Was bringt die Kranken­tagegeld­versicherung?

author icon
von Johannes Kuhnert
date icon
14.05.2020 (aktualisiert: 17.02.2021)
Was bringt die Krankentagegeldversicherung?Was bringt die Krankentagegeldversicherung?
Das Wichtigste in Kürze:
  • Eine Kranken­tagegeld­versicherung zahlt bei längerer Krankheit einen vorab vereinbarten Tagessatz, der die Differenz zwischen Kranken­geld und regulärem Nettogehalt ausgleicht.
  • Das Kranken­tagegeld ist vor allem für privat Versicherte Angestellte und Selbständige wichtig! Denn sie erhalten kein Kranken­geld von der gesetzlichen Kranken­versicherung.
  • Das Kranken­tagegeld ist auch sinnvoll, um das Kranken­geld aufzustocken, denn gerade bei höheren Einkommen liegt der Höchstsatz in der Regel deutlich unter dem normalen Budget.

Einkommenssicherung bei längerer Krankheit

Wer längerfristig erkrankt, kann für den Fall anhaltender Arbeits­unfähigkeit eine Berufsunfähigkeits­versicherung abschließen: Sie gleicht den Wegfall des regulären Einkommens bis zu einer vereinbarten Höhe durch eine monatliche Berufs­unfähigkeits­rente aus und stellt sicher, dass die finanziellen Einbußen gegenüber dem regulären Einkommen nicht übergroß ausfallen. Doch bis eine dauerhafte Berufsunfähigkeit anerkannt wird, können mehrere Monate vergehen. Für die Zeit bis dahin gibt es die Kranken­tagegeld­versicherung – nicht zu verwechseln mit dem Kranken­haustagegeld, das nur für die Dauer eines Kranken­hausaufenthalts ausgezahlt wird.

Tipp: Informieren Sie sich bei Afilio über die Unterschiede zwischen Arbeits­unfähigkeit, Berufsunfähigkeit und Erwerbs­unfähigkeit.

Was ist das Kranken­tagegeld?

Das Kranken­tagegeld ist eine versicherbare Ergänzungsleistung, die ausgezahlt wird, wenn der Versicherte für mehr als sechs Wochen nicht arbeitsfähig ist. Während in den ersten Wochen einer Erkrankung der Arbeitgeber das Gehalt fortzahlt, greift danach das staatliche Kranken­geld – das deutlich geringer ausfällt als das übliche Nettogehalt. Privat versicherte erhalten in der Regel sogar gar kein Kranken­geld. Mit einer Kranken­tagegeld­versicherung lassen sich Einkommenseinbußen beim Kranken­geld oder ein kompletter Einnahmenausfall reduzieren oder sogar ganz ausgleichen. Wir erklären die wichtigsten Rahmendaten und wann eine Kranken­tagegeld sinnvoll ist.

Kranken­tagegeld: Nicht verwechseln mit Kranken­geld und Kranken­haustagegeld!

Kranken­geld

In den ersten sechs Wochen nach einem Unfall oder einer schweren Erkrankung zahlt der Arbeitgeber weiterhin Gehalt. Anschließend leistet die eigene Kranken­versicherung einen Lohnersatz: das Kranken­geld. Anspruch darauf haben alle gesetzlich Kranken­versicherten, die

  • länger als sechs Wochen wegen einer Erkrankung oder eines Unfalls arbeitsunfähig sind und kein Gehalt mehr beziehen,
  • für dieselbe Dauer stationär in einem Kranken­haus oder einer Rehaklinik behandelt werden und kein Gehalt beziehen,
  • eine neue Tätigkeit angetreten haben und bereits in den ersten vier Wochen ausfallen (in diesen Fällen muss der Arbeitgeber kein Gehalt bezahlen),
  • Arbeitslosengeld I (ALG I) beziehen und ebenfalls für mehr als sechs Wochen arbeitsunfähig sind. In diesem Fall endet nach sechs Wochen der Bezug des Arbeitslosengeldes, und das Kranken­geld greift.

Kranken­haustagegeld

Während die Kranken­tagegeld­versicherung den Verdienstausfall für den Krankheitszeitraum absichert, dient das Kranken­haustagegeld dazu, Zuzahlungen im Kranken­haus und mögliche Extrakosten bei stationärer Behandlung aufzufangen. Die Kranken­haustagegeld­versicherung zahlt also, wenn sich der Versicherte stationär in einem Kranken­haus befindet. Für jeden Tag des Aufenthalts wird dann ein vertraglich fixierter Festbetrag steuerfrei ausbezahlt, der nicht zweckgebunden ist und frei verwendet werden kann.

Wer braucht eine Kranken­tagegeld­versicherung?

