Pflege­grad 4 – Diese Leistungen stehen Ihnen zu

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von Johannes Kuhnert
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16.09.2019 (aktualisiert: 17.02.2021)
Pflegegrad 4 – Diese Leistungen stehen Ihnen zuPflegegrad 4 – Diese Leistungen stehen Ihnen zu
Das Wichtigste in Kürze:

Pflege­grad 4 ist der vierte und zweithöchste Grad im Einordnungssystem der Pflege­kassen zur Bestimmung von Pflege­bedürftigkeit.

  • Pflege­bedürftige, die im NBA zwischen 70 und 90 Punkten erreichen, erhalten Pflege­leistungen nach Pflege­grad 4.
  • Mit Pflege­grad 4 haben Betroffene Anspruch auf Pflege­geld, Pflege­sachleistungen und eine zusätzliche Entlastungsleistung in Höhe von 125 Euro im Monat.
  • Darüber hinaus besteht außerdem Anspruch auf Zuschüsse und Pflege­hilfsmittel.

Was ist Pflege­grad 4?

Pflege­grad 4 ist der vierte und damit bereits zweithöchste Grad im aktuellen Einordnungssystem der Pflege­kassen zur Bestimmung der Pflege­bedürftigkeit. Pflege­grad 4 erhalten Betroffene, die eine "schwerste Beeinträchtigung der Selbständigkeit" geltend machen können. Sie können bei häuslicher Pflege durch Angehörige Pflege­leistungen wie Pflege­geld oder Pflege­sacheistungen in Anspruch nehmen, außerdem Zuwendungen zur Unterbringung für die stationärer Pflege in einem Pflege­heim. Pflege­grad 4 wurde auch auf Personen übertragen, die vor dem 1.1.2017 Pflege­stufe 3 oder Pflege­stufe 2 mit eingeschränkter Alltagskompetenz gelten machen konnten. Welche Voraussetzungen gelten, um Pflege­grad 4 beanspruchen zu können, und welche Leistungen dafür in Anspruch genommen werden können, klären wir im folgenden.

Wer erhält Pflege­grad 4?

Pflege­grad 4 hat -wie bereits erwähnt- schwerste Beeinträch­tigungen der Selbständigkeit zur Voraussetzung. Wer einen Neuantrag auf Pflege­grad oder einen Folgeantrag zur Erhöhung seines bestehenden Pflege­grads stellt, wird zunächst auf auf Grundlage des Neuen Begutachtungs­assessments (NBA) durch einen Mitarbeiter des MDK begutachtet. Liegt Pflege­bedürftigkeit vor, wird der Betroffene in einen der fünf Pflege­grade eingestuft.
Bei der Einstufung werden sechs Bereiche des alltäglichen Lebens überprüft und mit Punkten bewertet, um die Selbstständigkeit des Antragstellers zu bewerten: Je höher die Punktzahl, desto höher die vorliegende Pflege­bedürftigkeit und damit letztlich auch der notwendige Pflege­grad. Wer mit einem Wert zwischen 70 und 90 Punkten beurteilt wird, erhält Pflege­grad 4. Betroffene, die vor dem 1. Januar 2017 in eine der alten Pflege­stufen eingestuft waren, wurden in Pflege­grad 4 überführt, wenn zuvor Pflege­stufe 3 oder Pflege­stufe 2 mit eingeschränkter Alltagskompetenz vorlag. Erfahren Sie bei uns, wie Sie einen Pflege­grad beantragen und wie Sie sich optimal für die MDK-Begutachtung vorbereiten.

NBA: Pflegegrad 4 und Punkte
Punktsystem zur Zuordnung. Auch im Pflege­grad 4 gilt: Je mehr Punkte einem Betroffenen zugeordnet werden, desto höher der zuerkannte Pflege­grad.

Diese Aspekte werden durch den MDK begutachtet

  1. Mobilität: Wie selbständig kann sich der Begutachtete noch in seinem gewohnten Umfeld bewegen?
  2. Kognitive und kommunikative Fähigkeiten: Ist der Antragsteller zeitlich und räumlich richtig orientiert? Kann er Entscheidungen treffen und sich seinem eigenen Bedarf entsprechend mitteilen?
  3. Verhaltensweisen und psychische Beeinträch­tigungen: Leidet der Antragsteller zeitweise oder dauerhaft unter Ängsten oder depressiven Verstimmungen? Gibt es Verhaltensauffälligkeiten?
  4. Selbstversorgung: Kann sich der Versicherte waschen? Ist er in der Lage, sich selbst an- und auszukleiden?
  5. Umgang mit krankheits-/ therapiebedingten Anforderungen: In welchem Umfang benötigt der Betroffene Hilfe im Zusammenhang mit Krankheit und Behandlung, zum Beispiel bei Einnahme von Medikamenten?
  6. Gestaltung des Alltagslebens und soziale Kontakte: Ist der Betroffene in der Lage, seinen eigenen Tagesablauf zu planen? Unterhält er wiederkehrend soziale Kontakte?

