Pflege­grad 3 – Diese Leistungen stehen Ihnen zu

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von Sarah Lange
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21.08.2019 (aktualisiert: 16.02.2021)
Pflegegrad 3 – Diese Leistungen stehen Ihnen zuPflegegrad 3 – Diese Leistungen stehen Ihnen zu
Das Wichtigste in Kürze:
  • Pflege­bedürftige werden in den Pflege­grad 3 eingeordnet, wenn sie zwischen 47,5 und unter 70 Punkten erreicht haben.
  • Sie haben abhängig vom Pflege­modell (durch Angehörige, ambulant oder vollstationär) unterschiedliche Ansprüche auf Pflege­geld und Pflege­sachleistungen.

Pflege­grad 3 - Schwere Beeinträchtigung der Selbständigkeit

Der Pflege­grad 3 ist die dritte Leistungsstufe der sozialen Pflege­versicherung zur Inanspruchnahme von Pflege­leistungen. Ihn erhalten Menschen mit schwerer Beeinträchtigung der Selbstständigkeit, die mit Hilfe des Neuen Begutachtungs­assessments (NBA) vom Medizinischen Dienst der Kranken­kasssen (MDK) festgestellt wurde. Betroffene, die vor dem Jahr 2017 bereits Pflege­stufe 1 mit eingeschränkter Alltagskompetenz hatten (etwa bei Demenz), wurden seither in den neuen Pflege­grad 3 überführt. Gleiches gilt für Pflege­bedürftige, die früher Pflege­stufe 2 geltend machen konnten, erhalten heute Leistungen nach Pflege­grad 3.

Im Folgenden erfahren Sie, welche Voraussetzungen zur Anerkennung vom Pflege­grad 3 gelten, auf welche Leistungen Personen mit Pflege­grad 3 Anspruch haben, wie Sie einen Pflege­grad beantragen und wie Sie sich optimal für die MDK-Begutachtung vorbereiten.

Wer bekommt Pflege­grad 3?

Pflegegrad 3 Punkte im Neuen Begutachtungsassessment (NBA)
Neues Begutachtungs­assessment: Zwischen 47,5 und 70 Punkte sind für die Anerkennung von Pflege­grad 3 notwendig.

Auch für die Anerkennung von Pflege­grad 3 ist eine Begutachtung durch MDK oder MEDICPROOF (bei privat Versicherten) notwendige Voraussetzung, um festzustellen, dass alle notwendigen Bedingungen zur Feststellung Pflege­bedürftigkeit erfüllt sind. Im Rahmen dieser Begutachtung untersucht ein Gutachter vor Ort die verbliebene Selbstständigkeit des Antragstellers im Rahmen des sog. Neuen Begutachtungs­assessments (NBA). Dabei wird die Teilhabefähigkeit, bzw. Selbständigkeit des Antragsstellers in sechs unterschiedlichen Bereichen beurteilt in mit Punkten eingeordnet. Je mehr Punkte vergeben werden, desto höher ist die Pflege­bedürftigkeit des Antragsstellers, und umso höher fällt auch sein Pflege­grad aus: Pflege­grad 3 erfasst Menschen mit schwerer Beeinträchtigung der Selbstständigkeit und liegt auf der Skala zwischen 47,5 und 70 von 100 möglichen Punkten im NBA. Erfahren Sie bei uns, wie Sie sich auf die MDK-Begutachtung vorbereiten.

Diese Aspekte werden begutachtet

  • Mobilität
  • Kognitive und Kommunikative Fähigkeiten
  • Verhalten und psychische Gesundheit Selbstversorgung im Alltag
  • Umgang mit krankheitsbedingten und kurativen Belastungen
  • Gestaltung des Alltags und der sozialen Kontakte

Alle Bereiche fließen mit unterschiedlicher Gewichtung in die Beurteilung ein: Während die kognitiven und kommunikativen Fähigkeiten mit 7,5 Prozent gewichtet werden, während der Umgang mit den krankheitsbedingten Belastungen mit 20 Prozent und die Fähigkeit zur Selbstversorgung mit 40 Prozent berücksichtigt werden. Ergibt sich im Rahmen des NBA ein Gesamtpunktwert zwischen 90 und 100 Punkten, dann wird der Betroffene Pflege­grad 5 zugeordnet.

Pflegegrade Prüfverfahren
Begutachtungskriterien NBA Pflege­bedürftigkeit

Leistungen bei Pflege­grad 3 im Überblick

Versicherte mit Pflege­grad 3, die zuhause von Ihren Angehörigen gepflegt werden, haben Anspruch auf Pflege­geld in Höhe von 545€ monatlich oder Pflege­sachleistungen i.H.v. 1298€ für die Betreuung durch einen ambulanten Pflege­dienst. Wird die Versorgung sowohl von Angehörigen als auch von einem professionellen Pflege­dienst übernommen, können im Rahmen der Kombinationsleistungen auch Pflege­geld und Sachleistungen parallel in anteiliger Gewichtung in Anspruch genommen werden.

Pflege­grad 1

Pflege­grad 2

Pflege­grad 3

Pflege­grad 4

Pflege­grad 5

Pflege­geld

0 €

316 €

545 €

728 €

901 €

Pflege­sachleistungen

0 €

689 €

1298 €

1612 €

1995 €

Tagespflege und Nachtpflege

0 €

689 €

1298 €

1612 €

1995 €

Entlastungs­betrag

125 €

125 €

125 €

125 €

125 €

Stationäre Pflege

125 €

770 €

1262 €

1775 €

2005 €

Entlastungs­betrag

Darüber hinaus erhalten Versicherte einen Entlastungs­betrag von monatlich 125 Euro für Betreuungs- und Pflege­leistungen z.B. für eine Betreuungsgruppe für leicht Pflege­bedürftige zur körperlichen und geistigen Förderung, Besuchsdienste, Alltagsbegleiter oder Einkaufs- und Haushaltshilfen, die Hilfe beim Putzen der Wohnung oder leichter Gartenarbeit leisten.