Wie sinnvoll eine Kranken­tagegeld­versicherung ist, hängt vor allem von zwei Faktoren ab: Dem Arbeitsverhältnis (angestellt / selbständig) und der Art der Kranken­versicherung (gesetzlich / privat):

Angestellte mit gesetzlicher Kranken­versicherung

Wer angestellt ist und gesetzlich krankenversichert, erhält in den ersten Wochen reguläre Lohnfortzahlung. Anschließend greift das gesetzliche Kranken­geld. Entscheidend ist hier die Beitrags­bemessungs­grenze (Stand 2020: 4537,50 Euro brutto im Monat.): Ab diesem Einkommen beträgt die Differenz zwischen Kranken­geld und letztem Nettogehalt rund 20 Prozent und nimmt mit steigendem Einkommen linear zu. Gedeckelt ist das Kranken­geld auf einen Höchstbetrag von 2793 Euro pro Monat! Je höher das Einkommen, desto sinnvoller ist also eine Kranken­tagegeld­versicherung, um den Ausfall des regulären Einkommens zu kompensieren.

Angestellte mit privater Kranken­versicherung

So viele Vorteile eine private Kranken­versicherung bis heute vermeintlich bietet – eine Kranken­geldregelung ist in der Regel nicht enthalten. Das bedeutet, dass Arbeitnehmer, die länger als sechs Wochen ausfallen nach dem Auslaufen der Lohnfortzahlung keine weiteren Leistungen erhalten. Darum sollten vor allem sie den Abschluss einer Kranken­tagegeld­versicherung ins Auge fassen – regulär für einen Lohnersatz ab dem 43. Erkrankungstag. Die Kranken­tagegeld­versicherung gibt es meistens als ergänzende Zusatzleistung zur ohnehin privaten Versicherung beim selben Anbieter. Allerdings gilt auch hier Wahlfreiheit: Jeder Versicherte kann seine Kranken­tagegeld­versicherung auch bei einem anderen Anbieter abschließen.

Selbständige mit gesetzlicher Kranken­versicherung

Selbständige, die in der gesetzlichen Kranken­versicherung sind, haben die freie Wahl, ob sie Kranken­geld in Anspruch nehmen wollen oder nicht. Wer kein Kranken­tagegeld in Anspruch nehmen möchte, muss auch maximal nur einen Zusatzbeitrag von bis zu 0,9 Prozent entrichten. Der Gesamtbeitrag zur GKV beträgt dann 14,9 Prozent. Wer Kranken­geld im Ernstfall beziehen möchte, kommt auf einen maximalen Beitrag von insgesamt 15,5 Prozent. Der Unterschied beträgt in Zahlen rund 25€ monatlich.
Genau wie bei angestellten Arbeitnehmern wird das Kranken­geld dann nach sechs Wochen ausbezahlt und ist auf maximal 105,88€ pro Tag gedeckelt. Wer einen Wahltarif bei einer GKV abgeschlossen hat, kann sogar bereits ab der vierten Woche Kranken­geld in Anspruch nehmen. Praktisch ist das Kranken­geld der gesetzlichen Kranken­versicherung hier vor allem aufgrund der entfallenden Gesundheits­prüfung: Denn je schlechter der allgemeine Gesundheits­zustand, desto teurer ist eine zusätzliche Kranken­tagegeld­versicherung.

Selbständige mit privater Kranken­versicherung

Häufig wird der Abschluss einer privaten Kranken­versicherung mit einer ergänzenden Kranken­tagegeld­versicherung beim selben Versicherer verbunden. Doch dazu besteht kein Zwang – der Versicherte hat Wahlfreiheit, von welchem Anbieter er eine Tagegeld­versicherung in Anspruch nehmen möchte. Dabei lohnt nicht nur ein Blick auf den monatlichen Beitrag, sondern auch auf die vereinbarten Bedingungen.

Wie lege ich die richtige Höhe für das Kranken­tagegeld fest?

Die richtige Höhe des Kranken­tagegelds sollte anhand der eigenen monatlichen Ausgaben ermittelt werden. Denn am wichtigsten ist es, finanzielle Engpässe zu vermeiden. Es ist jedoch nicht zwingend nötig, sein übliches Nettoeinkommen vollständig zu ersetzen. Wer kürzer treten kann, spart auch bei den monatlichen Beiträgen.

Überschlagen Sie mit einem monatlichen Saldo, welche Ausgaben ggf. durch Kranken­geld und Kranken­tagegeld abgesichert werden müssen. Das umfasst die üblichen eigenen Lebenshaltungskosten und bei Selbständigen in aller Regel auch noch zusätzlich laufende Betriebskosten.

