
Früh vorbeugen schützt vor Demenz. Zehn Tipps

Das Wichtigste in Kürze:
- Fast die Hälfte aller Demenz-Erkrankungen ließe sich durch Prävention vermeiden.
- Entscheidend ist vor allem der Schutz vor Schlaganfall und anderen Hirnschäden.
- Unsere 10 Tipps zeigen, wie Sie im Alltag vorbeugen können – von Bewegung bis Geselligkeit.
Kaum eine Krankheit wird so gefürchtet wie die Demenz - sie trifft den Kern der Persönlichkeit: Das Gedächtnis schwindet wie das Denken, die Orientierung geht verloren, das Leben entgleitet. Glaubt man der Deutschen Alzheimer Gesellschaft, leben hierzulande rund 1,8 Millionen Menschen mit Demenz. „Sofern kein Durchbruch in Prävention und Therapie gelingt", warnt die Organisation, „wird sich die Krankenzahl bis zum Jahr 2050 auf 2,3 bis 2,7 Millionen erhöhen".
Ob es tatsächlich so kommt, ist durchaus umstritten. Es gibt sogar Hinweise, dass weniger ältere Menschen erkranken als in früheren Jahren und auch die Gesamtzahl der Patienten zurückgeht. Die Bedrohung für jeden Einzelnen jedoch bleibt. Dabei ist Demenz kein Schicksal, das sich nicht beeinflussen lässt. Fast die Hälfte aller Erkrankungen ließe sich nach Schätzungen von Fachleuten durch Prävention vermeiden.
Studie: Neuerkrankungen gehen zurück
Der Befund sorgte für Überraschung: In einer 2025 veröffentlichten Analyse fand ein deutsches Forscherteam anhand von Abrechnungsdaten der gesetzlichen Krankenkassen heraus, dass die Zahl der neu aufgetretenen Demenzfälle bei Personen über 65 Jahre von 2015 bis 2022 um mehr als ein Viertel (25,7 Prozent) gesunken ist. Anders als aufgrund der Alterung der Gesellschaft erwartet, ging auch die Gesamtzahl der dokumentierten Demenzfälle in Deutschland zurück. Sie sank von 1,56 Millionen im Jahr 2025 auf 1,43 Millionen im Jahr 2022.
Was ist Demenz?
Demenz ist keine Krankheit mit klarer Ursache und Diagnose wie etwa Gürtelrose oder Lungenkrebs. Demenz ist ein Oberbegriff für einen Krankheitszustand, der viele verschiedene Ursachen und Formen haben kann.
Die häufigste Ursache sind Durchblutungsstörungen des Gehirns. Im schlimmsten Fall kommt es zum Schlaganfall. Pro Jahr trifft er in Deutschland rund 270.000 Menschen. Zwar gelingt es Ärzten heute, viele Betroffene zu retten. Doch fast jeder dritte Überlebende entwickelt im Laufe der folgenden Monate oder Jahre einen demenzähnlichen Zustand oder eine Demenz.
Weitere Ursachen für eine Demenz sind schwere chronische Schädigungen des Gehirns. Zu den häufigen Auslösern gehören Hirnblutungen, wiederholte Kopfverletzungen (Chronische Traumatische Enzephalopathie), jahrelanger übermäßiger Alkoholkonsum (Korsakow-Syndrom) und die dauerhafte Einnahme von starken Schlaf- und Beruhigungsmitteln (Benzodiazepinen) wie Valium, Tavor oder Lorazepam.
Besonders gefährdet sind auch Diabetiker. Das liegt nicht nur daran, dass Zuckerkranke ein drei- bis fünffach erhöhtes Risiko haben, einen Schlaganfall zu erleiden. Durch falsche Dosierung von blutzuckersenkenden Medikamenten kommt es bei Diabetikern auch oft zu schweren Unterzuckerungen, die dem Gehirn schaden können. Sei es, weil die Betroffenen aufgrund der Unterzuckerung stürzen und sich den Kopf anschlagen oder aber, weil die Unterzuckerung zu Krämpfen führt, die bleibende Hirnschäden verursachen.
