Patientenverfügung: Sind Formulare zum Ankreuzen geeignet?

Patienten­verfügung: Sind Formulare zum Ankreuzen geeignet?

Eine Patienten­verfügung zum Ankreuzen ist schnell ausgefüllt – doch im Ernstfall oft nicht wirksam. Wir verraten, mit welchen Formularen Sie sicher vorsorgen.

Afilio
Afilio
15.09.2020

Vorlagen, Muster und Formulare für die Patientenverfügung finden Sie auf vielen Internetseiten – ob bei Ministerien, Verbänden oder privaten Anbietern. Häufig stehen sie kostenlos als PDF zum Download bereit. Bei der Nutzung ist allerdings Vorsicht geboten. Zwar ist grundsätzlich nichts gegen ein Formular für die Patientenverfügung einzuwenden, denn für die Gültigkeit ist es unerheblich, ob Sie sie per Hand schreiben oder am Computer erstellen. Die Qualität der im Netz verfügbaren Vorlagen variiert jedoch stark. Im besten Fall erstellen Sie mithilfe eines Formulars eine rechtssichere Patientenverfügung. Doch im schlechtesten Fall bemerken Ärzte und Angehörige erst, wenn der Notfall bereits eingetreten ist, dass sie aus dem Ankreuzformular Ihre persönlichen Behandlungswünsche nicht ablesen können. Das sollten Sie keinesfalls riskieren.

Patientenverfügung zum Ankreuzen? Hände weg!

Eine Patientenverfügung soll Ärzten, Angehörigen und weiteren Beteiligten im Ernstfall so eindeutig wie nur möglich mitteilen, welche medizinische und pflegerische Behandlung der Betroffene in der akuten Situation gewünscht hätte – ganz so, als könne er sich in diesem Moment selbst äußern. Doch oftmals sind die Angaben, die Formulare für Patientenverfügungen zulassen, viel zu allgemein gehalten: Sie gehen weder auf bestimmte Krankheitsbilder noch auf konkrete Behandlungsmaßnahmen ein.

Beides ist aber unbedingt erforderlich, um den Patientenwillen aus dem Dokument herauszulesen. Das berichten Ärzte, die das Problem aus der Praxis kennen – und Urteile des Bundesgerichtshofes (BGH) zur Patientenverfügung bestätigen es: „Die schriftliche Äußerung, ‚keine lebenserhaltenden Maßnahmen‘ zu wünschen, enthält für sich genommen nicht die für eine bindende Patientenverfügung notwendige konkrete Behandlungsentscheidung des Betroffenen“ – so der Beschluss des BGH vom 6. Juli 2016 (XII ZB 61/16).

Arzt im Krankenhaus spricht mit dem Angehörigen eines Patienten
Ein Formular zum Ankreuzen lässt meist viele Fragen offen, wenn die Patienten­verfügung einmal gebraucht wird – für Ärzte und Angehörige eine schwierige Situation.

Im schlimmsten Fall ist eine derart allgemein gehaltene Patientenverfügung also schlicht wirkungslos. Dann müssen die Bevollmächtigten des Betroffenen zusammen mit seinen Ärzten entscheiden, was mit ihm geschehen soll – z. B. ob und wie er künstlich beatmet oder ernährt werden soll, welche Medikamente er erhalten soll und ob nach dem Hirntod eine Organspende vorgenommen werden darf. Falls es keine Vorsorgevollmacht gibt oder diese ebenfalls fehlerhaft erstellt wurde, muss sogar ein Betreuer vom Gericht bestellt werden. Für die meisten Menschen dürfte es eine äußerst unangenehme Vorstellung sein, dass im Ernstfall möglicherweise ein Fremder für sie über existenzielle Fragen entscheidet.

Die allgemeinen Formulierungen sind aber nicht das einzige Problem: Ankreuzformulare erwecken schnell den Eindruck, dass der Betroffene die Patientenverfügung hastig und ohne wichtiges Hintergrundwissen erstellt hat – und tatsächlich laden die Vorlagen, die sich innerhalb von wenigen Minuten herunterladen, ausdrucken und ausfüllen lassen, dazu ein, auf Entscheidungen über das eigene Leben und Sterben kaum mehr Zeit zu verwenden als auf einen Schnäppchenkauf im Internet.

Patientenverfügungen zum Ankreuzen stellen also nicht nur die behandelnden Ärzte sowie die Angehörigen des Betroffenen vor schwierige Entscheidungen: Sie verhindern in vielen Fällen auch, dass der Verfasser sich eingehend damit beschäftigt, was für ihn persönlich ein lebenswertes Leben bedeutet. Im Klartext bedeutet das: Nutzen Sie für Ihre Patientenverfügung ein Formular zum Ankreuzen, setzen Sie Ihr Recht auf Selbstbestimmung aufs Spiel.