Richtige Höhe bei Anspruch auf Kranken­geld

Gesetzlich Versicherte Angestellte und freiwillige pflichtversicherte Selbständige erhalten regulär 70 Prozent vom letzten Bruttoeinkommen, maximal 90 Prozent vom letzten Netto. Allerdings werden hier wie beim regulären Einkommen die üblichen Sozial­versicherungsbeiträge für Rente, Arbeitslosen­versicherung und Pflege­versicherung abgezogen; insgesamt rund 12 Prozent des eigentlichen Beitrages. Die Grenze der Beitragshöhe wird in beiden Fällen durch die Beitrags­bemessungs­grenze festgelegt. Beide Gruppen kommen so auf einen maximal Auszahlungsbetrag von 2793€ im Monat. Dementsprechend kann jeder gesetzlich Versicherte selbst entscheiden, ob der ausgezahlte Betrag ausreicht, um seine monatlichen Lebenshaltungskosten zu decken

Richtige Höhe ohne Anspruch auf Kranken­geld

Alle Privatversicherten und Selbständige ohne Kranken­geld können die Rechnung kurz halten: Einfach den monatlichen Saldo durch 30 Tage teilen und den dabei ermittelten Betrag als Grundlage für den Vergleich mit dem Angebot einer Kranken­tagegeld­versicherung nehmen. Dabei sollten vor allem Selbständige eher noch um ein paar Prozent höher ansetzen, um sicherzustellen, dass im Ernstfall ein Betrag ausbezahlt wird, der auch alle anfallenden Kosten auffängt. Außerdem ist hier zu bedenken, dass in den ersten Wochen kein Kranken­tagegeld ausgezahlt wird – diese Karenzzeit muss also ggf. aus eigenen Ersparnissen überbrückt werden.

Wieviel Kranken­tagegeld gibt es maximal?

Kranken­tagegeld soll eine Lohnersatzleistung darstellen. Um Missbrauch zu verhindern, ist es darum nicht zulässig, einen Betrag zu versichern, der das bisherige Netto übersteigt. Umso wichtiger ist es vor allem für Selbständige rechtzeitig zu klären, was eine Versicherung unter Nettoeinkommen versteht und ob die herangezogene Berechnungsgrundlage das geplante Tagegeld überhaupt auszahlt.

  • Unterschiede ergeben sich vor allem beim Vergleich zwischen Einkommen nach Abzug von Steuerlast und Betriebskosten und
  • der Möglichkeit, pauschal rund 75 Prozent Gewinnhöhe vor Abzug der Steuerlast als Berechnungsmaßstab heranzuziehen.

Vor allem die zweite Möglichkeit ist für Selbständige häufig die günstigere. Genau wie beim gesetzlichen Kranken­geld behalten sich auch private Versicherer zudem häufig eine Höchstgrenze für das Tagegeld vor, die von Berufsgruppe zu Berufsgruppe unterschiedlich ausfallen kann. Außerdem ist das Kranken­tagegeld üblicherweise geringer, wenn ein früherer Bezug vereinbart werden soll.

Worauf sollte ich bei der Kranken­tagegeld­versicherung achten?

Krankentagegeld: Angestellte in einem Büro
Auch für Angestellte sinnvoll, um Verdienstausfälle zu kompensieren - vor allem privat Versicherte sollten über eine Kranken­tagegeld­versicherung nachdenken.

Gesundheits­prüfung und Tagesgeldhöhe

Ähnlich wie bei der Pflege­zusatz­versicherung ist die Kranken­tagegeld­versicherung an die Beantwortung von Gesundheits­fragen gebunden – die sog. Gesundheits­prüfung. Entscheidend bei der Auswahl einer passenden Kranken­tagegeld­versicherung sollte sein, ob die Versicherung bei einer späteren Erhöhung des Tagegelds auf eine neuerliche Gesundheits­prüfung verzichtet. Eine Erhöhung ist langfristig für die meisten Versicherten sinnvoll, denn mit dem beruflichen Fortschritt steigen neben dem Einkommen oft auch die Lebenshaltungskosten. Eine passende Versicherung sollte außerdem eine jährliche Anpassung ohne neuerliche Wartezeiten ermöglichen. Selbständige sollten abermals darauf achten, ob die gewählte Versicherung eine passende Maximalhöhe in Aussicht stellt – denn die Möglichkeit zur Erhöhung des Tagegeldes sollte nicht bereits kurz nach Vertragsschluss ausgeschöpft sein. Für Versicherte, die wegen entsprechender Vorerkrankungen keine Aussichten auf das reguläre Kranken­tagegeld haben, kommt auch eine Kranken­tagegeld­versicherung ohne Gesundheits­fragen in Betracht.

Verzicht auf eine Alkoholklausel

Prüfen Sie, ob die gewählte Versicherung auch dann zahlt, wenn die auslösende Krankheit oder ein Unfall durch Alkoholkonsum verursacht wurde.

