Vorsorgevollmacht bei Demenz: So können Erkrankte vorsorgen

Vorsorge­vollmacht bei Demenz: So können Erkrankte vorsorgen

16.12.2020

Etwa 1,6 Millionen Menschen hierzulande haben eine Demenz, die meisten von ihnen leiden an Alzheimer. Die Erkrankung tritt erst im hohen Alter auf. Dabei lassen die geistigen Fähigkeiten im Alter mehr und mehr nach – zunächst leidet das Kurzzeitgedächtnis, später ist dann auch das Langzeitgedächtnis betroffen. Zudem verändern sich das Verhalten und die Persönlichkeit der Betroffenen, sie können ängstlicher und scheuer werden, aber auch misstrauisch und aggressiv. Irgendwann kommt ein Punkt, an dem die Erkrankten die Konsequenzen ihrer Entscheidungen nicht mehr abschätzen können. Sie sind dann geschäftsunfähig und brauchen eine Betreuungsperson, die für sie Entscheidungen trifft. Ob die Geschäftsunfähigkeit eingetreten ist, können selbst Mediziner manchmal nur schwer feststellen.

Geschäftsfähigkeit ist Voraussetzung für Vorsorgevollmacht

Wer befürchtet, einmal an Demenz zu erkranken, sollte so früh wie möglich vorsorgen. Mit einer Vorsorgevollmacht können Sie eine oder mehrere Personen bestimmen, die später einmal für Sie handeln sollen. So können Sie eine gerichtlich angeordnete Betreuung vermeiden. Denn Angehörige können Demenzkranke nicht automatisch vertreten. Sie dürfen nur handeln, wenn sie in einer Vorsorgevollmacht ausdrücklich dazu bevollmächtigt wurden. Ärzte haben keine Informationspflicht gegenüber Angehörigen und müssen auch nicht ihre Zustimmung zu Behandlungen einholen, dies ist nur bei Bevollmächtigten der Fall.

Achtung: Ist keiner Ihrer Angehörigen bevollmächtigt, dürfen Ärzte ihnen keine Auskunft über Ihren Gesundheitszustand erteilen.

Jede volljährige geschäftsfähige Person kann eine Vorsorgevollmacht erstellen. Sie sollten sie schriftlich erstellen, datieren und unterschreiben. Bei Demenzpatienten besteht die Gefahr, dass später infrage gestellt wird, ob sie zum Zeitpunkt der Erstellung geschäftsfähig waren. Für die Bevollmächtigten ist es meist unmöglich, dies nachträglich nachzuweisen.

Darum sollten Sie bereits bei der Erstellung der Vorsorgevollmacht Ihre Geschäftsfähigkeit bestätigen lassen, zum Beispiel durch Ihren behandelnden Arzt. Sie sollten die Bescheinigung unbedingt mit der Vollmacht gemeinsam aufbewahren. Eine weitere Möglichkeit ist die notarielle Beurkundung. Hierbei wird das Dokument gemeinsam mit dem Notar aufgesetzt, er stellt die Geschäftsfähigkeit fest, spricht alle wichtigen Punkte mit dem Vollmachtgeber durch und erstellt schließlich die Vollmacht in rechtssicheren Formulierungen.

Mehr Informationen zur Bestätigung der Geschäftsfähigkeit durch den Notar finden Sie hier:

Vorsorgevollmacht Kosten: Was Sie beim Notar bezahlen

Können Demenzpatienten die Vollmacht widerrufen?

Die Vorsorgevollmacht kann jederzeit geändert oder widerrufen werden, solange der Vollmachtgeber geschäftsfähig ist. Ändert ein nicht mehr geschäftsfähiger Demenzpatient später seine Meinung und spricht sich gegen die Vollmachterteilung aus, kann sie nicht mehr widerrufen werden. Die Vorsorgevollmacht soll das Selbstbestimmungsrecht der Betroffenen stärken: In gesunden Tagen wird eine Person bestimmt, die sich um die eigenen Angelegenheiten kümmert, wenn man selbst nicht mehr dazu in der Lage ist. Darum kann eine einmal erteilte Vollmacht von geschäftsunfähigen Personen nur in Ausnahmefällen widerrufen werden, zum Beispiel bei unredlichem Verhalten des Bevollmächtigten.

