Bekomme ich beim Hausarzt eine Patienten­verfügung?

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von Christina Horst
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10.09.2020 (aktualisiert: 09.02.2021)
Bekomme ich beim Hausarzt eine Patientenverfügung?Bekomme ich beim Hausarzt eine Patientenverfügung?
Das Wichtigste in Kürze:
  • Sie können eine Patienten­verfügung beim Hausarzt erstellen. Vorgeschrieben ist das aber nicht – das Dokument ist mit Ihrer eigenen Unterschrift gültig.
  • Eine ärztliche Beratung ist beim Erstellen der Patienten­verfügung sinnvoll, da es für Laien nahezu unmöglich ist, die eigenen Wünsche in medizinisch eindeutige Handlungsanweisungen zu übersetzen.
  • Die Beratung zur Patienten­verfügung und ggf. weitere Leistungen, die Sie mit Ihrem Hausarzt vereinbaren (z. B. Untersuchungen und die Bestätigung der Einwilligungsfähigkeit) müssen Sie in der Regel selbst bezahlen.

Laut der Zeitschrift für Allgemeinmedizin (Hrsg.: Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin) steigt in Hausarztpraxen die Nachfrage nach Beratungsgesprächen zur Patienten­verfügung. Das ist eine positive Entwicklung, denn leider kommt es immer wieder vor, dass solche Dokumente ohne das notwendige Hintergrundwissen erstellt werden und im Ernstfall nicht anwendbar sind – z. B. mit Formularen zum Ankreuzen oder Mustern. Das hat in der Vergangenheit sogar zu weitreichenden Urteilen des Bundesgerichtshofes (BGH) zur Patienten­verfügung geführt, laut denen das Vorsorge­dokument seine Bindungswirkung nur entfaltet, wenn es hinreichend präzise formuliert ist. Wir erklären, wie Ihr Hausarzt Ihnen beim Erstellen einer wirksamen Patienten­verfügung helfen kann.

Muss ich meine Patienten­verfügung vom Arzt unterschreiben lassen?

Laut § 1901a BGB (Bürgerliches Gesetzbuch), dem Gesetz zur Patienten­verfügung, müssen Sie weder einen Arzt noch einen Notar oder Anwalt aufsuchen, um eine gültige Patienten­verfügung zu erstellen. Das Dokument gilt mit Ihrer eigenen Unterschrift. Doch insbesondere der Hausarzt kann entscheidend dazu beitragen, dass Ihre Wünsche im Ernstfall genau so umgesetzt werden, wie Sie es sich vorstellen.

Vor allem drei Gründe sprechen dafür, sich die Patienten­verfügung vom Hausarzt unterschreiben zu lassen:

  • Bestätigung der Einwilligungsfähigkeit: Der Arzt kann Ihnen durch seine Unterschrift bestätigen, dass Sie einwilligungsfähig waren, als Sie die Patienten­verfügung verfasst haben. So kommen im Ernstfall keine Zweifel daran auf, dass Ihre Verfügung den gesetzlichen Vorgaben entspricht.
  • Beratung zu medizinischen Fragen: Ihr Arzt kann Ihnen erklären, in welchen Situationen eine Patienten­verfügung typischerweise zum Einsatz kommt und welche Handlungsanweisungen für Mediziner dann wichtig sind. Weil Themen wie lebenserhaltende Maßnahmen, Wiederbelebung, Palliativpflege und Organspende für Laien schwer zu durchschauen sind, trägt die ärztliche Beratung wesentlich zu einer informierten Entscheidungsfindung bei. Ihr Hausarzt kennt zudem Ihre Kranken­geschichte – so kann er Ihnen helfen, z. B. bei Krebs eine Patienten­verfügung zu verfassen, die genau auf Ihre Behandlungs­situation zugeschnitten ist oder das Thema Organspende in der Patienten­verfügung nach Ihrem Wünschen abzudecken.
  • Dokumentation der Beratung: Mit einer vom Hausarzt unterschriebenen Patienten­verfügung bekräftigen Sie, dass Sie hinter den festgehaltenen Entscheidungen stehen und über deren Konsequenzen aufgeklärt wurden. Erweckt das Dokument hingegen den Anschein, dass Sie sich der Tragweite Ihrer Entscheidungen nicht bewusst waren, müssen die behandelnden Mediziner in der Regel zusammen mit einem Bevollmächtigten bzw. einem vom Gericht bestellten Betreuer entscheiden, was zu tun ist. Oft ist das bei Ankreuzformularen der Fall.