Fortzahlung bei Arbeitslosigkeit

Arbeitslosigkeit ist heutzutage immer wieder Teil der Arbeitnehmerbiografie. Bei vielen Kranken­tagegeld­versicherungen ist ein automatisches Vertragsende für diesen Fall vorgesehen. Andere Anbieter sind kulanter: Hier wird erst dann die Kündigung vollzogen, wenn der Arbeitnehmer nachweislich keine ausreichenden Anstrengungen unternimmt, eine neue Arbeitsstelle zu finden oder ALG II bezieht. In manchen Fällen ist es möglich, einen Vertrag vorübergehend beitragsfrei und damit ruhend zu stellen – um die bisherigen Anwartschaften zu erhalten.

Kranken­tagegeld bei Reha-Aufenthalt

Immer wieder kommt es vor, dass Versicherungsanbieter den Standpunkt vertreten, für eine Reha sei kein Kranken­tagegeld notwendig, da der Betroffene in einer entsprechenden Einrichtung umfassend versorgt wird. Darum ist für die Zeiten eines Reha-Aufenthalts in diesen Fällen kein Kranken­tagegeld vorgesehen, oder nur dann, wenn die Reha direkt im Anschluss an einen vorherigen Kranken­hausaufenthalt erfolgt. Je großzügiger die Auslegung des Versicherers in dieser Frage ist, desto besser für den Versicherten. Idealerweise sollte eine möglichst kurze Erkrankungszeit ohne Vorbedingungen dem Reha-Aufenthalt vorangegangen sein, um das Kranken­tagegeld zu ermöglichen.

Großzügige Anzeigefrist

Voraussetzung für den Bezug von Kranken­tagegeld ist immer ein ärztliches Attest des Betroffenen, das die Arbeits­unfähigkeit belegt. Je länger die Frist zum Einreichen des Attests, desto besser. Idealerweise wird keine Fristgrenze bis zum 42. Tag der Arbeits­unfähigkeit geltend gemacht

Keine vorzeitige Vertragskündigung

Üblicherweise besteht ein ordentliches Kündigungsrecht nach drei Jahren, in diesem Zeitraum muss der Versicherte damit rechnen, seine versicherte Leistung einzubüßen. Das ist vor allem ärgerlich, wenn beim selben Versicherer eine Kranken­versicherung besteht – und der Versicherer selbst ein Interesse daran haben könnte, einen sich verschlechternden Gesundheits­zustand zum Anlass für die Kündigung zu nehmen. Verzichtet eine Gesellschaft auf ein solches Kündigungsrecht, sorgt das langfristig für bessere Planungssicherheit.

Leistungen bei wiederkehrenden Erkrankungen

Nicht alle Krankheitsbilder verlaufen einheitlich – liegt eine Erkrankung vor, die schubweise auftritt oder einen chronischen Verlauf mit stärkeren Symptomphasen mit sich bringt, sollte der Versicherte nicht jedes Mal einzeln die Karenzfrist überschreiten müssen. Stattdessen ist es wichtig, dass der Versicherer zusichert, in diesem Zusammenhang auftretende Krankheitstage zusammenzuzählen. Einmal mehr ist das vor allem für Selbständige von Bedeutung, denn sie sind auf eine alsbaldige Auszahlung von Kranken­tagegeld angewiesen.

Selbständiger Mann arbeitet im Café
Vor allem für Selbständige ist die Kranken­tagegeld­versicherung interessant - denn sie erhalten in der Regel kein gesetzliches Kranken­geld.

Fazit: Für wen ist das Kranken­tagegeld sinnvoll?

Grundsätzlich ist ein zusätzliches Kranken­tagegeld für alle Berufsgruppen eine sinnvolle Ergänzung (von Beamten abgesehen, sie sind durch ihren Dienstherrn abgesichert). Wer wegen Krankheit, Unfall oder auch im Mutterschutz arbeitsunfähig wird, muss sich mit entweder deutlich weniger oder sogar gar keinem Einkommen arrangieren können, wenn es zum äußersten kommt. Die Kranken­tagegeld­versicherung reduziert oder schließt diesen Einkommensengpass. Alternativ dazu gibt es aber auch bei vielen Berufsunfähigkeits­versicherungen eine inkludierte Arbeits­unfähigkeits­versicherung. Vor allem privat Versicherte (Angestellte und Selbständige) sollten eine Kranken­tagegeld­versicherung abschließen, denn bei längerer Erkrankung beträgt ihr Verdienstausfall volle 100 Prozent!

Tipp: Bei Afilio finden Sie Informationen und Tipps zu vielen weiteren Versicherungen und Zusatz­versicherungen, z. B. zur Rechtsschutz­versicherung.

Weitere Artikel, die Sie interessieren könnten

Teilen Sie den Artikel