
Impfungen ab 60: Welche wichtig sind – und warum
Liegen auch bei Ihnen Impfungen zum Teil lange zurück? Manche sollten aufgefrischt werden, andere werden von der Ständigen Impfkommission (STIKO) des Robert Koch Instituts erst ab dem 60. Lebensjahr empfohlen.
Warum? Das Immunsystem wird mit zunehmendem Alter anfälliger und Infektionen werden daher häufiger, verlaufen schwerer und dauern länger. Bei chronischen Erkrankungen steigt zudem das Risiko. Wir haben 6 wichtige Impfungen im Check:
Uns ist bewusst, dass das Thema Impfen umstritten sein kann und es auch Studien gibt, die etwa keine Auffrischungsimpfungen für Tetanus und Diphterie als nötig ansehen. Dennoch möchten wir Sie auf die Möglichkeiten hinweisen, damit Sie individuell entscheiden können.
1. Auffrischung gegen Tetanus (Wundstarrkrampf) – alle 10 Jahre
Warum? Ältere Menschen haben oft ein erhöhtes Risiko für Stürze und Verletzungen, sei es im Garten, bei der Hausarbeit oder im Alltag. Selbst kleine Schnitt- oder Schürfwunden können zu einer Infektion mit den Tetanus-Bakterien führen. Eine Auffrischungsimpfung ist einfach und schützt vor einer lebensbedrohlichen Erkrankung.
Übrigens: In Deutschland treten aufgrund der hohen Impfraten weniger als 15 Tetanusfälle pro Jahr auf – meist bei älteren Erwachsenen.
2. Auffrischung gegen Diphtherie – alle 10 Jahre
Warum? Der Impfschutz gegen Diphtherie hält nicht ein Leben lang. Die Erkrankung kann eine schwere Infektion des Rachens und der Atemwege verursachen und zu Atemnot, Herzschäden und Lähmungen führen. Insbesondere wer viel auf Reisen ist oder Kontakt mit Reisenden hat, sollte geimpft sein.
Übrigens: Die Auffrischungsimpfung gegen Diphtherie wird meist in Kombination mit Tetanus und Keuchhusten angeboten.
3. Pneumokokken – alle 6 Jahre
Warum? Für Lungenentzündungen sind in vielen Fällen Pneumokokken verantwortlich. Die Bakterien können aber auch eine Blutvergiftung oder Hirnhautentzündung auslösen. Im schlimmsten Fall verläuft die Pneumokokken-Infektion tödlich. Auch kann sie eine Grunderkrankung, z. B. der Atemwege oder des Herz-Kreislauf-Systems, verschlimmern. Insgesamt sind 45,9 Prozent der über 60 Jahre alten Personen in Deutschland gegen Pneumokokken geimpft.
Übrigens: 2023 registrierte das Robert Koch-Institut deutschlandweit 7.147 Pneumokokken-Infektionen. Der Wert kletterte damit auf einen absoluten Höchstwert der letzten Jahrzehnte.

4. Gürtelrose (Herpes Zoster) – 2 Impfungen
Warum? Das Risiko, Gürtelrose zu entwickeln, steigt erheblich ab dem 50. Lebensjahr und nimmt mit jedem weiteren Lebensjahr zu. Nach einer Windpockeninfektion bleibt das Virus in den Nervenzellen des Körpers inaktiv. Im Alter kann das Immunsystem schwächer werden, wodurch das Virus reaktiviert wird.
Typische Symptome der Gürtelrose sind starke Schmerzen, Hautausschläge und Nervenschäden. Eine Postherpetische Neuralgie (PHN), kann Monate oder sogar Jahre nach dem Abklingen des Ausschlags anhalten und das Leben erheblich beeinträchtigen. Anhaltende Nervenschmerzen treten bei 10 bis 18 Prozent der Menschen mit Gürtelrose auf.

Die Impfung mit einem Totimpfstoff ist für Menschen ab 50 zugelassen und wird zweimal im Abstand von mindestens zwei und maximal sechs Monaten geimpft. Trotz der Empfehlung liegt die Impfquote lediglich bei knapp 8 Prozent in der Altersgruppe der über 60-Jährigen.
Übrigens: Seit 2019 ist die Impfung eine Pflichtleistung der gesetzlichen Krankenkassen.
5. Grippe (Influenza) – jährlich im Herbst
Warum? Eine echte Virusgrippe ist keine einfache Erkältung, sondern eine ernstzunehmende Erkrankung – gerade für Ältere. Sie kann etwa das Risiko für einen Herzinfarkt deutlich steigern. In Deutschland ist meist im Januar und Februar mit einer Grippewelle zu rechnen. Mehr als 40 Prozent der über 60 jährigen haben sich im vergangenen Winter gegen die Virusgrippe impfen lassen.
Für Menschen ab 60 gibt es spezielle Hochdosis-Impfstoffe, die besser wirksam sind und seit 2021 eingesetzt werden. Bis zu 9 von 100 Personen zeigen nach der Grippeimpfung Reaktionen wie bei einer Erkältung (Quelle: impfen-info.de).
Übrigens: Die beste Impfzeit ist ab Oktober bis Mitte Dezember. Denn Ihr Immunsystem braucht bis zu zwei Wochen, um einen Immunschutz aufzubauen.
6. Covid-19 – jährlich im Herbst
Warum? Auch wenn nach Angaben des RKI die Anzahl der schwer verlaufenden Atemwegsinfektionen weiterhin niedrig bleibt – das Virus ist noch da. Die STIKO empfiehlt die Basisimmunität sowie jährliche Auffrischungsimpfungen im Herbst für Menschen ab 60, bei Vorerkrankungen und für Bewohner von Pflegeeinrichtungen bzw. pflegende Personen. Deutschlandweit haben über 62 Prozent der Bevölkerung mindestens eine Auffrischung erhalten.
Übrigens: Ob Ihr Impfschutz noch ausreicht, können Sie ganz einfach mit dem Corona-Impfcheck herausfinden. Oder lassen Sie sich durch Ihren Arzt beraten.