Leistungen zur Kurzzeitpflege

Wird nach einem Kranken­hausaufenthalt eine professionelle Kurzzeitpflege in einem Pflege­heim nötig, zahlen Pflege­kassen bis zu 1612 Euro für einen Aufenthalt von höchstens 28 Tagen. Sollte im laufenden Jahr keine Verhinderungs­pflege durch einen Pflege­dienst bei Krankheit oder Urlaub von Angehörigen in Anspruch genommen werden, kann der Zuschuss für eine Kurzzeitpflege auf 3224 Euro für bis zu acht Wochen im Jahr erhöht werden. Während der Kurzzeitpflege haben Versicherte zusätzlich Anspruch auf die Hälfte des Pflege­geldes, bei 545 Euro also 272,50 Euro im Monat.

Mittel für Verhinderungs­pflege

Sind pflegende Angehörige oder Freunde aufgrund von Krankheit oder Urlaub verhindert, können dafür Mittel von bis zu 1612 Euro für maximal vier Wochen im Jahr genutzt werden. Wenn im laufenden Jahr keine Kurzzeitpflege in Anspruch genommen wird, ist eine Verlängerung der Verhinderungs­pflege auf bis zu sechs Wochen mit einem Zuschuss von 2418 Euro möglich. Auch während der Verhinderungs­pflege erhalten Versicherte die Hälfte des Pflege­geldes, also wiederum 272,50 Euro.

Tagespflege bei Pflege­grad 3

Für die Betreuung in einer teilstationären Einrichtung, einer sogenannten Tagespflege, zahlt die Pflege­kasse bis zu 1298 Euro.

Beratung und Pflege­kurse für Angehörige

Wer pflegebedürftig ist, hat Anspruch auf fachliche Beratung zur optimalen pflegerischen Versorgung. Das Gleiche gilt auch für den altersadäquaten und den eigenen Fähigkeiten entsprechenden Wohnraumumbau. Auch ein passendes Kursangebot für Ehrenamtliche und pflegende Familienangehörige steht Pflege­bedürftigen zu. Hinzu kommen notwendige und regelmäßige Besuche durch geschulte Pflege­kräfte.

Zusätzliche Leistungen bei häuslicher Pflege

  • Zuschuss zur Wohnraum­anpassung
    Für eventuelle Umbauten barrierefreies Wohnen ermöglichen, können maßnahmenbezogen bis zu 4.000 Euro in Anspruch genommen werden. Dazu gehört beispielsweise der Einbau eines Treppenlifts oder der Umbau des Badezimmers. Bei steigender Pflege­bedürftigkeit ist es möglich, den Zuschuss erneut zu beantragen.
  • Medizinische Hilfsmittel und Pflege­hilfsmittel
    Auch Pflege­bedürftige mit Pflege­grad 3 haben Anspruch auf Zuschüsse für Pflege­hilfsmittel oder medizinische Hilfsmittel (z.B. ein Hausnotruf) und eine Pauschale für den Kauf zum Verbrauch bestimmter Hilfsmittel in Höhe von monatlich 40 Euro, die häufig in Form einer Pflege­box bewilligt werden. Wie alle Pflege­bedürftigen haben sie zudem Anrecht auf regelmäßige Beratung zur Verbesserung ihrer Lebensqualität, die von der Pflege­kasse bezahlt wird. Darüber hinaus steht Angehörigen und ehrenamtlichen Pflege­personen ein kostenloser Pflege­kurs zu.
  • Förderung für Bewohner von Wohngruppen oder WGs
    Auch Betroffene in ambulant betreuten Wohngruppen oder sog. Senioren-WGs erhalten Pflege­leistungen zur Wohnraum­anpassung, wenn bis zu vier Versicherte mit Pflege­grad gemeinsam in einer Wohneinheit untergebracht sind. Des Weiteren steht allen vier Bewohnern jeweils ein einmaliger Einrichtungs­zuschuss von 4.000 Euro zu, außerdem ein monatlicher Zuschuss für eine Haushaltskraft in Höhe von jeweils 214 Euro. Außerdem erhalten sie einen einmaligen WG-Gründungs­zuschuss in Höhe von 2.500 Euro. Da die notwendigen Gesamtkosten jedoch häufig deutlich höher sind, ist zur vollständigen Abdeckung der Abschluss einer privaten Pflege­zusatz­versicherung sinnvoll.

Leistungen bei vollstationärer Pflege

Kosten für einen Platz im Pflege­heim schlagen Stand 2019 mit 2700 bis 3000 Euro im Monat zu Buche. Die Pflege­kasse übernimmt bei Versicherten mit Pflege­grad 3 im Monat 1262 Euro für Pflege­heimkosten. Pflege­bedürftige müssen durchschnittlich noch 1500 Euro im Monat aus eigener Tasche bezahlen. Mit der Überführung der Pflege­stufen in die fünf Pflege­grade wurde dafür Sorge getragen, dass sich der pflegebedingte Eigenanteil nicht mit steigendem Pflege­bedarf erhöht, sondern konstant hoch bleibt. Dieser sogenannte "einrichtungseinheitliche Eigenanteil" ist nicht der komplette monatliche Eigenanteil, sondern deckt nur die pflegebedingten Kosten ab. Kosten für Unterkunft, Verpflegung und anteilige Investitionskosten variieren. Diese müssen die Bewohner selbst tragen. Informieren Sie sich jetzt über eine private Pflege­versicherung bei Afilio, um Ihre persönliche Pflege­lücke zu schließen.

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