Viele Ursachen, ähnliche Symptome
Die Folgen all dieser unterschiedlichen Hirnschädigungen sind die klassischen Symptome einer Demenz: Gedächtnisstörungen und Vergesslichkeit. Von einer echten Demenz spricht man aber nur, wenn weitere geistige (kognitive) Fähigkeiten wie Denken, Orientierung, Auffassung, Lernfähigkeit, Sprache und das Urteilsvermögen erheblich und über einen längeren Zeitraum beeinträchtigt sind – und wenn andere mögliche Ursachen für die geistigen Beeinträchtigungen durch gründliche Untersuchungen ausgeschlossen worden sind.
10 Tipps, die helfen, geistig fit zu bleiben
Einen hundertprozentigen Schutz vor Demenz gibt es nicht. Doch mit einem gesunden Lebenswandel lässt sich das Risiko deutlich verringern. Eine zentrale Rolle spielt dabei der Schutz vor einem Schlaganfall und kleineren, wiederholten Hirninfarkten. Es geht aber auch darum, andere Störungen der Hirnfunktion zu verhindern.
1. Vitaminmangel erkennen und behandeln
Eigentlich sind die meisten Vitamine, die wir benötigen, in ausreichender Menge in unserer Nahrung enthalten. Trotzdem kann es gerade bei älteren Menschen zu Vitaminmangel kommen, der sich auf das Gehirn auswirkt. Mögliche Folgen sind nicht nur Gedächtnisstörungen, sondern auch Ängste, Desorientiertheit, Depression, Koordinationsstörungen und sogar Psychosen. Eine maßgebliche Rolle spielen dabei die Vitamine B1, B12 und B3. Studien zufolge sind zum Beispiel zehn bis 30 Prozent aller Menschen über 65 Jahren nicht ausreichend mit Vitamin-B12 versorgt. Grund dafür kann sein, dass die Aufnahme des Vitamins aufgrund einer Nieren- oder Darmerkrankung gestört ist. Auch Medikamente gegen Sodbrennen, sogenannte Säureblocker wie die Wirkstoffe Omeprazol und Pantoprazol, erhöhen das Risiko für einen Vitamin-B12-Mangel.
Ein gefährlicher Vitamin-B1-Mangel tritt häufig bei Menschen auf, die lange Zeit über Infusionen mit Nährstoffen versorgt werden oder sich selbst einseitig ernähren, indem sie etwa nur Weißmehlprodukte essen. Um früh gegensteuern zu können, ist es sinnvoll, die Werte regelmäßig bestimmen zu lassen.
2. Hormonhaushalt prüfen
Demenzsymptome wie Konzentrations- und Gedächtnisstörungen können auch durch eine Unterfunktion der Schilddrüse hervorgerufen werden. Die Betroffenen sprechen langsamer, ihre Aufmerksamkeit und ihr Gedächtnis lassen nach. Auch Persönlichkeitsveränderungen und akute Unruhezustände können eine Folge sein. Gerade bei Senioren wird eine Schilddrüsenunterfunktion häufig nicht erkannt, falsch gedeutet und daher nicht richtig behandelt. Dabei lassen sich die Probleme in der Regel leicht durch die Gabe von Schilddrüsenhormonen (L-Thyroxin) beheben. Vor allem bei älteren Menschen darf das Medikament allerdings nicht zu hoch dosiert werden. Um das zu verhindern, sollten Betroffene wenigstens einmal einen Facharzt für Hormone (Endokrinologe) aufsuchen. Danach kann der Hausarzt die Therapie begleiten.