Rechtssicheres Formular statt Patientenverfügung zum Ankreuzen

Sie brauchen beim Erstellen Ihrer Patientenverfügung nicht auf die Übersichtlichkeit und die Zeitersparnis zu verzichten, die ein Formular verspricht – solange Sie es mit Bedacht auswählen. Folgende Kriterien sollte ein Formular für die Patientenverfügung erfüllen, damit Sie im Ernstfall richtig abgesichert sind.

Rechtssicher

Das Formular muss die aktuelle Rechtsprechung berücksichtigen. Dabei geht es vor allem um die Urteile des BGH: Nur mit präzisen Formulierungen entfaltet Ihre Patientenverfügung Bindungswirkung. Das Formular muss es Ihnen deshalb ermöglichen, sowohl Krankheitsbilder als auch Behandlungsmaßnahmen konkret zu beschreiben bzw. Ihnen entsprechende Auswahlmöglichkeiten geben. So reicht z. B. die Angabe „Ich wünsche keine lebenserhaltenden Maßnahmen“ im Ernstfall nicht aus: Ihre Patientenverfügung muss klar benennen, bei welchen Diagnosen Sie unter keinen Umständen weiterleben möchten.

Tipp: Lassen Sie sich von Ihrem Hausarzt zur Patientenverfügung beraten. Er kann Sie nicht nur über mögliche Behandlungsmaßnahmen bei bestimmten Krankheitsbildern aufklären, sondern weiß auch, wie Sie Ihre Entscheidungen medizinisch eindeutig zu Papier bringen.

Blonde Frau im mittleren Alter sitzt am Laptop
Nicht alle Formulare für Patienten­verfügungen sind problematisch: Wichtig ist vor allem, dass Sie so detaillierte Angaben machen können, wie es die Rechtsprechung verlangt.

Auf aktuelle Lebens- und Behandlungssituation anwendbar

Achten Sie darauf, dass Sie auf dem Formular Angaben zu Ihrem aktuellen Gesundheitszustand machen können. Das ist wichtig, weil Ärzte, Bevollmächtigte und Betreuer im Ernstfall prüfen müssen, ob Ihre Verfügung in der konkreten Situation anwendbar ist. Ein Ankreuzformular, dass nichts darüber aussagt, ob Sie es bei bester Gesundheit oder bereits schwer erkrankt ausgefüllt haben, wird in solchen Momenten Zweifel an Ihren Entscheidungen hervorrufen. Darum sollte etwa eine Patientenverfügung bei Krebs auf das spezielle Krankheitsbild und verfügbare Therapien eingehen.

Um eigene Erläuterungen erweiterbar

Selbst die beste Patientenverfügung kann Lücken aufweisen – es ist nun einmal nicht möglich, alle nur denkbaren Krankheitszustände und Behandlungsmaßnahmen in einem Vorsorgedokument abzudecken. Das ist auch nicht unbedingt notwendig, aber Sie sollten regeln können, was Ihnen persönlich wichtig ist, ohne sich auf die Auswahlmöglichkeiten eines Formulars zum Ankreuzen beschränken zu müssen.

Seriöse Anbieter geben Ihnen die Möglichkeit, das Formular um eine Anlage zu ergänzen, in der Sie Ihre persönlichen Wertvorstellungen schildern und Ihre Behandlungsentscheidungen erläutern können. Falls Sie in eine Situation geraten, die Ihre Patientenverfügung nicht abdeckt, können Ärzte und Bevollmächtigte bzw. Betreuer leichter Ihren mutmaßlichen Willen ermitteln.

Digital abrufbar

Einer der großen Vorteile einer online erstellten Patientenverfügung ist, dass Sie bzw. Ihre Vertrauenspersonen und Ärzte sie jederzeit digital abrufen können. Doch bei Vorlagen, die Sie sich herunterladen und ausdrucken, ist das nicht der Fall: Sie können das Dokument zwar an einem sicheren Ort aufbewahren oder es Ihren Vertrauenspersonen aushändigen. Das heißt aber nicht, dass es im Ernstfall schnell gefunden wird.

Lieber sollten Sie eine rechtssichere Patientenverfügung erstellen und im Portemonnaie eine Notfallkarte bei sich tragen, die den Aufbewahrungsort verrät. Im besten Fall lässt sich das Dokument mithilfe der Karte direkt online abrufen. Das erspart Ihren Angehörigen eine fieberhafte Suche nach Ihrem schriftlichen Patientenwillen – und Ihnen im Ernstfall unnötiges Leiden.

