Wenn die Sonne zum Gegner wird

Stefan Schmitz
Vom 12.08.2026

Die Hitze im Sommer nimmt beständig zu - und belastet vor allem ältere Menschen. Schon einfache Maßnahmen können helfen.

An der Bernauer Straße in Berlin soll der Mensch Schutz finden vor der Sommerhitze. Ein chromblitzendes Ding steht da, mit 32 Düsen und einem Knopf. Der 66-jährige Mathias steht davor, vergangenes Jahr ist er in den Ruhestand gegangen, aber als Wissenschaftler noch immer der Neugier verpflichtet. Er drückt auf den Sensor. Und der Regen kommt. Zumindest strömt 45 Sekunden lang mit viel Druck vernebeltes Wasser aus allen Düsen; kalt und frisch, ein Liter insgesamt. Mathias dreht sich mit dem Rücken in die weißliche Wolke, die Brille beschlägt, das T-Shirt wird ziemlich nass. Seine Frau Viola hält lieber etwas Abstand. Sie lächelt ihn an.

Ein „Cooling Point“ gegen die Rekordtemperaturen

Berlin, Mauerpark, im Sommer 2026. Ein paar Wochen erst ist es her, dass in der Stadt ein neuer Hitzerekord gemessen wurde. 39,9 Grad Celsius an der Wetterstation Tempelhof. Wenn das Häusermeer so in der Sonne brütet, nehmen Asphalt und Beton die Wärme auf und geben sie wieder ab, wenn die Menschen schlafen wollen. Es sind Nächte wie in den Tropen. Aber auch auf dem Land wird es immer heißer. Sogar 40,8 Grad waren es in Baruth in Brandenburg an jenem Samstag im Juni, als in Tempelhof der neue Berliner Rekord gemessen wurde.

Herausforderung für den Städtebau

Viola und Mathias setzen sich auf die von Grünpflanzen umgebenen Holzbänke, des so genannten „Cooling Points“, zu dem auch die Vernebelungsanlage gehört. Das Dach über ihnen ist so konstruiert, dass die Sonne schmale Streifen auf Hemd und Bluse der beiden zeichnet. Wohl dosiert ist hier der Schutz vor der Hitze.

Die ganze Anlage, gedacht zur Verbesserung der „Aufenthaltsqualität“ und ein paar zehntausend Euro teuer, wurde in Berlin heftig diskutiert. Der Lavendel in den Kübeln auch schonmal geklaut. Tatsächlich lassen sich die Hitzeprobleme nicht durch Nebelwolken lösen - sie sind eine echte Herausforderung. Für den Städtebau, aber vor allem für jeden einzelnen und insbesondere für ältere Menschen.

Immer mehr heiße Tage

Die Statistik zeigt, dass die Hitze nicht nur ein gefühltes Phänomen ist. Noch Anfang der 1950er Jahren wurden im Schnitt in Deutschland drei Tage im Jahr mit über 30 Grad registriert. Seitdem werden es immer mehr - nicht kontinuierlich von Jahr zu Jahr, aber mit einem eindeutigen Trend. Ein Spitzenwert von über 20 Tagen wurde 2018 registriert, auch im vergangenen Jahr waren es nach den Zahlen des Deutschen Wetterdienstes mehr als elf.

Diagramm zu heißen Tagen in Deutschland

Moderne Technik hilft

Mathias und Viola kommen aus Zürich, was am See und in den Bergen liegt, aber auch dem Klimawandel nicht entgehen kann. „Wir haben schon lange eine Wärmepumpe“, sagt Mathias. „Isolierte Fenster natürlich; alles, was man so machen kann.“ Sie haben ihre Möglichkeiten genutzt, um das Leben anzupassen an die Folgen der Erderwärmung.

Klare Regeln im Alltag

Zwischen den beiden steht auf der Bank eine Wasserflasche, die sie ständig begleitet. Viola hat ihren Sonnenhut aufgesetzt. Sie geht gerne schwimmen. Das hat sie auch schon gemacht, als es im Sommer noch nicht so warm war. „Aber jetzt noch öfter“, sagt sie. Gelüftet wird früh morgens und am Abend. Dazwischen halten sie die Fenster geschlossen. Mittags gehen sie an warmen Tagen nur noch vor die Tür, wenn es sein muss.

Eine Aufgabe für jeden - und für alle zusammen

Dabei behandeln sie Klimaschutz nicht als rein private Angelegenheit. „Seit 2018 bin ich nicht mehr geflogen“, sagt Mathias, der früher oft zu Tagungen rund um die Welt unterwegs war. Wenn er heute irgendwohin muss, dann fährt er mit dem Zug. Gerade erst war er in Reading in England. In Oslo war er auch schon. Das ist nicht immer bequem, aber verantwortungsvoll. Und, wie er einräumt, für einen Menschen in seiner Lebensphase leichter durchzuhalten als für Jüngere, die Karriere machen wollen.

Ostsee oder Mittelmeer

Die Sonnenstreifen leuchten auf Mathias’ Hemd, Viola blinzelt unter ihrem Hut in die wenigen Strahlen, die es durch das Dach bis zu ihr schaffen. Es ist der Mauerpark in Berlin-Mitte, aber leicht kann man sich die beiden am Mittelmeer vorstellen oder in der Karibik. Irgendwo, wo die Sonne noch mehr zuhause ist als in Deutschland. „In den Urlaub“, sagt Mathias, „fahren wir am liebsten an die Ostsee. War schon immer so.“

Bild von einem Paar im Sommer

Was tun bei Hitze

  1. Trinken: Nehmen Sie reichlich Flüssigkeit zu sich - auch wenn Sie keinen Durst verspüren

  2. Abkühlen: Lassen Sie Wasser über Hände und Arme laufen, um den Körper zu kühlen. Nehmen Sie ein Fußbad. Auch Körperlotionen oder ein Thermalwasserspray können helfen

  3. Richtig lüften: Lassen Sie morgens und abends Luft herein. Dazwischen bleiben die Fenster geschlossen. Fenster auf denen die Sonne steht, werden möglichst durch außenliegende Rollladen geschützt

  4. Entspannen: Kein Sport und keine anstrengenden Arbeiten im Freien zwischen elf und 18 Uhr. Auch Einkaufen sollten Sie möglichst nicht in der heißesten Zeit des Tages

  5. Aufpassen: Die Hitze kann die Wirkung von bestimmten Medikamenten verändern. Kühl lagern - und im Zweifel prüfen, ob die eigenen Medikamente besonders empfindlich sind

Stefan Schmitz

Stefan Schmitz, 61, hat viele Jahre für große Magazine als Politik- und Wirtschaftsjournalist gearbeitet. Jetzt schreibt und redigiert er für den Afilio-Ratgeber und steht uns mit seiner Expertise beratend zur Seite.

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