
Kennen Sie die Behandlungswünsche Ihrer Angehörigen?

Sie begleiten einen nahestehenden Angehörigen ins Krankenhaus. Er ist ansprechbar, sein Zustand ist ernst, aber noch nicht kritisch. Während Sie sich einen Kaffee holen, füllt Ihr Angehöriger einen Fragebogen aus: Welche Behandlungsmethoden würde er auf der Intensivstation akzeptieren? Unter welchen Umständen möchte er reanimiert werden? Wann soll sein Leben künstlich verlängert werden – und wann nicht?
Nach Ihrer Rückkehr werden Sie auf die Probe gestellt. Schließlich sind Sie es, der im Ernstfall entscheiden muss, wenn Ihr Angehöriger dazu nicht mehr in der Lage ist. Sie füllen den gleichen Fragebogen für Ihren Angehörigen aus. Was würde er sich wünschen? Der Abgleich der Antworten zeigt, wie gut Sie Bescheid wissen – und für viele ist diese Vorstellung zutiefst beunruhigend.
Studie zeigt: Angehörige entscheiden oft falsch
Ein ähnliches Experiment wurde am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf durchgeführt. Ziel der Studie, die kürzlich im Deutschen Ärzteblatt veröffentlicht wurde: Herauszufinden, wie gut Angehörige den Patientenwillen kennen. Stimmen der mutmaßliche und der tatsächliche Patientenwille überein? Und wie sicher sind sich Angehörige bei ihrer Einschätzung?
Das Ergebnis: Der tatsächliche und der vermutete Wille stimmen zwar in ca. 80 % der Fälle überein – doch das bedeutet auch: Jede fünfte Entscheidung geht am eigentlichen Wunsch vorbei. So hätten sechs von 96 Angehörigen eine Reanimation fälschlicherweise (also im Widerspruch zum Patientenwillen) abgelehnt.
Noch gravierender ist der Unterschied bei der Fortführung intensivmedizinischer Maßnahmen, wenn das gewünschte Mindestmaß an Lebensqualität nicht mehr erreicht werden kann: 16 % der Angehörigen hätten die Maßnahmen im Widerspruch zum Patientenwillen fortgesetzt, 8 % hätten sie fälschlicherweise abgebrochen.
Die emotionale Last der Ungewissheit
Es geht jedoch nicht nur um die „richtige“ Entscheidung – sondern um die Verantwortung, die auf den Schultern der Hinterbliebenen lastet. Nur in etwa der Hälfte der Fälle hatten die Beteiligten vorab über ihre Wünsche gesprochen.
Die schwerwiegendste Erkenntnis: Lediglich 37 % der Angehörigen waren sich sicher, den Patientenwillen zutreffend wiedergeben zu können; jeder Zehnte hatte vor dieser Aufgabe sogar Angst. Es besteht also ein klarer Handlungsbedarf.
Wie hätten Ihre Liebsten entschieden?
Machen Sie den Test.
Statistiken sind das eine, aber was wirklich zählt, ist, wie es in Ihrer Familie aussehen würde. Finden Sie es heraus! Mit unserem großen Test zum Patientenwillen.
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Ihre Sicht: Sie beantworten die wichtigsten Behandlungsfragen der Studie.
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Die Gegenprobe: Sie erhalten einen persönlichen Link, den Sie per WhatsApp oder E-Mail an Ihre Angehörigen schicken. Diese geben ihre Einschätzung ab – ohne Ihre Antworten zu sehen.
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Die Auflösung: Sie erhalten sofort eine Auswertung der Übereinstimmung.
Auf die richtige Vorsorge kommt es an
Wie lässt sich die Ungewissheit im Ernstfall minimieren? Drei Empfehlungen:
- Damit Angehörige rechtlich legitimiert sind, für Sie zu entscheiden, ist eine umfassende Vorsorgevollmacht unverzichtbar. Sie verhindert die gesetzliche Betreuung. Details finden Sie in unserem Leitfaden „Gesetzliche Betreuung verhindern” und unserem kostenlosen Expertenkurs zu Vorsorgevollmacht mit Notar Dr. Andreas Lohmeyer.
- Selbst wenn die Übereinstimmung in Ihrem Fall vergleichsweise groß ist: Jede Abweichung kann enorme Konsequenzen haben. Deshalb führt kein Weg daran vorbei, die Wünsche ausführlich zu besprechen. Vielleicht hilft Ihnen unser Gesprächsleitfaden dabei.
- Ergänzen Sie Ihre Patientenverfügung um Angaben zur minimalen Lebensqualität und zu Ihren persönlichen Werten. Dieser Aufwand ist etwas höher als bei einem bloßen Ankreuzformular, sorgt aber im Ernstfall für die nötige Klarheit. In der Afilio-Patientenverfügung führen wir Sie durch diese wichtigen Fragen – bei Bedarf unterstützt durch eine intelligente Formulierungshilfe für Ihre Wertevorstellungen.