Bei Rechtsänderungen einfach anpassbar

Prinzipiell ist eine Patientenverfügung unbegrenzt gültig. Doch wie z. B. das BGH-Urteil von 2016 beweist, können Änderungen der Rechtsprechung dazu führen, dass bestehende Verfügungen unwirksam werden. Diesbezüglich immer auf dem neuesten Stand zu bleiben und das eigene Vorsorgedokument immer wieder anzupassen, ist nicht nur mühselig – für Laien ist auch schwer zu überblicken, welche Änderungen notwendig sind. Vorlagen im Netz sind häufig veraltet. Selbst, wenn sie zum jetzigen Zeitpunkt aktuell sind, besteht immer die Gefahr, dass sie durch ein neues Urteil ungültig werden – im schlimmsten Fall ohne, dass Sie es bemerken.

Wer sichergehen möchte, dass seine Patientenverfügung immer aktuell bleibt, dem ist mit einem Formular zum Ankreuzen nicht geholfen. Sicherer ist ein Online-Formular, das bei Rechtsänderungen automatisch angepasst wird: Sie erhalten in diesem Fall eine Benachrichtigung und können bei Bedarf Angaben hinzufügen.

Patientenverfügung mit Afilio erstellen

Das Formular für die Patientenverfügung von Afilio wurde in Zusammenarbeit mit Juristen und Ärzten entwickelt. Es entspricht den Vorgaben des BGH und sichert Sie im Ernstfall wirksam ab. Die Formulierungen sind stets auf dem aktuellen Stand der Rechtsprechung – bei Änderungen erhalten Sie eine Benachrichtigung. Sie erstellen die Patientenverfügung von Afilio mithilfe eines modularisierten Fragenkatalogs, der unter anderem folgende Aspekte berücksichtigt:

  • Ihre aktuelle gesundheitliche Situation
  • spezielle Diagnosen, auf die sich Ihre Behandlungsentscheidungen beziehen
  • Ihre persönlichen Vorstellungen von einem lebenswerten Leben

 

Mit Afilio ist es außerdem ganz einfach, Ihre Patientenverfügung sicher zu hinterlegen: Als AfilioPlus Mitglied können Sie Ihre Vorsorgedokumente für den Notfallabruf freigeben. Das bedeutet: Sie und auf Wunsch Ihre Vertrauenspersonen erhalten eine Notfallkarte mit einem persönlichen Code. Damit ist der Zugriff auf die Patientenverfügung rund um die Uhr in Sekundenschnelle möglich. Die Registrierung der Dokumente beim Zentralen Vorsorgeregister der Bundesnotarkammer (ZVR) ist für AfilioPlus Mitglieder inklusive.

Jetzt Patientenverfügung erstellen

Tipp: Erstellen Sie zu Ihrer Patientenverfügung auch eine Vorsorgevollmacht oder Betreuungsverfügung. Das ist wichtig, weil nur Bevollmächtigte oder Betreuer berechtigt sind, für Sie zu entscheiden, wenn Sie einwilligungsunfähig sind. In unserem Überblick zum Unterschied zwischen Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung erfahren Sie mehr zu diesem Thema.

Das Wichtigste in Kürze:
  • Ihre Patientenverfügung sollten Sie keinesfalls mit einem Formular zum Ankreuzen erstellen: Es kann Ihre persönlichen Behandlungsentscheidungen nicht so konkret abbilden, wie es die Rechtsprechung verlangt.
  • Mit einer Patientenverfügung zum Ankreuzen riskieren Sie, dass letztlich Bevollmächtigte oder Betreuer über Ihren Willen mutmaßen müssen und eventuell die falsche Entscheidung treffen.
  • Es gibt kostenlose Formulare, die die Anforderungen an eine rechtssichere Patientenverfügung erfüllen – so auch bei Afilio.

Häufig gestellte Fragen

Kann man eine Patientenverfügung selbst erstellen?

Jeder volljährige, einwilligungsfähige Bürger kann eine Patientenverfügung selbst erstellen. Vorgeschrieben ist die Schriftform, zudem muss das Dokument eigenhändig unterschrieben sein. Ob Sie die Patientenverfügung handschriftlich verfassen oder sie am Computer erstellen, bleibt Ihnen überlassen.

Wie viel kostet eine Patientenverfügung?

Eine Patientenverfügung können Sie prinzipiell kostenfrei erstellen, denn Sie benötigen im Grunde genommen nur ein Blatt Papier, auf dem Sie Ihre Behandlungswünsche schriftlich festhalten – sobald Sie das Dokument unterschreiben, ist es rechtsgültig. Allerdings lohnt es sich, ein wenig Geld zu investieren, damit Ihre Patientenverfügung rechtssicher und im Ernstfall schnell auffindbar ist. In unserem Überblick über die Kosten der Patientenverfügung erfahren Sie mehr.

Ähnliche Artikel