Krankentagegeld ohne Gesundheitsfragen?

Krankentagegeld ohne Gesundheits­fragen?

Die Krankentagegeld­versicherung schließt Einkommenslücken. Wir klären, was bei Policen ohne Gesundheits­fragen wichtig ist.

Johannes Kuhnert
Johannes Kuhnert
25.06.2020

Was kann ich tun, wenn ich keine Krankentagegeldversicherung mit Gesundheitsfragen abschließen kann?

Wer nach einer geeigneten Krankentagegeldversicherung sucht, stellt schnell fest, dass der Abschluss selbst oftmals von der Beantwortung einer Reihe von Gesundheitsfragen abhängt. Wer ein bestimmtes Alter erreicht hat oder von bestimmten Vorerkrankungen betroffen ist, muss im schlimmsten Fall davon ausgehen, keine Krankentagegeldversicherung abschließen zu können.

Wovon auf jeden Fall abzuraten ist: Zu versuchen, bei den Gesundheitsfragen zu flunkern oder kritische Informationen wegzulassen. Denn in der Regel ist es ohnehin notwendig, in eine Schweigepflichtsentbindung für die eigenen Ärzte einzuwilligen. Etwaige Auslassungen würden also auf jeden Fall aufgedeckt. Schlimmer noch kann es kommen, wenn eine Versicherung auf der Grundlage unwahrer Angaben zustande kommt und sich im Ernstfall herausstellt, dass beim Antrag entscheidende Angaben bewusst verschwiegen worden sind: In solchen Fällen verweigert die Versicherung nicht nur die Leistung – auch alle bis dahin gezahlten Prämien sind unwiederbringlich verloren.

Eine Krankentagegeldversicherung ohne Gesundheitsfragen kann ein Ausweg sein. Zwar ist sie üblicherweise teurer als eine Versicherung mit Gesundheitsprüfung, dafür erhält der Versicherte zuverlässigen Versicherungsschutz – ohne Risiko.

Wo finde ich eine Krankentagegeldversicherung ohne Gesundheitsfragen?

Das Angebot solcher Versicherungsangebote ist insgesamt überschaubar. Und dafür gibt es aus Sicht der Versicherung solide Gründe: Die Gesundheitsprüfung soll das Risiko kalkulierbar machen. Je eindeutiger die Angaben des Versicherten, mit desto größerer Wahrscheinlichkeit lässt sich bestimmen, ob der Versicherungsfall eintritt oder nicht. Verzichtet die Versicherung auf solche Gesundheitsfragen, geht sie volles Risiko. Zwar kann sie sich das Risiko durch höhere Beiträge entsprechend vergüten lassen, sie muss es jedoch nicht. Denn auch Versicherungen wissen, dass vor allem Personen eine Versicherung ohne Gesundheitsfragen abschließen, die aus gutem Grund keine Fragen zu ihrem Zustand beantworten möchten.

Was ist bei einer solchen Versicherung ohne Gesundheitsfragen zu bedenken?

Da die Versicherung aus ihrer Sicht den größeren Teil des Risikos trägt, ist sie darauf bedacht, die möglicherweise entstehenden Kosten möglichst gering zu halten. Es werden also häufig nicht alle Risiken im identischen Umfang -manchmal auch gar nicht- abgesichert. Manche Krankheitsbilder werden von vornherein ausgeschlossen, oder der Umfang der dann erbrachten Zahlungen ist auf einen verhältnismäßig geringen Tagesbetrag gedeckelt. Außerdem sind Policen ohne Gesundheitsprüfung in aller Regel mit einer mehrmonatigen Wartezeit bewehrt. Tritt bereits innerhalb der ersten 12 Monate nach Versicherungsabschluss der Versicherungsfall ein, ist die Versicherung nicht zum Erbringen der vereinbarten Leistung verpflichtet. Darüber hinaus gibt es Versicherer, die sich ein einseitiges Kündigungsrecht innerhalb der ersten drei Jahre nach Abschluss vorbehalten. Das kann bedeuten, dass eine Versicherung den Vertrag aufkündigt, weil sich aus ihrer Sicht die Bedingungen noch verschlechtert haben - etwa wenn neue statistische Grundlagen erhoben werden oder eine risikoreiche Tätigkeit aufgenommen wird. Die meisten seriösen Anbieter verzichten jedoch heutzutage auf die Festschreibung eines solchen einseitigen Kündigungsrechts – darauf sollten Interessierte achten.

Für wen ist das Krankentagegeld ohne Gesundheitsprüfung gedacht?

Die Krankentagegeldversicherung ist eine Maßnahme zur Absicherung des eigenen Einkommens – sie steht also immer auch im Zusammenhang mit der eigenen Beschäftigungsart.

Ohne verpflichtende Gesundheitsfragen sind Krankentagegeldversicherungen nur für angestellte Arbeitnehmer zugänglich, die obendrein in der gesetzlichen Krankenversicherung sind. Denn nur wer angestellt und gesetzlich krankenversichert ist, wird im Ernstfall in den ersten sechs Wochen vom Arbeitgeber weiter bezahlt und nach dieser Zeit vom gesetzlichen Krankengeld aufgefangen. Die Krankentagegeldversicherung kann dann idealerweise die Lücke zwischen Krankengeld und üblichem Netto schließen.

Selbständige hingegen haben keinen Anspruch auf gesetzliches Krankengeld, wenn sie -wie zumeist- privat versichert sind. Für sie müsste die Versicherung im Ernstfall also vom ersten Tag an in die Bresche springen; ein kostspieliges Unterfangen, das die Versicherungsgesellschaften derzeit durchweg ausschließen.

Was können privat Krankenversicherte tun?

Wer in seiner Privaten Krankenversicherung nicht ohnehin ein Krankentagegeld vereinbart hat, muss eine entsprechende Zusatzvereinbarung mit seiner PKV abschließen – die jedoch obligat an eine Gesundheitsprüfung gekoppelt ist. Das gleiche gilt auch bei Zusatzversicherungen anderer Anbieter. Hier führt kein Weg an den Gesundheitsfragen vorbei.

Ist Krankentagegeld ohne Gesundheitsfragen sinnvoll?

Eine Krankentagegeldversicherung ohne Gesundheitsfragen ist ein zweischneidiges Schwert. Denn einem grundsätzlichen Versicherungsschutz stehen höhere Kosten bei meistens schlechteren Leistungen gegenüber. Wer jedoch anderenfalls keine Möglichkeit hat, eine entsprechende Versicherung abzuschließen, bekommt hier überhaupt eine Chance zur Vorsorge. Denn auch eine teure Police kann besser sein als gar keine. Sie kann -und sollte bei privat Versicherten sowieso- dazu genutzt werden, Einkommenslücken zu schließen oder wenigstens zu reduzieren.

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