Nutzen Sie also wenn möglich die Gelegenheit, sich von einem Arzt Ihres Vertrauens ausführlich beraten zu lassen, dokumentieren Sie dies in Ihrer Patienten­verfügung und lassen Sie sich zuletzt die Einwilligungsfähigkeit durch die ärztliche Unterschrift bestätigen. So kommt im Ernstfall im Kranken­haus keine Unsicherheit darüber auf, ob Sie zu dem Zeitpunkt des Verfassens auch einwilligungsfähig waren.

Was kostet eine Patienten­verfügung vom Arzt?

Das Erstellen einer Patienten­verfügung beim Hausarzt ist keine Leistung der gesetzlichen Kranken­versicherung, sondern eine sogenannte IGeL (individuelle Gesundheits­leistung). Sie zahlen die Rechnung also im Normalfall selbst. Je nachdem, was Sie mit Ihrem Arzt vereinbaren, führt er mit Ihnen z. B. Beratungsgespräche, führt symptombezogene oder psychiatrische Untersuchungen durch und hilft Ihnen beim Aufsetzen der schriftlichen Patienten­verfügung. Die einzelnen Leistungen werden nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) abgerechnet. In unserem Ratgeber zu den Kosten der Patienten­verfügung erfahren Sie, wie viel Geld Sie für welche Leistung einkalkulieren müssen.

Wichtig ist, dass Sie beim Erstellen dieses wichtigen Vorsorge­dokuments nicht am falschen Ende sparen. Auf eine notarielle Beglaubigung oder Beurkundung bzw. eine juristische Beratung können Sie eher verzichten als auf medizinisch eindeutige Formulierungen. Der Hausarzt ist darum in jedem Fall ein geeigneter Ansprechpartner.

Patienten­verfügung von Afilio – von Ärzten empfohlen

Die Patienten­verfügung von Afilio wurde in Zusammenarbeit mit Ärzten und Juristen entwickelt. Die verwendeten Formulierungen sind medizinisch eindeutig und berücksichtigen die aktuelle Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes. Erstellen Sie Ihre rechtssichere Patienten­verfügung mit wenigen Klicks – anschließend können Sie sie von einem Arzt Ihres Vertrauens unterschreiben lassen.

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Häufig gestellte Fragen

Wer stellt eine Patienten­verfügung aus?

Es braucht keine offizielle Ausstellung einer Patienten­verfügung, damit diese gültig ist. Sie können die Patienten­verfügung ganz einfach mit Hilfe einer Vorlage oder eines digitalen Anbieters erstellen. Sinnvoll ist es, die Patienten­verfügung anschließend noch einmal von einem Arzt unterschreiben zu lassen. Er bestätigt damit, dass Sie zum Zeitpunkt der Erstellung einwilligungsfähig waren.

Kann man eine Patienten­verfügung selbst erstellen?

Sie können Ihre Patienten­verfügung selbst schreiben. Davon ist allerdings abzuraten, denn verschiedene BGH-Urteile geben vor, dass die Verfügung rechtssicher verfasst werden muss. Wer ohne Hilfe eine eigene Patienten­verfügung aufsetzt, läuft Gefahr, dass diese im Zweifel eben nicht rechtsgültig und damit unwirksam ist. Erstellen Sie Ihre Patienten­verfügung lieber mit Afilio – garantiert rechtssicher, einfach und umfassend.

Christina Horst

Christina Horst

Christina Horst war bis Januar 2021 Content Managerin bei Afilio und schrieb vor allem über Vorsorge­themen wie die Patienten­verfügung und die Vorsorge­vollmacht. Zuvor war sie als Online-Redakteurin und Lektorin in Unternehmen und Agenturen sowie als freie Journalistin tätig.

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