3. Regelmäßig bewegen
Regelmäßige Bewegung ist ein wahres Wundermittel. Ob Spazierengehen, Radfahren, Tanzen oder Joggen – sobald der Körper in Aktion ist, verbrauchen die Muskeln Energie und verbessert sich die Durchblutung. Das stärkt nicht nur das Herz. Bewegung hilft auch bei Übergewicht und Diabetes. Zudem löst Bewegung Stress und hebt die Stimmung. Am meisten nützt regelmäßiger Sport. Dabei ist es fast egal, welcher. Hauptsache, er macht so viel Spaß, dass man auf Dauer dabei bleibt. Auch wer allzu schweißtreibende Aktivitäten scheut, kann etwas tun. Bewegung lässt sich einfach in den Alltag einbauen: die Treppe statt den Aufzug benutzen oder immer eine Busstation früher aussteigen und den Rest der Strecke zu Fuß gehen. Schon das hat erhebliche Effekte auf Gesundheit und Gehirn.
4. Blutdruck auf natürliche Weise senken
Bluthochdruck tut nicht weh und verursacht in der Regel über längere Zeit keine erkennbaren Symptome. Genau darin liegt eine Gefahr. Viele Menschen wissen nicht, dass ihre Werte bedenklich hoch sind – oder ignorieren es. Dabei ist Bluthochdruck einer der Hauptrisikofaktoren für eine Demenz. Unter anderem deshalb, weil er kleine Infarkte und eine zunehmende Schädigung von Nervenfasern im Gehirn verursacht. Die beste Strategie, sich davor zu schützen, ist, die klassischen Auslöser von Bluthochdruck zu vermeiden oder abzustellen: Übergewicht, Bewegungsmangel, Rauchen, starker Alkoholkonsum und chronischer Stress. Zwar gibt es Medikamente, mit denen sich der Blutdruck senken lässt. Diese beheben aber nicht die Ursachen – und sorgen mitunter für andere, neue Probleme in Form von Nebenwirkungen. Gesünder und nachhaltiger ist es, selbst aktiv zu werden und sich so auf mehrfache Weise Gutes zu tun.
5. Überflüssige Pfunde loswerden
Wer sein Gewicht dauerhaft verringern will, sollte nicht nur auf gesündere Nahrungsmittel umsteigen. Es kommt auch auf Dinge an, die gar nicht direkt mit Kalorien zu tun haben. Dazu gehört zum Beispiel, dass man sich bei den Mahlzeiten wirklich nur dem Essen widmet - und sich Zeit lässt. Hilfreich ist auch, sich künftig einfach kleinere Bissen auf die Gabel zu laden und das Besteck zwischendurch auch mal hinzulegen. Die Erfahrung zeigt: Es dauert etwa 20 Minuten, bis der Körper mit Sättigung reagiert. Bis dahin haben viele Menschen, die mit überflüssigen Pfunden kämpfen, schon viel mehr gegessen als sie eigentlich brauchten, um satt zu werden. Außerdem gilt: Drei Mahlzeiten pro Tag reichen. Oft essen wir zwischendurch nur, um Stress oder Frust abzubauen. Statt dann zum Schokoriegel oder zu Chips zu greifen, können wir uns auch auf andere Weise etwas Gutes tun: etwa einen Spaziergang machen, ein Buch lesen oder ein Schaumbad nehmen.
6. Mit dem Rauchen aufhören
Rauchen zählt – nach Bluthochdruck – zu den maßgeblichen vermeidbaren Risikofaktoren für einen Schlaganfall. Nach Angaben der World Stroke Organisation ist die Gefahr, einen Schlaganfall zu erleiden, bei einem Raucher, der täglich 20 Zigaretten raucht, sechsmal höher als bei einem Nichtraucher. Ein Ausstieg wird schnell belohnt. Nach fünf Jahren gleicht das Risiko dem eines Nichtrauchers.
Wer seit Jahren raucht und sich von einem Tag auf den anderen von der Zigarette verabschieden möchte, kann sich diesen Schritt durch ein paar Tricks erleichtern.
- Freunde und Angehörigen bitten, niemals eine Zigarette anzubieten - und zwar selbst dann nicht, wenn sie in einem Moment der Schwäche darum gebeten werden.
- Typische Rauchsituationen neu gestalten. Statt der Zigarette nach dem Essen ein Spaziergang um den Häuserblock. Statt des verrauchten Fernsehabends ein neues Hobby wie Tanzen, Schwimmen oder gemeinsames Kochen mit Freunden.