Nicht alle Bereiche werden gleich gewichtet: So zählen kognitive und kommunikative Fähigkeiten mit nur 7,5 Prozent bei der Gesamtbeurteilung, der Umgang mit den krankheitsbedingten Belastungen hingegen wird mit 20 Prozent gewertet, die Fähigkeit zur Selbstversorgung schlägt mit 40 Prozent zu Buche. Ergibt sich im Rahmen des NBA ein Gesamtpunktwert zwischen 70 und 90 Punkten, dann wird dem Betroffenen Pflege­grad 4 zugesprochen.

NBA: Gewichtung der Punkte zur Feststellung der Selbständigkeit
Nicht alle Bereiche werden auf die gleiche Weise gewichtet. Maßgeblich für die Einstufung ist in erster Linie die Fähigkeit zur Selbstversorgung, aber auch der Umgang mit der eigenen Situation ist großer Bedeutung.

Leistungen bei Pflege­grad 4 im Überblick

Wer Leistungen nach Pflege­grad 4 in Anspruch nehmen kann, kann Pflege­geld oder Pflege­sachleistungen beantragen, wenn die Pflege im häuslichen Umfeld von pflegenden Angehörigen oder einem ambulanten Pflege­dienst erbracht wird. Aber auch Leistungen zur stationären Pflege im Pflege­heim stehen Betroffenen dieser Kategorie zu. Darüber hinaus sind zusätzlich Mittel für Betreuungs- und Entlastungsleistungen vorgesehen, außerdem Gelder für Kurzzeitpflege und Verhinderungs­pflege für alle Fälle, in denen die regulär zuhause geleistete Pflege temporär nicht umsetzbar ist. Neben der Unterstützung für Tages- und Nachtpflege, ist außerdem Hilfe zur Wohnraum­anpassung genauso bentragbar wie der Pauschbetrag für Pflege­hilfsmittel, außerdem können ggf. Fördermittel für Pflege­bedürftige in Anspruch genommen werden, die in betreuten Wohngemeinschaften leben.

Pflege­grad 1

Pflege­grad 2

Pflege­grad 3

Pflege­grad 4

Pflege­grad 5

Pflege­geld

0 €

316 €

545 €

728 €

901 €

Pflege­sachleistungen

0 €

689 €

1298 €

1612 €

1995 €

Tagespflege und Nachtpflege

0 €

689 €

1298 €

1612 €

1995 €

Entlastungs­betrag

125 €

125 €

125 €

125 €

125 €

Stationäre Pflege

125 €

770 €

1262 €

1775 €

2005 €

Pflege­geld und Pflege­sachleistungen

Versicherte mit Pflege­grad 4 haben bei häuslicher Pflege Anspruch auf Pflege­geld in Höhe von 728 Euro pro Monat. Es besteht außerdem ein Anrecht auf Pflege­sachleistungen bis zu einer Höhe von 1612 Euro monatlich, wenn ein Pflege­dienst die alltägliche Unterstützung leistet.

Monatlicher Entlastungs­betrag

Um Pflege­bedürftigen den Alltag so angenehm und unkompliziert wie möglich zu gestalten und gleichzeitig dafür zu sorgen, dass pflegende Angehörige kurzzeitige Auszeiten von ihrer anspruchsvollen Pflege­tätigkeit nehmen können, haben Versicherte mit Pflege­grad 4 Anspruch auf den monatlichen Entlastungs­betrag in Höhe von 125 Euro. Der Betrag ist gedacht für:

  • die Teilnahme an einer Betreuungsgruppe für Hilfsbedürftige, die geistige und körperliche Aktivität fördern soll,
  • die Beschäftigung eines Alltagsbegleiters oder einer Einkaufshilfe sowie
  • die Beschäftigung einer Haushaltshilfe, die beim Putzen der Wohnräume behilflich ist.

Mittel für die Kurzzeitpflege

Besonders nach einem Kranken­hausaufenthalt kann es notwendig sein, Kurzzeitpflege durch professionelle Pflege­kräfte einzusetzen. Die Pflege­kasse be­zuschusst Kurzzeitpflege für eine Dauer von bis zu 28 Tagen im Jahr mit maximal 1612 Euro. Allerdings können Pflege­bedürftige, die Zeit der Kurzzeitpflege auf bis zu acht Wochen erhöhen und dann bis zu 3224 Euro in Anspruch nehmen, falls im laufenden Jahr keine Verhinderungs­pflege genutzt wird. Zusätzlich erhalten Menschen mit Pflege­grad 4 während der Kurzzeitpflege noch die Hälfte ihres Pflege­geldes von 728 Euro, sprich 346 Euro.

Mittel für Verhinderungs­pflege

Wenn Angehörige oder Bekannte, die die Pflege im Normalfall übernehmen, krank werden oder Erholungsurlaub benötigen, kann Verhinderungs­pflege durch professionelle Pflege­kräfte in Anspruch genommen werden. Dafür können Versicherte bis zu 1612 Euro für maximal 4 Wochen im Jahr erhalten. Genau wie bei der Kurzzeitpflege kann die Verhinderungs­pflege auf bis zu sechs Wochen verlängert werden, wenn im laufenden Jahr keine Kurzzeitpflege in Anspruch genommen wird. Der Zuschuss beträgt in diesem Fall höchstens 2418 Euro. Auch neben der Verhinderungs­pflege erhalten Versicherte noch die Hälfte ihres Pflege­geldes, also 346 Euro.

