Vorsorge­vertrag: Die perfekt geplante Beisetzung?

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von Johannes Kuhnert
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11.09.2019 (aktualisiert: 16.02.2021)
Vorsorgevertrag: Die perfekt geplante Beisetzung?Vorsorgevertrag: Die perfekt geplante Beisetzung?
Das Wichtigste in Kürze:
  • Der Vorsorge­vertrag ist ein Vertrag zwischen Person und Bestatter mit dem Ziel, die eigene Bestattung organisatorisch und finanziell bereits im Vorfeld abschließend zu regeln.
  • Er verbindet die Eigenschaften einer Bestattungs­verfügung mit der finanziellen Absicherung der Sterbegeld­versicherung, beschränkt den Aufwand aber auf eine eine einmalige Zahlung.
  • Der Vorsorge­vertrag ist eine gute Lösung für alle, die Ablauf und Umfang der eigenen Bestattung bereits zu Lebzeiten vollständig und unwiderruflich absichern möchten.

Der Vorsorge­vertrag

Anders als die Bestattungs­verfügung ist der Vorsorge­vertrag eine schriftliche Vereinbarung zwischen einer Privatperson und einem Bestattungsunternehmen mit dem Ziel, Ablauf und Bezahlung der eigenen Bestattung bereits vor dem eigenen Abschied umfassend zu regeln. Der Vorsorge­vertrag hält nicht nur die Ausgestaltung der eigenen Beisetzung fest, sondern bietet die Möglichkeit, Umfang und Kosten der eigenen Beerdigung direkt mit einem Bestatter zu regeln und die anfallenden Kosten bereits vor dem Tod zu begleichen. Dazu werden alle Einzelheiten der Beerdigung im Voraus geregelt, vertraglich fixiert und bezahlt. Vertragsnehmer und Bestatter legen gemeinsam fest, wie, wo und mit welchen Einzelheiten die spätere Beisetzung erfolgen soll. Die Einzelheiten betreffen etwa Sarg, Grabstein, Trauerrede und Grabschmuck. Auch besondere Arten von Beisetzungen können im Vertrag vereinbart werden, z. B. eine Seebestattung oder eine Naturbestattung in der Schweiz. Das Bestattungsunternehmen erhält den eingezahlten Betrag jedoch nicht unmittelbar nach Vertragsabschluss, stattdessen wird der Gesamtbetrag üblicherweise auf ein Treuhandkonto eingezahlt, das auch dann Bestand hat, wenn das Bestattungsunternehmen vor Tod und Beisetzung des Vertragsnehmers insolvent geht. Mit dem Eintreten des Sterbefalls erhält das Beerdigungsunternehmen dann Zugriff auf das Treuhandkonto, um die Umsetzung der gemeinsam geplanten Beerdigung zu finanzieren.

Vorsorge­vertrag gilt über den Tod hinaus

Naheliegend, aber keineswegs selbstverständlich: Der Vorsorge­vertrag hat „transmortale Wirkung“, d.h. alle in seinem Rahmen geschlossenen Vereinbarungen bleiben für den Bestatter bindend, und weil die sog. „Einrede Dritter“ ausgeschlossen ist, können Erben und Angehörige Ablauf und Umfang der Bestattung im Nachhinein nicht ändern. Auch haben sie kein Recht, die getroffenen Vereinbarungen zu unterbinden und etwa die Erstattung des eingezahlten Betrags zu verlangen.

Bestattungsrücklagen gehören zum pfändungssicheren Schonvermögen

Bestattungsrücklagen wie etwa Sterbegeld­versicherung und eingezahlte Leistungen für einen Vorsorge­vertrag können auch dann nicht von staatlicher Seite eingefordert werden, wenn der Betroffene auf Sozialhilfeleistungen nach SGB XII angewiesen ist. Die Besattungs­vorsorge ist Teil des Schonvermögens – das gilt allerdings nur in einem „angemessenen Umfang“. Ist dieser Umfang jedoch gewährleistet, haben Ämter keinen Zugriff auf die hinterlegten Mittel und auch keine Handhabe, Betroffene zur Kündigung des Vertragswerks aufzufordern.

Vorsorge­vertrag oder Sterbegeld?

Der Vorsorge­vertrag bietet zwei wesentliche Vorteile: Er sichert nicht nur Ablauf und Umfang der eigenen Bestattung zuverlässig ab, auch finanziell entlastet er die eigenen Angehörigen vom Moment der Vertragsunterzeichnung. Er ist damit eine vertraglich festgesetzte Verbindung aus Bestattungs­verfügung und Sterbegeld­versicherung mit dem Vorteil, dass der organisatorische Teil bereits in Händen des Bestatters liegt.
Anders als beim Sterbegeld handelt es sich beim Vorsorge­vertrag um einen Festbetrag, der per Einmalzahlung beglichen wird und zweckgebunden ist.

Die Sterbegeld­versicherung hingegen funktioniert wie eine klassische Lebens­versicherung. Hier werden über einen längeren Zeitraum Einzelbeträge an den Versicherungsträger überwiesen. Zwei Arten der Sterbegeld­versicherung sind unterscheidbar: Versicherungen ohne Gesundheits­prüfung (dafür mit Wartezeit) und Versicherungen mit Gesundheits­prüfung (die sofort nach Inkrafttreten im Leistungsfall zahlen). Während Versicherte bei einer Versicherung ohne Prüfung mit einer durchschnittlichen Wartezeit von 18 bis 36 Monaten rechnen müssen, bis der Versicherungsschutz tatsächlich greift, haben nur gesunde Antragsteller die Chance, in die Versicherung mit sofortiger Auszahlung aufgenommen zu werden.

Im Leistungsfall schüttet die Sterbegeld­versicherung nicht nur den vereinbarten Versicherungsvertrag aus, sondern i.d.R. auch eine Überschussbeteiligung, die jedoch nur auf sämtliche Überschüsse abzüglich Provision und Verwaltungsgebühr anfällt. Der Versicherungsbetrag wird direkt an die Hinterbliebenen ausgezahlt. Allerdings ist es auch möglich, den Betrag direkt einem Bestatter zukommen zu lassen. Einige Versicherer arbeiten heute bereits direkt mit großen Bestattungsunternehmen zusammen und begünstigen Verträge, die so abgeschlossen werden, dass ein angeschlossener Bestatter direkt nach Leistungsfall zum Zuge kommt.

Wer Wert auf eine vollständige organisatorische wie finanzielle Abwicklung der eigenen Vorstellungen zur eigenen Bestattung hat, fährt mit einem Vorsorge­vertrag gut.
Wer seinen Angehörigen einen größeren Grad an Gestaltungsfreiheit zugestehen möchte, insbesondere bei der Wahl des Bestatters, kann eine Sterbegeld­versicherung abschließen, sollte aber darauf achten, sie nicht zu überzahlen. Soll der eigentliche Ablauf der Bestattung klar festgelegt bleiben, kann die Sterbegeld­versicherung von einer Bestattungs­verfügung flankiert werden. Beide Dokumente können zur Sicherheit auch in einem Notfallordner zusammengeführt werden.

Tipp: Sie wollen die Bestattungs­vorsorge gemeinsam mit Ihrem Ehepartner regeln? In unserem Ratgeber erfahren Sie mehr zur Sterbegeld­versicherung für Eheleute.

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