgeber erkennbar ein Interesse an der persönlichen Wahrnehmung der Vertretungsmacht durch den Bevollmächtigten hat. Bevollmächtigte sollten in so einem Fall, wenn möglich, lieber die Erlaubnis des Vollmachtgebers einholen.

Wie bei allen Vollmachten gilt außerdem: Der Unterbevollmächtigte muss Dritten das Original der Untervollmacht vorlegen können, um für den Vollmachtgeber entscheiden und handeln zu können – eine Kopie reicht nicht aus.

Tipp: In unserem Ratgeber erfahren Sie mehr zur Gültigkeit einer Vorsorgevollmacht.

Sind Untervollmachten bei der Vorsorgevollmacht sinnvoll?

Ob es sinnvoll ist, die Erteilung von Untervollmachten in der Vorsorgevollmacht zu gestatten, hängt von der individuellen Situation ab. Wenn Sie zu Ihrem Bevollmächtigten uneingeschränktes Vertrauen haben, spricht grundsätzlich nichts dagegen, ihm diese Freiheit zu geben. Denn setzt er die Untervollmacht in Ihrem Interesse ein – beispielsweise um die Organisation Ihrer Pflege zu erleichtern – profitieren Sie als Vollmachtgeber davon. Eine Untervollmacht verhindert mitunter sogar eine gerichtlich angeordnete Betreuung. Denn wenn Ihr Bevollmächtigter sich nicht wie geplant um Ihre Angelegenheiten kümmern kann, muss dies eine andere Person übernehmen – im Zweifelsfall ein Berufsbetreuer.

Allerdings gibt es noch eine andere Möglichkeit, sich diesbezüglich abzusichern: Sie können in Ihrer Vorsorgevollmacht mehrere Personen bevollmächtigen. Dabei können Sie Ihren Bevollmächtigten auch genaue Anweisungen geben, wer der Hauptbevollmächtigte sein soll und wer unter welchen Bedingungen für ihn einspringen soll. Dies regeln Sie am besten im sogenannten Innenverhältnis – einer Vereinbarung zwischen Ihnen und Ihren Vertrauenspersonen, die genau definiert, wie diese die Vollmacht einsetzen dürfen. Bei der Untervollmacht hingegen liegt die Entscheidung, welche dritte Person Sie vertreten soll, bei Ihrem Bevollmächtigten.

Vielleicht ist auch eine Kombination aus beidem die passende Variante für Sie: Sie können mehrere Vertrauenspersonen bevollmächtigen und zusätzlich vereinbaren, dass diese wiederum per Untervollmacht Stellvertreter benennen können.

Das Wichtigste in Kürze:
  • Sie können entscheiden, ob Ihr Bevollmächtigter laut Vorsorgevollmacht berechtigt sein soll, dritten Personen Untervollmachten zu erteilen. Diese vertreten dann nicht den Bevollmächtigten, sondern Sie – den Vollmachtgeber.
  • Ist der Bevollmächtigte selbst einmal krank oder anderweitig verhindert, kann der Unterbevollmächtigte sich um Ihre Angelegenheiten kümmern.
  • Sie können festlegen, für welche Bereiche die Untervollmacht gelten darf. So können Sie z. B. ausschließen, dass eine dritte Person im Ernstfall über Ihre medizinische Behandlung entscheidet.
  • Bevollmächtigen Sie von vornherein mehrere Vertrauenspersonen, ist die Wahrscheinlichkeit geringer, dass diese eine Untervollmacht benötigen. Denn dann kann notfalls meist ein anderer Bevollmächtigter einspringen.

Häufig gestellte Fragen

Können zwei Personen eine Vorsorgevollmacht haben?

Sie können selbstverständlich auch zwei oder mehr Personen bevollmächtigen, z. B. Ihren Ehepartner und Ihre erwachsenen Kinder. Das hat den Vorteil, dass die Bevollmächtigten sich die oft anspruchsvolle und zeitintensive Aufgabe teilen können. Für den Vollmachtgeber besteht der Vorteil vor allem darin, dass ein anderer Bevollmächtigter einspringen kann, falls eine Person ausfaällt. Zudem ist das Risiko für einen Missbrauch der Vollmacht geringer, wenn die bevollmächtigten Personen wichtige Entscheidungen gemeinsam treffen. Hier erfahren Sie, wie Sie eine Vorsorgevollmacht für mehrere Personen erstellen.

Wer braucht eine Vorsorgevollmacht?

Da weder Ihr Partner noch Ihre Kinder oder andere Angehörige automatisch zu Ihren gesetzlichen Vertretern werden, wenn Sie selbst nicht mehr ansprechbar oder handlungsfähig sind, sollten Sie unbedingt mindestens eine Vertrauensperson bevollmächtigen. Besser ist es, mehrere Bevollmächtigte zu haben – so können z. B. Ihre Kinder bei Bedarf für Ihren Partner einspringen. Nur wenn das Vertrauensverhältnis wenig ausgeprägt ist, sollten Sie anstatt der Vorsorgevollmacht eine Betreuungsverfügung in Erwägung ziehen. Ansonsten dient die Betreuungsverfügung als zusätzliche Absicherung. Hier erfahren Sie mehr: Vorsorgevollmacht oder Betreuungsverfügung?

Ähnliche Artikel