Zuschüsse für die Tagespflege und Nachtpflege

Zusätzlich zum Pflege­geld wird eine Tagespflege oder Nachtpflege monatlich mit 1612 Euro von der Pflege­kasse be­zuschusst.

Pflege­hilfsmittel und medizinische Hilfsmittel

Die Pflege­kassen be­zuschussen den Kauf zum Verbrauch bestimmter Pflege­hilfsmittel mit einem monatlichen Betrag von 40 Euro. Darunter zählen beispielsweise Einmalhandschuhe, Schutzschürzen und Desinfektionsmittel. Seit einigen Jahren bieten einige Firmen sogenannte Pflege­boxen an, die sich Kunden individuell zusammenstellen können. Die Beantragung der Pflege­mittel bei der Pflege­kasse und die Abwicklung wird von den Firmen übernommen, die die Pflege­mittel einmal pro Monat bis an die Haustür liefern. Weitere Informationen zur Pflege­box erhalten Sie in unserem Überblicksartikel Pflege­hilfsmittel per Pflege­box - Unterstützung für Zuhause.

Darüber hinaus werden auch technische Hilfsmittel, z.B. ein Hausnotruf, be­zuschusst. Die Anschlussgebühr wird monatlich mit 10,46 Euro und der Betrieb mit 18,36 Euro pro Monat subventioniert. Eine Übersicht über weitere Pflege­sachleistungen und Pflege­hilfsmittel bietet das Hilfsmittel­verzeichnis des Bundes der Gesetzlichen Kranken­versicherungen.

Zusätzliche Leistungen bei häuslicher Pflege

  • Zuschuss zur Wohnraum­anpassung
    Für eventuelle Umbauten barrierefreies Wohnen ermöglichen, können maßnahmenbezogen bis zu 4.000 Euro in Anspruch genommen werden. Dazu gehört beispielsweise der Einbau eines Treppenlifts oder der Umbau des Badezimmers. Bei steigender Pflege­bedürftigkeit ist es möglich, den Zuschuss erneut zu beantragen.
  • Medizinische Hilfsmittel und Pflege­hilfsmittel
    Auch Pflege­bedürftige mit Pflege­grad 4 haben Anspruch auf Zuschüsse für Pflege­hilfsmittel oder medizinische Hilfsmittel und eine Pauschale für den Kauf zum Verbrauch bestimmter Hilfsmittel in Höhe von monatlich 40 Euro, die häufig in Form einer Pflege­box bewilligt werden. Wie alle Pflege­bedürftigen haben sie zudem Anrecht auf regelmäßige Beratung zur Verbesserung ihrer Lebensqualität, die von der Pflege­kasse bezahlt wird. Darüber hinaus steht Angehörigen und ehrenamtlichen Pflege­personen ein kostenloser Pflege­kurs zu.
  • Förderung für Bewohner von Wohngruppen oder WGs
    Auch Betroffene in ambulant betreuten Wohngruppen oder sog. Senioren-WGs erhalten Pflege­leistungen zur Wohnraum­anpassung, wenn bis zu vier Versicherte mit Pflege­grad gemeinsam in einer Wohneinheit untergebracht sind. Des Weiteren steht allen vier Bewohnern jeweils ein einmaliger Einrichtungs­zuschuss von 4.000 Euro zu, außerdem ein monatlicher Zuschuss für eine Haushaltskraft in Höhe von jeweils 214 Euro. Außerdem erhalten sie einen einmaligen WG-Gründungs­zuschuss in Höhe von 2.500 Euro. Da die notwendigen Gesamtkosten jedoch häufig deutlich höher sind, ist zur vollständigen Abdeckung der Abschluss einer privaten Pflege­zusatz­versicherung sinnvoll.

Pflege­pauschbetrag für Angehörige

Pflege­nde Angehörige, die keine Leistungen für die Pflege erhalten, können den jährlichen Pflege­pauschbetrag steuerlich geltend machen, wenn sie Betroffene mit Pflege­grad 4 oder Pflege­grad 5 unentgeltlich betreuen.

Mehr zum Pflege­pauschbetrag >>

Leistungen bei stationärer Pflege

Ein Platz in einem Pflege­heim kostet in Deutschland durchschnittlich 2700 bis 3000 Euro. Um Angehörige und Pflege­bedürftige finanziell zu entlasten, übernimmt die Pflege­versicherung bei Pflege­grad 4 1775 Euro, den Rest müssen Pflege­bedürftige selbst tragen. Zusätzlich müssen Bewohner noch einen pflegebedingten Eigenanteil zahlen. Neben dem Eigenanteil variieren die Kosten für Unterkunft und Verpflegung. Da die gesetzliche Pflege­versicherung nicht alle anfallenden Kosten in der Pflege übernimmt, müssen Pflege­bedürftige und Angehörige große Teile der Kosten selbst tragen. Eine private Pflege­zusatz­versicherung schließt Leistungslücken.

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