Damit Bevollmächtigte für den Vollmachtgeber handeln können, benötigen sie das Originaldokument. Um Missbrauch zu verhindern, behält der Ersteller in der Regel das Original und händigt den Bevollmächtigten eine Kopie aus. Die Stellvertreter sollten jedoch wissen, wo sich die Vorsorgevollmacht befindet, damit sie im Notfall darauf zugreifen können. Dies gilt umso mehr bei Demenzpatienten, bei denen das Gedächtnis mit der Zeit immer mehr nachlässt.

Tipp: Eine Registrierung der Vorsorgevollmacht beim Zentralen Vorsorgeregister der Bundesnotarkammer ist in jedem Fall sinnvoll, denn dort erkundigen sich Betreuungsgerichte im Ernstfall, ob der Betroffene eine Vorsorgevollmacht erstellt hat.

Betreuungsverfügung setzt keine Geschäftsfähigkeit voraus

Die Betreuungsverfügung ist eine Alternative für Demenzpatienten, die nicht mehr geschäftsfähig sind. In der Betreuungsverfügungen können Sie festhalten, welche Person vom Gericht als Betreuer eingesetzt werden soll. Alternativ oder zusätzlich können Sie auch angeben, welche Person auf keinen Fall als Betreuer eingesetzt werden soll. Sie können auch noch weitere Regelungen und Wünsche festhalten, zum Beispiel, dass Sie möglichst lange zu Hause leben wollen. Beim Verfassen der Betreuungsverfügung sollten Sie so konkret wie möglich formulieren, damit Ihre Wünsche bestmöglich umgesetzt werden können. Im Gegensatz zu Bevollmächtigten wird bei Betreuern durch das Betreuungsgericht überprüft, ob sie in Ihrem Sinne handeln. Die Betreuungsverfügung kann – genau wie die Patientenverfügung – auch ergänzend zur Vorsorgevollmacht erstellt werden.

Tipp: In unserem Ratgeber erklären wir die gesetzlichen Grundlagen der Betreuung und der Vorsorgevollmacht.

Das Wichtigste in Kürze:
  • Viele Demenzkranke sind irgendwann nicht mehr geschäftsfähig. Dann ist es zu spät, um eine Vorsorgevollmacht zu erstellen. Sorgen Sie darum rechtzeitig vor.
  • Bei einer bereits bestehenden Demenz kann es noch möglich sein, eine Vorsorgevollmacht aufzusetzen. Wichtig ist, dass ein Notar oder ein Arzt die Geschäftsfähigkeit bestätigen.
  • Der Vollmachtgeber kann die Vollmacht widerrufen, solange er geschäftsfähig ist. Ist er das nicht mehr, ist ein Widerruf nur in Ausnahmefällen möglich.
  • Geschäftsunfähige Demenzpatienten haben die Möglichkeit, anstatt einer Vorsorgevollmacht eine Betreuungsverfügung aufzusetzen. Darin können sie angeben, wen sie sich als Betreuer wünschen bzw. wer es nicht werden soll.

Häufig gestellte Fragen

Wann ist eine Vorsorgevollmacht ungültig?

Eine gültige Vollmacht kann nur aufsetzen, wer geschäftsfähig ist. Bestehen Zweifel daran, dass der Vollmachtgeber beim Erstellen des Dokuments geschäftsfähig war, ist die Vollmacht also im Ernstfall womöglich nicht gültig. Aber auch Formfehler können dazu führen, dass die Vorsorgevollmacht ungültig ist. Wie Sie sichergehen, dass Ihre Vollmacht im Ernstfall funktionsfähig ist, erklären wir in unserem Ratgeber Vorsorgevollmacht Gültigkeit: Alles was Sie wissen müssen.

Wie oft muss man die Vorsorgevollmacht erneuern?

Grundsätzlich gilt die Vorsorgevollmacht unbegrenzt. Sie sollten aber regelmäßig überprüfen, ob der Inhalt noch aktuell ist. Dasselbe gilt für die Patientenverfügung. Schließlich können vor allem Lebensereignisse wie Heirat, Scheidung, die Geburt von Kindern oder die Diagnose einer Krankheit Ihre Sicht auf das Thema Vorsorge verändern. Indem Sie mindestens alle zwei Jahre prüfen, ob die Dokumente noch auf dem neuesten Stand sind, gehen Sie sicher, dass im Ernstfall Ihr aktueller Wille umgesetzt wird.

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