- Das Bedürfnis nach einer Zigarette mit zuckerfreien Kaugummis, Pfefferminz oder sauren Drops überbrücken.
- Ausreichend Schlaf und Entspannung
7. Diabetes verhindern
Die meisten Zuckerkranken leiden an einem sogenannten Typ-2-Diabetes. Er ist die Folge einer Überlastung der Bauchspeicheldrüse. Sie produziert zwar noch Insulin. Die Menge reicht aber im Verhältnis zum Bedarf der Zellen nicht mehr aus. Dadurch steigt die Zuckerkonzentration im Blut an. Jeder Einzelne kann viel dafür tun, das zu verhindern. Es kommt vor allem auf drei Dinge an: regelmäßige Bewegung, Normalgewicht halten – und die Vermeidung von Medikamenten, von denen man weiß, dass sie die Entstehung von Diabetes fördern. Das sind gar nicht so wenige. Die Palette reicht von Mitteln gegen Bluthochdruck und Rheuma über Präparate gegen Depression (z.B. Doxepin) oder gegen Psychosen (z.B. Olanzapin) bis hin zu Beruhigungsmitteln (z.B. Pregabalin) und Immunsuppressiva (z. B. Ciclosporin). Wann immer möglich, sollte die Einnahme solcher Medikamente vermieden oder reduziert werden, natürlich nur in Absprache mit einem Arzt.
8. Alkoholfrei leben
Wein, Bier und Schnaps gehören zu unserer Gesellschaft wie das tägliche Brot. Und keine Frage: Alkoholische Getränke tragen oft zu Geselligkeit und kulinarischen Genüssen bei. Doch Alkohol ist ein Zellgift. Er schadet nicht nur der Leber, sondern allen anderen Organen, vor allem dem Gehirn. Schätzungen zufolge gehen bis zu einem Viertel aller Demenzerkrankungen auf das Konto von Alkohol. Was viele Menschen nicht wissen: Mit zunehmendem Alter verträgt der Körper Alkohol immer schlechter. Außerdem verstärken etliche Arzneimittel die Wirkung von Alkohol auf das Gehirn. Deshalb gilt: am besten ganz auf alkoholfreie Getränke umsteigen.
9. Medikamente mit Bedacht einsetzen
Arzneimittel können hilfreich sein und Leben retten. Doch immer mehr älteren Menschen werden sie heute auch zum Verhängnis. Denn viele Senioren nehmen inzwischen täglich hochwirksame Medikamente – oft mehrere parallel und über Jahre hinweg. Zahlreiche Schmerzmittel, Schlafmittel, Blutdrucksenker, Präparate gegen Blasenschwäche und Antidepressiva rufen im Alter aber Nebenwirkungen wie Gedächtnisstörungen, Verwirrtheit, Unruhe, Probleme beim Sprechen oder Wahnvorstellungen hervor. Inzwischen liegt eine Liste von 187 häufig verordneten Wirkstoffen vor, die ältere Menschen aus diesem Grund meiden sollten: die sogenannte Priscus-Liste. Deshalb ist es sinnvoll, bei allen Medikamenten zu prüfen, ob sie in der Priscus-Liste stehen. Wenn ja, stellt sich die Frage, ob es eine Alternative gibt - und ob das Präparat überhaupt noch nötig ist oder zumindest die Dosis reduziert werden kann.
10. Freundschaften pflegen und für Geselligkeit sorgen
Menschen mit einem großen Freundes- und Bekanntenkreis erkranken seltener an Demenz als Menschen, die viel allein sind. Tatsächlich gilt Einsamkeit als einer der Hauptrisikofaktoren für Demenz. Keine Frage: Mit zunehmendem Alter nehmen soziale Kontakte automatisch ab. Deshalb ist es gut, bestehende Freundschaften gezielt zu pflegen. Es lohnt sich auch, alte Verbindungen wieder aufzunehmen und neue Kontakte zu knüpfen.
Lesetipp: Mehr zum gesunden Altern lesen Sie in Wir können sehr viel tun, um ein hohes Alter zu erreichen.
